Ausgabe 
21.8.1918
 
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Rückkehr des rttjfischett Botschafters nach Berlin.

Die die Voff. Ztg. meldet, trat der russische Botschafter Joffe, der zur Berichterstattung Uber das Ergebnis der Der- Handlungen betr. den Zusatzvertrag zum Frieden von Brest- Lltvwsk nach Moskau gereist war, heute die Rückreise nach Berlin an. Das Blatt schreibt dazu: .Der Aufenthalt Joffes tn der russischen Hauptstadt war also sehr kurz und bürfte zn einem befriediaenden Ergebnis geführt haben. 2lus der NALkchr des Botschafters auf seinen Posten darf wohl ge­schloffen werben, twß die Näteregierung nach Kenntnisnahme des paraphierten Vertragsentwurfs die Fortdai^er normaler Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland wünscht.*

Das 6>Wsl dtt Zalill.

Seit dem Tode des Exzaren Nikolaus II. ist die Frage, aote sich das Schicksal der Zarin gestalten wird, besonders brennend geworden, und sie scheint sich jetzt schnell und ver­hängnisvoll zu entwickeln. Bekanntlich hl der König von Spcnrien der Exzarin und ihren Töchtern ein Asyl in seinem Lande cmgeboten. Gewissermossen als Antwort darauf for» dert mm die Zeitung der Roten Armee, daß .die Gemahlin Nikolai Romanows* vor das Revoliittonstribunal gestellt werde, und das Blatt will sogar wissen, daß bereits ein Be-

S chluß der Sowjets vorliege, sie in Anklagezustand zu ver- etzen. Was das bedeutet, kann nach dem Ende des Zaren nicht zweifelhaft sein. FUr uns Deutsck-e liegt bei ihrem Schicksal außer dem rein menschlichen noch deshalb ein be- sonderes Interesse vor, weil die Zarin bekanntlich eine kchwester des Großherzogs von Hessen ist. Alix von Hessen, ßn Rußland Alexandra Feodorowna genannt, ist jetzt 46 Jahre alt; sie hatte sich als Richte König Eduards VH. stets mchr als Engländerin denn als Deuttche gefühlt und galt den Russen auch stets als die Engländerin; erst seit Aus­bruch des Krieges erinnerte man sich ihrer deutschen Abkunft. Obwohl nur anläßlich ihrer Vermählung ^ zur russischen Kirche übergetteten, übte die Zarin alle Bräuche der ortho­doxen Lehre mit besonderem Eifer und gab sich ganz der mystischen Richtung hin, die im Leben Nikolaus !l. eine so eigenartige Nolle spielte. Vor allem wurde sie eine große Gönnerin des Wundertäters Rosputin, der wiederum ti's-

? ;ehendcn Einfluß auf sie ausübte. Und dies Verhältnis oll ihr jetzt zum Derl)änanis gere!ck>en. Denn bekanntlich A»ar der in den Weihnaclsts tagen 1616 ermordete S^^frulin Oeoenstand erbitterter Anfeindungen, ohne Zweifel, well er kwf den Zaren im Sinne der Friedensrichtung einwttckte. Kck>on 1613 wurde daher ein Mordanschlag auf den Wunder­täter versucht, der ein Seitenstück zu der Ermordung Ioures Jahre 1614 bildete und sonach höchst wahrscheinlich mich ein Glied in der Kette der von der Entente im Zusammen- ig mit dem Weltkriege angestisteten Bluttaten darstellte. ist psychologisch durchaus begreiflich, wenn die Beziehun- m zu diesem Wundernmnn jetzt für die demokratische Hen- :r einen besonderen Anreiz bilden, die Exzarin vor ihr Tribunal zu schleppen, wie die Zeitung der Roten Garde zur «Begründung des Verfahrens angibt. Ein berechtigter An­halt zu einer Anklage dürste darin jedoch schwerlich zu flir- den fein. Die Zarin verdient eher Mitleid als Verfolgung. Man kann ihr nicht nachsagcn, daß sie wÄnend des Krieges tn bemerkbarer Weise hervoroetreten wäre; vielmehr bat sie in wackckender Angst um ihre Familie alles getan, um die Dolksstlmumng z-u gewinnen, sie ist stets nur noch kn Schwesterntracht gegangen und bat sich wohl auch an der

B ege Kranker und Verwundeter selbst beteiligt. Groß ill Eheglück auch wohl nicht gewesen. Als nach vier Töch­tern endlich der mit Ungeduld ersehnte Thronfolaer geboren wurde, mar es ein von vornherein überaus kränkliches Kind, von dessen Dafein man stets nur durch unheimliche Gerüchte erfuhr. Unbeareislicherweise hat Nikolaus diesem Zarewitsch den Ramien Alerej verlieben und ihm damit ein böses Vor­zeichen angehängt. Rur ein russischer Thronfolger hieß bis-' her Alexe»; es war der Sohn Peters des Großen, den dieser selbst beiseitigte, weil er dem Schwächling nicht sein Erbe rnvertrauen wollte. Uber die Krankheit des jei-taen Zare­witsch gibt es eine mehr als üppige Legendenbilduna, am jnelsten Glauben findet bezeichnenderweise die Lesart, er ßeide körperlich imd seelisch an den Folgen gegen ihn verüb-

S er Attentate. Am 14. August würde der unglückliche Prinz ein 14. Jahr vollenden, falls er noch am Leben ist. Denn >05 ist sehr zweifelhaft. Auch in dem Angebot des 'Königs hon Spanien ist nur von der Zarin und ihren Töchtern die Rede, des Thronfolgers geschieht keine Erwähnung. Über­haupt wissen wir bestimmtes über die Schicksale der Zaren- ffamilie in letzter Zeit so gut wie nichts. Sie wurde bekannt­lich tn der sibirischen Stadt Tobolsk in Gefangenschaft der Bolschewisten gehalten. Dort scheint die Zarin von ihrem Gatten getrennt zu sein, als dieser noch Katharinenburg ae° sckffeppt wurde, wo er den Tod durch Erschießen fand/ Da puch Tobolsk inzwischen von den Feinden der Bolschewiken bedroht ist. wird wohl die Zarin von dc vrt weggeschafst sein. Kommt sie tatsächlich vor das Revoluttonstrilnuml. so dürfte «ich khr Schicksal in einer bluttgen Justizkomödie besegelt werden.

Verschwörung zur Wiederherstellung des Zarenkumr? TU. Die Londoner Times melden aus Stockholm, daß man nach Petersburger Meldungen einer Verschwörung zur Wiederherstellung des Zarentums auf die Spur gekommen

Zsr llülkchllW M

Me Pflege nuferer Schulkinder in den Ferien.

Es ist Ferienzeit. Bei den knappen Ernührungsv, KAtnissen wird es leider den Müttern recht schwer, für i prasttgung der Kinder in den Ferien so zu sorgen, wie ieigentlich notwendig wäre. Daniit nun trotz der knapp jKast der Körper der Kinder gekrästigt r erde, empfehlen w

g l) eine zweckmäßige Körperpflege ein Gegengewicht 'fen. Zunächst müssen dir Kinder ausgrebic^n Sch n. Des Abends bringe man sie zeitig ins Bett. Da man sie sich ausschlafen nach Lust und Bedürfnis. 2 neben soll eine vernünftige Hauipslege betrieben werdi In der Haut befinden sich unzählige Poren, durch die i jpaut atmet. ^ Werden die Poren durch den Schmutz verstop so ist die Tätigkeit der Haut gehemmt und die Gesundh leidet Schoden. Eine täg'iche lalle Abwaschung des ganz Körpers ich daher notnvnbig. Klares Wasser und ein wclck Lappen find olles, was man dazu benötigt. Doch hüte m fld), diese Abwaschung vorzunehmen, wenn das Kind fröste auch darf sie nicht länger als zwei Minute' dauern, ll bedingt notwendig ist es, jeden Samstag die Haut mit w mem Wasser und Seife von Staub und Schmutz gründl Su reinigen. Ein drittes, billiges Mittel für die Kbrperpftc V die frische Luft. Die Kinder frjfen sich, mm möglich. d

sei. Der geistige Urheber dieser Organisation sei der srll- yere DumapräsidenL Rodziunko.

Krattkrrich gegen eine päpstliche Rttntmtirr in Peking.

Der Tempg begründet den Protest der französischen Ge­sandtschaft in Peking gegen die Errichtung einer päpstlichen Nuntiatur in Peking mit dem Abkommen von Tientsin von 1858. Solange der Vertrag in Kraft bleibe, sei in Peking kein Platz für eine diplomatische päpstliche Mission zur Ver- teldkgung der katholischen Interessen, umsomehr, als das Bündnis Chinas mit Frankreich von außerordentlicher Be­deutung sei. Das Problem Peking interessiere alle Alliierten gleichmäßig. Frankreich müsse unter allen Umstünden auf der Innehaltung des Vertrages mit Tientsin bestehen.

Die Amsterdamer ZeitungDe Tyd* wendet sich gegen die wiederholten Versuche Reuters, die Beglaubigung des päpstlichen Nuntius Petrelli bei der chinesischen Regierung zu htntertreiben. Das katholische Organ schreibt: Es bat den Anschein, daß Lhinas Weigerung eine Folge französischer Einflüsse ist, wobei man in Paris anscheinend mit Japan Hand in Hand geht, sodaß also eine grundsätzliche Ablehnung des päpstlichen Diplomaten überhaupt erwartet werden kann. Wenn diese wahrscheinliche Annahme zutrifft, liefert Frank­reich den Beweis, wie sehr sein Schlagwort von dem eigenen freien politischen Bestimmungsrecht der Staaten, sowohl der kleinen wie der großen, zu denen China rechnet, erlogen ge­nannt zu werden verdient. Frankreich verhindert die Re­gierung in Peking, die geistlichen Interessen eines großen Teiles der chinesischen Bevölkerung nach deren eigener Ein­sicht und eigenem Wunsche wahrzunehmen. Wahrscheinlich werden wir bald mit Sicherheit wissen, was wir bereits jetzt auf Grund dieser Weigerung annehmen, daß nämlich Frank- reich in Peking inttiguieri. um das Zustandekommen unmittel­barer Beziehungen zwischen dem hl. Stuhl und China zu vereiteln.

Köln, 16. Aug. Auf der Etaatsbahnstrecke Pünderich. Traben-Trarbach wurde ein Anschlag auf Eisenbahnzüge verübt, indem von Frevlerhand eine eiserne Schwelle in oen Schienenstoß eingeklemmt wurde, um die Züge zum Entalei- sen zu bringen/ Die verbrecherische Tat wurde an zwei Tagen, jedesmal am Hellen Tage, wiederholt.

Sttgdurg, l6. Aug. Die Stadtverordneten wählten den Beigeordneten Becker einstimmig zum Bürgermeister.

Koblenz, 16. Aug. Mit Rücksicht auf die in der Kriegs­zeit besonders bedauerlicl)en Übel stände l>atte sich der Kom­mandierende General des 8. Armeekorps an die Köln- Düsseldorfer D mpfschiffohrt gewandt mit dem Wunsch, auf ihren Dampfern ein Verbot des Dowleirinkens und eine Einschränkung des Weingriuisses berbeizuführen. Diesem Wunsche ist die Gesellschaff nunmehr nack)gclommen, indem sie die Schifssrestaurateure angewiesen l)at, künftig keine Bowlenweine, Zutaten oder Bowlengesäße mehr auszuge- beu. Ebenso sollen die Restauri teure da., wo es erforder- iich ist, durch Verweigerung des Weines auf eine Einschrän­kung des Weingenusses hinwirken.

Elberfeld, 16. Aua. Vor einigen Tagen mürbe der Arbeiter Leonh. Pollmann im Walde can ^endohler Teich erschossen aufaefunden, und als der mutmaßliche Täter der Dreher August KeklsiKz von hier verhaftet. Die Untersü- ckmng hat ergeben, dc>ß Pollmonn und Keilholz im Walde Scl)!eßübungen machten. Debet entlud sich die Waffe und der Schuß traf den Pollrirnnn. Keilholz lcate mis Angst dem toten Freunde die Waffe in die Hand, um einen Selbst­mord vorzutmttck>en und entfloh. Keilholz ist gestern aus der Haft entlassen worderu

Friemersheim, 16. Aug. Nachts drangen Diebe in die diesige Güterabfertigung ein und eniwe^rdettn mehrere Dienststen<pel. Don den vielen i:n Güterschuppen lagern­den Kisten wurde eine große Anzahl erbrochen und olles Brauchbare mitgenommen.

Kr-'ftld, 16. Aug. Eine Frau aus Fischeln, die nach ihrem Hühnerbestande 480 Eier hätte abliefern sollen, aber nur 140 abaeliefert hatte, wurde vom Schöffengericht zu 150 c# Geldstrafe verurteilt.

Rheydt, 16. Aug. Unter dem Namen Industriewohl ist hier ein Verein gegründet worden, der die für die Über­gangswirtschaft vor?ubereitcnden Schritte unterstützen und fördern frö. Die Stadtverordneten haben' ihr Interesse an dem Verein noch dadurch bekundet, daß sie mit einem im Icchrr 1618 noch zu entrichtenden Beitrag von 100 000 Ji die Mitgliedschaft der Stobt l>eschlossen und für die Folge­zeit weitere Beiträge in Aussicht gestellt haben.

Rheydt, 16. Aug. Im hiesigen Verfchnbbohnhofe geriet eine Sck^crffnerin von auswärts beim Rangieren unter einen Zug und wurde überfahren. Sie war sofort tot.

Dertrnnnd, 16. Aug. Der frichere Tlbgeordneb» des Iarrdkreises Dortmund und jetziges Mitglied des Herren­hauses, Landgerichts rat Tl>eodor Schrnieding, begeht heute seinen 75. Geburtstag. Die nattonalliberale Parteiorgani- satton der Provinz Westfalen sandte ihm ein herzliches Glück- w Un s cht e legram m.

Sccst, 16. Aug. Vor einiger Zeit ist einem hiesigen

gan'.en Tog im Freien belvegen. Liebe Mutter, schimpfe nicht, wenn dein Junge einnuZl eine zerrissene Hose, oder dein^ Töcksterch>cn eine beschnmtzte Schürze helmbringt! Es ist dies nichts gegen die Wohltat, die der Körper deiner Kin­der in Gottes freier Naftir genießt. Am Sonntagnachmit­tag soll die Mutter ihre lieben Kleinen begleiten auf dem Spaziergang durch die schöne Nattrr. So lasse d!e Kinder herumspringen^ nach Herzenslust und lehre sie die köstliche Luft atmen. Schlaf, Bad. Licht und Luft haben unsere Kinder jetzt so notig, wie nie zuvor. Geben wir ihnen darum, was wir zu geben imstande sind!

Dreizehn bei Tische!

Dreizehn be! Tische das muß ein Unheil geben! Für diesen weit verbreiteten Aberglauben bringt ein schwedisches Blatt folgende hübsche Schnurre als Beleg: Zwei Herren in der Eisenbahn kommen miteinander ins Gespräch; sie reden über dieses und jenes, langen sästießlich beim Aberglauben und bei der Zahl dreizehn an. und der eine fragt den an­deren: waren Sie schon einmal als dreizehnter bei Tische?

Gewiß, einmal. Run, und hat die Unglückszahl den Gästen wirklich Unglück gebracht? Ja, den meisten. Wahrhaftig? Ist vielleicht einer gestorben? Nicht, daß ich wüßte. Hat sich sonst ein Unglück ereignet? Gab es vielleicht nicht genug zu essen?^Wer spricht denn von Essen! Zu essen gab es überhaupt nichts! Nichts? Sie jagten doch. Sie hätten dreizehn bei Tische aeselleu.-

Gutsbesitzer von eknem Komnierzkenrat aus Dortmund fD» seinen Hof von 300 Mor en der außergewöhnlich hohe Preis von 1 600 000 Jt geboten worden.

Beckum, 16. Aug. In den Kreisen der Kalkhersteller wird ein neues technisches, kürzlich patenttertes Verfahren zur Herstellung von Zementersatz viel besprochen. Gewöhn^ licher Daukalk soll dadurch mit verhältnismäßig geringem Aufwand von Kosten und Maschinenkraft in einen Baustoff unigewandelt werden können, der die Eigenschaft der Er- härttmg im Wasser und der Widerstandsfähigkeit gegen Wasser wie Zement, wenn auch mit geringerer Festigkeit, besitzt, und fiir die meisten Zwecke des Hock)b<R!es an Stelle von Zement verwandt werden kann. Besonders für den Klettrbau soll damit ein werwolles billiges Ersatzmittel für den teuren Zement gefunden sein.

Seuneloger, 16. Aua. Auf dem Truppenübungsplatz Hierselbst wurde die Leiche eines jungen Mädchens aufge­funden. Es handelt sich um die Anna v. d. L. aus Pader- born, dtc seit einiger Zeit auf einem Milttäcbüro hierselbft beschäsiiat war und seit dem 12. ds. Mts. vermißt wurde. Ob Eelirstmord oder Verbrechen vorliegt, wird die Unter- juchuicg ergeben.

Dom Lands, 16. Aug. Überaus verbreitet sind in diefeuz Jahre die Diebstähle von Ähren im Felde. Kaum steht das Getreide in Garben, dann beainnt die Arbeit. Es sind Fälle bekannt, wo auf diese Weise bis zu einem Drittel das aufste­hende Getreide gestohlen wurde. Das Abschneiden der Ähren ist eine Ruchlosigkeit und verdient strengste Strafe.

7Uis aotr weit.

Berlin, 16. Aug. In der gestrigen Sitzung des Bundes- rats wurde der Vorlage betr. Festsetzung des Zlgarettenkon- tingents für die Zeit vom 1. 7. bis 31. 12. 1918 und der Vor­lage betr. die Neuregelung der Übergangsabgabe für das kn das Gebiet der Bierstenergemeinschaft aus den nicht hierzu gehörigen Staaten und Gebietsteilen des deutschen Zollge­bietes eingeführte Bier die Zustimmung erteilt.

Berlin, 16. Aug. Der ^Reichsanzeiger^ veröffentlicht die Verleihung des Ordens Pour le merite an Major Lange, ferner eine Bekanntmachung betr. die Meldepfticht für gewerb. licke Verbraucher von mindestens 10 Ttznnen Kohlen, 5koks und Brikets monatlich im September 1918.

Matzuahrnen des Kriegsamts gegen die Wohnungsnot. De bisherigen Nick)tllnien für die Mitwirkung den K^ieasamtsstellen bei der Regelung der Dautättgkeit sind für das Baujahr 1918 ergänzt worden. Hauptaufgabe bleibt es, die Lcistungsfäl)igkeit der Kriegsindusttie auf dem erreichten Stande zu halten. Der Bau von landwirtschafttichen Ve- triebsgebäuden ist in stärkerem Maße als bisher zu fördern« Reue Aufgaben ergeben sich aus der Gestaltung der Woh­nungsfrage. Das Kriegsamt l)ält es für seine Pftlcht, durch geeignete Maßnahnmn der schon vorhandenen oder zu er- rvartenden Wohnimgsnot vorzubeugen. De Kriegsamts- stellen sind dalZer angewiesen woi-den, soweit eine Wohnungs­not wirklich besteht und die Dringlichkeit ihrer Beseitigung nc^ewiesen ist, die erforderlichen Bauten wirksam zu un« terstützen und die l>enötkgtrn Baustoffe freizugeben. De Feststellung der Dringlichkeit erfolgt im Einvernehmen mit den zuständiaen Zivilbehörden. In Betracht kommen: a) Ilm« bauten und Ausbauten, insbesondere Umbau von größeres Mohnunaen in kleinere. Außerdem kommen in Frage Ans- der Dachböden für Wohnzwecke, sowie Rwianlage von Kellerwohnungen: letztere sind jedoch nur zulässig in ganz besonderen R^fällen und unter baulich uno unter gesund-' heitlich besonders günstigen Verhältnissen bei schärfster Be­urteilung. b'i Notstandsbauten, z. D. Baracken in behelfs­mäßiger Ausführrmg, ein Aushilfsmittel zur beschleunigten Beseitigi.'ng der Wohnungsnot, das nur in drinaenden Aus­nahmefällen zu emrfehlen. c) Neubauten; Ferttgstellung der stillgelegten Wohnungsbauten; Bau von Einzelwohn- und Grup/enhäusern. iedock) unter schärfster Beurteilung, soweit es sich um größere Wohnungen handelt. Luxus- baulen sind verboten. Kleinwohnungsbauten sind mit allen Kräften zu fördern. Für die Zuftihrung der notwendigen Baustoffe ist als Grundsatz festzuhalten, daß die nächstye- legenen Dezlkgsguellcn zu wählen sind u. alle Landfuhrwerko und Wasserwege für den Transport Tnöglichft ausgenutzt werde n.

Stettin. 16. Aug. Am 26. Mai 1912 wurde kn PofeN der 15jäbrige Kaufmannslehrling Stanislaus Musiol vom Hause Kessel u. Eo. ermordet und. beraubt aufgeftlnden. 500 M fehlten. Erst jetzt ist mrf ein Schreiben aus Stettin der Verdacht auf eine frühere Drne in Stettin, Dora Jahn, und ihren Brä^ttiglnn Joseph Kierkowski, gelenkt worden, die zurzeit des R'ubmordes in Posen wohnten. Sie sind beide verhaftet. Beide erscheinen erheblich belastet.

Landsberg (W.), 16. Aug. Der Orden Pour le merite war bisher nur dem Offizierskorps Vorbehalten. Jetzt Hai der Kaiser auch mit dieser Gepftogenhett gebrochen, indem bas Ritterkrerrz des Ordens Pour le merite zum erstenmale an einen Angel>örigen des Unterofffzierstandes verliehen worben ist. Es hanbelt sich um Dizefeldwebel Paul Höhne von hier, der wegen hervorragender Tapferkeit vor dem Feinde mit dem Orden Pour le merite ausgezeichnet wurde?

Allerdings Hab ist das gesagt, und so war es auch. Es Han-, delte sich aber um einen Tisch, der im Büro eines Rechtsan­waltes stand. Elf meiner Gläubiger hatten sich versammelt. -Nach einer langen Pause setzte der Herr seine Er­zählung fort: Nicht einer meiner Gläubiger hat einen roten Heller ^ekonimen. Es war für sie wirklich ein großes Unglück.

Belohnte Geduld. Der fran^ösisck>e Militärbureaukrcv. tismus, der immer neue eigenartige Blüten zeitigt, hat un- längst eine glanzvolle Probe seiner rechnerischen Gewandt- heit abgelegt. Ain 5. April dieses Jahres, so erzählt I'Oeuvre", richtete ein Wirtschaftsoffizier an die Heeresver- sorgungsstelle hinter der Front bas Gesuch um die Zustel­lung eines Bottick>s von zwölf Kubittneter Rauminhalt. Dis' Bcrsorgungsstelle ließ dag Gesuch unbeantwortet. Ant 5. Mai erneuerte derselbe Wirtschaftsoffizier mit aller schul­digen El)rerbiettmg seine Mtte. Wiederum blieb die Dev sorgungsstelle taub oder wenigstens stumm. Ein drittes Ge- ad) am 5. Juni hatte das gleick)e Ergebnis. Darauf ergab ick der Offizier m fein Schicksal und verzichtete auf eine Wiederholung der Bitte. Wie groß aber war die über» raschung, als am 20. Juni plötzjich ein Bottich im Umfang von .... 36 Kubilnieter eintraf. Die Oerforgungsstello hatte nämlich die drei Gesuche sorgfüittg ausbewahrt und die Kubickmeter zusammengezcchltt woraus sich ein Gefäß besagten Inhalts ergab Man sieht doch also so meint tap frcuuö! licke s 4Ua>* iwwn da»