Ausgabe 
19.10.1918
 
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ÄcrSmMiwgsverikye.

. . Schneller, als erwartet, hat der Präsident der Der-:!- "/§ren Staaten feine Meinung über die deutsche Rate vom IS- Oft ober geäußert. Um es gleich vorweg zu nehmen:

der offensichtlichen Betonung, daß die deutliche Ant. v>ort^ der deutschen Regierung auch eine offenherzige und Ltres.e Cruunmg erfordert, muß leider gesagt werden, daß Dan diesen für die rasci>e Weiterführung der Lerl-andlungen To notwendigen Eigenscliaften nicht viel in der Note zu ver- Zpurcn ist. Gleich zu Beginn weicht der Präsident der Der- eul.iten Staaten der Entscheidung über die Räumung des Gebietes und hie Bedingungen des Waffenstillstandes aus. Cv vermeidet es, auf den bündigen Vorschlag der deutschen Regierung oinzügehen und stellt sich plötzlich auf den Stand, punkt, daß diese Frage keine politische, sondern eine mili- ^technische Angelegenheit ist, über die nur die Entente ßn ihrer Gesamtheit entscheiden könne. Abgesehen von allem «itbcni bestände immer noch die Möglichkeit, sich über die Details dieses Vorschlages zu verständigen, wene er nicht durch neue Forderungen verklausuliert wäre. Als Grund- läge für den Abschluß von Abmachungen forder: Wilson be- fieüigende Garantien und Sicherheiten dafür, daß die Heu- lige militärische Ueberlegenheit der Alliierten ausrechck erhal. len bleibt. Worin bestehen nur diese Sicherheiten und Ga. antren?^ Zunächst wird gefordert, daß die bewaffneten Streitkräfte Deutschlands ihre gesetzwidrigen unmenschli« d>cn Handlungen nicht fortzusehen, d. h. also Einstellung des Unterseebootkrieges und Aufgabe des militärischen Wider- standes in Flandern und Frankreich. Ueber die Möglichkeit einer Einstellung der Feindseligkeiten zu verhandeln, war ja der Zweck des deutschen Friedensangebotes. Aber es kann ^ ,Wlich von deutlcher Seite darauf eingegangen werden, die Einstellung der Feindseligkeiten von deutscher Seite zur Voraus^ung für den mögliclnn Abschluß eines Waffenstill, standes zu machen Das deutsche Volk führt den Krieg doch wahrlich nicht zu seinem Vergnügen, und seine Kampfmit- tel sind doch lediglich eine Folge des Vernichtungswillens der Gegner. Der Unterseebootkrieg dient doch nicht dazu vm für nichts und wieder nichts Schiffe zu vernichten, fon- !dcrn eme Hungerblockade der Absperrung Deutschlands von 'dem Meere. Er ist also kein Angriffs- sondern ein Abwehr- mittel. Ähnlich verhält es sich mit der Beschuldigung, die sWilson wegen der Vernichtung Belgiens und Rordfrank- weichs erhebt. Die deutschen Heere befinden sich doch in der Verteidigung gegen einen zahlenmäßig überleaenen mit ollen technischen Hilfsmitteln ausgeft-^tteten Feind, der von dieser, technischen Hilfsmitteln allerausgiebiasten Gebrauch ? Qd? rL ^Slrsche Marinemimster Churchill hat sich erst kürzlich dessen geühmt, wieviel Tonnen Granaten täalich ouf die deutchen Linien geschüttet werden, und die belaischen und nordffanzösischen Städte und Dörfer werden durch das o?uer der eigenen Landsleute und ihrer Verbündeten ver-

deutsche Regierung hat ja ausdrücklich ihre Be- reitfchaff zur Beendigung dieser Zustände erklärt, deren grausame Wirkungen sie und das deutsche Volk sick-erlich Milcht weniger berkagt, als die Gegner.

Höchst merkwürdig aber ist es, daß Wilson in seiner §uen Rote em ganz neues Moment in die Debatte wirft. Nachdem sich Deutschland rundheraus auf den Boden samt- sicher vom Präsidenten der Vereinigten Staaten nominierten Forderungen gejtellt hat, weist er mit einem Male auf eine ^eue Klausel hm von der bis jetzt niemals die Rede war. «lbgesehen von dieser ungewöhnlichen Methode, läßt sich beim besten Willen aus dieser mystischen Erklärungen schwer eme Deutung herausleien. In dem Zitat dieses Passus lesen wir, daß er die Vernichtung jeder willkürlichen Macht, die den Weltfrieden zu stören versucht, ohne ihre Herabmin- derung bis zur tatsächlichen Ohnmacht anstrebt. Auch die Deutung, daß er jene Macht meint, die bisher das Schicksal der deutschen Nation bestimmt hat, macht die Sache nicht klarer. Das deutsche Volk befindet sich gerade im Augenblick trotz aller Erschütterungen von außen mitten in der größten inneren Reform, die ein Volk im Kriege wohl je durchae- macht hat. Der alte deutsche Obrigkeitsstaat wandelte sich in euren Dolkesstaat, und das ganze deutsche Volk ist bereit fir die Sicherheit dieser Umwälzung Bürgschaft zu leistenj denn es handelt sich doch hier einzig und allein um seine eigene Sache. '

Der Präsident der Vereinigten Staaten tut der Sache des Friedens mit dieser Note keinen guten Dienst. Mit Recht hat er stets Klarheit und Dcutlichtcit in jedem Wort gefordert, das hüben und drüben über die Friedenssack« ae- sagt werden sollte. Die erfreuliche Klarheit, die die Dis- Mstivn bis letzt auszeichnete, ist einer Verdunklung der Sachlage geschwunden, und sie schafft neue Verzvaerunacn und muß auf deutscher Seite Widerstände wecken, die alles Eher als dazu angetan sind, eine Beschleunigung des um Achen Blutvergießens und der Bevwüstung Belgiens und Nordfrankreichs herbcizuführen.

Grenzen des Möglichen.

Vordergrund aller Fragen steht ohne Zweifel die Möglichkeit der Räumung der von uns besetzten Gebiete Sie ist von folgenschwerer Bedeutung und bedarf daher der ernstlichften Prüfung. Man muß unterscheiden in die Ge. biete, die östlich und dir westlich der Reichsgrenze liegen. Im Olten hat stch der Zustand entwickelt, daß die Gebiete, die dort «wch deutsche Truppen Herbergen, ihre Vertretungen be. ouftragt haben, die deutsche Wehrniacht als Schutz gegen die Zersetzung anzurufen, die dort drohte. Man kann also nicht davon reden, daß dort ein Zustand entstände, der sich den Abfichten Wilsons unterordnet, wenn unsere Truppen das Ge- biet verließen. Der wörtlich Text der Erklärungen des ame- rikanifchen Präsidenten spricht auch garnicht von diesen Ge- bieten. Dort herrscht vielmehr die Auffassung, daß das Ver­bleiben der deutschen Soldaten die Ruhe und Ordnung for- dert. Dort wird nicht gekämpft, und es kann also oiirf) dort nichts unternommen werden, was an der augenblicklichen militärischen Lage irgendetwas ändern könnte. Wir stehen dort nicht mehr im besetzten Gebiet Rußland. Unsere Trup- pen sind von selbständigen Staaten zur Hilfe gerufen worden.

Es steht ihnen auch keine feindlicl)e Armee gegenüber.

Anders sind die Dinge im Western In Belgien und Frankreich wird mit den äußersten Mitteln, mit den größten Kraftanstrengungen des Großkampfes gerungen. Auf beiden Seiten der Kriegführenden sind alle verfügbaren Mittel auf. gebracht worden, die überhaupt in den Enffcheidungskampf geworfen werden können. Die Räumung konnte dort, da Die deuffchen Truppen tief in Belgien und tief t nFrankreich stehen, nur auf der Grundlage erfolgen, daß unsere Soldaten zurückgehen. Wie das erfolgen soll, ist fjeute noch ganz un. klar. Man spricht bereits darnn, daß neutrale Truppen, etwa 'die Hollands, sich zwischen den feindlichen Linien aufstellen und Kampfhandlungen verhindern. Weiter ist nicht von der

einnebmen. Vor ihnen läge truppenfreres Gebiet, wenn der Feind nicht folgte und seine Grenze besetzte. Es können na- turlich nu» militärische Gesichtspunkte die Frage beantworten, ob wir die Räumung unter fo!d>en Voraussetzimgen einwilli- gen fönucn. Besteht diese Möglichkeit, so muß' heute schon e:n Gedanke besprochen werden, den man zweckmäßiger Weise an den amerikanischen Präsidenten richtete. Ist es nämlich $31110113 Wille, den Frieden herbeizuführen, so hat er min. bestens ein ebensogroßes Interesse daran, daß die Gebiete, die heuter noch nicht durch den Krieg heini-gesucht sind, nach Mög- lichkeit ge,chont werden. Ganz Amerika leidet heute an | einem Mangel an Landesprodutten. Große Acnieen. die un« i * ec ^cn .Waffen stehen, verbrauchen riesige Mengen solcher Lebensmittel, ohne daß dadurch wirtschaftliche Arbeit gelei- siet werden konnte. Zwei Drittel Belgiens und ein Fünftel Frankreichs sind Kriegsgebiet. Besteht irgend ein erkenn barer Grund, auch die geschonten Gebiete noch die Kriegs- greuel>auen zu lassen? Ist es nicht ein Vorschlag, der der amerikanisch-deutschen Friedensidee entspricht, wenn die zu räumenden Länder nur von den eigenen Landestruppen be­setzt werden sollen? Die eigene Armee schont, so gut es geht, alles, was der Erdboden hecvorgebracht. Das Abziehen der übrigen Kriegführenden käme allerwärts der jeweiligen Volkswirtschaft zugute. Wird gleichzeitig die Demobilisierung durchgefuhrt, so ersteht auf dem geräumten Gebiet sofort neues Leben. Auf beiden Seiten wird durch eine solche Maß. nähme förderlich auf den Frieden gedrängt. Es gibt keinen Staat mehr, der dann die Forffetzung des Waffenganges von sich aus verantworten könnte. Gegen jede rechtswidrige Vor- letzung dieses Gebietes aber wäre jeder Staat in der Zeit gesichert, in der er noch nicht auf einen verbrieften Friedens vertrag stch stützen kann.

Beratungen in Berlin.

TU. Die Antwort des Präsidenten Wilson ans die 2. deutsche Note bildete wahrend des ganzen gestrigen Tages den Gegenstand von Besprechungen und Beratungen der Re- glerung und auch der Parlamentarier. Gestern vormittag war auch das'gsfabinett zu einer mehrstündigen Sitzung zusammengetreten. Auch der Nachmittag wurde durch Kon- ferenzen der Staatssekretäre ausgefülit. Gestern abend fand sodann noch beim Vizekanzler von Pay*r eine Be^vrrchnng der Staatssekretäre statt, die lange Zeit beanspruchte. Wie das Berliner Tageblatt hört, ist man zu einer endgültigen Beschlußfassung bisher noch nicht gekommen, da namentlich die Verhandlungen mit den in Betracht kommenden militari scheu Stellen noch nicht beudet sind.

Ernste Worte Scheidemanns, bb. Im Berliner Lo?.-Anz. wird gffagt: Wenn man die neueste Mitteilung Wilsons gebührend kennzeichnen soll, könnte man auf eine Rede Scheidemanns verweisen, der heute als Staatssekretär bei allen entscheidenden Maßnahmen der deutschen Reichsleitung mltznwirkeu berufen ist. Schade, mann sagte n. a.: Diktiert die Entente den Frieden, dann wehe dem Handel, wehe der deuffchen Industrie, dreimal wehe der deutschen Arbeiterschaft! Es ist so. Eine Brotlosmachung von Millionen deutscher Arbeiter steht aus dem Spiel, wenn wir einen Frieden der Entente annehmen müssen. Elend und Not durch viele Jahrhunderte hindurch würden uns zum Bettelvolk stempeln.

Die Köln. Ztg. schreibt: Wilsong neueste Note läßt schon im Ton die Einflüsse der englisck)cn und französischen Hee­resleitungen spüren, die offenbar auf Verschärfungen der Bedingungen sich bemühen und sich gleichzeitig darum be- > müht haben, daß eine etwa zustande kommende Vereinbarung über den Waffenstillstand einen möalichst großen militari- 1 sck«n Erfolg für England und Frankreich' darstellt. Was endlich die Frage der Entscheidung über Krieg und Frieden in Deutschland angeht, mit der die Note schließt, so ist sie durch das im Dundesrat angenommene Gesetz erledigt, das d?" Artikel 11 der Neicbsverfaffung aufl)ebt und zur Kriegs- erklärung und Friedensschluß die Zustimmung von Bundes- r t und Reichstag erforderlich macht. Die neue Note wirkt nach Ton und Inhalt als die Widerspiegelung von Kräft.'n, die sich inzmiscl)en mit aller Macht der günstigen Weiter- fiihrung der Unterl-cmdlunacn widersetzt haben, und zeigt der friedenssehnsüchtigen Menschheit. welche Hindernisse noch auf dem Wege dieser Derl-andlunaen liegen. Das größte Hindernis wäre, wenn man fortführe, jr.it uns zu sprechen wie mit einer Nation, die bereits die Waffen abgeli ^.rt hat.

Frankreich verlangt völlige KasMatisn.

TU. Die Pariser Negierungspresse bemüht sich, Fach als die einzige zuständige Persönlichkeit zu bezeichnen, die die Bedingungen des Waffenstillstandes festsetzcn könne. Echo de Paris meldet, daß sich die Entente oarüber einig fei, als Bedingung des Wasfenstillstandes völlige Kapitulation zu verlangen. Homme Ubre erklärt. Deutschland dürfe sich nicht tauschen, über Elsaß-Lothringen sei ein Kompromiß aus- geschlossen..

TU. Die Pariser Blätter wollen nichts von der in der deutschen Antwort vorgeschlagenen gemischten Kommission wissen, die die Bedingungen des Waffenstillstandes festsetzen soll. Bon einer solchen Kommission, schreibt das Petit Iou.r- nal, kann keine Nede sein. Ein Waffenstillstand ist eine"aus- scbließlich militärische Angelegenheit, und nur die militärischen Chefs haben die Bedingungen zu bestimmen. Der Degen Fochs ist souverän, und es ist Sache dieses Degens, den Knoten zu zerschneiden.

Befreiung" ln Frankreich.

TU. Die Antwort Witsons wurde in allen Kreisen der französisck«g Hauptstadt mit einem wahren Gefühl der Be- freiung ausgenommen. Allgemein ist man der Ansicht, daß Marsck-all Foch jetzt dos Wort habe. Es ist jetzt nicht zu be. fürchten, daß der siegreich Führer der verbündeten Armeen den geschlagenen (?) deutschen Armeen zu günstige Bedin. gungen stellt. Deutschland wird kapitulieren, oder sein Schicksal enffchcidct sich durch die Waffen. (Der Kriegs. wal)nsinn hat in Frankreich wieder einmal seinen Höhepunkt erreicht. D. Red.) r

Französische Arbekterverbäude für den Frieden.

Tll. Der .Pro'rtaire" meldet, daß die französisch« Ar. beiterverbande große Kundgebungen dagegen vorbereiteten, daß Wilsons Friedensabsicht durch die Enteuteregierunaeu vereitelt werden.

Hand zu weisen, daß allenfalls die Entwicklung gehen könnte, hm deuffcheq Truppen die Reichsgrenze als Stellung

Churchill verlangt »Bürgschaften".

TU. Aus London wird gemeldet: Wilsons klare, scharf umrksscne Antwort wird in allen alliierten Ländern Beifall finden. Die erste und wichtigste Maßnahme, die getroffen werden mich. ist. daß wir unseren Feinden die nolwendioen Bürgschaften auferlegen, bevor wir uns dazu bereit finden, den Druck unserer siegreichen Armeen zu vermindern. Die Bürgschaften müssen derart sein, daß die Deuffcl-cn dadurch außer Stande gesetzt werden, den Kampf nochmals wieder auszunehmen. Der erite. dcsien Meinung über die Bürg- schäften gehört werden muß. ist Foch. Dir müssen auch Bürg, [ri^itcu ;«u < haben. In diesem Sinne muß der Rat der

britischen Adurlralität gehört werden. Weiter müssen die Deufichen ihre Greueltaten unterlassen, ehe wrr »»euer mit' chnen sprechen können. Wir wünschen von Unnrunna Deutschlands nicht. Die Deutschen müssen aber tyre herrscl-aftsträume aufgebe,u Es ist möglich. oaß mir "nach einen schweren, monatelang andauernden Kampf oot uns ha­ben, der viel Menschen und Geld kosten wird. Aber, wenn dem auch so wäre, es ist bester, den Kampf durchzufnhren als eines Kompromistes wegen die Früch.e, die wir erru>p gen haben, aufzugeben.

WTB. London, 17. Okt. Wie oorlautet. geht die Anüchz der engli,ä>en und alliierten Regierungen dal,in. daß utc Zeit zweckmäßiger Weise nichts zu den sehr klaren und geräken Worten Wilsons hinzugefügt werden kann. Es kann anae» nomn^n werden, daß der Präsident im allgemeinen in Über- cinstimmung mit den Alliierten war, soweit es sich um den Ton und die Sacl-e, in dem sie vertreten wurden, handelt. Die tatsächlichen Bedingungen sprechen für sich selbst. Unter den Alliierten besteht keine Neigung, in dieser Hinsicht Ge­legenheit zu Diskussionen zu schassen. Deutschland l)<u seine Antwort. Cie ist endgültig und überzeugend. Soux-it sie di« Alliierten betrifft, ist die Angelegenheit eine Sache der Trup­pen an der Front, u. diese scheinen sie in sehr befriediaende« Wehe zu erledigen.

^***k*N*H** für die Verständigung, bb. Lansdowrie hielt zu London eine Rede, worin c\ la^te, daß n-ch ,''n" Meinung die Demokratisierung und Parlrmentarisierung Deutschlands eine Rodung anaenom- n cn die, was man euch von ihr in d>am>iniflifd)cn

Eisen Englands und Frankreichs sagen möge, nicht wehr aufzuhalten sei und die Welt bald vor die Lots che eines wirklichen demokratischen Deutschlands stellen werde. Dann aber müsse sich auch die Stimmung und §ialtunq England» gegenüber dem deutschen Volke ändern, dem lein aedemütig- ter und Dernichtunassrieden auszuerlegen fei. sondern ein Frieden, der Haß. Feindschaft und Vergeltung ausschließt und Gewähr für eine dauerlxlfte und gute Verständigung im Schoße des Völkerbundes bietet. (Die Stimme findet leider kein Gehör.)

Amerikanisckis Zustimmung für Wilson.

TU. Aus Wafi)ington wiit) gemeldet: DemokraListhT und republikanische Senatoren loben die Antwort Wilsons und bezeichnen sie als Einleit'.'.ng zu der Forderung der un- bedingten Unterwerfung der Mittelmächte. Der repnblkka.' nische Führer Lodge erklärte: Die Antwort war eine Erleid terung für das amerikanische Volk, das bedingunasiose Unter- werfung der Deutschen verlangt. Martin, der Demokraten.' führer, erklärte, di.e Rote entspreche in jeder Hinsicht den Erwartungen der Bevölkerung. (Wie sich solche Ansicktcn nnh der Demokratie vereinbaren lasten, ist uns unerfindlich.)

Der Eindruck in Österreich.

TU. In Wien hat die 2. Antwort Wilsons an Deuffch. land wegen der Härte der Forderunaen und Vorwürfe über» rascht.^ Man will aber doch noch MöglichkeiEn für Deuffch- land sehen, auf die Einzelheiten der Note einzuaehen, zumal die Waffenstillstandsdedingnngen, die Frankreich stellen könnte.^ ouch erst bekannt gegeben werden müßten. Die an- gekündigte Antwort an Österreich-Unoarn erwartet man irz politischen Kreisen mit etwas mehr Optimismus.

WTB. Wb.'n. 17. Okt. Die Blätter sprechen überein­stimmend die Überzeugung uas, baß die neue Fordernngj Wilsons Deutschland vor neue schwerwiegende Entsck>eidun» gen stelle und den Friedensweg in eine hindernisreiche Rich­tung bringe, ol)ne ihn ober vollkommen zu versperren. Di» Mehrzahl der Blätter führt aus, d ß Wilson bezwecke, das deutsche Volk zu demütigen ober in einen Verzweislungs. kämpf hineinzutreiben, weil er dadurch den von ihm gropa- gierten Frieden von Verständigung und Versöhnung sowie einen Dauerfrieden unmöglich machen würde.

Die an ö^erreich-Anzarn.

TU. Es verlautet in Berlin, daß die Antwortnote Wik. sons an Österreich.Ungarn bereits seit vorgestern abend ta Wien bekannt sei. Warum ihr Inhalt weder von Wien, noch von Washington aus bisher veröffentlicht wurde, ist nicht

ersichtlich.

Wilson mackit ksterrcich-Ungaru konkrete DmffchlLge. bb. Der ^Herold" meldet aus Rewyork: Wilson wird Österreich-Ungarn konkrete Vorschläge für die Neuordnung der Monorchie und für den Eintritt in Fried^nsbesprechun, gen unterbreiten.

Burians Optimismus.

TU. Im Ausschuß für Äußeres der österreichischen Delel gwtion hat Graf Burian gestern mit Nachdruck betont, daß die optiwfftjsche Auffassung der Loge in seinem E^pos? durch die Antwort Wilsons nicht berührt wird. Graf Burian glaubt an die baldige Beendigung der Feindseligkeiten und hält die Widersprüche zwischen 'Deutschland uüd Amerik» nicht für unüberbrückbar.

Der bayrische Ministerpräsident zur Lage.

WTB. In der heutigen Eröftnungsjitzung der außer- ordentticl)en Tagung der payriiä)cn Kammer gab Minister­präsident von Dandl längere Ertlärunaon über die äußere und innere Lage ab. Er betonte dabei den Eharakter des Kampfes als Verteidigungskrieg, woraus die Waffenchrr des Heeres und des dcutsck-en Volkes unbefleckt hervorgegan» gen sei, sowie das Streben nach Frieden der Völker, nach einer Versöhnung im Geiste der Gerechtigkeit, nach einem dauernden Frieden, der aber nur eintretcn könne, wenn uns keine entehrenden, die nationalen Lcbcnsbedingunge^ verkümmernden Bedingungen zugcmutet würden. Er be­tonte ferner die Reichstreue Bayerns und das unverrück­bare Festl-alten an der bundesstaatlicl-en Verfassung dez Reiches. Cck-ließlich kündigte der Roinisterpräsident eineih Gesetzentwurf über die dleugestaltung der Reichsratskammef an und erklärte die Bereitwilligkeit der b. yrifchen Regierung, n'.it den Kammern zu erörtern, in welcher Weise unter B> rücksichligung der bayrischen Verhäitnisie die Mitglieder der Volksvertretung zu den Rcgierungsgejchäitcn l-erangezogei- werden können.

über die Fricdensbedlngungen sagte der Minlsterprasi- dent: Nicht jeden Frieden werden wir annehmeu. Ein Frie- de. der uns als Volk zerstückeln wollte, der unsere Zusammen­gehörigkeit und unseren wirffcl-aftlichcu Bedingungen da» Leben raubte, wäre nicht zu ertragen. Lr müßte die letzten Kräfte zur Entscheidung wachrufeu. Deutschland hat si tz nunmehr auf den Boden des Programms Wilsons geste.lt, aber in der Erwartung, daß die dort ausgestellten Grunüsätzq nach allen Sciten eine gerechte Anwendung finden werdelr« Unwürdige demütigende Zumutungen wären mit diese!, Grundsätzen nicht vereinbar. Die weitgehenden Zugejtiurd- nisse Deutschlands sind in der Erwartung gemacht, daß de^ Friede ein Friede der Volksvcrföhnnng, getragen vom Geist« der Rechtlkchkelt. und ein dauernder Friede sein wrrde. Wür­den uns nun Bedingungen zugemutet, die in entehrendes