Ausgabe 
20.7.1918
 
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Xus Stadt und Hand.

Die Getreideernte 3m Odenwald steht das Getreide sehr dicht. Das Korn, das Hauptgetreide, hat eine Höhe wie seit vielen Jahren nicht mehr.Des 3ohr hat jeder Bergbuckel Korn," sagte ein Bauer und eine Wirtin behauptet, sie bekomme Heuer von einem Acker mehr Korn, als im vorigen Jahre von ihrem ganzen Feld. Solcher Ausdruck der Zufriedenheit will bei dem Landvolk viel besagen. Die Körner entwickeln sich gut. Der während der Tokenheit kurz gebliebene Hafer hat sich seit dem Regenwetter /tüchtig gestreckt. Der Spelz blüht jetzt und kann den Sonnenschein gut brauchen. Der regen­arme Mai hat für das Gebirge den Ruhen gebracht, daß das Korn nicht gefallen ist. Viel Zurückgebliebenes (der zweite Klee u.s.w.) erholte sich wieder.-Auch aus dem Spessart laufen Meldungen über erfreulichen Stand des Korns ein, dort rechne man auch ebenso wie im Taunus, in Rheinhessen und in Oberhessen mit einer guten Kartoffelernte, weil sich die Riederschlagsver­hältnisse jetzt sehr günstig gestaltet haben. Eins steht außer allem Zweifel, die Futtermittelernte ist dieses Jahr ganz bedeutend besser als voriges Jahr und damit ist auch die Möglichkeit zur Hebung unseres Diehstandes ge­geben.

Gießen. Im HotelHindenburg" fand unter Vor­sitz des Dr. med. Bruchhäuser-Ulrichstein die 37. Haupt­versammlung des Vogelsberger Höhenklubs statt. Es waren insgesamt 18 Iweigvereine vertreten, worunter Frankfurt a. M. 423 Mitglieder zählt. Rach Erstattung des Jahresberichts wurde die Rechnungsablage mit 5828 Mk. Einnahme und 4280 Mk. Ausgabe, sowie der Vor­anschlag mit 6400 Mk. gutgeheißen. Die Kassenverhältnisse gestgtten die Rückzahlung von 2000 Mk. Schulden. Der Klub tritt dem hessischen Landverein für Kriegerheimstätten mit einem jährlichen Beitrag von 50 Mk. bei. Als Schrift­leider der DereinszeitschriftFrischauf" wurde Prof. Dr. Aug. Roeschen, Laubach, gewählt. Der Plan, gefallenen Mitgliedern durch Errichtung eines Ehrenhains im Ober­wald eine Ehrung zu beweisen, wird beibehalten. Dem Klubwirt Stein wird für 30jähriges treues Ausharren auf dem Hoherodskopf eine Ehrenurkunde überreicht.

* Darmstadt. Eine Hamstcrin in großem Maß stabe ist die Frau rincs hiesigen Aiztcs Sie brachte es in einem Monat auf 20 Pfund Butter, wofür sie bis zu 14 Mk. für ein Pfund zahlte, für den Zentner Kartoffeln zahlte sie bis zu 15 Mk auch Mehl usw kaufte sie über Höchstpreis, ebenso Milch. Infolge Anzeige erhielt sie Strafbrfehle auf inSglsamt über 3000 Mk. Sie legte Berufung ein, und das Gericht s.tzte die Strafe auf 2030 Mk. herab. Eine Mitangeklagte Kartoffelhänd lecin erhielt 630 Mk, eine Butteihändltrin 100 Mk, eine Milchfrau cbenfalls 100 Mk. Geldstrafe.

* Höchst a. M. Die Stadt befindet sich gegenwärtig in einer bedrohlichen Wassernot. Die Brunnen-Anlagen sind durch den Zustrom chemischer Abwässer derart ver­seucht, daß das Wasser für Trink- und Kochzwecken un­genießbar geworden ist.

* Hastet Die Schülerinnen der obcren Klassen des städtischen Oberlyzeums Hab n beschlossen, s r e i w i l- lig als Arbeiterinnen in die Munitions­fabrik einzutreten. Es handelt sich um die älteren Schülerinnen, die dazu Von den Eltern die Genehmi- gung erhalten haben, ohne die ein Eintritt nicht crmög licht wird. Eine ä ztliäe Untersuchung schützt die.jun-

ltcher Ermächtigung befugt Schlimmstenfalls käme nur die Aufrechnung der Auslagen mit den Mieten in Fortsall.

Eine UJobnungslteuer?

DerBerliner Lokalanz." schreibt: Kaum hat der Reichstag die Milliardenstcuern der Regierung bewilligt und noch 1200 Millionen draufgegcben, so tauchen schon wieder die Gerüchte von neuen geplanten Steuern auf. So beißt eS, ein Gesetzentwurf werde vorbereitet, wonach eine WohnungSsteuec eingeführt werden soll, die je nach Zahl und Zimmer der bewohnten Räume gestaffelt wer­den solle. Ein- und Zweizimmerwohnungen sollen ste er- frei bleiben. Ob es sich hier um mehr als eine der vielen Steueranregungen handelt, die dem Reichsschatzamt in Fülle zugehen, oder ob sich diese Anregung wirklich sckon zu einem Gesetzentwurf verdichtet hat, bleibt dahingestellt.

* Tür- und Fenstergriffe, die nicht der Beschlag nähme unterliegen und nickt ablieferungspflichtig sind, sind die sogenannten PaSquillverschüsse an den Fenstern, heute die gebräuchlichste Form von Fensterschlössern und die nur aus einer dünnen Nickellegierung bestehenden eisernen Türgriffe, die mit Holz bekleidet sind. Ablie- ferungs- bezw. meldepfltchtig sind nur die massiven Tür- und Fenstergriffe aus N'ckel, Messing und die an den Türen befindlichen Beschläge aus Sparmetall.

Über die Anmeldung der beschlagnahmten Einrichtung^ Gegenständen (Türklinken etc.) hat der Oberb ürgermeister von Gießen am 18. Juli 1918 eine Bekanntmachung ve röffenilicht, in der es u. a. heißt:

Die Frist für Anmeldung von beschlagnahmten Einrichtungs­gegenständen ist am 15 Juli abgelaufen. Diejenigen Hausbesitzer, welche die Meldung bisher nicht abgegeben haben, können dies noch bis spätestens 25. d. M. nachholen, da dann die Überweisung des Meldeergebnisses nach Berlin und die Bestellung der Ersatz­stücke für Türklinken und Fenstergriffe zu erfolgen hat. Die Meldepflichtigen sind gehalten, die nötigen Formulare zur An­meldung bei der Metallsammelstelle: Stadt. Elektrizitätswerke, abzuhol en oder abholen zu lassen.

Das städtische Elektrizitätswerk als Metallsammelstelle nimmt bis auf weiteres noch jeden Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag nachniittag von 37 Uhr beschlagnahmte, enteignete und freiwillig abzuliefernde Sparmetalle entgegen.

gen Mädchen davor, etwa Pflichten zu übernehmen, denen sie körperlich nicht gewachsen sind

Pferdediebe sind in zahlreichln Gegenden in l tzter Zeit rührig an der Arbeit. Fast täglich 'icst man, daß Pferdeställe aufgeblochen und die Tiere nacktS fort- geschafft wurden. Jetzt hat die Polizei in der Nachbar­schaft Kölns einen Schuppen entdeckt, wo die Ti re glheim geschlachtet wurden. Der Schuppen war zu einem regelrechten Schlachthaus eingericht t.

* Uebermähige Genußsucht Kamen da kürz­lich drei junge Leute iu Begleitung dreierDämchen" in ein Koblenzer erstklassiges Hotel. Der. Leiter, der gleich sah, wen er vor sich hatte, machte die jungen Gäste beim Bestellen des Weines darauf aufmerksam, daß von der gewünschten Weinmarke die Flasche 45 Mk. kosten würde und nicht etwa 4,50 Mk. Ja, das wüßten sie wohl, so drückten die jungen Lebemänner sich aus, aber das schadete nichts. Später knallten auch lustig die Scktkorken, und da bekanntlich zum Trinken auch das Essen gehört, so wurde auch flott getäfelt. Nach­dem das Gelage so 2 L / 2 Stunden angcdauert hatte, wurde die Rochnung überreicht, die dieKleinigkeit" von 650 Mk. ausmachte. Solche Genußsucht und solcher Leichtsinn verdienten einen scharfen Zaum.

* Dom Drrrchhollten der Hamsterer. In der

Wohnung der Landgtrichtscates Dc.Joerges in Rocksto haben Einbrecher 5 Schinken, 3 Speckseiten, 1 Schulter­stück, 20 Pund Mettwurst, 20 Pfund Butter und einige Hundert Eier gestohlen.

*.Wie der Herr Graf durchhält. In Schwär, zenau (Prov Posen) hatte eine Landsturmpatrouille den Auftrag, die G päckftücke der abfahrenden Reisenden auf Lebensmittel zu untersuchen. Kurz vor Abgang des Zuges traf am 8. Juni noch ein Wagen mit mehreren Gepäckstücken ein, deren eines schon äußerlich auf Fleisch­inhalt schließen ließ, denn es sickerte frisches Blut durch die Ritzen. Die diensthabenden Soldaten verlangten O ffnung In diesem Augenblick trat ein Herr hinzu und erklärte:Ich gestatte die Durchsuchung meines Gepäcks aus keinen Fall. Ich bin der Graf. Als sich derPoften, seiner Pflicbt gemäß, hierdurch nicht imponieren ließ, fragte der Graf:Wer hat Ihnen den Auftrag gegeben, die Sache zu untersuchen?" Antwot:Der Herr Distrikts' kommissac in Schwarzenau."Dann werde ich den Herrn Distriktskommissar anläuten." Dies geschah, und siehe da, der Herr Distriktskommissar erteilte dem Posten den Befehl, den Herrn Grafen unbehelligt abcei- j sen zu lassen.

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* Der Frankfurter Mieter-Schuk-Uereiu hat

an das Reichswirtschaftsamt, das R<ichsjusttzamt, den Wohnungsausschuß des Reichstags und den preußischen Staatskommissar für das Wohnungswesen einen Antrag auf Reform der Mieterschutzverocdn.ung gerichtet, in dem zur wiiksamen Bekämpfung der die vorhandene Woh nungSknoppheit ausnützenden Mietsteigcrungcn die Ec- richtung einer Mietzinsprüfun^sstelle zur Herbeiführung einer allgemeinen Regulierung des Mietzinses verlangt wird. Zu diesem Zwecke muß unter Beseitigung der entgegenstehenden Bestimmung der Verordnung die Prü­fung dcs Mietzinses bei gekündigtem und ungekündigtem Mietvertrag und auch bezüglich neu zuvermi tender Woh­nungen für zulässig erklärt werden. Diese Prüfung muß die PlüfungSstelle erforderlichenfalls von Amtswegen und nicht erst auf Anrufen der Parteien vornehmen. Sie darf eine Steigerung dcs Mietzinses höchstens nur insoweit zulassen, als diese in einer Steigerung der Aus­lagen des Vermieters begründet ist. Des weiteren wird in dem Antrag ein Schutz der Hausbesitzer gegen unan­gemessene Steigerungen der Hypothekenzinsen, sowie ein Verbot der Kündigung bestehender und die Anordnung der Verlängerung ablaufender Hypotheken gefordert; schließlich die strafrechtliche Brkämfung des Mietwuchers durch entsprechende Einwendung der Bestimmungen der Verordnung gegen Preistreiberei.

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* Kassel. Eine Belohnung von 450 Mark wird in einer hiesigen Zeitung demjenigen zugesichert, der eine 2 bis 3-Iimmerwohnung nachweist. In einer weiteren Anzeige werden 100 Mark für den Rachweis einer 6-Jimmerwoh- nung geboten.

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Gtseriach. Die deutschen Seehäfen zu stärken, dies erklärte in einem Vorträge zu Berlin vor den Mitglie­dern derWeltwirtschaftliche Gesellschaft" Ministerial- Dtrektor Dr. Symphrc für eine künftige Aufgabe der deutschen Wasserwirtschaft. Seine besondere Bcdmtung, so führte der Vortragende aus, habe in dieser Beziehung die Verbindung der Donau und der Weser durch einen Main-Weser-K.anal; denn möge der Krieg auslausen wie er will, soviel ist sicher, daß

Emden, Bremen und Hamburg uns näher liegen als Antwerpen und Rotterdam. Es habe sich gezeigt, daß die letzteren Häfen im Kriegsfälle für uns fast ganz wertlos wären. Die deutschen Häfen zu stärken, sollte daher auch eine Aufgabe unserer Wasserstraßen - Politik sein, und dazu würde der Main - Weser - Kanal wesent­lich beitragen; denn er bilde in seiner äußersten Aus­dehnung eine fast gradlinige nordsüdliche Verbindung von München, Augsburg, Nürnberg und Bamberg durch das Kali-Geb'et der Werra über Münden und Minden und von da über bereits bestehende, teils noch zu schaffende Wasserwege nach Emden, Bremen und Hamburg, ja sogar nach Lübeck und Stettin. Wenn der oberste Wasserbau-Beamte Preußens sich in so unzweideutiger Weise zugunsten des Werra - Kanals aus- spricht, dann kann man über die Aussichten dieses Kanal' Planes wohl beruhigt sein. Also nicht etwa nur in Bayern, sondern ebenso auch in Preußen denken die führenden Männer erstlich daran, eine Verbindung ihrer Wasserstraßen mit der Donau durch einen leistungs- fähigen Kanal h rbeizufühcen, und den mitteldeutschen Staaten kann das nur recht sein.

* Die ersten Bestrafungen wegen Miets­wuchers. In Kiel ist bekanntlich die erste Verord­nung gegen unerlaubte Mietsfteigerungen ergangen; dort müssen sich auch schon Zuwiderhandelnde vor Ge- richt verantworten. So verhandelte das außerordentliche Kriegsgericht gegen einen Buchdrucker, der ein Haus für 3000 Mark gemietet hatte und dieses weiter vermietete. Obwohl das HauS früher nur zu Bureauzwecken gedient hatte, die Wohnungen also jede Bequemlichkeit vermissen ließen, ließ sich der Angeklagte eine Zweizimmerwoh­nung ohne Küche monatlich mit 70 Mark bezahlen. Ein Sachverständiger taxiert, dak> die Wohnung einen monat­lichen MietSwect von 34 Mark habe, die unerlaubte Steigerung betrug also über 100 Prozent. Der Ange- klage entschuldigte sich damit, daß ec selbst eine hohe Miete zu zahlen habe. Das Gericht hielt ihn aber für schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 400 Mark.

Verantwortlich: Albin Klein in Gießen.

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