Hießerrer Jettitng
Ve;ug5prei5 60 pfg. monatlich
vierteljährlich 1,80Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus, -lbgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig- auSgabestellen vierteljährlich 1,50 Mk. — Erscheint Mittwochs und Samötags. — Redaktionsfchlutz früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der „Giestener Zeitung", Gießen.
Expedition: Südanlage 21.
Anzeigenpreis 20 psg.
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Druck der Gießencr Verlagsdruckerei, Albin Klein.
Nr. SU.
Telephon Nr. 362.
Mittwoch, dm L. Juni 1918,
Telephon Nr. 362.
31. Jahrg.
Die Aisne nach Süden zu überschritten.
Siegreich bis ans 75 dm näher nach Paris zu.
20000 u. 26000 ii. 29000 Br-R.-T.- 75OOO Br.-R.-T. versenkt.
Zwr mllilrillscden Lage im Arsten. wtb. Großes Hauptquartier, 1. Juni 1918.
Westlicher Kriegsschauplatz:
* Genf, 1. Juni. Die westliche Flanke der Festung Reims ist nach Pariser Meldungen in bedrohlicher Weise von den Deutschen umfaßt. Die einzige Bahnverbindung von Reims nach Paris geht über Fere Champenoise, aber auch diese einzige Bahn liegt kaum mehr als 20 Kilometer von der deutschen Linie entfernt.
* Zürich, 1. Juni. Der „Corxiere dclla Sera" meldet von der englischen Front, die Lage sei furchtbar, die deutschenHeereseienvorberettetwienoch nie. Sie verfügten über geradezu phanthastische Kampfmittel und eine neue Manövriermasse von unzähligen Divisionen. Barzini hält nicht für ausgeschlossen, daß auch anderLwo noch weit gewaltigere Offensiven losbrechen.
Der „Petit Parisien" meldet, das Ziel des Feindes ist die große Eisenbahnlinie Paris—ChalonS. Der Feind rückt täglich etwa 25 Kilometer vorwärts.
„Daily News" meldet: Die Lage an der Front wird weiter gefährlich. Die Front, die jetzt gefährdet ist. läust parallel mit der Linie Noyon—Soissons — Chateau-Thterry.
* Berlin, 2. Juni. Mit der Einnahme des Nord- teilS von Chateau Thierry und der Erstürmung von Brrmeuil ist die Marncfcont bereits auf mehr als 52 Kilometer verbreitert. Der spitze Stoßkeil hat sich zur breiten Kampflinie geformt.
* Gensi 3. Juni. Der „Matin" meldet die unmittelbare Bedrohung der Gebiete östlich von Com- piegne und der Stadt Compiepne selbst. Rach weiteren Pariser Meldungen sind Mcaux und Natieul von den Behörden und der ganzen Zivilbevölkerung evakuiert. Auf Paris fallen jetzt täglich 35 bis 40 feindlich Schüsse. — DaS „Echo de Paris" meldet: Marschall Hatg äußerte sich zu den Prcssenvertretern, lcc Augen- blick sei gekommen, die Verteidigung der französischen Hauptstadt in großem Stil zu beginnen. — Mit der Wahrscheinlichkeit eines großen Zusammenstoßes nächst Compiegne rechnen, wie der „Mattn" meldet Foch, Petain und Hatg. — Das „Journal des DebatS und andere Pariser Blätter sprechen von der Möglichkeit, daß die von den Franzosen westlich Soissons bezogenen Not- stkllungen nicht behauptet werden können.
* Gent, 3. Juni. Die Eroberung der Oertlichkeit Faverolles durch die Deutschen gilt nach Pariser Auffassung als der Beginn eines heißen Kampfes um den Besitz von VtllerS Cotterets, das Petain um jeden Preis zu halten entschlossen ist.
* Zürich, 3. Juni. DaS Genfer „Journal" meldet: Die Bedrohung von ReimS hält an. Der Eisenbahnverkehr von ReimS nach ChalonS ist unterbrochen. V<n drei Seiten halten die Deutschen Reims umfaßt, die die Stadt umschließenden fortgr frönten Höhen sind fast restlos in deutscher Hand. Statt die Stadt zu kämen, lassen die Franzosen sie völlig in Trümmer schießen und opfern sie.
* Rotterdam, 3. Juni. Der „Corriere dalla Sera" berichtet, der Feind stehe nur noch etwa 60 Kilometer vor den Toren von Paris. Man könne nicht leugnen, daß die französische Hauptstadt bedroht sei.
* Köln, 3. Juni. Der militärische Mitarbeiter der
„Daily News" betont die Notwendigkeit, Compiegne als Schlüssel von Paris unbedingt zu halten und dem Feinde unter allen Umständen das Tal der Oise zu versperren. * ~
* Zürich, 4. Juni. Nach Pariser Telegrammen erwartet die Mehrzahl der militärischen Sachverständigen die Entscheidungsschlacht der Westfront in dem Abschnitt Compiegne—Soissons—Villers—Cotteret.
llmllicde äemscbe Oaesöericim.
Berlin, 31. Mai Neue Erfolge unserer U Boote im M>ttelmeer: 5 Dampfer und 9 Segler von zusammen rund 2000VBrt. Ein vollbesetzter Truppentransporter von etwa 5000 Brt. wurde aus einem gesicherten Geleitzuge herausgeschossen.
Der Chef dcS Admiralstabes der Marine.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Vielfach auflebender Artilleriekampf. Oertliche Angriffe des FeindeS südlich Ipern scheiterten.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Südlich der Oise südwestlich von Chauny warfen die Truppen der Generale Hofmann und v. Francois den Feind aus stacken Stellungen bei Coute und süd- lich von Blerancourt. Auf dem Nordufer der AiSne stießen wir in heftigem Teilkämpfen bis Neuvcon — Fontemy vor. — Verzweifelte Gegenangriffe führte der Franzose mit frischen, auf Bahn und Kraftwagen her- angebrachten Divisionen gegen unsere über die Straße Soissons—HartenneS vordringendtn Truppen Am Abend waren die erbitterten Kämpfe zu unseren Gunsten entschieden. Dem weichenden Feinde stießen wir bis auf die Höhen östlich von Cho'oun— Biorzy—Blanzy nach- — Beiders.flS des Ourca^FlusscS haben wir die Straße Soissons—Chateau-Thterry überschritten und erreichten, imnrer wieder auss neue feindlichen Widerstand brechend, die Höhen von Nauillh nördlich von Chateau Thierry. — Zwischen Chateau-Thierry und östlich von Dormans stehen wir an der Marne. — Von der Marne bis westlich von ReimS gewannen wir im Angriff die Linie Orneuil-Olizy Sarcy.Champigny. Die gestrigen Kämpfe brachten von neuem mehrere Tausend Gefangene und reiche Beute ein. — In den beiden letzten Tagen schossen wir 36 feindliche Flugzeuge ab. Leutnant Monkhoff errang seinen 28, Leutnant Putter seinen 25. und Leutnant Kroll seinen 24. Luftsieg.
Der Erste Generälquartiermeifter Ludendorsf.
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Berlin, 1. Juni, abends. An der Front von Noyon bis Chateau'Thierry gewannen wir kämpfend Boden.
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wtb. Großes Hauptquartier, 2. Juni 1918.
Westlicher Kriegsschauplatz:
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Artilleciekämpfe an vielen Stellen der Front. Eng- lische Teilangriffe südlich der LyS und nördlich von Albert scheiterten unter schweren Verlusten.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Südöstlich von Noyon drängten wir den Feind trotz heftigen Widerstandes auf den Wald von Carlepont und Montag» n zurück. Wir nahmen die Höhen östlich Monlin sonS-Touvent und stark verdrahtete Linien west, lich von Nouvron. — Im Angriff der beiderseits deS Orrnq FluffeS warfen wir den Feind über den SaotereS- Abschnitt zurück und e r o b e r t e n die Höhen von Pa s s y und Concbamp. — An der Marne ist die Lage unverändert. Der auf dem Nordufer deS FluffeS gelegene Teil von Chateau Thierry wurde vom Feinde gesäubert. Nordöstlich von Verneuil und beiderseits der Ardre heftige Gegenangriffe der Franzosen Unter blutigen Verlusten wurde der Feind zurückgeschlagen. Oestltch von ReimS drangen wir in örtlichem Vorstoß in fcan- zösische Gräben bei St. Leonard ein und nahmen die Besatzung deS vorübergehend von uns besetzten Forts Pom pelle gefangen.
Französisch-amerikanische Lager von gewaltiger Aus- dlhnung fielen bei Fere-cu TardenoiS in unsere Hand. Weit über eine halbe Million Schuß Artillerie, unermeßliche Bestände an Pioniere- und Fecnsprcchgerät, mehr als 1000 Fahrzeuge wurden hier erbeutet.
Der Erste Generälquartiermeifter: Ludendorff.
O
Berlin, 2. Juni, abends. An der Angriffsfront neue Fortschritte.
Berlin, 2. Juni. Nach Meldungen aus See beträgt der durch unsere Unterseeboote im Mittelmeer versenkte Schiffsraum 26000 Brt.
Der Chef des Admiralstabes der Marine.
vrr neue Sieg.
Von unserem militärischen Mitarbeiter.
6m. Nun wissen wir es wieder einmal, was unsere längere Kampfpause in der großen Offensive im Westen bedeutete! Glänzende Vorbereitung und ebenso glänzende Ausführung des Unternehmens durch unsere wackeren Truppen haben den herrlichen neuen Erfolg geschaffen und damit gleichzeitig der Welt erneut den Beweis gelre- fert, daß unsere Offensive keineswegs eingeschlafen oder qar im Sande verlaufen war, - wie die Entente so gerne glauben machenlwollte. Aller Welt haben Meister Hinden- burg und unsere Truppen wieder einmal gezeigt, wer es besser kann! Und in dem in letzter Zeit zum Entente- schlagwort gewordenen „Weltlauf zwischen Hindenburg und Wilson" scheint die Aussicht für letzteren immer schlechter zu werden. - Es wäre noch durchaus verfrüht, in Erörterungen über die möglichen Ziele und Wirkungen dieses neuen Schlages einzutreten. Wir pflegen Ziele immer erst zu nennen, wenn wir ihrer sicher sind; wollen dabei schon zu Anfang unseres schönen Erfolges die ve- kannte Taktik der Entente erwähnen, die grundsätzlich bei unseren Schlägen ihnen Ziele unterstellt, die derart weitgesteckt sind, daß sie garnicht im Bereich des Möglichen liegen und von uns auch nie in Erwägung gezogen wurden. Der Zweck dieser Taktik ist ganz klar: Man will diese von uns nie gewollten und nie in Erwägung gezogenen Ziele zur Propaganda gegen uns benutzen können, indem man nach einiger Zeit triumphierend verkündet, daß dre Offensive gescheitert sei, well die von der Entente bekanntgegebenen deutschen Ziele nicht erreicht seren. So machte man es mit Ealais, es soll uns nicht wundem, wenn man es diesmal mit Paris versucht.
Eine moralische Einwirkung auf unsere Stimmung und Zuversicht kann man mit solchen Manövem allerdings Nicht ausüben. Wir haben durch den herrlichen Sieg der Truppen des Deutschen Kronprinzen emeut den Beweis für das sachgemäße und durch nichts zu beeinflussende Arbeiten unserer Obersten Heeresleitung. Manch einer irr der Hermal mag in den letzten Tagen ungeduldig geworden sein, manch einer hat vielleicht sogar auf heimliche Miesmacher gehört. Das ist nun vorbei, nicht nur für jetzt, sondem hoffentlich auch für alle Zukunft!
Das Wesen dieser gewaltigsten Offensive der Welt- geschichte ist ein anderes als das von Angriffsschlachten früherer Kriege und sogar verflossener Kriegsjahre. Große Angriffe wurden in früheren Kriegen in Stunden oder höchstens Tagen ausgefochten. Mit der Steigerung aller Kampfmittel, mit dem Einsatz von Millionen gegen Millionen steigert sich naturgemäß auch die zur Durchführung der Offensive benötigte Zeit; sie braucht Monate, - sogar viele Monate, - um zum Ziele zu kommen. Sollten also im Verlauf der Handlungen wieder einmal ganz unvermeidbare Kampfpausen eintreten, so wissen wir nun wohl die Gründe und sehen an dem jetzigen Srege dre Notwendigkeit dieser Pausen ein.
Wenn man die Heeresberichte der letzten Tage aufmerksam verfolgte, so konnte man schon aus der Angabe, daß auf dem Südufer der Aisne nordöstlich von La Neuville Engländer gefangen wurden, darauf schließen, daß gerade an der neuen Angriffsfront anscheinend abgekämpfte englische Divisionen zur Ablösung französischer Kräfte eingesetzt worden waren. Diese hat der neue Schlag gerade wieder richtig gepackt - ein weiteres Zeichen für die Sicherheit, mit der unsere Heeresleitung die wun- den Stellen des Feindes zu finden weiß und sie unversehens auch anpackt.
Das Höhengelände des Ehemin des Dames, von den Franzosen seit der Frühjahrsschlacht an der Aisne und in der Champagne 1917 heiß umkämpft, nach opfer- vollen V^monatigen Kämpfen endlich errungen, ward in wenigen Stunden von unsern Truppen in seiner ganzen Ausdehnung erstürmt. Bis an die Aisne, also stellenweise über 12 Klm. tief, stießen sie am 1. Angriffstage in dre feindlichen Linien hinein und haben anscheinend vielfach den Feind einfach überrannt. Die Beute, vor allem an Geschützen und Material, liegt bei Abschluß dieser Zeilen noch nicht vor: aber sie muß groß sein, da der Feind nicht viel hat retten können. Die nächste Phase in dieser Schlacht wird der Kampf um den Uebergang, über die Aisne in breiter Front sein; wahrscheinlich ist er schon erfolgt, wenn diese Zeilen unseren Lesern zu Gesicht kommen. Zukunftsmusik soll noch nicht getrieben werden: auch mit Gegenmaßnahmen eiligst herangeworsener Reserven des Feindes haben wir zu rechnen. Aber wir können uns des neuen schönen Sieges von Herzen freuen. Es hat Deutschlands Stärke emeut dargetan. z 1.


