Ausgabe 
29.10.1918
 
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klaffe wieder entfernt werden jedoch nur bei sol­chen, die in erster Linie dem großen Durchqangsver- kehrd tc' ;;i.

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Hiußland Annäherung an die Ukraine.

I Tie Bolschelviki sind seit Deutschlands Front­verlegung in gefährlicher Situation. Ter Ansturm gegen ihr Regiment wird immer schärfer. Trotzdem glauben sie sxch halten zu können. Ter Volkskom­

missar des Auswärtigen, Tschitscherin, hat sich an die ukrainische Regierung mit dem Vorschläge gewandt, tu der Ukraine russische Konsulate gründen zu können, wofür auch der Ukraine das Recht zustehen würde,

in Rußland ukrainische Konsulate errichten zu können.

In Petersburg ist der Verleger derBirschinswa Wjedomosti", ein Galizier namens Propper, erschossen worden. Sein Blatt, linksliberales Börsenblatt war englandfreundlich.

In Moskau hat man allgemein die Entlassung verhafteter Aerzte durchgeführt.

Die Grippe.

Vominn ;t" Feind.

In der Medizinalabteilung des Ministeriums des Innern in Berlin fand eine Sitzung sämtlicher be­amteten Aerzte von Groß-Berlin unter Zuziehung von Vertretern der Polizeipräsidien und der Städte Ber­lin, Eharloitenburg itnD Schöneberg, sowie hervorra­gender Kliniker über den Stand der Grippe und inson­derheit über die Frage statt, ob es mit Rücksicht auf die Ausbr.Uung der Grippe erforderlich wäre, als wei­tere Maßregel die vorübergehende Schließung von Thea­tern, Kinos unD ähnlichen Vergnügungsanstalten ins Auge zu fassen Rach der übereinstimmenden An­sicht der Sachverständigen hat die Grippe ihren Hö­hepunkt erreicht und ist vorläufig eine Schließung öffentlicher Vergnügungsanstalten nicht zu empfehlen. 'Auch besteht bezüglich der Schulen Uebereinstimmuug dahin, daß eine grundsätzliche Schließung nicht erfor­derlich ist.

In Deutschland scheint die Hauptgefahr überwun­den zu sein. Die Nachrichten stellen ein langsames Nachlassen der Krankheit fest.

In Holland wütet sie zur Zeit jedoch sehr. Auch ans England kommen Nachrichten über eine beängsti­gendes Umsichgreifen der Grippe.

:: VcrkchrscinschränEuirgeii wegen der Grippe. Ge­genwärtig sind 45 000 Bedienstete im Betriebe der preußisch-hessischen Staatseisenbahnen infolge der Grippe dienstunfähig. Folge ist die Aufhebung weiterer Züge, um ernste Schwierigkeiten bei der Abwicklung des kriegswichtigen Und des Nahrungsmittelverkehrs, insbesondere bei der Kartofselversorgung abzuwenden. Ta von Schnellzügen nur noch der 5. Teil des Frie- densverkehrs fährt, und diese Züge zum weitaus größ­ten Teile dem Militärverkehr dienen, hat sich die Eisen­bahnverwaltung genötigt gesehen, nunmehr auch die Personenzüge erheblich einzuschränken und einen gro­ßen Teil der zurzeit fahrenden Züge vorübergehend aufzuheben.

Aus aller WeU

A Richtpreise für Rohtabat Ter Bundesrat hat die Richtpreise für inländischen Rohtabak aus der Ernte 1018 mit sofortiger Wirkung festgesetzt. Die Preise bewegen sich gegenüber den für gleichen Tabak aus den Ernten der beiden Vorjahre maßgebenden Sätzen in beträchtlich höheren Grenzen. Es soll damit der im Laufe der Zeit eingetretenen Verteuerung der Erzen- gungskosten und berechtigten Wünschen der Tabakpflan­zer Rechnung getragen werden. Die Preisfestsetzung ist auf Gipseltriebe (Köpfe) und Tabakstrünke ausgedehnt worden.

A Wcjhttachtspalrtverkchr für Die Truppen. Um Me über die Militär-Paketämter zu leitenden Weih­nachtspakete für die Truppen im Felde möglichst bis zum Feste ihren Empfängern zusühren zu können, müs­sen sie vis zum 2. Dezember d. I. aufgeliesert sein. In der Zeit vom 3. bis zum 25. Dezember d. I. werden Pakete für das Feld nicht angenommen. Wegen der schwierigen Beförderung ^Verhältnisse nach den entfernter gelegenen Gebieten wird die Auflieferung von Pa­keten dorthin bis zu den nachstehend angegebenen Tagen empfohlen: Nach der Türkei und dem Kauka- stls bis zum 31. Oktober d. I., nach Rumänien und Italien bis zum 10. November d. I., nach Finnland bis zum 20. November d. I. Für Frachtstücke wer­den dieselben Aufgabetermine empfohlen, doch tritt für sie die Annahmesperre ab 3. ezember nicht ein. Ter Päckchenverkehr wird durch vorstehende Anordnun­gen nicht berührt.

**wertlosen" Kartoffeln. Es gibt Gegenden, in denen Kartoffeln iveniger wertvoll sind. In Varrel­busch scheint das der Fall zu sein. Tenn einem Land­wirte wurden dort von seinem Kartoffelselde 34 Säcke gestohlen, aber von dem Inhalt wollte,t die Diebe anscheinend nichts wissen, sie eutlertcu die Säcke und ließen die Kartoffeln liegen.

** Kampf mit Zigeunern. Ein Lüneburger Schutz­mann traf ans dem Hanptbahnhof eine Zigeunersa- milie, welche Oel bei sich führte, das unrechtmäßKg erworben war. Als er das Oel beschlagnahmen wollte, setzten sich die Ztgenner zur Wehr, rissen dem Beamten die Kleider vom Leibe und schlugen mit schweren Knüppeln auf ihn ein. Einem Alaune, der dem Be­amten zu Hilfe eilte, wurde ein Stück eines Fingers völlig abgebissen. Die Täter entflohen.

** Ein Geldschrank mit 90 000 Mavt Inhalt ge­stohlen wurde aus dem Geschäftslokal der Baufirma Holzmann in Berlin. Tie Diebe haben Me 8 bis 40 Zentner schwere Beute mit einem Fuhrwerk fort­geschafft.

** Verwegene Flucht öu-ch Oprnrig an: .>em zweite,, Stockw7kt Tie Duisburger Kr,m:nalpol, i hat den Musketier Walter Probst, der r.ti- >n :>, le Wochen als Des teur in Duisburg he,.' aushielt, in Frie- mershktm festgeuomme.l 'd der dortigen P'lizei ab ge­liefert. Zwei P Aizeibeamte wollt.n Preist schon ein­mal festnehme." hierbei ist er wer vom Fenster aus dem 2 . Stock entsprungen.

** Ztv Tr!/! : F: ?>»,blebe-. Einem raffi­

nieren Schwind l .st ein Juwelier in der Breslauer- straße in Berlin zum Opfer gefallen. Bei ieß sich ein Mann mehrere Ringe vorlegen, die se 7 ,r- ger, der Bibliothekar an der königlichen , Mhek sei, zu kaufen wünsche. Der Juwelier gab dem .anno ein Mädchen mit den Ringen mit Ter Kunde zeigte sich in der Bibl.othek sehr bekannt, - xhm dort dem Mädchen einen Rina tin Werte von 4000 Mark ab, an­geblich, um ih". seinem Schwager zu zciaen, und er verschwand dann durch einen anderen Ausgäng an­der Bibliolhek.

Verzweiflungstat zweier Frauen in Berlin. In der Roslocker Straße 42 wurden in ihrer Wohnung die 78jährige Witwe Gelling, ihre 36jährige Tochter, die Kriegerswitwe Gertrud Jeschke, und deren beide Kinder durch Gas vergiftet tot aufgesunden Wieder­belebungsversuche hatten nur bei den Kindern Erfolg

** Schüler als Schleichhändler. Bei einer Bäue­rin in Hegenhäule bei Mainhardt logierte sich ein Jüngling ein, der sich als Doktor der Philosophie ausgab. Er bestahl seine Wirtin und wurde flüchtig, konnte aber verhaftet werden. Dabei stellte es sich heraus, daß man ein schönes Nest ausgehoben hatte. Es handelt sich um sechs junge Bürschlein im Alter von 16 bis 17 Jahren, die ihren Sitz in Frankfurt am Main haben. Sie entstammen alle besseren Fami­lien und sind Realschüler. Ter Verhaftete gab aix, 6000 Herrenanzüge gestohlen zu haben, wovon sie einen Teil zu 75 Mark und gegenLebensmittel absetzten, ferner 7 Kilo Sacharin, das Kilo zu 800 bis 1000 Mark, Kernseife und wollene Decken in größerem Umfange.

*'' Schon wieder -nri Rauinoro ii B r*in I.n Hause Königstraße 48, r,i der Scke jc» Hohen CU-in» weg-^-- wurde Der Billeithänoler Köhler ermordet auf- gesunden. Es liegt anscheinend Raubmord vor.

** Rückgang des Wildbestandes in Bayern. Ter Wildbestand im bayerischen Hochland scheint sich infolge der ungünstige.x Witterungsverhältnisse, nicht zuletzt aber auch wegen des gewaltigen Ueberhaudn.h.nens des Wildern- derart vermindert zu haben, daß jüngst eine Treibjagd bei Berchtesgaden, zu der die besten Gebirgsschützen und die des Flachlandes versammelt waren, nur vier .Hasen ergeben hat.

** Mil Morphium betäubte eine Frauensperson auf der Bahnfahrt von Kassel nach Leinefelde ein lbjähriges Mädchen und raubte es aus.

** Vom Zuge überfahren. Bei der Blockstation Blan­kenhain der Strecke Eisenach-Hersfeld wurde die Bahn­wärterin Elisabeth Söker aus Rom-hausen oon dem Eis- nach-Frankfurter D-Zug überfahren und gelötet.. Sie hatte das Nahen des Zuges zu spät bemerkt.

** Fünf Scheunen mit sämtlichen Erntevorräten ver- brannt sind in Danischin. Das Unglück betrifft nur klei­nere Leute, die weder Scheunen noch Getreide oersichert hatten. Es wird vermutet, daß das Feuer oon Kindern ver­ursacht worden.

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* In Budapest wurde der Nennstallbesitzer Auer wegen zahlreicher Schwindeleien verhaftet. Einem Ge­neral hat er 200 000 Kronen entlockt.

Ter Dom in Calcar am Niederrhein, eine ^ :r schönsten, reichsten deutschen Kirchen, wilrde durch Feuer teilweise zerstört.

* Im Bekleidungsgeschäft von S. Behrendsohn in Königsberg i. Pr. wurden von Einbrechern für 100 000 Mark Pelzsachen gestohlen.

' Wie aus Amsterdam mitgetetlt wird, hat die niederländische Regierung die Ausfuhr oon 500 Millio­nen Stück Zigarren erlaubt.

* Durch eine Gasexplosion wurde in der Brunnen­strag» in Berlin der 55 Jahre alte Kaufmann Schwe­riner getötet.

Gerichtssaa!

i Lcmciugc..chr Ahcr Irrsinn Im November war in Berlin eine Frieda Strnse bet D,en Eheleuten Otto in Dienst getreten, wurde aber oon Heimweh geplagt und hat ihrer Herrschaft eines Tages Rattengift in den Kaffee gemischt. Das Ehepaar hatte aber den Kaffee nicht getrunken, da er schlecht schmeckte. Das Mädchen wollte dann den Bergiftungkwersuch wieder­holen und schrieb nach ihrer ;:i,uat an ihre Eltern einen Brief mit der Bitte, ihr doch von dem dort be­kannten wirksamen RattengiftEs hat geschnappt" et­was zuzusenden, da in der Wohnung ihrer Herrschaft viel Ratten sich zeigten. Diesen Brief hat das Mäd- chen verloren; er wurde gefunden und sein Inhalt wies darauf hin, was mit dem schlecht schmeckenden Kaffee vorgenommen worden war. Die Anklage gegen das Mädchen wurde wegen mangelnder Zurechnungs­fähigkeit eingestellt.

± Schlechte Verpackung der Postpakete sollte eine Postaushelferin Jda Böker in Berlin auf die Bahn des Perbrechens geführt haben. Eines Tages kam ein auf der Strecke BerlinStralsund befördertes Postpaket in beraubtem Zustande cfn. Es fehlte u. a. ein Voilekleid, dagegen fand man als überschüssig darin die Ausweis­karte der im Fahrpostdienst beschäftigten Aushelferin Frau Jda Böker, ferner einen RomanUnverstandene Frauen" und einen an Frau B. gerichteten Brief vor. In diesem Briese bedankte sich der im Felde stehende Ehemann für die Zusendung von drei Paketen, in denen sich Gänsekeulen, Wurst, Butter, Oelsardiueu, Zigarren und Zigaretten befunden haben. Diese Entdeckung ver- anlaßte eine Haussuchung bei Frau B.: letztere förderte ein ganzes Warenlager gestohlener Sachen zu Tage. Folge: Geständnis von gleich vier Aushelferinnen.

Entschuldigung: Sie hätten die Pakete nicht gewaltsam geöffnet, sondern diese seien beim Hineinwersen in den Postwagen auf den Stationen beschädigt unD da­durch geöffnet worden. Urteil: 1 Jahr Gefängnis.

ib Ein Warlesaal-Mnrder Die Strafkammer in

Cassel verhandelte gegen einen jener Spitzbuben, die es als Sondergebiet betreiben, die Reisenden in den Wartesälen, auf den Bahnhöfen und während der Reisen auf den Eisenbahnzügen zu bestehlen. Der Angeklagte war der Fabrikarbeiter Br. von Cassel, ein arbeitsscheuer Bursche von erst 19 Jahren, der schon wiederholt wegen Eigentumsvergehens bestraft wordexx ist. Vorzugsweise hatte es der Angeklagte auf den Wartesaal 3. und 4. Klaffe des Bahnhofes ab­gesehen, wo es ihm auch gelungen ist, in vielen Fällen I die Koffer von Reisenden zu entwenden. Als dem

Angeklagten der Boden ln Eaffel zu heiß würde, ver­legte er den Schauplatz feiner diebischen Tätigkeit nach anderen Großstädten, bis er schließlich in Braunschweig erwischt wurde. Der Gerichtshof verurteilte den An geklagten zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr Ge­fängnis.

iE Seine Zwillinge in geistiger Umnachtung ge­tötet. Das Schwurgericht in Halberstadt verhandelte gegen den Bergmann Rudolf Küllmer wegen vorsätz­licher Tötung seiner Zwillinge. Ter Angeklagte soll seine beiden vier Monate alten Kinder dadurch er­mordet haben, daß er ihnen das Deckbett so fest über den Kopf zog, daß sie ersticken mußten. Er bestritt in der Verhandlung jedwede Schuld. Im Laufe der Ver- Handlung wurde von ärztlichen Sachverständigen fest- gestellt, daß der Angeklagte an den Folgen einer schweren Nervenkrankheit leidet. Die Sachverständigen erklärten, daß bei Küllmer zur Zeit der Tat die freie Willensbestimmung ausgeschlossen war. Das Urteil lautete demgemäß auf Freisprechung.

Scherz und Ernst.

tk Tie au-gebliebene Ohrfeige. Vor etlichen Jahren begab sich in Ettlingen bei Karlsruhe ein drolliges Geschicht- chen, das jetzt, da dessen Held, Prinz Max von Baden, Reichskanzler geworden ist, iaktuelleS Interesse hat. In dem genannten Orte kam, so liest man tmTag", ein elegante-, rotlackierteS Auto mit einem Dragoneroffizier einer weiß­gekleideten Dame und dem Schofför im mäßigen Tempo zum Städlle heraus, um hinein nach Karlsruhe zu töffen. In einem Fabrikvorgarten war der Laufbursche gerade mit dem Besprengen der Pflanzen beschäftigt und gab dabei mit sichtlichem Vergnügen dem vorüberflitzenden Auto auch einen Guß. Sofort wurde das Fahrzeug ungehalten, der Bursche nahm Reißaus, der Offizier und der Schofför folg­ten ihm und holten ihn aus seinem Versteck in einem Kaufladen hervor. Der Offizier packte den Missetäter am Kragen, der Schofför führte ihn hübsch an der Hand, und so g tngs zu dritt zum Auto.Hier, leiste der Dame Abbitte." sagte der Offizier, und der Bursche stammelte eine Entschuldigung.So, nun kannst du gehen!" sagte der Offizier. Während der Bursche dein davoneilenden Auto­mobil scheu nachsah, sagte ihm jemand:Du, daö war der Prinz Max und seine Frau." ,,O," erwiderte der

Bursche,Der hätt' «x'r schon eine hineinhaue derfe!"

tk Tas Winterpalais als Volkshaus. In d'esen Tagen wurde im früheren Winterpalais in Peters­burg, dere hemaligen Residenz des Zaren, e*ne Volks­küche, in Der 2000 Personen gespeist werden sollen, eröffnet. Diese Volksküche wird auch effxe Zentralküche haben, iix Der für alle anderen Volksküchen Peters­burgs Speisen zubereitet werden.

tk Ter ersteFriedens-Vergnügungspark" in Berlin.

Tie Schausteller, die während des Krieges ihrem Ge­werbe entsagen mußten, beginnen sich zu regen. Der erste große Vergnügungspark, der seit Kriegsbeginn die Erlaubnis zum Betriebe erhalten hat, wird in Kürze inmitten der Friedrichstadt seine Pforten öffnen. Er befindet sich auf dem Terrain nördlich des Bahnhofs Friedrichstraße, auf dem früher MePepiniere", die militärische Chirurgenschule, stand. Bis Kriegsausbruch war auf dem Bauplatz einRummel" in Betrieb, der­bem Fremdeuviertel nicht gerade zur Zierde gereifte. Der neue Vergnügungspark soll aber einen eleganten Anstrich erhalten und nur erstklassige Unterhaltungen bringen. Zurzeit wird an einer Riesenrutschbahn fleißig gebaut. Man merkt also schon, daß derRummel" verewigterKirmetz"-Ersatz der Kölner we'ter ge­pflegt werden soll, wenn auch unter anderem Namen und im Glaeee.

tk Beerdigungen ohne Särge? Der Untersee­bootkrieg richtet sich auch gegen die Holzversorgung Englands; vor allem mangelt es jetzt empfindlich an Grubenhölzern. Das geht auch ans einer vielsagenden Anregung desManchester Guardian" hervor: Jetzt schlägt man die Beerdigung ohne Sarg vor, und zwar wegen des Mangels an Ulmenholz. Die Beerdigungs- Unternehmer schlagen Korbsärge vor. Mister Leweson Gewer tritt für die Wiederaufnahme derguten alten Sitten" ein. überhaupt auf einen Sarg zu verzichten. Diese Sitte ist aber nicht einmal so alt, denn bis zum Ende des 17. Jahrhunderts, wo die Einsargung für alle zur Regel wurde, beerdigte man in England die Armen, zwar in Ehrfurcht, aber nur mit einem Tuche, in manchen Fällen nur mit Heu und Blumen bedeckt. Es ist bemerkenswert, daß das Totenamt des Gebet- buchs den Sarg nicht erwähnt . . . Diesewertvolle Anregung" läßt in der Tat tief blickeix!

tf Ter Erfinder ohne Modelle. Kürzlich machte eine Notiz die Runde durch die Zeitungen, die lautet: Arthur Bürger aus Kuhla, ein 18jähriger Ersinder, ist für erfolgreiche Tätigkeit auf dem Erfindungsgebiet vom Verein Deutscher Erfinder E. B. ein Ehrendiplom in Anerkennung seiner großen Leistungen und Ver­dienste für die Allgemeinheit verliehen worden. Der junge Mann, der sich schon seit seinem 15. Jahre mit Erfindungen befaßt, besitzt zurzeit 25 schntzfahige Er­findungen, darunter angeblich auch größere, die von be­sonders weittragender Bedeutung nach dem Kriege sein sollen." Einige Zeitschriften brachten sogar das Bild des jungen Mannes dazu. Der Sache wurde nun auf den Grund gegangen. Von dem, was derErfinder" vorzeigen konnte, ist nicht zu erwarten, daß er Geld damit verdienen kann. Bürger hat als Kaufmann in Jena gelernt und war seit seiner Lehrzeit noch nicht wieder in einem festen Arbeitsverhältnis: er hat. wenn er arbeitete, nurerfunden", aber nur auf dem Papier, denn er hat nicht ein Modell.

tk Tic gestohlenen Trcssurschwciue. DW Wohn­wagenbegleiter eines Wanderzirkusses, denen n. a. die Verpflegung zweier dressierter Schweine oblag, ver­kauften in Leipzig die beiden vierbeinigen Künstler an einen Bahnarbeiter für das Spottgeld von 150 Mark. Die beidengelehrten" Tiere waren aber 5000 Mark wert, was man dem Bahnarbeiter natürlich verschwieg. Der Käufer hatte sozusagen schon das Messer gewetzt, um die Schweine abzustechen, als die Polizei auf Der Bildfläche erschien und dem Zirkusbesitzer seine wert­vollen Tiere noch retten konnte. Die beiden gewissen­losenZirkuskünstler", die ihrem Chef außerdem noch 7000 Mark bares Geld gestohlen hatten, sitzen hinter Schloß und Riegel.