AchrenLach erlänkeri feit U Ltellungnahme
Gegenüber der Erklärcrng der Reichsleitung auf meine Berufung des Reichstages im Zusammenhang mit Presseäußerungen habe ich nur das Bedürfnis folgendes sestzustellen:
1) ES ist falsch, von der Absicht einer Gegenrevolution oder von Schmierigkeiten zu sprechen, die ich der Negierung machen wolle. Es handelt sich für mich nur um die Schaffung der Voraussetzungen für den baldigsten Abschluß eines Vorfriedens. Herr Ebert ist über meine Ansichten und die Ueberein- stimmung der Parteiführer mit diesen von mir loyal unterrichtet worden.
2) Voraussetzung meiner tatsächlichen Berufung des Reichstags durch Bestimmung von Ort und Zeit ist die zweifelsfreie Feststellung der Tatsache, daß die jetzigen Gewalten in Deutschland von unseren Feinden nicht anerkannt werden. Diesen Zeitpuntt, der nach den Zeitungsnachrichten vom Tage zuvor unmittelbar bevorstehen sollte, wollte ich aus einer einleuchtenden Erwägung heraus nicht abwarten^ Ich durfte es auch nicht angesichts der ungezählten Zuschriften und Telegramme, welche die Berufung des Reichstages forderten, und namentlich angesichts der Notschreie aus Koblenz. Die Annahme, daß die Entente erst durch mich auf den Gedanken kommen könnte, es fehle an einer verhandlungsfähigen Regierung, ist durch die vorausgegangenen Erörterungen in der feindlichen Presse widerlegt.
3) Die Folgen meiner Pflichterfüllung verantworte ich mit ruhigem Gewissen. Ich warte das pflichtmäßige Handeln der Negierung ab, wenn sich die Voraussetzung meiner Kundgebung erfüllt.
gez. Fehrenbach, Präsident des Reichstags.
Gelogen wie gedruckt.
Die unabhängige „Freiheit" hatte, um den Schritt des Reichstagspräsidenten Fehrenbach zu diskreditieren, behauptet, der Plan dazu sei bereits am 21. November bei einer Unterredung zwischen Eitel Friedrich, der Kaiserin, dem Admiral Hintze und Fehrenbach festgelegt worden. Hierzu stellt der Reichstagspräsident nunmehr fest, daß er weder die Kaiserin noch den Prinzen Eitel Friedrich je gesprochen habe und die Meldung der „Freiheit" „absolut aus den Fingern gesogen" sei. Ter Vorgang ist bezeichnend für die absolute Skrupellosigkeit, mit der die Linke ihre Hetze betreibt.
Keine Anerkennung der Soldatenräte.
Der Arbeiter- und Soldatenrat in Kreuznach hat in Trier angefragt, ob für die vom Feinde besetzten Geblete ungehinderte Ausreise- und Rückkehrsmöglichkeiten der Delegierten gewährleistet wird, die zu der Berliner Tagung der Arbeiter- und Soldatenräte am Id. Dezember entsendet- werden sollen. Diese Frage wurde von der deutschen Wassenstillstandskommission pflichtgemäß an die Oberste Heeresleitung der Alliierten weitergegeben. Marschall Foch hat darauf die lakonische Antwort erteilt: „Die alliierten Mächte ernennen die Arbeiter- und Soldatenräte nicht an."
Tie Engländer lehnen Verhandlungen mit den Räten ab.
Don verschiedenen Seiten war mitgeteilt worden, daß bei den Verhandlungen in Wilhelmshaven über die Uebergabe der deutschen Schiffe Vertreter der Soldatenräte mitgewirkt hätten.
Diese Mitteilungen sind, wie von zuständiger Sette erklärt wird, falsch. Es sind wohl Mitglieder der Soldatenräte auf den Schiffen anwesend gewesen, die englischen. Offiziere haben aber von ihnen keine Notiz genommen, viel weniger noch haben sie mit ihnen verhandelt. Der englische Admiral hat ausdrücklich die Mitwirkung der Soldatenräte bei der Uebergabe der Schiffe abgelehnt; er hat auch danach gefragt, ob Mitglieder der Soldatenräte anwesend seien. Tie Soldatenräte haben lediglich auf den Schiffen den Polizeidienst ausgeübt.
ES durften nach den Forderungen der Engländer während der Verhandlungen keine Mannschaften an Borb der Schiffe sein. Gleichwohl waren Mannschaf- tcn an Bord gekommen. Der englische Admiral hat daraufhin erklärt, daß er im Wiederholungsfälle die Verhandlungen abbrechen müsse.
Ein Meerausgang für Elsaß-Lothringen.
Die französische Presse beschäftigt sich lebhaft mit der Frage eines Ausganges nach dem Meer für Elsaß-Lothringen. Es sei, so wird gesagt, die erste Pflicht
Teilnehmer an der Friedenskonferenz, einen solchen Ausgang für Elsaß-Lothringen zu schaffen. Die französische Flagge müsse vom Rhein bis zum Meere wehen Weiter wird man den Handelsverkehr, der jetzt ausschließlich nach Rotterdam und Antwerpen geht, nach einem französischen Hasen abzuleiten versuchen.
0 Tie Engländer drohen mit der Besetzung Helgolands. Der englische Admiral hat bei den Ver- yandlungen mit den deutschen Ofjizieren und Beamten m Wilhelmshaven nochmals darauf hingewiesen, daß die Engländer sich das Recht, Helgoland zu besetzen, Vorbehalten müßten, falls die Bedingungen nicht restlos erfüllt würden.
0 Frontsoldaten verhaften Spartakus-Leute. Der Prrnaer Soldatenrat teilt mit, daß der Vorsitzende des Arbeiterrats Kimmich, sowie der frühere Rcichstagsab- geordnete Rühle in Schutzhaft genommen worden sind. Durch Verteilung von Waffen war der Verdacht ent- standen, daß ein Putsch geplant sei. Um die Einwohnerschaft vor Blutvergießen zu schützen, haben die aus dem velde heimkehreuden Soldaten diese Maßnahm-. ergriffen. Das Publikum wird vom Soldatenrat vor Ansammlungen gewarnt. Rühle ist der Führer der Spartakusgruppe in Sachsen. — Man darf wohl fragen, wann kommt Herr Liebknecht an die Reihe.
LchensMtteWse so schnell Mt möglich.
Die Entente fordert die Verhandlungen.
Staatssekretär Erzbergcr trifft Sonnabend mit den übrigen Mitgliedern der Wafftnstillstandkommission wieder ,n Berlin ein.
Tie Verhandlungen mit der Entente wegen Le- ' »»ntzmittellieferunge,, nach Deutschland wenden so rasch
al» möglich äufgenommeu. Nnsere Beriretee werden schon in wenigen Tagen abreisen. Es soll gleichzeitig 1,1 Pliri», Brüssel, Rotterdam und London verhandelt i werden. Unsere Vertreter haben in Trier den Eindruck gewonucu, daß die Entente diese neuen Verhandlungen aufs ernsteste zu fördern beabsichtigt, keinerlei Verzögerungen zu besorgen sind, vielmehr mit raschester Hilfe gerechnet werden darf.
mch M'rsschüff.
= Die letzte Woche vor dem Fest. Nun geht es mit Geschwindschritten auf die Feiertage zu, und dre heimgekehrten Feldgrauen merken, daß die KrieaS- zett an den alten Traditionen für die Weihnachts- vorbereitungen nichts ändern konnte. Das Großreinemachen ist geblieben, oder die Hausfrau hat es schon erledigt, um dem aus dem Felde kommenden Gatten fofort die volle Behaglichkeit daheim zu bieten, für Tannendaum und Kuchen wird geschafft, was möglich ist, und auch das Verstecken der Geschenke wird geübt, wenn es auch für unnötig erklärt worden war. Es ist doch so schön. Bloß der bisherige Soldat hat es etwas verlernt, jetzt erst merkt er es, wie sehr er ein ganz, ganz anderes Leben unter dem Heulen der feindlichen Geschosse so lange geführt hat. Er muß sich in vieles wieder hineinfinden, uird die Auswahl von Weihnachtsgeschenken wird ihm nicht so leicht, wie ernst. Besonders, wenn es sich um Fragen der Mode handelt. Wer hat daran gedacht? Um so mehr hat er mrt Säge und Hammer hantiert. Was darin gelernt ist. das kann für die Zurüstunq des WeihnachlsbaumeS verwertet werden. Die Kinder jubeln schon im voraus daß Vater wieder da ist. Denn . . . Mutter verstand schon längst keinen Spaß mehr. Aber jetzt hat die Freude auch ihr, der vielgeprüften, das seelische Gleichgewicht wiedergegebeu. Und das war nötig, sie ist ja doch die Hauptperson sür Weihnachten.
Äer«-
* Peinliche Vorgänge beim Empfang der Garnison Schweidnitz. Mit der neuen Ordnung ist das Artillerie-Regiment 42. daS seinen Standort in Schweidnitz hat, nicht einverstanden. Dem Umzug durch die Stadt blieben Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften fern. In einem Aufruf au die Bürger wird betont, daß sich das Regiment nach den schweren Kämpfen und Leiden vor einer roten Fahne nicht beugen wolle. Im Schlußsatz heißt es: „Die Bürgerschaft der Stadt Schweidnitz wird es deshalb verstehen und würdigen, daß ihr altes Feldartillerie-Regiment Nr. 42 der roten Fahne nicht zu huldigen vermochte und deshalb der Begrüßung fernblieb." Die Stellungnahme des Regiments hat natürlich das größte Aufsehen erregt, zumal die Kundmachung auch vom Soldatenrat dieses Regiments mit unterzeichnet ist. Angesetzte Frei-Vor- stellungen im Stadt-Theater und in den Kinos für die aus dem Felde heimkehrenden Truppen mußten unterbleiben, da die Foldaten die Vorstellungen nicht besuchten.
Vom Zuge zerstückelt. Einen schauerlichen Fund machten Bahnbeamte auf der Strecke Schweidnitz-Kö- nigszelt. Sie fanden unweit der Wege-Unterführung. die nach den Militär-Schießständen führt, den in zwei Teile zerschnittenen Leichnam einer Frau im Alter von ungefähr 40 Jahren. Da die Fundstelle auf einem hohen Damme liegt, ist nur anzunehmen, daß sich die Frau absichtlich vor einen Zug geworfen hat. Die Persönlichkeit der Selbstmörderin ist bisher noch nicht ermittelt.
* Was manchem der Krieg cinbrachte. Bei einer Frau W. in Lazisk bei Pleß wurden durch einen Gendarm 42 000 Franks beschlagnahmt. Dieses Geld in Papiernoten und zahlreichen anderen Wertpapieren hatte ihr Mann, der im Westen kämpfte, bei einem Raubzuge im Westen erbeutet. Durch einen Freund ließ W. das Geld zu seiner Frau bringen. Der Freund erhielt dafür 10 000 Franks. Die Wertpapiere wurden zunächst nach Rybnik gebracht.
* Tragischer Tod. Im Walzwerk der Laurahütte geriet der Arbeiter Pietsch zwischen die Walzmassen und erlitt hierbei derartige Quetschungen, daß er bald darauf verstarb. Erst kürzlich nach vier Jahren aus dem Kriege heimgekehrt, hinterläßt der Verstorbene eine Witwe und mehrere Kinder.
* Knoblauchswurst von Kamclfleisch wird es in den nächsten Tagen in einer Magdeburger Wurstfabrik geben. Die Firma Hat vom Zirkus Krone ein überzählig gewordenes Dromedar erworben, das, nachdem es durch einen Wurstkessel gegangen ist, wahrscheinlich ebenso munden wird, wie vor einiger Zeit der aus dem Zirkus Hagenbeck stammende Elefant.
* Oberarzt und Schreibfräulcin. Aus Kolberg wird mitgeteilt: Rach einer Verfügung des Arbeiter- und Soldatenrats bezieht im Lazarett monatlich: der Oberarzt 175 M?., der Sanitätssoldat 171 Mk., das Schreibfräulein 250 Mark, der Schreiber 171 Mark, die Reinemachefrau 160 Mark. Daß der Oberarzt rund zwölf Jahre länger für seine Ausbildung gebraucht hat, als das Schreibfräulein, scheint dem Arbeiter- und Soldatenrat in Kolberg bisher nicht zum Bewußtsein gekommen zu sein. Geht es so fort, so wird niemand mehr Zeit und Geld für eine höhere Ausbildung verwenden, und wir versinken in Barbarei. Auf dem besten Wege dazu sind wir.
* Ern jugendlicher Blaubart. In Meidling hat der 23 jährige Geschäftsdiener Wilhelm Schiroky aus Wien seine 21jährige Frau Marie erschossen und sich dann selbst der Polizei gestellt. Schiroky hat im Jahre 1914 seine Geliebte Marie Harkamp erwürgt und ist damals nach seiner Selbststellung zu drei Jahren schweren Kerkers verurteilt worden. Er hatte im Mai dieses Jahres seine Strafe abgebüßt und sich alsdann verheiratet.
** Tie Mutter vom eigene« Kind erschossen. Ein
chrecklicher Unglücksfall ereignete sich während des Durchmarsches der Truppen in einer süddeutschen Gemeinde. Ein einquartierter Soldat hatte seinen noch nicht entladenen Karabiner an die Wand gehängt. Der 9 jährige Sohn des Hauses, der sich bet dem Soldaten zu schaffen machte, nahm unversehens die Waffe von der Wand herunter und machte damit allerlei Griffe. Da krachte plötzlich ein Schuß, und im gleichen Augenblick stürzte die Mutter des unglück- lichen kleinen Schützen tödlich getroffen zu Boden. I
T Aul gedeihet nicht. Der Eisenbahn-
, beamte Wilhelm Nielebock und sein Sohn Matter aus ' Magdeburg wurden mit Säcken betroffen. Beim Na- ben des Postens ergriffen sie die Flucht. Da sie auf Zuruf des Postens nicht standen, gab dieser einen Schuß auf sie ab, wodurch Walter Nielebeck erschossen wurde. "
Deutsche Würdelosigkeiten. Aus Schönhausen ^Elbe) Imrd berichtet: Die Kriegsgefangenen des hie- >rgen Lagers wurden zum Hauptlager Altengrabow ^transportiert. Aus diesem Anlaß hatten sie ein Abschied»fest imt „Damen" veranstaltet. Hoch ging ^ er ' c. 08 .konnte man am Gesang von weitem ^ brs die Polizei erschien, um die „Damen" nach der Einlaßkarte zu fragen und sie schleunigst zm entfernen. Ungeachtet dessen wurden die „Herren" Gefangenen zur Nachtzeit mit Sang und Klang von den „Damen", es waren dieses hiesige schamlose Mädchen, nach dem Bahnhof begleitet. Alles dieses zu einer Zett, in der uns Marschall Foch schwere Bedingungen stellt.
. a. das Pfund 5 Mark. Oesterreich leidet
Lta ^ a 2! en r unter der Aushungerung fürchterlich. Aber jetzt, seit der Absperrung des Tschechenstaates, ist es erst recht schlimm geworden. Zwar ist mit der Aufhebung der Höchstpreise der Aepfelmangel geschwunden. Aber die Preise! Zuerst sah man in oer Inneren Stadt ambulante Händler mit kleinen gelben, festen Maschanzkern. Ausgehungert nach Obst, wie die Wiener jetzt schon sind, wurden die Obst- tramer umdrängt, aber die Preise stiegen sprunghaft von acht auf zehn und zwölfKronenpro Kilogramm. Da ließ der Andrang nach. Vor dem Nikolaustage blieb ab und zu eine vorübergehende Frau vor den hochgefüllten Obstkörben stehrn, dachte viel- wicht daran, ihren Kindern ein paar Aepfel in die Schuhe legen zu können, aber die Antwort auf die Frage nach dem Preise jagie sie in die Flucht. Fleckiges, angeschlagenes Fallobst namenloser Sorten, so grün, daß die Zähne bei dessen bloßem Anblick ellenlang werden, liegt in den Auslagen und trägt die Preistafel „acht Kronen per Kilogramm".
Bei der Wurst ist eS nicht besser. Bergehoch liegen Dauerwürste zu vierzig bis sechzig Hellern sür daS Dekagramm --- 10 Gramm in den Schaufenstern. Es finden sich soaar „Okkasionen in Wurstwaren, ein Dekagramm vierzig Heller, zehn Dekagramm Drei Kronen fünfzig Heller" angeschlagen.
(3D Wieder ins Zuchthaus. Eine unverbesserliche Drebin, die schon vielfach mit Zuchthaus vorbestrafte Arbeiterin Bertha Fritsch aus Weigelsdors stand wiederum vor der Strafkammer in Schweidnitz wegen eines ^ft^ruches, den sie in der Wohnung einer Frau in Zulzendorf, Kreis Nimptsch. verübt hatte. Sie ver- lchaftte sich dort unter der falschen Angabe, daß sie Arbert rn den Nrckelwerken gefunden habe, Logis, schwindelte der Frau noch für hundert Mark Kleidungsstücke ab und verschwand schließlich, nachdem sie noch aus einem Vertikow 50 Mark bares Geld ge- Pohlen hatte. Die Strafkammer verurteilte die Fritsch jetzt zu 3 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust und entsprechenden Nebenstrafen.
(D Die Trinkgcldabgabe des Zählkellners. Die Streitftage, ob es gegen die guten Sitten verstößt, wenn ern Zählkellner einen Teil seiner Trinkqelder- ernnahme an den Lokalbesitzer aogeben muß, beschäftigte das Berliner Gewerbegericht. Es handelte sich um den Zählkellner des Kaffees Bauer, der bei der Anstellung verpflichtet wurde, 4 v. H. des Inkassos an die Geschäftsleitung abzuführen. Diese Gelder wurden -zur Bezahlung der Zuträger des Kellners, also der ihm unmittelbar unterstellten Gehilfen, verwandt. Acht Monate hatte der Kläger gegen dies Verfahren reine Einwendungen erhoben, er wurde dann zum Heeresdienst eingezogen und erhob erst, als er wieder zuruckkam, Anspruch auf Rückzahlung der ihm nach einer Ansicht zu Unrecht gekürzten Gelder. Es ver- t^oße, |o führte der Kläger aus, gegen die guten Mitten, wenn ein Kaffeehausinhaber Trinkgelder, die der Kellner für seine persönlichen Dienstleistungen bekomme mit Beschlag belege und sie zur Entlohnung von Gehilfen benutze. Der Vertreter des beklagten Kaftees wandte demgegenüber ein, der Zählkellner habe rüher wohl nie an die Sittenwidrigkeit gedacht, sonst hatte er doch nicht acht Monate lang die Abgabe anstandslos bezahlt. Es sei auch nicht einzusehen, warum es gegen die guten Sitten verstoßen solle, d^uen Teil des Trinkgeldes den Gehilfen zuzuführen, we che die eigentliche Bedienung ausführten. Der Zählkellner bekomme doch nur das Trinkgeld darum in seine Hände, weil er die Zechen kassiere. Wenn man das Publikum fragen würde, wem das Trinkgeld zukommen solle, so würde sicherlich der größte Teil sich für den bedienenden Kellner und nicht für den Zählkellner entscheiden.
Das Gewerbegericht kam zur Entscheidung, daß ln diesem Falle die Trinkgeldabgabe nicht gegen die guten Sitten verstoße, der Kläger wurde deshalb abgewiesen. Eine Rückzahlung der Beträge könne er nicht verlangen.
(D Warum Thyssen und Stinnes verhaftet wurde«.
Die bisherigen Vernehmungen des Kellners Rudolph Börsch, auf dessen Denunziation hin Thyssen, StinneS und mehrere Direktoren verhaftet worden waren, haben jetzt eine völlige Aufklärung der Beweggründe, die den Kellner zu seinem Lügengewebe veranlaßt haben, noch nicht gebracht. Börsch behauptet, er habe lediglich aus Wichtigtuerei die Konferenz der Großindustriellen erfunden. Die Grundlage dafür seien Angaben gewesen, die ihm ein anderer Kellner einen Tag vorher gemacht hätte. An diesem vorhergehenden Tage sei im Hotel in Dortmund eine Zusammenkunft von Mitgliedern des Zementverbandes gewesen. Ein Kellner, der dort bediente, habe ihm nachher Mitteilungen gemacht über Gespräche, aus denen hervorgegangen sei, daß eine Losreißuug rheinischen Industriegebietes von Preußen und eine Anlehnung an Frankreich beabsichtigt sei.
Börsch hat diese Konferenz einfach auf einen Tag später verlegt, anstelle des Zementverbandes die Großindustriellen daran teilnehmen lassen und an den Arbeiter- und Soldatenrat in Mülheim dann »i« ftnfati«n*Ui Anzeige erstattet.


