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Südarriage 21
Verlag der „Gicßcirer Zeitung", Gietzen.
Nr. 164.
Telephon Nr. 362.
Mittwoch, den 13. November 19181
KnzeigerryreK 2h DH
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Druck der Gießencr Vcrlagsdruckerei, Ztlbrn Klein.
eleph on Nr. 2 .
31. Jahrg.
Deutschland eine Reichsrep'M-k.
3« alle« ^,!ndcöfta«>e« hahe» voewiege«» SozialSemoki-ate« die R- - sich
und die Republik arrsgezmfsn.
Schwere Wasfenitillfinn-sbediNgi)'« gen der feindlichen Aeerssleitnn-.
eNSMmeer
Wos noch voc einer Woche undenkbar schien, ist in wenigen Togen zur Tatsache geworden: Deutschland stcyt in einet vollständigere politischen Umwälzung. In Kiel Hot es begonnen (wir haben darübdc berichttt), dann k m die Bewegung nach Lübeck, nach Wilhelms- Hasen, nach Hamburg, nach Hannover, Köln, Mainz, Stuttgart. Münchin Leipzig. Und w lches war dar Ziel der Revolution: Beseitigung jcdwedcc Herrschaft der Fürsten, des M'Utäts, dts Obr.gkeitsstaat^s, Errichtung von Freistaat n (Republiken und — schneller Frieden mit drm äußeren Feind.
Man fragt sich: Wie konnte es schließlich übcrhaupt zur Revolution kommend Die Antwort ist nicht einfach, ste kann überhaupt nicht klar geg.ben weiden. Im Ganzen genommen hatte sich eben beim Volk unendlich vrel Zorn aufgehäuft, Zorn üb.r den Wucher, Zorn über Rahrungsnuttelschitbercien, über die Tatsache, daß die Armen litten. dir Reichen aber nicht oder viel weniger, Zorn über die Geldmacherei, während andere Btut und LebiN verloren, Zo n über die Ungerechtigkeit im Heer:', die teuweise unwürd.ge Behandlung d.c Mannschaften die Länge des Krieges und so mancherlei.
Dazu kam nun in den letzten Tagen Hie allgemeine Unzusriedenheit über den langsam-n Gang d. politischen Reformen und die Sorge, daß die Soldaten in einen zwecklosen Kampf gegen die Feinde gefüh t werden.
Dann hat Rußland bei uns insoweit Schule gemacht, als man gel rnl Hai, wie es gemacht wird; man schafft Acbeftec- und Soldatenräte, erklärte sie als machthab 'ndc Gewalt und enthebt die bisherige Regierung ihrer Macht. Sv ging csftn Rußland und'so auch nun b i uns.
Lassen wir nun die einzelnen Nachrichten folgen, wie sie cintcafen.
* Dresden. 11. Nov. Der Acbutec- und Soldaten- rat von Gioß-DrtSden erläßt einen Aufruf an das Soft, worin gesagt wird, der König sei seines Thrones entsetzt und die Dynastie Wettiu habe aufgehört zu existieren. 0
* Stutlgaet. Die Umsturzbewegung in Württemberg hat mrt dem Stege der Revolutionäre geendet. Sämtliche Kasernen wurden besetzt, die Waff n unbrauch Var gemacht. Das Gemralkomniaudo und die städtischen Behörden haben sich bereit klärt, d.n Weisungen des Aroeiter- und Soidatenrates zu folgen. Sodann erfolgte die Prorianlielung der Republik r- iS Branrrschwets. 9 - ^ov. Der Arbeiter- und Soldaten at vonBcaunschweig emsantt eine Deputation zum Herzog und legte ihm eine Abbau kun^s lt-fuube
Der Herzog zögerte nrchr, sie zu untecznchken.
" GSdeudurg. 11. Nov. Der Großherzog von Oldenburg ist abgesetzt wurden.
. * Gera. 10. Nov. H.u .lch XVII. von Reuß j. L.
spricht Jiii sich und sein Haus Verzicht aus bcii Ty ou g u?.
Wrimrrv. 10. Nov. D-v Gxoßherzog hat auf Wunsch des Arbeiter- und Sol'oatenrates abgedar.ri.
^ Weitete Nachrichten darüber sind in der 2 und 3 ^erte enthalten.
Die Umwälzung iu Hesse«.
Dalmstadt, 10. Nov Dcr hessische A^b.itcr- und Soldaterrat hat folgenden Aufruf an das hZsische Volk erlassen, in dem ec seine Ziele wie folgt zusammenfaßt:
1. Der sozialdemokratischen Fraktion der seitherigen Zweiten Kammer wird die Bildung des Ministeriums übertragen.
2. Der von dieser gebildeten Negierung wird auf- attragen, b.nnen 3 Tagen eiTi Gesetz zur Wahl einte Landes- vetsammlvpg vorzuftgcn, das den Grurdsüß n der Ver-
jähcig^Heffe7etn soll jeder groß-
. « ,a ? 50 ßherzog Ernst Ludwig wird abgcsrtzt und das Proßherzogtum als Republik erklärt. Die großherzog- l.chcn Domänen verfallen dem Land.
4. Alle Sonderrechte der Geburt und des Stand s werden beseitigt.
5. Sämtliche im Großhe.zogtum bestehenden Fideikommiss- sind auszulösen.
6. Vollständige Glaubens- und Gewissensfreiheit wicd gewährleistet
7. Trennung von Kirche und Staat.
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Die alte Regierung
Darmftadt, 11. Nov. Das StaatZministerium sowie das Ministerium des Jnrurn der neuen Regierung hat als einziger Minister der bisherige Abgeordnete Ulrich (Offenbach) übernommen. Ihm unterstellt sind als Ministerialdirektoren der bisherige Ageoidnete Neumann (Offenbach) für die Ernährung und Abgeoid- netec Naab für Sizialwirtschaft und das Land sar b.itsamt Wegen der übrigen Abteilungen schweben noch Verhandlungen.
Nachdem unsere Aemter von den Beauftragten des Arbeiter- und Soidolenrates in Besitz enomm n sind, ist cs uns unmöglich, unsere Dienstgeschäfte w iterzu- führen. Beim Verlassen des Amtes sp .echen wir allen uns unterstellten Behörden und Beamten unseren auf« richtigsten und wärmsten Dank für die treue Pflicht- crfüllung^aus, die sie stets bcwieffn haben und mit der,!sie insbesondere während der Kriegszeit den ver- stärkten Anforderungen des Dienstes nachgekommen sind. Wir halten uns aber zugleich für verpflichtet, im Jnttesse unseres geliebten Vaterlandes und dcr Aufrecht. iHaltung der Ocd-iung in Stadt und Land alle Behörden und Beamten darauf hinzuweisen, daß sie so, wie sie seither mit unseren Personen der Sache des Vaterlandes gedient haben, auch in Zukunft ihre ganze Kraft dem Staate-zur Verfügung stellen.
Darmstadt, den 11. November 1918. v. Ewalds Staatsministec und Minister der Justiz, v. Hombergk, Minister des Innern,
Dc. Wcker, Minister der Finanzen.
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Die weite Regierung
Nachdem der Arbeiter- und Soldatenrat, als die von der Negierung proklamieren Träger der öffentlichen Gewalten, gestern der bisherigen sozialdemo krattschen Landragsfraktion die Bildur g des Mnristcri-- ums übertragen har, hat sie h^ute diesen Auftrag übernommen. Die Fraktion geht dabei von dem Gedanken aus, daß die neue (provisorisch.) Negierung auch das Vertrauen der nichlsozialdemoklaNschcn Bevölkerungs- kceise brsitzrn sollte. Darum ist sie bereit, bei der Bildung der neuen Ncgierungsgcwslt auch Vertreter anderer Parteien, falls diese zur aufrichtigen Mitarbeit, gewillt sind, in die Regierung mit aufzunehmen. Die Regierung soll rin Koll.gialministerium sein und aus einem verantwortlichen Minister, sowie Dlcektocen der einzelnen Minlsteri^aöteilungcn bestehen. Das Prä- stblum des Mrnlsterwws und die oberste Leitung der Mintsterialabteilungkn des Innern wurden dem Unterzeichneten übertragen. Lklur die Besetzung der anderen Ministerialabteilungen find Verhandlungen im Gange. Die Wahlen zur konstituie.enden -oikskammec werden sobald als möglich in die Wege geleitet weiden. Volks- genossen, das Programm der neuen Regierung heißt kurz: Volkswohlführt! Demokratie!
Die Freiheit, die nun dem Volke gewährleistet ist, legt dem Einzelnen auch die Pflicht Zu Ordnung und Selbstzucht auf. Ja erstcx Linie inuß die Ecnährung des Volkes sichergestellt werden, denn nur so wird es möglich sein, den demokratischen Ausbau unseres Ver- füffungslebens zu vollend n. Die Erzeugung der Nahrungsmittel und d..'ren Ü berführung in die Städte muß mit oller Kraft gefordert werden. Geschieht das nicht, so haben wir das Schlimmste zu erwarten Hun geisnot, Plünderung, Raub und Mord würden das grauenvolle Elend dieser KriegSzciten verschärfen und verlängern. Dadurch würden aber die Aennsten und grade die Arbeiter am schwersten getroffen werden. Es muß daher alles geschehen, um die gerechte Verteilung der Lebensmittel zu sichern, wobei insbesondere völlige Unvecserthheit der Verkehrsmittel unerläßlich
ist. Darum Volksgenossen, Arbeiter und Soldaten: Denkt alle daran.
_ Die Mithilfe im Sinne dieser Auffassung gilt d'-m Hessenlande wie auch unserem deutschen Dateistände. Der sterbende Krieg darf nicht im Bürgerkftege. eine Auferstehung finden. An alle Beamten und Behörden des Landes ergeht der Aufruf, auf ihrem. Posten zu' bleiben und nach wie vor ihre Pflicht Z!l erfüllet. Die neue Regierung ist sich bewußt, daß nicht alle Kreise des Volkes politisch und wirtschaftlich auf ihrem Standpunkt stehen. Sie hofft und erwartet aber, daß auch diese Kreise in theer Liede zu unserem Volke mit ihr gemeinsam zu wirken bereit sind. Je allgemeiner die Mithilfe ist, um so leicht'r w!:d diese schwere Ib'ber- gangszeit getragen und überwunden werden können. Die neue Negierung unterstützen, heißt das Land vor der Anarchie bewahren. ' Jeder stehe auf feinem Posten furchtlos und unverd offen zum Bc'Wn der G-lamtheir, dann wird und muß es- gelingen, unsec Volk aus diesen schweren Stunden einer besseren Zukunft enr- gegenzufühcen.
Darmstadt, den 11 November 1918.
7ec Ministerpräsident Ulri ch.
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Darmstadt, 11. Nov. Heute vormittag waren sämt- liche ^Offiziere, eingZchließllch der Kommandeure, welch? sich der Bewegung angeschlossen haben, zu riner Besprechung. der sogenannten Parche im großrn Ausschußzim- mer versammelt, und hi^r gab der zum Kommandanten der Stadt ernannte Offizterstellvcrtreter Elsässer ei-rge- hende Anordnungen über d n Wach und Sicherheitsdienst usw. bekannt. Die bish-rigen Offiziere der Kommandantur versehen ihren Dienst weiter. Bisher: haben sich riur wenige Offiziere gewctg ft, auch ftrneihin ihren Dienst zu versehen. In dcr Sitzung u u.de v. o. noch btkanntgcgeben, daß der Polizeidirekloc Rein har mit seinem Bcamtcnopparat bereit e- klä-'t hat, dm Polizeidienst weiter im Sinne der neuen Regierung zu übernehmen, und werden nunmchc die PolizeibcaMten den öffentlichen Sicherheitsdienst wieder ausüben.
In den sogenannten Regierungssälen der Kammer tagten H ute weiter die Mitglieder d-s am Freitag vou der altm Stäudekämmer gewählten Staatsrates, um'bei der Bildung der neuen Regierung mitzuwirken, während in einem anderen Beratungszimmer sich die Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion eingefunden hatteki, um den Auftrag des Arbeiter- und So!date«rates, das neue Ministeriums zu bilden auszusührcn. Zunächst winde man dahin einig, nur einen Minister zu wählen, während die Leitung der anderen RZsocts, wie dies unt'L früheren Ministerien schon war, durch Mirüsierral- direktoren geleitet wird, die der Minister ernennt und die ihm unterstellt sind. Zum Staa?Sminist«ch und Minister d-s Innern wurde der bisherige Abg. Ulrich ernannt, vsn der Sozialdemokratischen Parte! trete« weiter die seitherigen Abgg Reumann für die Ernährung und Abg. Naab für soziale Wirtschaft und Lau desarbeitsamt als Ministerioldilektoren in die neue Regierung ein. Die übrigen Ressorts sollten den bürger lichen Parteien Vorbehalten bleiben; der Abg. Henrich übernimmt das Finanzministerium und der Aba. Ucsta dt die Schulabteilung, wenn der Abg. b. Brentano das ihm angebotene Justtzportefeuille übernimmt. Dieser ist grundsätzlich dazu bereit.
"" Gießen. 13 Nov Heute fand auf dem Brand, platz eine große Kundgebung siatt. . h Redner starten die Umänderung der ReichSgcwa' zu einer Vollere!' 7: rung. Es muß in Anerkennung bemerkt w.dev, daß Ruhe und Ordnung in der Stadt ist. leibt das so, dann wird für Arbeit u. Nahrungsmrtt i i. 7 / n.
In Offenbach i.M, Wo u y
und vielen anderen Orten von Hefsu ' ff:
eher.falls durch gebildete Arbeiter-und Soldat:
Umformierung elngetreten.


