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Verlag der „Gietzerrer Zeitung", Gießen.
Nr. 53. , Telephon Nr, 362, Samstag, dm
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15. JUNi 1918, Telephon Nr. 362. 31. Jührg.
Große französische Angriffe Kögeschragsn.
Bis ans 10 Km an Compiegme vorgerückt.
Seit 27. Mai von -er Armee des Deutschen Kronprinzen 1O5O Geschütze erobert» Iw Mai 23 französische Fesselballons rm- 413 Flugzeuge ahgsschoffen. 10590 A. 22@0O u 25090 Br.-R-T. = zusammen 57 500 Br -R.-T. versenkt.
Zur militärischen tage im Uleften.
• * Genf, 12. Juni. Nach Pariser MtlLüngen wurde Compiegne in die Sicherungszonc der Hauptstadt Paris eingezogen. Der Militärgouverneur von Paris hat unter Leitung Fochs die notwendigen Maßnahmen zum Schutze der Bahnlinie Paris—Compiegne ergriffen
* Köln, 11. Juni. Die „Köln. Zig." meldet aus Genf: Die französische Regierung ließ bereits am 3. Juni Meaux größtenteils räumen, das an der Marne 40 Kilometer von Paris entfernt liegt.
* Zürich 12. Juni. Am Schluffe einer umfangreichen Betrachtung über die Kriegslage im Westen schreibt Oberst v. Wattenwoyl in bcr „Züricher Post": Es kann als höchst wahrscheinlich gelten, daß uns noch die Sommermonate einen neuen wirksamen Schlag der deutschen Feldherren bringen werden, die gegenwärtig die Gestaltung des Krieges frei bestimmen können. Trotz der in Aussicht stehenden amerikanischen Hilfe vermindern sich durch jeden solcher Schläge die weitvollen Figuren der Feldherren d c Evtentehcere in so sichtbarer und fühlbarer Weise, daß der Ausgang dcs großen Ringens nicht nuhc in einem bloßen Remis sondern in endgültiger Matr setzung erwartet werden kann.
* Rotterdam, 12. Juni. Rach einer Pariser Depesche des „Daily Telegraph" sei es noch nicht gelungen, den deutschen Vormarsch aufzuhalten.
* Zürich, 12. Juni. Der „Cornere della Sera" meldet aus Paris, daß das Waldgebict von Laiaue, das starke Stützpunkte für die Franzosen bietet, durch Umzinglungen immer mehr bedroht ist. -
* Schweizer Grenze 12. Juni. Das „St Gast Uner Tageblatt" meldet aus Paris: Auf alle Fälle wird die Regierung Paris nur im letzten Augenblick verlassen.
Zürich, 12. Juni. Der „TcwpS" bringt die Mitteilung, daß sich am verflossenen Samstag in Paris ii den Banken, sowie in anderen finanziellen Instituten ungewöhnliche Erregung gezeigt hat, so daß die Banken vorzeitig schließen mußten. Eine Massenabwakiderung vermögender Kreise, die ihre Gelder von den Banken abhebcn, bereitet sich vor.
. * Kopenhagen, 12. Juni. Der Pariser Vertreter
der „Berlingke Tidende« meldet, der Vorstoß der Deutschen erfolge in der Richtung Estrecs—St. DcniZ. Bei Marqueglise stehen die Deutschen im geraden Abstand nur noch 11 Kilometer von Compiegne.
Compiegne ist von drei Seiten gefährdet. Deutsche Bortrvppkn haben das Vorgelände der Stadt, von deren Mrtte sie nur mehr knapp 10 Kilometer entfernt stehen und die dauernd beschossen wird, erreicht. D:e oeutschcn Feldgeschütze konnten bereits so weit her- angebracht werden, daß sie Compiegne beschießen können.
V*' 2uni. Die „Morning Post" meldet: Die Pariser Bahnlinie nach Reims ist seit Tagen zeitweise gestört.
™ i* 0 ß' 3uni. „Daily Mail" meldet aus Paris: Nachdem zuvor die Stadt Epernah von den Deutschen unter Feuer genommen worden ist, fielen in den letzten Togen auch schwere Granaten Chalons sur Marne.
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JMcbe üemsche €<sge$Nricim.
Berlin, 11. Juni. Im Sperrgebiet um England wurden neuerdings durch die Tätigkeit unserer U-Boote 10 500 Vrt. Handelsschiffsraumes vernichtet.
Der Chef des Admiralstabes der Marine.
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wtb. Großes Hauptquartier, 12. Juni 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppen Krol?prinz Rupprccht: Artilleriekampf wechselnder Stärke. Die Infanterie-, tätigtest blstb auf ErkundungSgefechte beschrankt. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz: Artilleriekampf wechselnder Stärke. Die Infanterie-
Generals v. Hutier gestern den erwarteten, zur Wider- cinnahme des Höhenblocks südwestlich von Royon geführten großen Gegenangriff mehrerer französischer Divisionen zum Scheitern gebracht. Unter schwersten Verlusten wurde der Feind auf seiner ganzen Angriffs- front von La Ployron bis Antheuil zurückgeworsen. Seine in großer Zahl zum Einsatz gebrachten Panzerwagen liegen zerschossen auf dem Kampffelde. Zwischen Mery und Belloy, wo der feindliche Ansturm an unserem Gegenstoß zerschellte, dauerten erbitterte Kampfe bis zur Dunkelheit an. Das w stliche Oiseufec nöxdlich der Matz' mündung wurde vom Feind gesäubert. Die Zahl der von der Armee eingcbracht n Gefangenen hat sich auf mehr als 18009 erhöht. Der Verlust der Höhen süd westlich von Royoi zwang den Feind zur Räumung seiner Stellungen im Carleporstwatde auf dem Ostufec der Oise. Dem weichenden Feinde stießen wir über Carlcpont und Caisnes scharf noch und erreichten kämpfend die Linie nördlich von Vailly Tracy le Val, westlich Rawpeel. Hartnäckig und keine Opfer scheuend setzte der Feind seine vergeblichen Angriffe nordwestlich von Chateau Thicriy fost. Mehrfacher Ansturm brach hier blutig zusammen.
Dec E-.ste Generalquartiermeistec: Ludendocff.
auf
der
Berlin, 12. Juni, abends. Oertliche Käuipfe dem Schlachtfelde südwestlich von Royon und südlich
Berlin, 12. Juni. Im Miltelmeer wurden durch uns-re U-Boote 6 Dampfer vom zusammen 22 000 Brutto egistertonnen versenkt.
Der Chef des- Admiralstabes dec Marine.
wib.
1918.
Großes Hauptquartier, 13. Juni Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht.
Zeitweilig auflcbknder Artillerstkamp'. Seitliche Ir fantcriegefechte.
Heeresgruppe deutscher Kronprinz.
Südwestlich von Royon führte dec Franzose erneut starke Gegenc-ngi iff beiderseits der großen Straße Roye E^stcees—St. Denis. Unter schwersten Verlusten brach auch dieser Ansturm zusammen. M.hc als 60 Panzerwagen liegen zerschossen auf dem Kampffelde. Die Gefangenen za hl ist aus über 15000 gestiegen. Die Beute an Geschützen beträgt nach bisherigen Feststellungen mehr als 150. Bei Abwehr der feindlichen Gegenangriffe fielen einige unserer bis ix. die vorderen Jnfanterielinien hinein aufgefahcenen Ge. schütze in Feindcshand. — Nördlich dec Aisne drangen Sturmabteilungen in die feindliche Gräben. Südlich der AiSne griffen wir nach starker Artilleriewlrkung den Feind an und warfen ihn aus seinen Linien östlich von Cutry Dommiers über diese Orte hinaus zurück. Nördlich von Corcy wurde Sapieres-Grund vom Feinde gesäubert. Wir machten mehr als 1560 Gefangene. — Mehrfach wiederholte feindliche Angriffe nordwestlich von ChateaU'Thierry brachen verlustreich zusammen
In den beiden letzten Tagen wurden 35 feindliche Flugzeuge abgeschossen. Hauptmann Bert hold und Leutnant Menckhoff errangen ihren 33.. Oberleutnant Schleich seinen 29. und 30., Leutnant VeiljenS seinen 20. und 21. Hauptmann Neinhardt seinen 20. Luftsieg.
Der Erste Generalquartiermeistcr: Ludendorff.
Berlin, 13. Juni, abends. An den Kampffronten ist die Lage unverändert. Oertliche Kämpfe südlich von Npern, südwestlich von Noyon und südlich der Aisne.
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Berlin, 13. Juni. Eines unserer U Boote, Kommandant Kapstänleutnant Ecnst Hashagen, hat im Sperrgebiet um die Aporen und in dec BiSeaya rund 25 000 Raumtonnen vernichtet. Sämtliche Dampfer waren mit Geschützen und zum Teil mit Minenwerfern bewaffnet.
Der Chef des Adniiralstabes der Marine,
Der jüngste §irg.
Don unserem militärischen Mitarbeiter.
6m. Man kann den Angriffsstoß von Teilen der Armee v. Hutier, der am 9. Juni in der Frühe südwestlich von Royon begann, als eine strategische Folge des vorausgegangenen großen Angriffs Her Armee v. Boehn betrachten. In seinen ganzen Ausmaßen bedeutend kleiner, stellt er an sich eine taktische Maßnahme mit wahrscheinlich begrenzten örtlichen Zielen dar. Das geht ja auch schon aus der Breite der Angriffsfront hervor, die wesentlich geringer ist als wir es von den bisherigen Großangriffen her gewohnt sind; im ganzen scheint die Frontbreite des Stoßes zunächst wenig mehr als 20 Klm. betragen zu haben. Natürlich ist eine gewisse Verbreiterung dieser Front je nach dem Erfolge nicht ausgeschlossen, da dies immer bei gut vorwärtsschreitenden Angriffen der Fall zu sein pflegt. Eins aber ist sicher: Der Angriff ist gleich am ersten Tage zu einem herrlichen neuen Siege geworden, einem Siege, der umso mehr ins Gewicht fällt, als der Schlag diesmal die Franzosen nicht überraschend getroffen haben kann. Daß trotzdem unsere wackeren Truppen gegen sicherlich erhöhte Gegenwehr einen so schnellen Sieg errungen haben, legt erneut von der Ueberlegenheit deutscher Führung und Angriffstruppen das beste Zeugnis ab.
Die Lage Foch's im Raume zwischen Montdidier-Oise- Aisne und Marne hatte ihn ja veranlaßt, von allen möglichen Frontteilen her Reserven heranzuführen und mit ihrer Masse zur Stützung der Front Royon-Chateau-Thierry einzusetzen. Ganz selbstverständlich mußte sich Foch sagen, daß eine Bedrohung dieser bei Royon im rechten Winkel nach Westen umspringenden Front aus Flanke und Rücken von der Frontlinie Montdidier-Royon her erfolgen konnte - und hat sicherlich darnach seine Gegenmaßnahmen getroffen, indem er den letzterwähnten Frontabschnitt verstärkte. Hierfür spricht besonders die schon am ersten Angriffstage auf verhältnismäßig schmaler Front eingebrachte Gefangenenzahl von 8000 Mann. Diese hohe Zahl läßt auf starken Einsatz französischer Divisionen schließen. Eine Entschuldigung der Franzosen, daß lediglich die erste Ueber- raschung ihre Niederlage verschuldet habe, ist diesmal also - falls sie gebraucht wird - durchaus unzutreffend.
Aber nach französischen Meldungen der letzten Tage scheint man die deutschen Absichten und die geplante Stoßrichtung doch verkannt zu haben,- man scheint den Stoß mehr aus der Gegend Montdidier in südwestlicher Richtung erwartet zu haben und ist damit wieder einmal hereinge- sallen. Ein Blick auf die Karte genügt, um die Wirk- samkeit des neuen Angriffs zu begreifen. Seine Ziele kann man als örtliche bezeichnen, muß aber natürlich ab- warten, wie weit sie durch den Erfolg selbst vorverlegt werden können. Allein der Gewinn des ersten Tages, der das Höhengelände von Gury und die Gegend beiderseits des Matz-Flusses bis nach Reffons herab in unsere Hand brachte, ist dazu angetan, die Gefährdung der wichtigen Verbindung der Franzosen im Oise-Tal nach Compiegne in ein kritisches Stadium zu bringen und vor allem die Lage der im Frontwinkel südlich Noyon beiderseits der Oise eingeengten Franzosen bedrohlich zu gestalten.
Dieser Bedrohung wird Foch durch schnelle Gegenmaßnahmen Herr zu werden suchen. Er kann diesmal auch schneller mit Reserven eingreifen, da ein großer Teil von ihnen in diesem Raume zur Abwehr gegen die Armee v. Boehn versammelt ist. So wird er sicherlich schon jetzt über Compiegne eine Anzahl Kräfte nach dem Unterlaufe des Matz werfen, um dort unserem Vordringen Halt zu gebieten. Wir haben daher gerade am Matz mit starkem Widerstand und heftigen Kämpfen zu rechnen und sprechen daher auch, wie vorhin erwähnt, den Angriffszweck als örtlich an. Was erreicht werden sollte, ist ja schon durch neue Schwächung des Feindes und Bindung seiner Kräfte erreicht worden. Gelingt noch mehr, umso besser. Eine neue, erfreuliche Erscheinung zeigt sich aber in den Ereignissen der letzten Tage: Die Kampfpausen werden kürzer, Schlag auf Schlag saust unser Schwert aus die Feinde nieder; die Erschöpfung der Entente schwillt dadurch immer mehr an, der Nutzen irgend einer amerikanischen Hilfe verringert sich in gleichem Maße.
Deshalb ist der neue Sieg so hocherfreulich und ermöglicht uns weitere gute Aussichten für die Zukunft. Z. 4.


