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2?*" Z. Als Vorboten der Befreiung suchen täglich En- tentejlugzeuge die bejejitcn Gebiete auf und wer en aus bisher unzerstörte belgische und französische Städte Bomben. Am
18. 10. nachmittags griffen 12 Flugzeuge Gcnl an. Unter den 08 Opfern befinden sich allein 22 Kinder tot bezw. verlebt. In der Nacht vom 18. zum 10. 10. waren Maubcuge. Hireont. Hautmont, Frvunier und Mcmtcornet Ziele seind- Ilcher Fliegeangriffe. Mieden bettäckstlichem Häuser- und .Brandschaden ist eine Anzahl Personen, hauptsächlich aus der Zioildeoökerung, gelotet oder verwundet worden. Am
19. 10., 2 Uhr nachmittags wurde Mons mit Bomben belegt Das französische Hospital, die Iesuttensttftung, das deutsche Lazarett und einzelne Stadtteile wurden l)eimgefucht. 88 Tote bezw. Verlegte, darunter 23 Frauen. Am 19. 10.
t räumont, nordwestlich Rethel, -um ersten Mal von feind» cher Artillerie beschaffen.
ErsckMernde Bilder de« Glend«.
WTD. Erschütternde Bilder werden aus Belgien irnd 'Nordsrankreich von dem Elend der vor den englischen und ßranzösvschen Granaten flüchtenden Bevölkerung berichtet: Alle deutschen Kolonnen sind mit Flüchtlingen lmloden, oft wehr, als den Pferden zugemutet wergen v^nn. Die Fahrer teilen Essen und Brot mit den Unglücklickxn. Selbst die Batterien müssen helfen, alle die fortzuschaffen, die vor den englischen und französischen Granaten flüchten. Auf den Progen sigen Greise und alte Mütterchon, auf dem Rad sitzen Binder. Die gutmütigen Kanoniere gehen nebenher und h"lfen Handwagen mit armseligem Hausgerät ziehen. Wo es geht, nehmen Eiff'nbahnzüge und Kolönnen die Flüchtlinge «uf. Doch weder Wcmen und Züge reichen für die Aufnahme oller aus. Und fo sieht man zwischen den Kolonnen der mar» schierenden deutschen Truppen, arm und reich bunt durch- einander zu Fuß durch Regen und Kot trotten. Hker fährt ein Sahn seine Mutter auf einem Schiebkavren. dort sitzt ein berühmter Zellist am Straßenrand, müde und frierend kaut er an einem Stück Brat, das ein deutscher Soldat mit ihm teilte. Danen senkt sich kalt und feucht die Dämmerung herab. Der Regen rieselt weiter. Dr und dort bricht ein Wagen zusammen, das Geschrei der Betroffenen, die ihre Habe 1m Straßcnsckpnub zusammensuchcn, gellt durch die Nacht. So geht der Marsch, bis die Unterkünfte erreicht find, wo so gut, wie es gehl, Quartier und Verpflegung be- reitgestellt sind. Die aber den SDtott haben, der Gefahr zu trogen und lieber in Ihrem Heim sterben wollen, als es vcr- lassen, verbarrikadieren die Kelleröffnungen, schaffen Ma» tragen und Lebensmittel herunter, und harren des Augen- blicks, bis entweder ihre Häuser zusammenstürzen oder sie bleich und übcrnüchiigt die eknrückendcn Engländer und Franzosen als „Befreier" begrüßen tonnen.
Was die Flüchtlinge berichten.
TU. Der Nieuwe Rotterdamfche Courant meldet aus Noermond: Flüchtlinge aus Nordfrankrelch, die gestern über die holländische Grenze kamen, berichten, dag Douai von der englisäien Artillerie in Brand geschossen wurde. Die Flüchtlinge befinden sich in traurigster Verfassung.
WTD. Zur Untersuchung der Wahrheit der Des Huldigungen über angeblich zwecklose Berwustungcn unb Zerstörungen bei dem Rückzug der deutschen Truppen begab sich eine neutrale Kommission, lestel)cnd aus in Brüssel wohnhaften Vertretern neutraler Stonlen an die Front. Der Chef der politischen Abteilung in Brüssel. Gesandter Freiherr von der Lanken, übernahm die Führung der Mssion.
Strafuachlaß gegen Belgier und Dngphörlgsr neutraler Staaten in Belgien.
DTD. Brüssel. 22. Okt. (Amtlich.) Der Generalaovv-r. neur Generaloberst Frhr. von Falkenhausen hat allen Belgiern und Angehörigen neutraler Staaten, d e von deutschen Militärgerichten oder militärischen Befehlshabern im Gebiet des Generalgouvernements zu Freiheitsstrafen verurteilt worden sind und ihre Strafe zum Teck in Belgien verbüßt haben, den Rest der Strafe km Gnadenwege erlassen. Ausae- schlossen sind diejenigen, welck^e wegen aenreiner Verbrechen verurteilt sind. Der Generalaouverncur hat weiter bestimmt, daß diejenigen Belaier und Anaehörigen neutraler Staaten, .gegen die durch militärisch polizeilick>es Verfahren Freist?its- sentzieh'.'na verfüat worden ist und die sich zi'.m Teil in Bel- ^»len o>-r in Deutschland im Lcmer befinden, fremelassrn wer- p*n. Mit der Entlassung soll am 21. Oktal- ; benennen werden. Nur eine beschränkte Anzahl von Persönlichkeiten, deren ^reie Beweauna in Belaien nach der Natur der Din^e nicht möglich ist. so lange dort noch gekämpft wird, wird bei der Räumung Delaiens kn Freiheit aesetzt norden. Für diej^niaen B"leier. die ihre Strafe in Deutschland verbüßen, ist ein gleiclnr Gnadend! in Vorbereitung.
Drr ofterrelchilch-NAgarlsche hsMstzerW.
DTB. D1 1 n , 21. Ott. (Amtlich.) Auf »rm itatte-li- Jch-u Kriegsschaunlaß keine größeren Kampfhandlnn^n. — jDckderseits der südlichen Marawa vncrdrn serbische Teil- Angriffe abqewlefen. — Im G-birgr westlich Zajecar ma.cht sich der serbische Druck stärker fühlbar.
Neuer italienischer Generalissimus?
Tll. Sehr vorsichtia behandelt man ln Parka die Mel- onng von der bevorstehenden Ersetzung des italienischen Heerführers Diaz durch den Herzog von Avsta. Während vor jüngsten Anwesenheit von Diaz in Varls wurde mehrfach ch"rvorgehoben. daß zwisck)cn Fach und Diaz durck^aus korc^te Beziehungen fortbcstehen. Würde der Herzog von Aosta Generalissimus, so wä - ein gesteigerter Einfluß Fochs auf hie italienischen Operationen unmittelbar zu erwarten.
TaMg bcs tschechischen Mtionalmirfchusies.
bb. Die Blätter melden aus Prag: Gestern tagte unter dem Vorsitz von Kr n'arfch der tsch?chischa Naliormlausschuß Innd der tfchech-ische Mgeordpetenverb nd.. Die Beratungen .waren vertraulich. Es wurde eine-Resolution gefaßt, in der sich der Rotionalausscduß für die Selbständigkeit des 1sck>e- chischen Staates mit Umgehung der Wiener Instanzen und für den Schuh der Slovaken ausfpr ch. — Die gestern abend wieder neu erschienenen „Rarodni Lysti" schreiben über die Beratungen: In erster Linie wurden neuerlich die Desttr,- mungen der tschecho-slowakischen Ration, welche einzig und ollem mit dem polnischen und tschecho-slowakischen Staaten verbündeten souveränen selbstänki-en ffchechv-slovattschen Staate gipfeln, festgelegt. Cs wurde klar ausgesprochen, haß die Grundlagen des tschecho-slovckischen Staates nichr durch Abtretung von Teilen seines historischen Landes gestört werden könne. Auch solle der tschecha-slovakrsche St rar im weitesten Sinne ein demokratiscs^er sein, welcher grund- sälckich den Bagriss voller Gerechtigkeit gegenüber allen Be- madn.'rn dieses Staate? oln'" Ui'.ler'chied der Nationalität in sich begriffe. Der Nationalunsschuß und mit i,m ans- das ganze tschechische Volk verharren unverbrüch-
.ich auf dem Standpunkle. daß es nckl Wien für die tfchecho» slowakische Ration keinerlei Verhandlungen über ihre Zukunft gebs. Tue tscj>ech!sche Frage hc.be aufoestort, eine Frage der inneren Regelung Österreichs zu sein. Sie sei eine internationale Frage uub werde gemeinsam mit allen Welt- fragen gelöst.
Die SeWSkdiskett EsNsnds v??d LtÄssdr.
TU. Dem Vorsitzenden des Vereinigten Laudesrates von Livll nd. CjUand, Riga uick) Oefel wurde am 10. Oktober laut Baltischer Zeitung in Riga die vom Kaiser am 22. September vollzogene Urkunde überreicht, wonach, nachdem Rußlaru) durch Artikel 7 des deutsch-russischen Ergänzuiuzsvertrages zum Drcster Friedensvertrage auf die Staatshoheit über Estland. und Liol'nd verzichtet hat, diese Gebiete im Namen des Deutschen Reiches als frei und selbständig c rkannt werden. Der ständige Ausschuß des Bereinigten Landesrots trat aus diesem Anlaß am Sonnrrheird im Rigaer Schloß zu- somr. n.
Matznuna.
Mlchek, sie stecken Dein Haus in Brand!
Michel, sie wollen Dein schör'.es L,znd!
Michel, sie wollen für Freiheit und Recht
Künftige Bettler aus Deinem Geschlecht!
RUchel, sie wollen, die Wilson'sche Rotte,
Auch noch die jung-stolze, unsere Flotte!
Mchel ergrimme und packe zu!
G l b ihnen Haue! Erzwinge Ruh!
Und zeichne die Otel
Else Kazmeier.
ZuM Slatttzallekwechsel in EM-Lsttzüngen.
Einen nicht alltäglichen Werdegang hat der neue Statthalter von Elsaß-Lothringen, Bürgerulei\rer Dr. Schwander, Staatssekretär a. D. des Reichswirtschaftsamtes,(genommen. An seiner Wiege ist ihm weder von Exzellenzen- noch von Statthalterherctichkeit ».lwas vorgcsungen wor-dcn. Aus einfachsten, kleinbürgerlichen Verhältnissen hervorgegmtgen, zeigte der 'Zlufflicg des jungen Schw-ander, was ein starlcr Wille und hingebender Fleiß vernmg. Dr. Scluvander ist ein Seif- made-r-an in des Wortes vollster Bedeutung. In seiner Baterstaht Colmar besuchte der am 28. Dez. 1868 Geborene zuerst die Volksschule, dann eine Mittelschule. Mit 14 Jahren tret er in die Verwaltung der Stadt ein. Mit eiserner Energie, großenteils durch Nachtarbeiten, bildete er sich in fremden. Sprachen und der M-thematit weiter. Sein besonderes Interesse widmete er der Arinenvevwoltung. In ganz kurzer Zeit wurde er zum Leiter des Eolmarer Arm^n- anites ernannt. Auf Grund eines abgelegten Examens wurde ihm 1897 der ordentliche Besuch der Kaiser-Wilhelms- Un-iveriilät gestaltet. Während seiner Studien schrieb er eine l)ervorragende Schrift über das Arnrenrecht in Elsaß- Lotyrnrgen. 1901 promovierte der Hochbegabte im staats- wissenschastlichen Seminar surnma cum laude zum Doktor. Im gleichen Iayre übernahm er die Leitung der Straßburger Armenverw-lltung, die er in für ganz Deutschland inu> icergültiger Weise neu organisierte. Ä.n 11. Oktober 1906 wurde Schwander zuu, Bürgermeister der Stadt Slraßburg gewählt. Die Stadt verdankt ihrem jüngsten Oberhaupte viel. So hat er vor allem in den allen, engen, verwinkelten Gäßcken der Altstadt durch seinen großartig durcl-geführten Sir. ßcndnrchbrnch Lust und Licht geschaffen. Für die kleinen Beamten und Arbeiter errichtete Schwand« die Wald- und Gartenvorstadt Stockfeld. Unter Mchaelis zum Leiter des Reichswirtschaftsamtes berufen, scheint er in Berlin bv! Durchsichrung seines Reformwerks auf ernste Shwle- rigkeiten gestoßen zu sein, so daß er im Winter vorigen Jahres wieder auf seinen Bürgermeister-Posten zurückkel/rke. Schuxnnder ist ein deutschgeslnnier Polililer, dem auch die eingewanderte Bevölkerung in ihrer schwierigen Lage viel Vertrauen entgegenbringt.
Aus WeftderrtWssd.
Köln, 22. Okt. Der Regierungspräsident hat auf die Ermittelung der Täter, die Sonntag nacht in der Wetzlarer- straße zu Deutz den Schutzmann von Earmrp erschossen und den Musketier Prinz durch einen Bauchschuß schwer verletzt haben, eine Belohnung von 1000 Ji ausaesetzt.
Köln, 22. Oft. Aus vorbeugenden Gründen gegen die Grippe ordnete der Oberbürgermeister die Schließung aller Schulen auf die Dauer von 14 Tagen, vom 21. Oktober bis einschließlich 3. November an.
BvRU, 22. Okt. Ein Gymnasiast, der im Hilfsdienst mit dem Ausladen von Kartoffeln beschäftigt war, geriet auf dem Güterbahnhof zwischen die Puffer zweier zusammenstoßendec Güterwagen und wurde so sck'wer verletzt, daß er ball» daraus in einem Krankenhause starb.
Diire«, 22. Okt. Den Dock zum Gärtner gemacht halte man hier durch Anstellung eines Mannes als Nachtwächter. Derselbe stieg nachts in ein ihm zur Bewachcrng anvertrautes Gebäude und stahl dort 10 Brote, die er einem ^Schmiere" >tel>enden Arbeiter vertuuste. Beide wurden zu 6 Alonaten Gefängnis verurteilt.
Eupen, 22. Olt. In den legten Tagen wurden im hiesigen Bezirke an mehreren Stellen Kühe von den Weiden gestohlen und ab^eschlochtet.
Düsseldorf, 22. Okt. In einer Versammlung berichtete Beigeordneter Dr. Wilden über dag Iugendfürsorgegesetz und die Errichtung von Jugendämtern. Der Gefährdung der Jugend muß entgegengewirkt werden.' Ein betrübende-, Merkmal für die Verwilderung der Iugendlicl-en ist die starke Zunahme der Bestrafungen Jugendlicher, die in Düsseldorf im Jahre 1914 noch 237, dagegen im Jahre 1917 bereits 648 betragen haben. Immerhin glaubt der Berichterstatter die Zustände nicht als hoffnungslos ansehen zu brauchen. Die Zugend hat während des Krieges viele Beweise einer gesunden -Gesinnumg erbracht, so daß man mit vollem Vertraue in die Zukunft sehen tonne, wenn man nur jetzt alle Kräfte zusamrnenfafse, um die Iugendnct zu beseitigen. Diesem Zwecke dient das Iugendfürsorgegesetz. Dr. Wilden dezeich- nete es für Düsseldorf als notwendig, für die gesamte Jugend, fursorge eine Zentralstelle zu schaffen und eine Vereinheitlichung aller Bestrebungen herbeizuführen. In der Aus- spräche kam die Freude über die geplante Zu.sauunenfass.nrg der Jugendfürsorge und die Bereitwilligkeit der Vereine, hier, bei mitzuwirken, zum Ausdruck. Geheimer Iustizrat Mosler bekräftigte auf Grund feiner reichen Erfahrungen r ls Jugend, r'.chter die Hoffnung des Berichterstatters, Dr. Wilden, daß nach dem Kriege dis Jugend wieder in geordnete Vor- hüllnisse tarne, da sie sich als gesund im Kern erwiesen habe.
Dafür spreche atuh der Umstand, daß die meisten Befttlafw« gen infolge von Eigentumsvergehen vorgenommen feien, daA aber die st'vhheitsveraehen bedeutend abgenommen hätten. ^
Düsseldorf, 22. Okt. Die Strafkammer hat am 7. Mar^ den Kaufmann Isidor Landau wegen übermäßiger Preissteigerung zu einer Geldstrafe von 100 000 Jt verurteilt. Der Angeklagte stellte 1916 und 1917 Suppenwürze her, die er mit übermäßigem Gewinn verkaufte, dtach dem Gutachten der Sachverständigen war diese Würze durchaus mlnderwer- tUj und bestand zu 93 Prozent aus Wasser und Salz. Die Revisio:i des Angeklagten wurde vom Reichsgericht als unbegründet verworfen.
Barmen, 22. Okt. Auf der Barmer Bergbahn kam ein Wagen ins Rutschen und raste die abschüssige Straße hinab. Dubei erlitten 4 Personen schwere Verletzungen. Dem Wagenführer gelang es, den Wagen zrun Stehen zu bringen, be» vor sich noch schlimmeres Unglück ereignete.
Kreirld, 22. Ott. Der Gärtner R. Gahlen, der am 1. Juni feine Ehefrau, mit der er wegen deren unsittlichen Lebenswandels jahrelang in Zwist gelebt, mit einem Gewichtsstein erschlug, wurde in der letzten Sitzung des Schwur- gerichts nach langer Verhandlung freigesprochen und aus der Hast entlassen. Die Geschworenen hotten die Schuld- fr u ge deshalb verneint, weil Gahlen, ein fallfüchttger Mensch, se^n sittlich verkommenes Weib ständig betrogen, gereizt und verhöhnt, bei der Begehung seiner bösen Tat seiner Sinne höchstwahrscheinlich nicht mächtig war.
Opladen, 22. Okt. Hier sind in der letzteu gell 6000 To. Zucker aus der Ukraine hereingekommen.
Eleve, 22. Okt. Im hiesigen St. Antoniushospital erlagen an einem Tage zwei Krankenschwestern der Grippe.
Mülheim (Ruhr), 22. Okt. Zur 9. Kriegsanleche hat die Thyssen-Gruppe 12 Millionen Mark gezeichnet. Die Summe der gesamten Zeichnungen auf alle 5triegsan1echen stellt sich darnach auf 67 Millionen.
22. Okt. Das drei Jahre alte Kind Amu» der Eheleute Georg Melchers, Karl-Humann-Straße 20, fiel die Treppe hinab. Die Kleine zog sich hierbei eine Schab eioerletz ung zu und starb.
Aus sßer Welt.
TU. Berlin, 22. Okt. Den polnischen Abgeordnete« Korfanty und Seyda, die sich auf Einladung nach Warschau begeben sollten und als Minister für die deutschen Bestandteile des erbofften Großpolen genannt wurden, sind die Paffe
verweigert worden.
TU. Berlin, 22. Sept. Trotz aller möHlichen Vorkehrungen und Sick)erungsmaßnahmen greift die Grippe immer weiter um sich. Der Stand der Höchstziffer der Ortskronken- lasse hat gegenwärtig die der letzten Grippeepidemie d. Z. be-, deutend überschritten. Heute fällt bereits in 100 Berliner Schulen der Unterricht wegen Grippe aus.
WTD. Berlin, 22. Okt. Die Choleraerkrankungen in Berlin und Umgegend, über welche ausgangs September? berichtet worden ist, sind sämtlich erloschen. Im ganzen handelt es sich um 19 Erkrankungen, wovon 15 tödlich geendet und 4 in Genesung übergegangen sind, sowie um 3 Dazillerr- träger.
Wien, 22. Okt. Mit Rücksicht auf den derzetttgen Stand, und Umsang der Grippe wurde der Beschluß gefaßt, von morgen bis auf weiteres den Eintritt in den Kinos und alle Theatervorstellungen zu verbieten.
WTB. Wien, 22. Okt. Rach einer Mitteilung der Süd- bcr7)ndireltion stieß am Sonntag abend in Kapfenberg ein von Wien abgehender Schnellzug auf einen Güterzug. Mehrere Wagen gerieten in Brand. Bisher wurden 15 Persorren al« tot und 50 als schwer verletzt gemeldet.
TU. Mailand. 22. Okt. In ganz Oberltalien nimmt die Grippe einen gewaltigen Umfang an. In Mailand wurden 100 000 Grippesälle festgestellt. Alle Theater und Dergnü- Ilmgsstätten in den oberitalienischen Städten wurden geschlossen. In Turin starben in der ersten Oktoberhälpte 1450 Personen an der Grippe. Täglich fallen ihr dort noch etwa 125 Menschen zum Opfer. Der Erfinder Marconi ist au der Grippe schwer erkrankt.
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Vermischtes.
Eine Milliarde.
In der Kriegszeitung der 10. Armee plaudert Gefreiter G. Uschmann über die Kriegsanleihe und erläutert den Begriff einer Milliarde an verschiedenen interessanten Beispielen. Daß eine Milliarde tausend Millionen sind, weiß . jeder. Eine Milliarde Infanteristen in kriegsstarke Regimenter zu je 3000 Mann eingeteilt, ergäben 333 333 Regimenter.
Ein Vorbeimarsch dieses Heeres in Marschkolonnen, je vier ' Mann nebeneinander, würde ununterbrochen elf Jahr« dauern. Um dieses Riesenheer mit der Eisenbahn zu befördern, brauchte man 20 Millionen Wagen zu je 50 Mann. Di». Länge eines Wagens mit 10 Meter berechnet, ergäbe einen Zug von 200 000 Kilometer Länge; er würde fünfmal um die Erde herumreichen. Ein Maschinengewehr, das in der Minute 250 Schuß atgibt, müßte 714 Jahre ununterbrochen Tag i»nb Rächt feuern, um eine Milliarde Patronen zu verbrauchet Lin Milliardär, dessen Vermögen gerade eine Milliarde JC betrügt, kann täglich unbesorgt 1000 Mark ausgeben urrd braucht sein Kapital nicht einmal auf Zinsen anzulegen. Er könnte 2740 Jahre alt werden, bis der letzte Tausendmark- schein verausgabt wäre. Wenn man in der Minute bis 200 zahlt, müßte man 9% Jahre ununterbrochen zahlen, bis man eine Milliarde erreichte. Eine Milliarde Stunden in Jahre »ungerechnet ergibt die ansehnliche Zahl von 114 Jahren.,^ Line Milliarde Mark in Tausendmarkschcinen roiegt 30, in' Zwanzigmarkstücken aber 8000 Zentner. Bei allen diesen Vergleichen handelt es sich nur um eine Milliarde, man muß' also' diese Begriffe ins 12fache übertragen, um einen Deoriff von dem gewaltigen Ergebnis der Kri^sanleihe zu erhalten. Wenn uns unsere Feinde hohnlacberrd die Buttcr- und Fleischpolonaisen verhalten, so können wir ihnen «rtt Stolz entgegnen: Es ist wahr, daß die Leute scharenweise^ vor den Lebensmittelläden gestanden sind, sie haben sich aber nicht minder vor den Danken und Sparkassen gedrängt, al» der Ruf zur Zeichnung der Kriegsanleihe erging.
Salomonisches Urteil.
g»vei Damen teil. Die eine öff
lauten Einspruch, inden. sie geltend mod)*, durch den entstehn den Luftzug werde sie sich den Tod holen. Die erste erklärt wieder der Schlag würde sie rühren, fall» da» Feirste» nicht offen sei. Unterdes ist der Zugschaffner hinzugckom- vup ii, er erweist sich als wal)rer Solomon, indem er entscheidet: ^Ietzt machen wir erst einmal das Fenster auf, von« sterben Sie. und dann schließen wir es und bann sterben und donl» haben, wir errhlich R»che, _
sitzen zusammen in einem Eisenbahnal'-. net das Fenster, die andere aber ert>ebt!


