Ausgabe 
26.11.1918
 
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(Neu.' 1

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)j(X. IG 8 . Tclcphon Nr. 3«S.

(Mieftcucr Tageblatt)

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5ronkurS in Wegfall. Platzvorfchriften ohneBerbindlichkeit. Verlag derGieß euer Zeitung", Gießen.

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Dienstag, den 26. November 1918,

Telephon Sir. 362.

31. Jahrg.

ßindenbiirg.

Wenn im Grauen der Nacht der Wanderer den rechten Weg nicht zu finden weiß, richtet er den Blick voll Zuversicht nach dem Himmel, wo der Polarstern unwandelbar strahlt, Wegweiser und Leuchte zugleich. Auch das deutsche Volk braucht in diesen Tagen, wo olles wankt., wo ihm noch nicht klar ist, welchen Weg cS zu gehen hat, Wegweiser und Leuchte. Und der in vier schiiksalsvoll'.'« Jahren Erprobte versagt auch fitzt nicht: Htndenburg. Sein Erlaß an die Armee Zeigt, wie eine in sich gefestigte Persönlichkeit sich auch in den, schwersten Lagen treu bleibt, du ch sein Handeln ein Vorbild für alle. Wie aus Granit gehauen sind die Sätze des Ec- losfts; kein Wort zuviel, jedes voll Kraft und Mark. Nicht prunkend, nur als Tatsache wird he vorgehoben, was das Heer vollbracht, wird ecklü-.t, weshalb die die WaffenstillftandSbingungen angenommen werden mußten. Mit voll begründetem Selbstbewußtst in wird sestgestellt, daß die Armee Land und Ehre bis zum äußer­sten verteidigt hat. In schlichten und gerade deswegen ons Herz g'eiftndcn Mo-i n wird die Zuversicht ausge­sprochen, daß das Heer auch ferner seinem Feldmarschall folgen wird. Durch den ganzen Erlaß, wenn auch unaus- gesprochen, aber klingt; das Vaterland kann auch ferner auf mich zihlln. ich rechne darauf, daß cs auch auf Euch Zählen kann. Ein ganzer Mann! Das ringt sich unwill­kürlich vo r den Lippen, wenn .man den Erlaß ein, zwei, drei Mal ßckf u hat. Er muß jeden: eine Auffo d rung, Äne ins Innerste dringende Mahnung s in, in Tal und Gesinnung diesem Manne zu folgen.

War eS schon immer erst- Pflicht, dem Vaterlande die beste Kraft zu weihen, sitzt ist cs erst recht nötig, denn jetzt braucht das Vaterland die volle Hingabe eines Jeden. Es nach diesem Niederbruch wieder aufzubauen, alles daranzufitzten, daß es wieder »in Innern und stach außen fest, stark, g- dast.ht, danach muß jetzt jeder mit Herz und Hand streben. Daran muß jeder arbeiten, keiner darf betseile stehen und wenn ec noch soviel Herzenwünsche zurückdrängcn muß. Niemals war es nötiger, das eigene Selbst-zu vergessen um des Ganzen willen. Mög n auch die alten Fomen z.rbrochep sein, »s ist der Geist, d^r sich dcn Körper baut. Wenn dieser Geist, der deutsche Geist, ba; Geist, der eine Sache um i-,in selbst w'llen tut, in jedem emzeinm l.bt, in jedem nach besten Klüften zur Tor wird, wenn cstle einig und treu sind in Dienst am VateUaude, bann wird auch das Reich zu neucr HerUichkeit c.sichen, und wir Waden unseren Nachkommen ein festes, wohnliches Haus übec- - eben können,' wie wir solches von unseren Vorfahren übernommen haben. Deshalb gelobe sich jeder: Ich stehe zu Hindcnburg!

Ans der Republik kessen.

Das hessische StaatLWmstelium hat an alle Be­amten, Notar- und Amtsstellen der Republik Hessen tolgendrö Rundschreiben e:lassen. Dir neue Ordnung Oec Dn ge tu Hessin macht, unter vielem anderen^ auch eine Aenderuug der Dtenstbezeichnung einer Behörde als Großherzoglich" nötig, was zu unterbleiben hat. Die vorhandenen Vordrucke sich aufzubrouchcn, wobei die BezeichnungGroßherzoglich" zu durchstceicben ist. Im inneren Dte-:stv.rkeh:' genügt es, die Dienftbczeichnung [' r Br Hörde Kreisarr.t, Bürg-rmeistecei anzufühcen. Im förmlichen und un Ve k.hc mit nicht hessischen Be- Horden ist anstattGroßhazo st'.ch" die Bezeichnung ..^isisch" zu gebrauchen.

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Berlin, 23. Nov. Auf das Telegramm des hes­sisch cn Staatsministers Ulrich erteilte der Bolksbeaustragte Echert im Namen der Neichsreaieruna folgende Antwort: ^

Durch ihre Einladung der Einzelstarten zu einer Konscr^rz in Berlin brachte die Reichscegierung zum Ausdruw, daß sie weit davon entfernt ist, die Einzel' staaten mrszuschließcn, vielmehr aus engste Zusammen­arbeit mit ih. cn an der Wiederaufrichtung des Reiches Wert k .L Sie sieht in der Nationalversammlung i mfatls das vornehmste Mittel zur Erreichung di f.s Zi-elcs. Sie strebt nicht ne:ch der Diktatur einer T:.stOt oder Bundesstaates, sondern nach eincc solidarischen Demokratie des einheit­lichen D e u t s ch l a n d."

Wie zuverlässig verlautet, ist der Gesetzentwurf über die Mahl ?nr Uolksverfamminng der JU- pnklik Helfen vom Ministerpräsidenten Ulrich dem Ministerkostegium unterbreitet worden, das nunmehr in die endgültige Verhandlung über die Vorlage etntreten wird. Die Vorlage bewegt sich in dem Nahmen der von der sozialdemokratischen Landtagsfcaktion in der Zweit. Kammer in Jahrzehnte langen schweren Kämpfen verfochtenen Grundsätze. Hauptpunkt ist die gleiche, ge­heime, direkte und allgemeine Wahl nach dem Verhält- ! niLsyftem durch alle männlichen und weiblichen Personen,

I die zur Zeit der Wahl das 20. Lebensjahr zurückgelegt haben, in Hessen wohnen und die hessische Staatsange­hörigkeit besitzen.

* Main?. 23. Nov. Der Mainzer Arbeiter- und Soldatenrat hat den Beschluß gefaßt sich einmütig und geschlossen hinter die Volksregierung zu stellen und mit allem Nachdruck für deren Entscheidungen einzutreten. Ein in diesem Sinne an den Reichskanzler Ebert abze- j sandteö Telegramm hat folgenden Wortlaut:

Der Mainz.x A.-u. S.-Rat stellt sich geschlossen hinter die VolkSregicrung. Ec wendet sich mit allem Nach,

! druck gegen den Beschluß deS Vollzugsausschusses des A.- u. S.-Rates in Berlin, der auf Errichtung einer j Diktatur der Minderheit hinausläuft. Die proletarische I Republik auf sozialistisch wirtschaftlicher Grundlage -'aßt sich nicht durch einen Beschluß herbeiführen. Ihre Verwirklichung hat zur Voraussetzung die Zustimmung der übel wiegenden Volksmehrhctt. Bet Ausschaltung j größerer Teile des Volkes wären wertvolle Kräfte ausgeschlossen. Wir fordern deshalb eine be­schleunigte Einführung der National­versammlung und halten bis dahm die gegen­wärtige Regi-eruug als die gegebene Verkörperung ! des VolkSwillenL. (grz) Adelung."

Der Unterstaatösekretüc Dr. David ist hier ein- getroffen, um sich über die Mainzer Verhältnisse zu orientieren.

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hessischer Arbeiter- und Soldaienrat.

In der letzten Sitzung erfolgte die Mitteilung, daß alle entlassenen jungen Mannschaften, die sich zu weiterem Arbeitsdienst bereit erklären, als freie Ar beiter gelten und entlohnt werden sollen. Bürger ! Sparr trat für die genaue Einhaltung des Achtftunden- i tagcs ein. Bürger Dr. Ing. Hchd beantragte, daß bei der Reichsregierung dahin gewirkt werde, daß auch unsere Großgrundbesitzer, ähnlich wie die Litauer und Kurländer, 30 Prz. ihres Besitzes zur Ansiedlung zur Verfügung stellen. Bürger Bastion teilte mit, daß der StaatLministec Ulrich seine Zustimmung dazu gegeben habe, daß die Mannschaften eine Löhnungscrhöhung von 50 Prz. und die Ehargierteu eine solche von 25 Prz. erhalten sollen. Im Namen deS Bekleidungsausschuffes berichtete Bürger Eisinger über die schwierige Ausgabe, die darin besteht, dem Wunsche der Neichsregierung zu entsprechen, jedem entlassenen Soldaten einen neuen Anzug mitzugeben.

Mil den fl.* u. S.-Räten wird nicht verhandelt.

Genf, 23 Nov.' Pichl)n hat sich im Kammeraus­schuß dahin ausgesprochen, daß mit den Bevollmächtigten der deulschen Soldaten- und Arbeiterräte auch über die Verlängerung des Waffenstillstandes nicht mehr ver­handelt würde.

Rotterdam, 23. Nov- DieTimes" melden: Die liberale Unterhauspartei hat am Donnerstag eine Besprechung zur Friedensfrage ubgehaltcn. Die Partei ist der Auffassung, daß die jetzige deutsche Revolutions­regierung ohne ihre beschleunigte Bestätigung durch eine gesetzgebende Volksvertretung nicht als eine Regierung angesehen werden dürfe, mit der England Frieden schließen könne.

Basel, 23. Nov.Daily News" schreibt zu der Lage in Deutschland: Mit den Soldaten- und Arbciterräten unterhandeln die Alliierten nicht. Beauftragte der Räte nach russischem Vorbild sind keine Negierungsgewalten, die Verträge im Namen ihrer Völker abschließen können. Wenn die nächsten vier Wochen keine gefttzmäßige Negierung in Deutschland bringen, muß die Frage offen bleiben, ob der Waffen­stillstand von den Alliierten foctzusetzen sei.

Betan«tMachr?ng.

Hier und da vorgekommene Mißverständnisse ver­anlassen uns, darauf hinzuweisen, daß die Front- Irrrppen selbstverständlich nicht \n entwaffne« find. Zu den Fconttcuppcn zählen auch vorausgeschickte, im dienstlichen Interesse tätige Militäcperf'onen, wie Quartiermacher, Verbindungs Offiziere usw.

Frankfurt a/M., 25.11. 1918.

Der Arbeiter- und Soldatenrat beim

stell« Generalkommando XVIII. A.-K.

Die Ankunft der Armee IDarwitz.

Die 5. Armee unter dem Oberbefehl des Generals Kavallerie v. d. Marwitz wird auf ihrem Heimzuge, wie wir aus sicherer Quelle erfahren, am 2 9. November den Rhein überschreiten. Der Uebergang voll­zieht sich in drei Heeressäulen an drei verschiedenen Punkten. Die Hauptmasse, eine Doppelreihe, geht bei Mainz über die Brücken und dann in zwei Reihen nach Osten. Die südliche bewegt sich in der Richtung Groß- Gerau, Langen nach Seligenstadt und erreicht den Main; die Hauptgruppe, ebenfalls von Mainz kommend, marschiert über HöchstFrankfurt weiter. Der nördliche Flügel der Armee setzt bei Rüdesheim über den Rhein und geht nach Norden bis zur Lahn, wobei Ems wahrscheinlich nicht mehr berührt wird. Die ganze Durchmarschzeit der gewaltigen Menschenmaffen, sowie des umfangreichen Heerespacks durch unser Gebiet wird falls alles glatt vonstatten geht, auf 89 Tage becechet.

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Zur Erquickung dev demnächst in größeren Verbänden Gießen berührenden Truppen eignen sich in erster Linie warme Getränke, vor allem Kaffee und Tee. Die Ausgabe muß aber straßenweise einheitlich organisiert werden; deshalb ist es gut, wenn sich die Bewohner der Straßen, welche die Truppen passieren, zusammentun. Die Schaffung einheitlicher Organisationen auch nach dieser Richtung wäre sehr zweckmäßig.

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An die Bevölkerung des Korpsbezirks!

In den nächsten Tagen werden unsere Armeen den Rhein überschreiten. Auf mehreren Macschstcaßcn werden sie staffelweise unser Gebiet passieren. Millionen barver deutscher Soldaten, die bisher tapfer kämpften, werden von ihren Oberbefehlshabern heimgcführt. Nach den geltenden und von der Volkscegierung bestätigten Be­stimmungen geht für die Dauer des Durchmarsches die Befehlsgewalt des stellv. Generalkommandos auf die Oberbefehlshaber der durchmacschiecenden Truppen über. Den Anordnungen derselben ist Folge zu leisten.

Aber nicht nur der Befehl, sondern das eigene Herz wird jeden Volksgenossen in Stadt und Land und jede Behörde dahin bringen, willig alles zu tun, was für die Unterstützung der Truppen auf dem Mansch bei Unterkunft und Verpflegung zu leisten ist. Folge jeder dem Oberbefehl, damit cS keine Wirrnisse gibt. Alle Anordnungen zum Wöhle der Truppe müssen bis ins Kleinste erfüllt werden. Wer dagegen verstößt, versündigt sich nicht nur an unserem Vaterlande, sondern auch an dem Wohl unserer tapferen Soldaten, die uns bisher vor dem Schlimmsten bewahrt haben. Herrscht^ keine Ordnung, so steht die Armee und das schöne Land, durch das sie marschiert, unbedingt in wenigen Tagen vor einer Hungersnot. Die Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte werden alles tun, um der Sicherung des Durchmarsches jede Förderung angedeihcn zu lassen.

Volksgenossen, empfangt unsere Soldaten gut!

Die Ducchmarschgebiete werden durch die Presse bekannt gegeben.

Im Namen deo Arbeiter«-, Bauern- und Soldaten­räte des Bezirks des XVIII. Armeekorps:

Der Arbeiter- und Soldatcnrat Frankfurt a. M.