Ausgabe 
1.10.1918
 
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Krieg zu beginnen. Belgien muß wiederbc -es'ellt werden, Elsaß-Lothringen Frankreich zurück- gegeben, Italien inuß seine italienischen Provinzen wieder erhalten, Griechenland, Serbien, MomeneLro und Rumänien müssen wiederhergestellt werden, Ruß­land muß gerettet werden, die Tschecho-Slowaken und die Südslaven wie auch die Polen befreit und Konftantinopel internationalisiert werden. Tie deut­schen Kolonien müssen die erlittenen Verluste der Alliierten kompensieren.

Ein bischen reichlich! Aber gegenüber früheren Auslassungen dieses selben Lodge doch einigermaßen gemäßigt. Rur rechnet Lodge offenbar nicht damit^ daß seine Sammies sich in Frankreich dieselben bluti­gen Köpfe holen könnten, wie die Engländer und Franzosen

Uekerhaupt seltsame Ansichten.

Ganz als ob man bereits bestimmen dürfe und könne, was man wolle, erklärt uns dieChicago Daily Tribüne" gnädig:

Die amerikanische Abwehrgesellschaft (American Tesence Society") hat in ihr Programm die Forde­rung ausgenommen, daß alle Amerikaner sich ver­pflichten, nie wieder deutsche Ware zu kau­ten. Das ist gewiß ein fehr beachtenswerter Gedanke, aber wir müssen den Deutschen klarmachen, daß wir uns damit nur gegen die deutsche Militär käste schützen wollen. Wenn die Deutschen dieses Joch ab­schütteln, wenn sie sich selbst eine demokratische Ne­gierung geben, und wenn sre ihre Eroberungspolitik aufgeben, so würde der wirtschaftliche Boykott gegen sie von selbst weg fallen. Es würde freilich der gegenwärtigen Generation Ueberwindung kosten, deutsche Waren aufzunehmen. Aber wir werden es sicher nicht fertig bringen, die Deutschen zu strafen, nachdem sic Reformen in der Richtung durchgeführt haben, die wir als unser Kriegsziel bezeichnen.

Wenn wir es jetzt so hinstellen, als wollten wir wirtschaftlich nie wieder etwas mit Deutschland zu tun haben, so wird das deutsche Volk sich sagen, doß es bis zum letzten Atemzuge kämvfen muß. Die Staatsmänner des Verbandes Haben immer und immer wieder erklärt, daß wir nicht die Vernichtung Deutsch­lands wollen, und es wäre ein Unglück, wenn unsere Gegner durch die Tätigkeit privater Organisationen zu dem Glauben gelangten, daß unsere Kriegsziele Betrug sind."

Wie aus der Auslassung des Mr. Lodge eine grenzenlose geographische Unbildung, so spricht aus dieser Auslassung ein sehr weitreichender Mangel an wirtschaftlicher Einsicht. Mit der Logik der Einfalts­pinsel in der Redaktion derChicago Daily Tribüne" mögen die ungebildeten Sprößlinge der Schweine­schlächterstadt Chicago zufrieden sein, andere werden sich fragen, ob man denn etwa bisher deutsche Waren gekauft habe, weil man Deutschland damit einen Ge­fallen habe tun wollen. Tann wird es allen sofort einiallen. daß man sie kaufte, weil man diese Früchte der deutschen Arbeit dringend brauchte. Und dann liegt die Folgerung nahe, daß man sie nach dem Kriege ebenfalls kaufen wird.

Einiges, z. B. unser Kali, ist für die Landwirt­schaft, die Lebensquelle der Vereinigten Staaten. Io unentbehrlich, daß schon um derentwillen vom Wirt­schaftskriege keine Rede sein kann.

AlLgenrelrre Kriegsuachrichten.

Ter Kaiser zur Lage.

Ter Kaiser hat aus eine Depesche des Vereins der rheinisch-westfälischen Landgemeinden u. a. geant­wortet:Unbeirrt ist es (das deutsche Volk)' ent­schlossen, die ganze Kraft einzusetzen, den ihm auf­gezwungenen Verteidigungskampf bis zum siegreichen Ende durchzusühren, damit das Vaterland gegen seindlrche Vergewaltigung dauernd geschützt und ge­sichert wird."

Tie Lage an der Westfront.

Die militärische Lage an der Westfront steht in allgemeinen gut. Der Geländegewinn in Richtun« Eambrar ist nicht sehr bedeutend, und der feindlich^ Vorstoß konnte abgedämmt werden. Die Lage in de Champagne und westlich der Maas ist ebenfalls besrie drgend. In der Champagne hat der Franzose zwm noch etwas Raum gewinnen können, westlich der Mack aber haben die deutschen Truppen bereits einige Ort schäften zurückgewonnen. Zusammenfassend kann gesag werden, daß sich die strategische Lage augenblicklick durchaus g ü n st i g anläßt.

Sie wollen bei Holland borgen.

Tie reichen Yankees. DerTelegraaf" im Haac Ichrerdt:Wie wir vernehmen, werden jetzt Unter­handlungen über einen Guldenkredit geführt, der

ÄJ r L e . n aVl--^ üIIan . 0 unterzubringen wünschen Es besteht die Absicht, mit einer Gruppe von Banken l - et ^ e ^on 150 Millionen Gulden abzuschließen ^.re AUlrerten wünschen, daß die Verhandlungen hier­über in London geführt werden^ jedoch widerjetzt man sich dem holländischerseits."

^ er hinzu, daß besonders die

amerikanische Gesandtschaft im Haag ihr Mißfal- l e n darüber ausgesprochen habe, daß die Verhandlun- g en so langsam vor sich gehen, umso mehr, als der Kredit ftrc eine internationale Transaktion, die von den hauptsächlichsten niederländischen Banken ge­stutzt wird, als niedrig zu bezeichnen sei.

Tie englische Flagge in Spitzbergen gehißt.

. 3^Tromsö ist die englische Spitzbergenerpedition unter Führung von F. W. Salisbury Jonnes einge- trossen. Im Sprtzbergeuer Hafen wurde die englische Flagge gehißt. Tie dortigen deutschen Besitztümer und die deutsche drahtlose Station wurden zer­stört.

Kleine Kriegsnachrichtcu.

" Einige der aus Rußland vertriebenen Vertreter der Entente haben sich auf Umwegen wieder dorthin vegeben. Sie werden sich zuerst in der Murman- 6egend aufhalten und von dort ihren Agitationskreis wieder ausbreiten.

Dvliiische Rundschau,

:: Jusamm-ntritt des Reichstages? In parlamen- tanschen Kreisen rechnet man nach der linksliberalen B. Z."mit einer bevorstehenden Einberufung

des Reichstages". In der Begründung geht man bereits von einer vollendeten Parlamentarisierung der Regierung aus. Da heißt es nämlich weiter:...denn die neuen Männer der neuen Regierung sollen doch ihre Abgeordnetenmandate nicht verlieren. Wenn auch die Ernennung für kurze Zeit zunächst erfolgen könnte, ,o müßte zur Schäftung eines Definitivums doch die Aushebung des Artikels 9 (dieser Artikel 9 der Verfassung macht die Niederlegung des Reichstags­mandats bei Eintritt in die Regierung erforderlich) durch die Gesetzgebung erfolgen. Die baldige Einbe­rufung die übrigens von den Unabhängigen Sozial­demokraten neuerdings im Ausschüsse verlangt worden ist ist aber schon deshalb notwendig, weil die heutige Lage das Beisammensein der gesamten Volksvertretung dringend erheischt."

:: Arbeitskarnmern für Angestellte. Der Gesetzent­wurf betreffend Arbeitskammern für Angestellte (Ange- stelltent'ammern) ist im Reichswirtschaftsamt so weit gefördert, daß die Beratungen darüber mit den Jnter- essentengruppen demnächst beginnen können. Es ist Aussicht vorhanden, daß dieser Gesetzentwurf dem Reichstag während der nächsten Wintertagung vorge- legt werden kann. Damit würde einem Wunsche des Reichstages und der Angestellten entsprochen werden.

Oesterreich: Ter Verrat der Legionen verziehen.

* Kaiser Karl hat den großen Prozeß gegen die polnischen Legionen, die verräterisch in der Buko­wina ihre Stellungen verlassen und mit fliegenden Fahnen zu den Russen überaegangen waren, kurzer­hand niedergeschlagen und dies den polnischen Füh­rern mitgeteilt. Der Kaiser tat den Schritteinge­denk der zahlreichen Beweise großer Treue und Tap­ferkeit der Polen sowie ihrer Selbstaufopferung auf den Schlachtfeldern und im Hinterland."

Bezeichnend für die Lage in Oesterreich ist, was der Polenführer Tertil dem Kaiser antwortete:Ich könnte nicht sagen, daß uns diese Nachricht unerwartet trifft. Wir haben sie erwartet. Es war der innigste Wunsch aller Polen, und wir harrten dieser Nachricht um so mehr, als wir keinen Augenblick den Glauben an die Großmut Ew. Majestät verloren hatten. Wir be­grüßen diese Mitteilung mit Freude noch deswegen, weil sie in einem Augenblicke kommt, da sich die Lo­sung: Krieg dem Kriege! durchzusetzen beginnt."

Luxemburg: Eine Regierung aus allen Parteien.

* Die Ministerkrisis ist durch die Bildung des Koalittonskabinetts gelöst. Auf Grund der Abmachun­gen zwischen den Parteien treten in die neue Negierung ern: Rechtsanwalt und Abgeordneter Reuter, als Staats­minister, der Aeußeres und Inneres übernimmt, Rechts­anwalt Metzens, der die Finanzen übernimmt. Diese beiden sind Vertreter der Rechtspartei. Professor Weiter als Vertreter der Sozialisten übernimmt den Unterricht, Untersuchungsrichter Liesch, Vertreter der Liberalen, übernimmt Justiz und Oeffentliche Arbeiten, Collart, Bürgernieister und Landwirt, Vertreter der Volks- Partei, wird Generaldirektor der Lebensmittelversor­gung und des Ackerbaus.

Rußland: Lenin lenkt ein.

t Aufsehen erregt in der russischen Presse ein von Lenin an alle früheren Senatoren und Mit­glieder des Staatsrates (meistens bürgerlicher Ge­sinnung- versandter Ausruf, in dem sie aufgefordert wurden, sich an den politischen und Verfassungs- arbeiten zu beteiligen.

Man sieht darin einen Beweis dafür, daß Lenin eine andere Richtung in der Politik einschlagen und von weiteren Terrorakten Abstand nehmen wird.

Aus aller Wett

** Von einer Lokomotive überfahren und schwer verletzt wurden in der Nähe des Personenbahnhofs von Tost die Insassen eines Gefährtes, und zwar ein Mann aus Wietoch sowie drei Frauen und ein Kind. Die Insassen befanden sich auf der Heimfahrt zu ihrem Dorfe. In der Nähe des Personenbahnhofes wollte der Lenker des Wagens in rascher Fahrt die Barriere passieren, als plötzlich eine rangierende Lokomotive auftauchte und in das Geschirr hineinfuhr. Der Len­ker sowie zwei Frauen erlitten am Kopf und am Oberkörper schwere Verletzungen, die die sofortige Ueberführung nach dem städtischen Krankenhaus in Gleiwitz notwendig machten. Der Mann ist bereits gestorben.

** Eigei,artiger Unfall. In Dassow wollte die Ar­beiterfrau E., ein hochbetagtes Mütterchen, auf den Hausboden steigen, zu dem eine Leiter hinaufsührt. Oben gerät sie wahrscheinlich ins Taumeln, will sich an der Bodenklappe halten, diese gibt nach, fällt zu, klemmt die Frau an den Füßen fest, diese stürzt hin­tenüber und bleibt auf der Leiter mit dem Kopf nach unten hängen. Ihre Hilferufe hört niemand, da sie allein im Hause ist. So muß sie die ganze Nacht in dieser unglaublichen Lage verbringen. Am Morgen kommt eine Nachbarin zufällig in die Woh­nung und sieht die Unglückliche auf der Leiter hängen. Mit schnell herbeigeholter Hilfe wird die Aermste end­lich befreit. Sie mußte gleich zu Bett gebracht werden und lie^t noch sehr krank darnieder.

** Unter dem Verpacht des Gattenmordes. Unter dem schweren Verdacht, seine Frau gelegentlich einer Bootfahrt auf der Elbe am Dienstag ertränkt zu haben, wurde der Gastwirt Röttiger am Großneu- markt verhaftet. Die Leiche wurde noch nicht gesunden.

** Ein Oberst ertrunken. Der in Malchow auf Besuch weilende Oberst z. D. Schöne machte auf dem Fleesensee allein eine Segelfahrt. Bei dem stürmi­schen Wetter schlug das Boot um; der Verunglückte vermochte das Land nicht mehr schwimmend zu er­reichen und mußte ertrinken. Die Leiche konnte nach längerem Suchen gefunden werden.

** Ein unglücklicher Zufall. Ein Geschäftsmann in Lichtenstein-Callnberg hatte in Bayern Holz gekauft, die Ladung in Fahrt gebracht und wartete nun da­heim auf die Sendung. % n Glauchau blieb der Wagen lecken, da er zu breit geladen war. Es mußte erne Umladung erfolgen. Inzwischen telephonierte der Eigentümer nach seiner Sendung. Man schwieg sich amtltcherseits darüber aus. Man hatte nämlich beim Umladen entdeckt, daß unter dem .Holz eine große Kiste stand, die 4 fette Gänse bayerischer Mast, Mehl

! lösten Hasen enthielt. Die Sendung wurde

beschlagnahmt, und der findige Geschäftsmann wird noch ein Nachspiel erleben.

** Ter Ehrenrock. Das Recht zum Weitertrageu der Uniform für entlassene Mannschaften kann aus­nahmsweise nach einer kürzeren als 18jährigen Dienst­zeit verliehen werden, wenn Kriegsverwundung oder r.L U L*L^ nun 8 bor dem Feinde nachgewiesen ist. Hierzu ist bestimmt worden, daß schwere Gesundheitsschädigun- gen rm Felde stehender oder vorübergehend außerhalb des Kriegsgebiets verwendeter mobiler Verbände einer Kriegsverwundung im Sinne dieser Bestimmung gleich zu erachten sind.

._** Ein herrenloses Haus. Das altbekannte Weber- melsterhaus in Hohenstein-Ernstthal, mit 23 780 Mk. zur Landesbrandkasse versichert und einschließlich der Einrichtung auf 38 200 Mark geschätzt, wurde jetzt als herrenlos" gerichtlich versteigert. Ein Bierverleger in (20^000^N ^k) ° r5 ^ zum Werte der Hypotheken

** Verlängerung der Herbstscrien. Unter Hinweis aus die Bedeutung einer guten Kartoffelernte für die Volksernährung im neuen Wirtschaftsjahr weist das Großherzoglich-Sächsische Staatsministerrum die Direk­toren der höheren Lehranstalten und die Großherzog­lichen Schulinspektoren an, durch zweckdienliche Anord­nungen die Mitarbeit der Schule in der Landwirtschaft zu ermöglichen, insbesondere auch die Herbstferien zu verlängern.

** Beim Bucheckernsuchen in der Eilenriede fand dieser Tage eine Schülerin der Bürgerschule ein 20- Markstück zwischen dem Laube des Waldbodens. Da sich kein Verlierer als Eigentümer des Goldstückes aus- weisen kann, so wird es nach der üblichen Frist der Kleinen zufallen. Dieser Fund wird unseren flei­ßigen Sammlern ein Ansporn sein. Man kann nicht wissen-!

** Einschränkung der Filmerzeugung. Die Film­industrie wird wesentlich eingeschränkt werden müs­sen, weil bei der Ä.-G. für Anilinfabrikation in Ber­lin, die die ganze Filmindustrie mit Rohfilm ver­sorgt, die gesamte Erzeugung beschlagnahmt werden soll. Nur ein Drittel wird der Industrie überlassen werden, während die übrigen zwei Drittel für amtliche Zwecke in Anspruch genommen werden sollen.

* Tie Sehnsucht nach hohen Absätzen. Die Stadt­verwaltung Essen schreibt: Aus Schuhhandelskreisen wird immer wieder darüber geklagt, daß der größte Teil der schuhsuchenden Bevölkerung vielfach über­triebene Ansprüche an die Form der Schuhe stellt, namentlich haben viele Damen besondere Wünsche auf die Höhe der Absätze, die selten oder fast gar nicht zu erfüllen chind. Alle diese Sonderwünsche müssen bei der herrschenden Schuhknappheit zu eigenem Vor­teil des Käufers möglichst beiseite gelassen werden. Solche Käufer müssen natürlich mit der Belieferung ubergangen werden, bis sich beim Schuhhändler die Schuhe mit den gewünschten besonderen Eigenschaf­ten einfinden.

* Heiratslust und Lebensmittel. Um den Neuvermähl­ten den anfänglichen Kampf ums Dasein etwas zu erleich­tern, entschlossen sich einige Städte, ihnen eine Extrazulage an Lebensmitteln zu gewähren. Hierzu zählt auch Speyer. Man will nun die Beobachtung gemacht haben, daß diese

Zulage eine bedeutende Vermehrung der Heiraten zur Folge hatte. Während die Trauungen im vergangenen Jahre sich aus 147 beliefen, sind es 1918 bis jetzt bereits 156. Nun hatte man mit einer solchen Höhe nicht gerechnet und das LebenSvittelamt sah sich deshalb zu einem Abbau veranlaßt Die Extrazulagen betragen für die Folge nur die Hälfte des bisher gewährteil. Hoffentlich hält dieser Beschluß kein junges Paar von dem beabsichtigten Einlaufen in den Hafen der EBhe ab.

* Schließung des Bades Gastein. Der Gemeinde- aus.^ von Bad Gastein hat beschlossen, den Kurort im nächsten Jahre geschlossen zu halten, da anzu­nehmen sei, daß die Ernährungsverhältnisse im kom­menden Jahre ebenso ungünstige sein werden wie in diesem Jahre.

* Ter Vorwurf desFeilsterins" - keine Beleidi­gung. Ter Lokoinotivheizer Karl Burdis war wegen Ehrenbeieidrgung beim Wiener Bezirksgericht Leopöld- stadt angeklagt, weil, wie die Gastwirtin Elise Handl in ihrer Klage ausführte, er sich über sie geäußert haben soll, sie sei keine anständige Frau. Sie könne das Fensterln" am hellichten Tag nicht lassen. Tie Aeuße- rungen waren auch dem im Felde stehenden Gatten der Klägerin hinterbracht worden, der bei seiner Rück­kehr von seiner Frau Rechenschaft forderte und ihr mit der Scheidung der Ehe drohte, wenn sie sich nicht rechtfertige. Der Angeklagte bestritt die Aeuße- rung und behauptet nur, er habe mit Bezug aus einen Brief der Frau Handl behauptet, einen solchen Brief schreibe keine anständige verheiratete ,Frau. Ter Rich­ter sprach den Angeklagten wegen der AeußerunZen, die Klägerin sei keine anständige Frau, schuldig und verurteilte ihn zu hundert Kronen Geldstrafe, da­gegen sprach der Richter den Angeklagten wegen des Vorwurfs desFensterlns" frei, weil darin keine Ehren- belerdlgung zu erblicken sei. DennFensterln" heißt, erklärte der Richter, beim Fenster mit jemandem spre­chen, was keinen unsittlichen Vorwurf enthalte.

* Sc!bstmord over Verbrechen. Ter Verbleib des am 13. Sept. als vermißt gemeldeten 16 jährigen Bank­lehrlings Otto Ohlemachcr in Wiesbaden ist nun auf­geklärt. Ter Junge ist mit der Leiche identisch, die am 17 .Sept. in Winkel aus dem Rhein gezogen wurde. Es liegen bis jetzt nicht die geringsten Anhaltspunkte dafür vor, warum der Junge sich selbst ein Leid angetan haben könnte. Dagegen ist es nicht ausge­schlossen, daß er das Opfer eines Ueberfalls geworden ist. Die Leiche wies nämlich am Halse eine tief klafsende Wunde auf, die von einem Schlage herrühren kann.

* Ein schweres Brandnuglück ereignete sich in Jlberstedt bei Bernburg. Im Grundstück des Hof­meisters Osterland hatten die Kinder des im Felde befindlichen Arbeiters Naumann, ein Knabe von sieben und ein Mädchen von fünf Jahren, in Abwesenheit ihrer als Eisenbahnschäfsnerin tätigen Mutter mit Streich­hölzern gespielt und dadurch den Brand hervorgerufen. Der Stall brannte nieder und die beiden Kinder konn­ten nur als vollständig verkohlte Leichen geborgen werden.

* Schleichhandel als Landesverrat. Im Eisenacher Gemeinderat wurde angeregt, den Schleichhandel als Landesverrat zu betrachten und dementsprechend unter dsm Gesichtspunkt des Landesverrats beiznkommeü.