Zer MM m öca KEZr.
Der Kampf um den Reichskanzler währt fort. Er wird, wie wir annehmen, auch nicht so schnell zu einem Ende kommen. Die Berufung des Grafen Hertling war der Beginn der ersten parlamentarischen Regierungsversuche. Diese wuchsen mit der Zeit immer weiter aus und drängten zu Entscheidungen nach verschiedener Art. Man hat in par- lamentarischen Kreisen immer mehr die Forderung aufgestellt, daß das DeuffcheReich eine Außenpolitik treiben müsse, die schnurgerade auf den Frieden zuläust. Man hat ge- zweifelt, ob eine solche Politik unter Hertling betrieben worden sei. Die Anschauungen hierüber waren naturge- 'kmüß geteilt. Die letzten Wochen haben es gezeigt — 1 wir haben wiederholt darauf hingewiesen — daß die Sozialdemokratie inuner deutlicher vom Reichskanzler abrückte, ßie hat chm für gar Vieles die Schuld zugesprochsn, was u. E. zum mindesten übertrieben oder vorzeitig war. Die von den Mehrheitsparteien in ihren Besprechungen feffc- gelegten Grundsätze sind keinesfalls von allen Parteien geteilt worden. Man geht wohl nickt zu weit, wenn man außerdem annimmt, daß draußen tm Reich noch weniger Neigung besteht, eine Politik der Zersplitterung mitzunra- chen. Jetzt haben sich die Verhältnisse so zugespitzt, daß, wie unbestritten feststeht, diese Tage woht die Entscheidung bringen müssen. Gestern trat nämlich die Reichs tags frak- tion der Zeirtrumspartei zusammen. Dazu hat sie deshalb vor allem Veranlassung, weil gerade in chren Rechen Vertreter beider Anschauungen zu Worte kommen. Auf der einen Seite sind es die demokratisch gesinnten süddeutschen Abgeordneten, die mit der Parlamentarisierung wenigstens teilweise einverstanden sind. Sie sehen im Grasen Hertling den Staatsmann, der zwar des Parlamentes Wünsche kennen würde, aber nicht entschlossen; genug sei, sie durchzr> sichrem Ihnen gegenüber stehen die konservativen Elemente. Rach chrer Auffassung betreibt der Reichskanzler eine richtige Politik.
Die Führer des Zentrums sind sich Dar darüber, daß man in diesem ernsten Augenblick keinerlei Persönlichkeits- Politik treiben darf. Wenn es wirklich so ist, wie es dar- gestellt wird, daß nämlich auf Seiten des Grafen Hertling Äe Voraussetzungen vorhanden sind, die die Weiterführung des schweren Amtes vovaussetzen, so hat das Zentrum natürlich keinen Grund, den aus seinen Siechen hervorgegangenen Staatsmann zu stürzen. Auf der anderen Seite weiß man aber auch, daß im Hauptausschuß, der am Dienstag zusammentreten wird, genug Stimmen gegen den Kanzler laut werden. Der Grundton der konservativen und liberalen Auslassungen unterstreicht Len Ernst, erkennt aber auch an, daß eine Lösung gesunden werden muß, daß sie auch erreicht werden kann, wenn der gute Wille vorhanden ist. Drum ist zu wünschen, daß der Kanwf um den Kanzler geführt wird mit allem Ernst, mit oller Ehrlichkeit, mit aller Offenheit und mit dem großen Verantwortimgs- gefühl, das jetzt auf dem deutschen Reichstag ruht.
Die Beratungen der Partelen.
TU. Die Fraktionssttzungen der Reichstagspart-eien bauerten fast den ganzen Tag über an. In der sozialdemo- jkratischen Fraktionssitzung wurde auch der Osffriede und die Zusatzverträge zum Frieden von Brest-Litowsk eingehend er- örtert. Soweit bekannt geworden ist, haben die Sozialdemo, traten bei der Besprechung der innerpolitischen Verhältnisse einmütig zum Ausdruck georacht, daß sie ihre Forderung nach Weiterer Parlamentarisierung der Regierung ohne jede Ein- schränkung aufrecht erhalten. Im übrigen wollen die Sozial- idemokraten den Eintritt in die Regierung von Beratungen abhängig machen, welche die Regierung und auch die Mehrheitsparteien ihnen geben müßten. Die fortschrittliche Volks. Partei sieht, wie das Berliner Tageblatt hört, dem Eintritt der Sozialdemokraten in der Regierung durchaus sympathisch gegenüber. Auch sie verlangt noch weitere Parlamentarisie- rung. Am längsten dauerten die Verhandlungen der Zen-
trumsfraktion. In Hertlingskrise nicht
entrumskreisen behauptet umn, daß eine estehe. Die Fraktwnssitzung der Ratio- nalliberalen dauerte mehrere Stunden. Endgültioe Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Immerhin ergaben die gestrigen Vera- tungen soviel, daß man bis weit in die Kreffe des rechten Flügels hinein den Eintritt der Sozialdemokraten und die Aufhebung des letzten Satzes des Artikels 9 der Reichsverfassung für notwendig erachtet. Die Deutsche Fraktion ist gestern ebenfalls zu emer Sitzung zujammenaetreten.
WTB. Wie die „Nationalzeitung" Erfährt, steht die naticmalliberale Fraktion nach wie vor aus dem Programm der Regierung Hertlings und v. Pavers und sieht kekNen Grund, in ihrer Haltung eine Änderung vorzunehmen. Namentlich ist man der Überzeugung, daß die gegenwärtigen Treibereien gegen den Reichskanzler an der Haltung oer übergroßen Mchrheit des Zentrums scheitern werben.
WTB. Die „Germania" schreibt: Wie die anderen Reichstagsfraktionen hat sich gestern auck die Zentrumsfrak- siion in längeren Verhandlungen mit der politischen Lage beschäftigt. Sie ist dabei, wie wir erfahren, zu dem Entschluß gekommen, sich an einer Agitation gegen den Reichs- kanzler nicht zu beteiligen. Sie würde aber nichts dagegen einzuwenden haben, wenn Sozialdemokraten in die Regie- rung eintreten sollten. Da ohne das Zentrum eine Linksmehrheit nicht gebildet werden kann, dürfte dcnnit die po- tttijche Lage im wesentlichen geklärt sein.
TU. In der heutigen Sitzung des HanpLausschusses des Reichstages werden dem Vernehmen nach der Reichskanzler Graf Hertling, der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Admiral von Hintze, und der Vizekanzler von Payer das Wort ergreifen. Uber die Reden soll, wie verlautet, ein offizieller Bericht ausgegeben werden. Es wird geplant, den Ausführungen der Regierungsvertreter zunächst eine vertrauliche Aussprache folgen zu lassen.
Till Bevor heute vormittag der Hcnlptausschuß des Reichstages Zusammentritt, der sich um 10 Uhr versammeln wird, um eine Erklärung des Kanzlers zu hören, wird die Fentrumsfraktion noch einmal eine Sitzung abhalten, von der nunmehr eine Entscheidung erwartet wird, nachdem sie gestern nicht gefallen ist.
Dr. Helfserich zuruckgetreten.
WTB. Berlin, 24. Sept. Wie wir hören, wurde der SLaatsminister Dr. Helfferich seinem Anträge entsprechend von dem Aufträge der Wahrnehmung der diplomatischen Vertretung des Reiches bei der Regierung der russischen föderativen Sowjet-Republik enthoben. Auf Wunsch des Reichs- kanzlers erklärte er sich bereit, seine frühere Tätigkeit wieder aufzunehmen und die Zusammenfassung der wirtschaftlichen Vorarbeiten MM Wed^nsvechandlunZen weiter führen.
D;r Kaller M des KSMern fsn de? Front. |
W^B Karl Esther schreibt im Berliner Lokalanzeiger \ vom westlichen Kriegsschauplatz: Erst wenige Tage sind hin- * gegangen, feit Kaiser Wilhelm zu den melen Tauiend.en von Arbeitest der Knrppwerte als zu Vertretern des unge- bouven Heeres der Arbeiter der deutschen Hcunatfront gesprochen hat. Der starke, einmütige Treuschwur, den btc Tausende ihm feierlich als ein Bekenntnis und als ein Gelöbnis in ihxem Namen und im Rainen aller ihrer arbeitenden Brüder ud Schwestern gaben, hat ihm und aller Welt gezeigt, daß Deutschlands innere Kraft in diesen Tagen drohender Gefahren und unvechüllt sich offrnbareiwer Ber- nichtungswut unserer Gegner sich fester denn je sich zusam- menschließt und strafst, um unter seiner Führuna in gewoll- ter, unverbrüchlich treuer Zugehörigkeit zu seinem Hause den Boden des Reiches m schützen. Mit der Botschaft dieses erhebenden Treugelöbniffes der Heimatftont, zu denen uns allen gemeinsamen großen Aufgaben ist der Kaiser nun wieder an die Front zurückgekehrt. Er will den Soldaten, die aus hartem Ringen kommen, und an der Schwelle neuer, schwerer Kämpfe stehen, von diesem Willen der Heimatftont durchzuhalten und wieder durchzuhalten, ihnen ein treuer Rlickhalt und ein Heer von helfenden Brüdern zu sein, erzählen und er wul ihnen zugleich Dank sagen für das Übermenschliche, was sie in diesem hingegangenen halben Jahre in Angriffskämpfen, deren Herrlichkeit für alle Zeit bestehen wird, und in hartem Abwehrringen, die Wunder von Heldenmut und treuen Ausharrens umfassen, geleistet haben. Seine Worte „Ich will die einzelnen Männer sel)en, ich will die Leute sprechen und ihnen die Hände drücken!" sollen ihre Erfiillung finden. Dcr Kaiser begibt sich zunächst zu den Kämpfern im Sundgau. Ein reicher Tag, den er inmitte?! den Offizieren und Soldaten seiner kämpfenden Armeen vollbrachte, liegt hinter dem Kaiser. Der Wunsch, die Aöänner, die im Sundgau unsere WaM vor den Franzosenstellungen halten, zm sprechen, und chnen- teilzugebcn an seiner festen, unbeirrbaren Siegeszuversicht, hat chn in das herrliche Land zwischen Mühlhausen mrd Colmar ge- ührt. Die Soldaten, zu deinen er kam, haben gerne gebrochen ; aus dem Atunde der Generäle konnte der Kaiser >as Gleiche immer wieder hören, wie aus dem Munde der einfachen Musketiere: lassen wir den Franz oder
den Amerikaner hier durch!" Landmannschaften aus allen Teilen des Reiches stehen in diesen Divisionen, die der Kaiser sah und sprach, Männer, dis auf allen Kriegsschau. Plätzen gekochten haben, die im Osten und auf dem Balkan, im Ortcm und in Italien im Feuer waren. D..ß sich der Gegner jetzt zu ernsten- ehrlichen Beratungen über die Möglichkeiten eines Friedens mit uns sollte zusarnmenfinden wollen, glauben sie nicht, und dieser Glaube uwcht ihnen keine Sorge. Sie sind der Überzeugung, daß der Zeitpunkt, in dem unserem getreuen Aushalten der rechte Lohn gegeben werden muß, noch kommen wird, und sie wollen diesen rechten und von jedem ersehnten Zeitpunkt kämpfend in mannhafter Ruhe erwarten. Nachdem der Kaiser die an der elsassischen Front zum Abwehrkampfe eingesetzten Di- Visionen in ihren Bereitschaften, Reservelagern und Dorf- quartieren besucht und zu ihren Offizieren und Mannschaften gesprochen hatte, ist er darauf längs der ganzen lothringischen Front von Division zu Division gefahren. Aber nicht die Stäbe hat er ausgesucht. Sein Kommen galt wieder den kleinen Einheiten, den Brigaden, den Regimentern und Bataillonen: Er wollte sich auch hier vom Wohlergehen der kämpfenden Truppe durch eigenen Augenschein und unter persönlicher Aussprache mit dem einzelnen Mann überzeugen. Er suchte wieder die Möglichkeit, den bewähr- tcn Kämpfern seinen Dank für ihre Pflichttreue im tapferen Ausharren zu sagen, und ihnen zugleich die starken und erhebenden Soldatenworte in die neuen Kümpfe mitzugeben, an deren Schwelle wir vielleicht hier im Südwesten des Reiches stehen. Der Gesamteindruck, den man hierbei von dem Aussehen und der Stimmung unserer Kämpfer gewinnen konnte, ist ganz vortrefflich und zuversichtlich für ein gutes Ende. Jedermann von diesen Truppen ist nach wie vor tief von der Überzeugung durchdrungen, daß er die volle Kampfüberlegercheit über den Gegner bef’t»t. sei dieser nun Engländer, Franzose oder Amerikaner, und daß dieser, wenn es hier zum Ringen um den deutschen Boden kommen sollte, den starken Beweis hierfür erbringen werde. Unter den zahlreichen Truppeneinheiten, die der Kaiser so sah, war auch die zurzeit in den Kampf eingesetzte Brigade des Prinzen Oskar von Preußen, der trotz der Nachwehen seiner Verwundung wieder als Feldsoldat in der Front steht und selbst alle ungeheuren Anstrengungen der K'üinpfe als ein Kamerad seiner Leute mit der Truppe teilt.
Zer mzm&. deutsche MdEasd.
TU. Poincare und Elemenceau haben am letzten Sonntag wieder verschiedene Frontabschnitte besucht. Die gestrige Havasnote erklärt, der Widerstand der deutschen Truppen auf der ganzen Hindenburglinie nehme dauernd zu. Heftige Gegenangriffe gegen die alliierten Armeen häufen sich und wer- den mit großer Erbitterung ausgeführt. Der starke Regen macht große Operationen unmöglich.
TU. Zu den Kämpfen vom 21. September bei Efsignn le Grand bemerkt ein Havaskommentar: Die Deutschen bereiten eine starke Verteidigung vor. Man konnte in den letzten Tagen beobachten, daß unsere Feinde wahrhaftig geordnete Schlachten lieferten, um uns zurückzudrangen oder unfern Vormarsch aufzuhalten. Sie haben starke natürliche Verteidigungsanlagen und in Beton ausgeführte Befestigungen. Die natürlichsten Hindernisse, die wir zu überwinden haben, werden uns vielleicht große Schwierigkeiten bereiten. Defon- ders zu bemerken, daß in der Hindenburglinie ein weitaus- gedehntes Retz von Wassergräben und Tälern angelegt ist.
ai ^ Dienstpflicht in Irland.
TU. Der Nieuwe Rotterdamsche Courant meldet aus London: Dian erwartet jetzt, daß beim Zusammentritt des Parlaments am 12. Oktober eine königliche Verordnung zur Einführung der Dienstpflicht in Irland erscheinen wird, die, wenn das Parlament sich nicht widersetzt, 14 Tage später in Kraft treten soll.
Der „Dank" Amerikas au England.
TU. Im Kamas „City Star" veröffentlickt Theodor Roofevelt einen Artikel, in dem er sich über oie Dankesschuld Amerikas an England verbreitet. Ohne die englische Seeherrschast wäre das Eingreifen Amerikas in Europa prak- tisch unourchführöar geworden. Für die Sicherheit der amerikanischen Truppentransporte gebühre den Engländern ewige Dankesschuld. Eure unserer Friedensbedingungen, erklärt Noosevelt, soll darin bestehen, daß England jede Kolonie bchalten darf, die es von Deutschland in der Südsee oder in Afrika erobert hat. (Das nennt man nach amerikanischer Anlasftrng natürlich keine EroberuirgspoliLiL.)
Eraj Nurian über die FriedenLüote.
TU. Graf Burian wird in der ersten Sitzung der Delegation seine Friedensnote an die Regierungen wiederholen. Gleichzeitig wird Gra-f Binnen eine Erklärung über die Rkotive abgeben, die ihn zu dem Friedensschritt geführt hoben.
B-Gsrilchs RnturorL mil die Friktzensiiste.
WTB. Sofia, 24. Sept. (Bulg. Telegr. Agentur.) Die Antwortnote der bulgu Aschen Regierung aus den österr^-ch.- ungarischen Vorschlag hat folgenden Wortlaut: „Herr Minister! Die königliche Negierung hat mit lebhafter Befriedigung o* Rote vom 14. 9. ausgenommen, wodurch Euere Exzellenz alle kriegführenden Staaten eingeladen hat, zn einem unmittelbaren Gedcurkenaustausch zu schreiten über die Mittel, dem Kriege ein Ende zu setzen und die Eintracht zwischen deq in den gegenwärtigen Weltbrand verwickelten Völker wieder- herzustellen. Diese Anregung entspricht vollkommerr ebenso sehr den Bestrebungen des bulgarischen Volkes wie den Ansichten seiner Regiervmg. Ich beeile mich daher, Ew. Exzellenz mitzuteilen, daß Bulgarien bereit ist, Delegierte zu entsen-^ den behufs Fühlungnahme mit den kriegführende: Staaten und, wenn sich die Rlöglichkeit dazu bietet, behufs regelrechter Verhandlungen. Bulgarien ist umso geneigter, an Schritten teilzunehmen, die den Zweck verfolgen, die Völker einem Einvernehmen näher zu bringen, das den Frieden herbcizu- führen geeignet wäre, als es in diesem Kriege nur Ansprüche erhebt, deren Grundsätze schließlich allgemeine Zustimmung gesunden haben. Treu dem demokratischen Idral der Gerech- iigkeit und Freiheit, woran uns die Üöerlieferunqen unsers- Wiedergeburt, der Geist unserer politisäien Verfassung u. alle Hilfsquellen unseres öffentlichen Lebens binden, streben wir weder nach der Eroberung von fremden Volksstümmen bewohnter Provinzen, noch nach der Herstellung einer Vorherrschaft über unsere Nachbarn. Unsere Kriegszirle fassen sich einzig und ausschließlich zusammen in der Festigung un- serer Sicherung und in der Berwirklichvng der Einheit un- seres Volkes in den ethnographischen Grenzen, die ihm di« Geschichte angewiesen hat und die durch aus der Entscheidung der Großmächte geflossenen Akte in der Vergangenheit wiederholt <>lnktionier1 worden sind. Die Fonnel datiert nicht von heute. Jedesmal wenn die Balkanfrage zur Sprache ge- tomn.en ist, fei es vor dem großen diplomatischen Gerichtshof von Europa, sei es in den Beratungen der interessierten Völker selbst, stellte sich Bulgarien unveränderlich auf den Boden der Nationalitäten. Heute wie gestern verlangen wir nichts darüber hinaus, was uns die tatsächliche Ausbreitung unseres Volksstammes verbürgte. Indem wir die auf solch« Weise formulierten Ansprüche unseres Volkes verfolgen, haben wir das Bewußtsein, nicht bloß an der Schaffung einer billigen und dauerhaften Ordnung im europäischen Orient mitzuarbeiten, sondern auch unseren loyalen Beitrag zur Gründung jener Gesellschaft der Nationen zu leisten, wonach die Stimmen der zivilisierten Völker immer gebieterischer ru- fen. In diesem Gedankengange glauben die von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika geäußerte Ansicht über die Notwendigkeit, die Konflikte der Balkanstaaten nach dem Recht der Nationalitäten zu regeln, hervorheben zu nnissen. Nachdem die Verbandsmächte wiederholt öffentlich denr Gedanken Wilsons zustimmten, hat Bulgarien allen' Grund zu schließen, oaß die Regierungen dieser Mächte gegen seine Ansprüche keinerlei grundsätzliche Einwände erleben können. Indem wir also die Überzeugung Errrer Exzellenz, daß zwischen den im Kriege befindlichen Staaten eineEinigung möglich ist, teilen, hegen wir die Hoffnung, daß der Schritt' der k. und k. Negierung dazu dienen wird, das Ende des ungeheuren Krieges, der die Menschheit in Trauer versetzt, zu be,chleunigen und die Organisation eines internationale^ Lebens zu fördern, das auf edlen Grundsätzen beruht, deren^ Heraufkunft die maßgebendsten Stimmen unter den großen Rationen forderten und, die triumphieren zu sehen^ Bulga»^ rien ganz besonders glücklich wäre.
Zur Ablehnung der Frledensnote.
WTB. Wien, 24. Sept. Die Schnelligleit der Ablehnung der Rote Burians seitens Amerikas und Frankreich-G war nüh't nur geboten, um auskeimende Friedenshoff- nungen zu ersticken, sondern auch deshalb, well in der ftan, zösischrn Kammer eine Diskussion vermieden werden mußte, die Elemenceau zu unliebsamen Geständnissen genötigt hätte. Der schüchterne Einw-and der Times, daß es dessen gewesen wäre, vorher eine Art Versailles Diplomatenrates nach dem Muster des Versailler Kriegsrates zu schaffen, war eine Entgleisung. Ein Versailler Diplonmtenrat ist derzeit glatt uninöglich. Die Erörterungen von Friedens» n'.öalichkeiten sind ausgeschlossen, weil "offenbar zwischen' England, Frankreich, Italien unter dem Eindrücke der .Kriegslage neue Geheimverträge entstanden sind, die das Lick^ der Öffentlichkeit scheuen müssen. Wilson, der diesen Geheimvertrügen gegenüber freie Hand hat, aber von ihnen weiß und sie billigt, beeilte sich somit aus demselben Grunde mit der Antwort, aus denl Elenrenceau feine Grobheiten auftischte.
Die Antwort Frankreichs.
TU. Das Kopenfx euer Blatt „Politiken" meldet aus Paris: Der Ausschuß der radikalen Kammergruppe empfahl der Regierung, den Vorschlag Burians durch die Vermittelung eines neutralen Staates ausführlich zu beantworten.
Die Unfähigkeit der Gntente-Diplomatie.
TU. Ein Leitartikel des Journal des Debats greift dsi Regierung heftig an, daß sie es nicht für nötig gehalten habe, auf die Note Burians zu antworten. Dieses unhöfliche Vor- aehen werde zwar den Beifall aller Scharfmacher finden, in' Wirklichkeit aber wird dadurch lediglich die Unfähigkeit der Ententediplomatie bewiesen.
Die Crc.vA'K8Ln in SSdmNMd.
TU. Wie die Voffische Zeitrrng erfährt, wird eine der wichtigsten Fragen der unter deutscher Vermittelung wieder aufzunchmenden ukrainisch-russisa-en Friedensverhandlun^ gen die Frage der staatsrechtlichen Stellung Eüdrußlands (Don-, Kuban- und Kri'."gebieh bilden. Es handelt sich hierbei um jene Gebiete, die Deutschland nach Austausch der Natisikationsurkundon zum ukrainisch-, ssischen Frieden zu räumen beabsichtigt.
EikrskLife« CKgiMLs und Ämerilas ln Cltinrr.
bb. Drahtlos wird arrs London gemeldet: Englische Kriegsschiffe sind in den Gewässern von Kanton zusamme.lge. zogen worden. Da die Gefahr eines inneren Krieges zwischen Nord- und Südchina besteht, habe Sir John Jordan im Namen der britischen Negi-rung die Vermittlung Englands und der Vereinigten Staaten angeboten. Die Negierungen beider Parteien haben bisher noch keine Entscheidung getroffen.
(Diese Nachricht wird in Japan recht übel vermerkt werden, weil dieses schon glaubte, in China freie Hand zu haben Jetzt mischen sich auch England und Amerika ein. Es ist da. her nicht verwunderlick, wenn aus Tokio die Nachricht von dem Rücktritt des japanischen Kabinetts kommt.)


