Ausgabe 
11.12.1918
 
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Nr. 113.

Telephon Nr. 362.

Mittwoch dln 11. Dezember 1 *>18.

Telephon Wr. 362.

31. Jahrg.

vie Relmkebr unseres Regimen';.

W i i l fo min c n daheim ihr deutschen Brüder! Ji gedämpfter, aber aus mit tiefste: Dankba keit er­fülltem Herzen quell udcc Freude empfängt die H.im,t das U'Nbssisgte Heer von Hilden, die in langen, schweren Jahren beispiellosen Duld'ns und Vollbringens die Heimit und unser aller Leien mit ih en Leibern gedeckt habtn und Ni n heimkeheen zur friedlichen Arbeit. K-in Dank ist groß genug sich sie. und ihre Leistung hätte verdient, daß sie a'S ee folggckörnte Sieger >m jubelnden Tciumphzng in die Heimat etngecückt mären. Aber wir können keine laute Freude äußern; schwer lastet das Unglück unser.eS deutschen Vaterland's auf uns allm. Dcc Sieg blieb uns versagt; ab.r nur von der roh n Gewalt der materiellen Uebecmacht, nicht von einem unter gleichen Bedingungen kämpfenden Gegner seid ihr, sind wir alle überwältigt worden. JA habt einen guten Kampf gekämpft; rein und unbefleckt btlngt ihr eure ruhmbedeckten Waffen zurück; ihr könnt in hohen Ehren bestehen vor der ganzen Welt und vor der Hetma., zu deren Schutz ihr auszogt.

Urbeiten oder wir geben rugrunge!

Der Staatssekretär dis Rerchödrmobilmachunfltzam tcs Kocth eiflüik einem Vertreter desVorwärts":

Es scheint, daß die ntciflcn von uns sich den furcht- baren Ernst uns rer mutschaltiichen Lage noch nicht hu, reichend kiacmochen. Wir wandeln au Abgründen, die uns lräglich za vuschlingest drohe.-, und nur größtes, Psttchtbewuiilscin, siärkste Arb itsanspanuung. 'elseine Disziplin alles können das Volk retten. Gelingt es uns nicht, der Vocksgcsumtheir Nahrung, Licht,.me, Unterkunft, Klebung zu sichern, sie trotz d?r ungeh.urst erschwerenden Verhältnisse überall oh.ie Unterbrechung mtt dem zu versorgen, was sie dringend zum Leben braucht, dünn sind wir verloren, dann haben wir zuerst Hunger, Anarchie, Bürgerkrieg, Zerfall dcS Reiches und nachher die I »Vision rücksichtsloser Feinde.

Jeder Mann muß wissen, daß ec jetzt ganz Person- lich dle Mitvecuntwo tung t-.ägt für Sein oder Nicht sein unseres Volkes und tn erster Llni? auch seiner selbst.

Vor allem muß jeder arbeiten, sonst gehen wir zugrunde. In der 'etzteu Zeit ist vielfach die Arbeitsleistung gesunken. Das ist im Angesicht der ungeheuren Ereignisse begreiflich, aber wir können es uns einfach nicht leisten. Jeder muß sich aus Erre­gung, Ablenkung oder Unlust hecausreißen und uner­müdlich seine Pflicht tun. Wennz. B. eist Arbeiter, der Rohstoffe, Halbfabc'kate oder Nahrungsmittel erzeugt oder Transporte bewegt, nicht mithilft, dann kann das bedeuten, daß an anderen Stellen Voks- und Arbeits genossen blvtloswecden, hange» n, frieren Es müssen auch jetzt Arbeitseinstellungen unbedingt vermiedet» wer­den; jeder Streikkann uns unmittelbar in die Kata­strophe hineintretbrn. Wenn wir keine Kohle uuhc haben, weil die Kohlena.beiter streik:», liegen die B.- triebe still, inht der Eisenbahnverk hr, können w!r keine Lebensmittel und kein: Heizstoffe mhc befördern. Das wäre das Ende, wäre der Tod für die Volksgemeinschaft und für zahllose einzelne Bolsgenosstn. Es wird jetzt auch nicht gestreikt werden müssen, denn die Vertretungen d?c Arbeiter sind heute stark genug, um jede wirtschaft-- lich überhaupt mögliche Forderung durchzusetzen.

Aus jeden kommt cs heute an; jeder kann Mitwirken, das Bock zu retten, oder kann dazu veitra. en, es in unjäglichcL Elend hinabz». stoßen Ich glaube au die deutschen Arbeiter, ich glaube, daß sie besonnen, pfl-cht treu und unermüdlich 'ans der Not von heute dem Volk-.' zu einer besseren Zukunft helfen werden.

völketung -us,immens tzte. Der Ministerpräsident sp ach einleitend der hessisch: n Beamtensch 's! seine Anerkennung aus. daß sie ihrer Pflicht dem V.iterlande gegenüber durch ihr ir-ues AuLharrei ans ihrrm Porten treu ge- blreben sei. Er skizzierte sodann den militärisch politischen Zus mmenb uch Deutschlands und den verhältnismäßig ruhigen Verlaus der R v cknUon. Ais ec am Rcvokm tionstag ins Schloß gensi.n tmubc, habe er dem vor- Margen Groß Herzog sofort erklär, tr en u Blutvergießen Verhindert ivelden solle dann niüsse dcc Großhe-zog freiwillig obdi:nken. Leider hibe der vormalige Groß- Herzog, dessen tragischem Geschick ais Mensch nran nicht die Achtung versagen dürfe, anders entschieden. Daß dennoch Blutv.rgikßen veehindert Word n fei, sei der aneikennenswerten, opfer breiten Arbeit der Arbeiter- und Sol'dalenräle zu verdanken. Nach dem schmäh ichen Verhalten seiner Träger s<t der monarchische Gedanke in Deutschland erledigt. Für die ordnungsmäßige Durch- sührgng des Rückmarsches dec Feldsoldaten gebühre diesen wie ihren Oisizieren, auch Hindenbucg dcr Dank des Vaterlandes. Erst wenn die Nationalversammlung, für d:e Utls technisch, n Gründen leider ein früh-rer Ter- tnin sich nicht habe anbelaumen lassen, gebildet ist, wird die Frag, der Soztalisiernrig der dazu geeigneten Groß betriebe er.vogrn werden können. Die Fideikommisse müssen anderst).ltig nutzbar gemacht werden. Die hes fische Regte rune, wird oafüe eine Kommision cinsetzen, ebenso wie für die Frage der Zivilltste nnb der damit Zusammen hängenden Ueberfüheang der Domäneti in nnsi/teilt n Staatsbesitz. Das lasse sich jedoch nicht über Nackt machen Allerdings daran wird nicht gerüttelt werb< r* dürfen, daß die Zeit der lohiikapitaltstischen Ausb-utiing vorüber sein muß. Die Haupisoege der Regierung sind die Elnährungs- und Bei k' heSfragen Die Landwirtschaft scheint ihre; Pflicht zur Ablieferung ihrer E z.ugnsse nachzukommen. Rohsloffc sind nach Auskunft de- zusiüs'.digen Reichsstelle noch genügend vo.Händen. Boa mancher Seite würden b sonders letztere Fcag ir iib'rtri den in dcr dunklen Absicht die vorhandene llnsichcrhe t zu steigern. Dtc besitzenden Klaff n muffen sich r.un daran gewöhnen, daß sie zu wesentlich höheren Steigern herangezogen weiden müssen. Weitere Aufgaben des neuen Volkssiaaies sind die Reform des Schul­wesens und die Förderung von Kunst und Wissenschaft. In der. Kunst, die dem Volke gehören soll, muß für die söiaffende Jugend freie Bahn gegeben werden Weitere Programm punkte sind: Koglitionsfrelhcck auch für die Bwmten, Fcclheit der Presse, N ugestaltung dec Polizei, Beseitigung oller Schtanken füc die religiöse Betätigung. Unter allen Umständen muß die Einheit Deutschlands anfcecht ei halten bleiben.

Staslsminisler Ulrich

über den Ausbau der beffifeben Republik.

Ufbcr , d.n Ausbau bet., neuen Republik sprach 'Ninistcupräsidcnt Ulrich um Sonnla^, in einer sozial- demokrulsichen Volksversaunnlung vor einer vieltausend­köpfigen Zuhöcerschast, die sich aus allen Schichten dec Be-

vie Wcdrregierung für Preffefreiftcif.

Berlin, 4. Dez. In letzter Zeit haben sich die Klagen über unregelmäßige Eingriffe in bürgerliche Zei- tungSbetriebe gemehrt. In allen solchen Fällen ist von dec Reichsr-.'gierung sofort eingeschritten worden. Den daran bcteiliqteil Arbeiter- uub Soldatencäten ist kein Zweifel darüber gelassen worden, daß die Reichsregier- cug auf Uiibcdingste Jnnehaltung dec von ihr verkünde ten Pressefreiheit besteht.

Brngen Wählend es dcr bürgerlichen Presse verboten war, Wcrbenummern an ou durchziehenden Soldaten zu verteilen, wurde die sozialdcmokcatische Mainzer Volks',eita«g^ durch zahlreiche eigene Boten tn tausinden von Ex.mplarcn den Truppen überreicht. (Auch ein Bettina zu der von der neue!» Regierung ver­heißenenPreßfreiheit". D. R ö.)

Uerfcbmelzuna aller Liberalen.

Berlin, 2 Dez. Wie wir von beteiligter Seite ersah: en, Haber» die über die Vereinigung dcr deutschen demok atischen Partei und dec deutschen Volkspartei ge- füheten Verhandlungen unter den damit betrauten Per- sönlichkeiterr za einer vollen und grundsätzlichen Vec. ständtgnng geführt.

Mit dirs-r Vereiniguiig aller Liberal, n ist ein weiterer Schritt zur Vereinfachung unseres Parteilcbens getan worden Die neue demokratische Partei bestand aus der foctschiittltcheu Volkspartci, von der sich unter Führung d-'c Abgg. Dr. Wiemer und Kopsch kleine Teile abgespiittert hatten, dem linken nationalliberalcn Flügel, der im Vorstand durch die Abgg. Freiherr v. Rlchlhofen, De. Junck, Jckler, Luras und List Eßlingen vertreten war. Dazu kamen noch Teile dcr einstigen demokratischen Partei, zu der dec jetzige Untecstaatssekcetär Hrrc v. Ger- lach noch gehört. Die deutsche Volkspartet umfaßte die

übcig'N Bestandteil- der Rationallibecolen, sowie die erwähnte Gruppe Kopsch Wimmer. Abg's hen von rein persönlichcn Reibungen waren die ilatciichikde zwischen beiden Piiteie" nur gering. Sie lagen im wesentlichen aus lvlrtjchastlichcm Gebiete, wo das Ausmaß der ^Loziali- sstrung umstritten war.

Lufamm^nscvluss der Pecdlsgertcbmen.

Berlin. Ja der letzten Delealecten Vecsamm^ lung des kons. ivativ n Vereins für die Provinz Brande»' bürg tn Berlin wurde über die Haltung der konser­vative»! Partei folgendes mtlgetellt:

An rinein engen Zusammenschluß dec Deutsch- und Frcikonscrvativcn, der d-utsch völkiscben und der christlich- sozialen Partei ist nicht mehr zu zweifeln, da jede dieser Parteien gesonnen ist, dec neuen Lage gebührend Rechnung zu tragen und aus eine gemeinsame breite Grundlage zu treten. Ebenso einmn ig kam der Wunsch zum Ausdruck, daß bei den Wahlen zur Nationalver- samrulung ein Znsammcngk'h.n mit d^m Zentrum und der bisher naUonalliberal gerichteten Deutschen Volkspartei zustande kommen möchte.

Die konservative Partei

hat einstimmig folgende Entschließung angenommen: Der c»weiterte Vorstand dec dentsch koniervativen Partei steht der in der Bildung begriffenen deusch nationalen VolkSpartct freundlich gegenüber und hält sie für eine geeignete Grundlage, um alle auf dem Boden von Recht und Ordnung ftt-henden deutschen Männer und Frauen zu einigen. Dec Vorstand forbcit die konservativen Organisationen und Porteimitglteder auf, sich dec neuen Partei anzvschsießen " Weiter vnössentlicht dec Vor­stand einen n längeren Aufruf an seine Freunde im Lande, in dem ec sie zur politischen Mitarbeit auffocdext und für eine starke Beteiligung an den Wahlen zur Natio­nalversammlung auffordrrt.

Ressen gegen eisner.

** DürmNadt Das Vorgehen br8 bayerischen Miaistevp äsibcnlen Eisner ^egen die Retchsleitung hat das hessische Staatsministecsum veranlaßt, folgen­des Telegramm an die Retchsregiecung in Berlin und an das Stoatsministerinm in München zu richten:

Das Staatsministertum dec R>pubiik Hessen prote­stiert gegen den vom bayerischen Ministerpräsidenten und Minister des Aeußeren für Bayern angeordneten Abbruch der Beziehungeu zum Auswärtigen Amte in Berlin. EL sieht darin eine Gefahr für die Einheit des Deutsche» Reiches und befürchtet, daß dadurch der Separa­tismus gefördert werden könnte. Es erwartet vom Gesamtmtniftcriuin Bayerns, daß es seinen Minister. Präsidenten veranlaßt, den verhängnisvollen schritt ruck» göngig zu machen, denn das nationale Interesse aller Deutschen ccforbeit dringend, die klarste Einheitlichkeit aller deutschen Stämme bei den Fciedensverhandluugen aufrecht zu erhalten.

Ein Uolksvat in Hessen.

D a r m st a d t, 10. Dez. Dec hessische Arbeiter-, Baueco. und Soldatencat löst sich auf. Es wlcd an seiner Stelle dec Volksrat füc die Republik Hessen ge- bildet Dieser Volksrat stützt sich aus alle Bevölkerungs- schichten dec Republik Hessen, die auf dem Boden dcr Republik und Demskratie stehen. Die örtlichen Arbeiter-, Bauern- und Soldatemäte werden anfgcfocdet, sich auf- znlösen und ihre Aufgaben dem neu zu bildenden Volks, rate zu übertragen. Per hiesige Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat schließt sich dem an und konstituiert sich sofort neu als Votksrat.

Reicbmrtall?

Republik Schleswig-Holstein Wie bestimmt verlautet, soll tn allernächster Zeit in Neumunstec die Loslösung dec Provinz Sschleswig -Ho l st ein von Preußen und die Konstituierung als selbständige dem Reiche angeschloffene Republik Schleswig-Hol­stein verkündet werden

DerSchlesischen Zeitung" wird von einer hoch­stehenden Persönlichkeit eine Zuschrift übermittelt, in der mit Rücksicht auf den Berktnec Radikalismus und die Unfreiheit dcc Regierung die Einberufung cmec schlesischen Nationalversammlung gefordert wird.