Ausgabe 
23.11.1918
 
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(Netteste Nachrichten)

Bezugspreis 80 psg. monatlich

vierteljährlich 2,40M?, vorauszahlbar, frei ins Haus. Ab geholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,80 Mk. Erscheint Dienstag, Donnerstag u. Samstag. Nedaktiousschluh früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rücksen­dung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag derGiestener Zeitung", Gießen.

Expedition: Südanlage 21.

rjasa*s: «sbrps

Nr. 167.

Telephon Nr. 362.

Samstag, d n 23. November 1918

KnzeigenAreK 24 p?g.

die 44 mm breite Petitzeile, für Auswärts 36 Pfg. Die 00 mm breite Reklame-Zeile 100 Pfennig.

itrabeilagen werden rrach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ucberfchreituug desZahlungs- .iieles LO Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder dei- toontuxi in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit.

Druck der Giestener Vcrlagsdrnckcrei, Albiu Klein.

Telephon Nr. 362.

31. Jahrg.

Kut Httoränuttd des Arbeiter* u Soldatmrates ;

An die Heimat!

In wenigen Tagen werden die vordersten Divisionen ! unserer Armeen den Rhein ükecschreilcn, um in die i Heimvt zulückzvkehccn.

Mit klingendem Spiel werden sie durch die DJc marschieren.

Das sind die Truppen, die, von unerschütterlichem Glauben und Liebe Zu ihrem deutschen Vaterlande ge^ tragen, die unerhörtesten Stropatzen ertragen, die herr­lichsten Heldentaten verrichtrt haben, um die Schrecken des Schlachtfeldes von dem heimatlichen Boden fernzu» haltxn.

Dafür sei ein jeder ihnen jetzt dankbar!

Ein jeder kann jetzt helfen! i

Bietet durch die Behörden, die Mita.beit an!

Stellt Euch an die Wegegabeln, meist die Wege, zeigt die Quartiere, erleuchtet die Straßen, helft das Gepäck tragen, faßt in den Bergen in die Speichen wenn die Pferde müde sind!

Es gilt eine unermüdliche Tag und Nacht währende Arbeit und viel Geduld, wenn die Truppe gesund und in Ordnung nach Hause kommen soll.

Ein jeder halte selbst Ordnung und Selbstzucht!

Fort mit gedrückter und trüber Stimmung!

Unser deutsches Vaterland geht nicht unter!

Ein jeder trage den Kopf aufrecht, ern jeder sei stolz ous unsere Armee!

Heraus mit den Fahnen als Willkommensgruß, für unsere Helden!

Frankfurt a. M., 20. Nownib-r 1918.

Im Anträge des Arbeiter- und Soldatenrate-3 Das stellv. GcncraUomn'.M o 18 A. K. gez. v. Studnitz.

r-

knttölluirgen aus Sem Heere.

Alle in der Heimat an ihrem Wohnort oder ihrem Ai.bei1sort mit Urlaubsschein anwesenden Offiziere des Beurlaubtenstandes, Unteroffiziere und Mannschaften aller Jahrgänge mit Ausnahme drrJahcgänge.1896,1897, 1898 und 1899 sind bis zum 80. November ds. Js. aus dem Heeresdienst behelfsmäßig zu entlassen. Sie erwirken sich bet der nächsten militärischen Dienststelle ihren Entlassungsschein. Die ges tzlichen Versorgungs­und Entlassungsansprüche dieser behelfsmäßig in ihrem Uelaubsoit Entlassenen werden später durch dre Bezirks­kommandos und Meldeämter geregelt. Urlauber, die sich vor dem 30. November bei ihrer Ecsatzfornckttion melden, werden dort mit ihrem. Jahrgang ordnungs­mäßig entlassen. Die Urlauber der Jahrgänge 96, 97, 98 und 99 bcgeben sich zur nächsten Ersahformatian, wenn sie ihren Truppenteil nicht erreichen können.

Berlin,*dcn 20. November 1918.

Kriegsn'.inister Scheuch

Unterstaats'ekrctäc Göhre.

Berlin, 20. Nov Zum E laß über Entlassung in die Heimat. Zu denLeuten- in unentbehrlich^:: Dün­sten", die n s E: mssuna warten müssen, bis sie »rsetzt ' sind (Absatz 2 des Eclasses), gehö t da?- gesamte ani- läÄpelsonal

Kriegsmin\str Sch uck Unterstaates. I ctär Göhre.

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Die Oegeuxerchrrung des Kriegsmnlistrrs

Berlin, 20. Nov. Oberleutnant Walz, Mttgi'cd des Vollzugs rotes des Arbeiter- und Soldal^nrntes, .vurv. beauslragt, anstelle dis Genossen Tänicke die verant­wortlichen Gegenzeichnungen des KliegSmintstkrs z -2 über nehmen Ihm zur Seite stehz-ein Ausschuß, der von den Soldatenräten drs Gaidekm.ps und dcs stellv 3. Ä. K. aus 12 Mitglieds n gebildet wurde.

Der VollzugLrat der Arbeiter- und Soldatenräte gez. Nich. Müller, Molkenbuhr.

Versammlung üer Arbeiter- Solüarenrare üez 1$. HorpsbezirKs.

Frankfurt a. M. Eine aus allen Teilen des 18. Koipsbezirkes stark besuchte V^riammmlung der Acdeiter- und Soldatenräte beschäftigte sich am Freitag in lang- stündiger Sitzung mit Tages' und Oeganisationsfragen. An den Verhandlungen nahmen auch französische und englische Kriegsgefangene teil, die unter lebhasteni Bei fall die Grüße ihrer Kameraden überbcachten und sür einen Rechtsfliedcn auf dauernder Grundlage zwischen

den jetzt feindlichen Ländern wanne Worte fanden. Die

Tagung besprach sodann Fragen des Nachrichten- und PivpogandadiensteS und der Militä-jastiz Der Lolda- tcnrat"erklärte, daß man keine Vergewaltigung und Dik­tatur wolle, sondern daß das ganze Volk an dem Neu­aufbau tätig sein solle. Der Sozialismus dürfe nickt zwangsweise durchgeführt werden. Andererseits müsse dafür gesorgt werdrn, daß die Sozialdemokratie noch mehr Anhang im Volk finde, insbesondere auck auf dem Lande. Das Volk müsse erst sozialdelrok.aii ch gemacht werden, che man es wählen lasse, dann werde die Natio­nalversammlung ein Bollwerk des Sozialismus sein. Die Redner aus den Reihen der Mehrheitssozialisten sprachen sich aber gegen jede Diktatur und baldrnöglichste Einberufung der Nationalversammlung ans. Es wurde eine Entschließung angenommen, in dec es u. a. heißt: A.- und Soldatncäte stellen die höchste politische Macht dar; sie handeln im Jnt<esse der Volksmchrheit. Ihr Ziel ist die Demokratie und der Sozialismus. Beamte und B>Hörden, die sich dec Neuordnung widersetzen, werden entfernt. Die Räte fordern Vergesellsckastund des Bergbaus, der Schiffahrä unddcs Großgrundbcsttzks Die NatioimlbkrsammiungoUe zusammengesetzt sein nach dem Vc hältmö d«- für jede Partei abgegebenen Stimme und soll ein Bollwerk des Sozialismus und der Demokratie sein. Frankfurt wurde sodann als Zentrale für den Korpsbezick gewählt. Zum Schluß wurde das Kctegsernahlungsamt telegraphisch ersucht, ein Verbot zur Herstellung von Trinkbranntwcin aus Zuckerrüben und Kartoffeln zu erlassen.

Reffen verlangt schleunigste kinvrrufung der Natisttaiversamminng.

Darmstadt, 21. Nov. Unter dem Eindruck der Entwicklung in Berlin hat die hessische Stavtscegicrung heute folaenben Protest an die R-ichsregierung grrichtet: Die hessische Regierung erhebt b-i der Reichsregierung schärfsten Protest gegen die Ausschaltung d-c Einzei- staaten und gegen dw Nichiberüäsichttgung dieser Staaten durch Erlaß von Gesetzen und Verordnungen. Die hes­sische Regierung verlangt unter allen Umständen schleunigste Einberufung der Nalftonalver* f am m lun 8- Durch Fortbestehen eines gcs-tzloscn Zu­standes wird dec Reaktion in die Hände .gearbeitet ui d and-.r«>ettS die Gefahr vermehrt, daß sich d'e Entcnie in die- innerdeutschen Verhältnisse einmischt und schließlich die Reichseinhert gefährdet wird. Wir wollen nicht an Stelle der glücklicherweise vernichtete» preußischen Militär- autokrattc (tue irnseitige preußische Diktatur etnilluschcn.

ein Schluss des Wfilcbtn Arbeiter*, Sattem* und Soidatenrats

Darmstadt, 22. Nov. Der hessische Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat faßte in Witter heutigen Vollversammlung den Be­schluß, nachstehenden Funkspruch nn alle süddeutsche und gleich­gesinnten norddeutschen Arbeiter-, Bauerrr- und «oldatenrätc zu senden: Der hessische Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat verlangt int Einverständnis mit der hessischen Negierung von der Reichsregierung die uingehend steEinberufung derdiatio- nalversamm lun g, die die allein wirkliche Vertretung des deutschen Volkes darstellt. Er lehnt eine Diktatur irgendwelcher Klassen ab. Der hessische. Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat bittet die siiddentschen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte und die norddeutschen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte, die gleicher Gesinnung sind, gemeinsmu mi< dem hessischen Arbeiter-, Muern- und Soldatenrat von der Neichsregieruug obiges zu verlangen. Der hessische Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat ist der' Ansicht, daß tm Falle, wo die ReichSregixrung die Natio­nalversammlung nicht baldigst einberufen kann und eine Diktatur in Berlin aUfkommen sollte, die süddeutschen und die gleichgesinn­ten norddeutschen Arbeiter-, Bauern- und ^oldatenräte gemein- som mit den Regierungen die Einberufung der Nationalversamm­lung in einer süddeutschen Hauptstadt veranlassen sollen.

Abbau der Bezugsfcbeinpflicbt.

(Sine gioßc Ecieichttrung dcc Bezugsscheinpfltcht sicht wie ous Berlin beeichtet wird, unmittelbar bevor. Es ivllen auf die Freiliste gcs.tzk wcrdcn: Tischwäsche, Klagen, Manschetten, Scheueitücher, wahrichetnlich auch Taschentücher. Auch.für Bcttwälche sollen wieder BezugS- schkinc ausgegebcn weiden. Die Bedacfspcusung soll zum großen Teil w-gfalleu, es sollen vielmehr auf Ver­einfachte Bedarfsprüfung gegen einen Bezugsschein ein Winterkleid und ein Wintermantel ohne weiteres ge­währt werden. Man hofft, bis zum April die Bezugs* scheinpflicht ganz beseitigt zu haben.

Braucht das Ausland die deutschen Aaren?

Wenn die deutsche Industrie auch nach dem Kriege alle ihre Kräfte anzuspannen haben wird, um ihre alte hervorragende Stellung aus dem Weltmarkt wieder- zaerob-rn, wenn der deutsche Kaufmann auch seine ganz- Gcschickitchk-it a .szubicten haben mied, um ihm veriocen* »eaangene Beziehungen seines Außenhandelsgeschäfts wtederzuerlangen, so weisen doch jetzt. scho" darauf hin, daß das Ausland die deutschen Waren nicht zu entbeh en gedenkt. Daß der Wictschaftskampf, den bie Feinde Deutschlands nach dem Kriege führen wollen, kcinessalls in seinem vollen Umfange zur Tat werden kann, bieten die auf bec jüngsten im August die,es wahres staltgehabtcn Leipziger HrrbsUMustermesse dec deutschen Industrie eüeäicn riesigen Auslandsausträge einen,un trüglichen Beweis. Wie das Meßamt für die Muster, messen in Leipzig jetzt mittet!,, wurden ihm nach der Herbstmesse 4032 Anträge auf Ausfuhrbewilligung für auf der Messe erteilte Bestellungen üb-c einen Gesamt- betcag van 212816882 Mark, also im Werte Von säst einer Viertel Milliarde Mark, zu Abstempelung vorge­legt. Diese Förmlichkeit bezweckl, die Aufträge als Meß­aufträge kenntlich zu machen, weil bekanntlich vom Retchskommissac für Ans »nd Etnfuhrbewillignng die Erlaubnis für Ausfuhr von Waren, dte dem Aussnhrverbot unterliegen, unter gewissen Bedingungen erteilt wird, wenn cS sich um Bestellungen ausiändischer Einkäufer der Leipziger Mustermesse handelt. Nach der letzten Frühjahrsmesse bctcuz dle Zahl der Anlcäge 201^ über '50079 2® Mark, nach der Herbstmnstecmcsse des ver* aangeneu Jahres 2009 über 10 570947 Mark. Da eine Reihe der wichtigsten Miffeartikel, wie Porzellan und Steingut, ohne b sondere Erlaubnis ausgefühct werden .scn, so erhellt aus der oben angegebenen Ziffer, dav der Umfang der auf der jüngsten Messe erteilten Auf- träge in Wtckiichkeit wett höhee zu veranschlagen Ul- - Auch die zahlenmäßige Beteiligung der auslaudischen Einkäufer läßt darauf schließen, wie sehr das Ausland auf die deutschen Waren angewiesen ist. Nach den Mtt- tetlungen des PolizeiamiS Leipzig haben insgesamt 6430 Ausländer nab im Ausland anläsjtge Deutsche die Herbst Mustenn-sse besucht, gegen 3672 zur Fcuh- jahcSniksse. Von den 6430 ausländischen Elnkäuftru kamen 3070 aus den mit uns verbündet, gewesene Ländern, 1139 aus dem neutralen Ausland; die übrigen 1971 ausländischen B.sucher setzten sich zusammen aus Ange- höcigen besetzter Gebiete des chemaiigen russischen Reichs, auS einigen in DeUlschiaud lebenden «ngchör-gen feind­licher Staaten und -i eulschen aus dem verbündeten und ncutraleu Ausland. So waren u. a. nach Leipzig ge­kommen 2760 Olsterreicher und Ungarn, ,24 Türken, 1209 Polen, 407 Holländer, 220 Schweizer, 294 Ange. höiige der drei nocdlschen Dlaertcn, ,9 Perser, 16 Spanier, 397 Russen. . _

dem Wich*

* Auf fatschen Kefeht erfchasse» Der Zahn­techniker Till in Koin, der seinerzeit dadurch mit dem Gericht in Konflikt kam, daß er bct dem aufsehenec- regenden Dtebstah! der Kaiserkette als Hehler mitwilkte, halte unter dem Vorgeve»^ daß ec Mitglied des Acbeiter- un.d Soldatenrat.s sei mit einem Manne namens Kahn dr 21 Jahre allen Sohn eines Kölner Brauereiarbeiter» w. cn an blichec Bedrohung festgenommen. Im Ge- - nis oc kündete Till dem jungen Manne eigenmächtig das Tode: in teil. Dieser bat, seine Eitern nochmals sehe«, zu dürfen. Till gab jedoch den Soldaten den Befehl, das Urteil zu vollziehen, worauf dec junge Manu tatsächlich erschossen wurde. Till^und Kahn sind sestgenommen worden.