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Ar. 47. Telephon Nr. 362. Samstag d u 25. Mai 1918
Telephon Rr. 362.
31. Jahrg.
Paris, London und andere englische Ztädts mit Bomben belegt. Im Westen größere feindliche Munitionslager zerstört.
228S8 u. 158W Or.-R.-T. ^ zusammen 3780® Br.-R.-T. versenkt.
Das Ziel der Reeresieiiung.
Laut dkm „Bell. Tagebl" meldet dec Berliner Mitarbeiter den Kopenhagens „Politiken" scincm Blatt nach Mitteilungen, die ihm aus Kreisen des Großcn Gcneralstabs gemacht wurden, daß die jetzige lauge Kampfpause ein Glicd im Plan der Obersten Heeresleitung'sei. Als Ziel der großen Kämpfe sei ihm amtlich die Zermalmung der feindlichen Heeresmacht bezeichnet worden. Ein großer Schritt aus diesem Wege sei benits getan und die Initiative der gesamten Operationen in diesem Jahre sei dem General Foch aus den Händen genommen. General Foch sei gezwungcn worden, sein ganzes „Bewegungsheer," mit dem man so große Hoffnungen verband, zur Verteidigung einzusetzen. Weiter hei"t es: Wenn der Krieg in Frankreich wirklich zu Ende geführt wcrden sollte, wird Deutschland seine Kxäfte, die in ungeheurem Maßstab frei werden, in den U-Bovt-Werftcn verwenden können. Dank dec steigen- den Erzeugung wird sich die Not auf dem Lebensmitteln markt dauernd bessern und Deutschland imstande sein, einen jahrelangen Seekrieg auszuhalten. Ü berdies ist cs nicht ausgeschlossen, daß es für die Fronten iw Orient von bedeutender Wirkung sein wird, wenn die Kräfte der Mittelmächte im Westen frei werden. In Palästina urd am Suezkanal ist England ebenso verwundbar wie zur See.
Zur mliltärlfcbeti Lage im Hielten u. Ziidwesien.
* Berltn, 22. Mai. Am 21. Mai führte die deutsche Artillerie mit großer Wirksamkeit ihren Feucrkampf durcb. Sie hielt geplante Angriffe des Feindes tni Kemnrclgebiet durch ihr Abwehrfeuer nieder und rief durch zahlreiche Treffer in den feindlichen Batterien mehrfach Munitionsbrände hervor. Hazebrouck, Mooc- becque, dec Schacht II von Annezin, der Schacht V von Noeux. dec Schacht X von Bethune und das Stahlwerk Grcnoh wurden erfolgreich mit schwerem Kaliber belegt. Unsere Bombengeschwader verursachten gleichfalls schwere Schäden in den Untcrkunfsorten des rückwärtigen feinb lichen Gebietes. Bei Sprengung des großen Munitionslagers Blargus wurden ungeheure tageShelle Explosionen beobachtet.
* Zürich, 22. Mai. Der „Corctere della Serra" meldet: Wir strhen am Vorabend unserer Offensive.
* Zürich, 22. Mai. Der „Tagesanzeiger" meldet: Es bestehen Anzeichen, daß es in den konrmenden Monaten in der Aoria zu einer lebhaften Seekckegsührung komme. Die Italiener verlegen sich darauf, mit ih ec neuen Motorbootflotte die österreichische Küste unsicher zu machen.
* Holländische Grenze, 23. Mai. Laut dem „Nieuwcn Notterdamschen Courant" meldet dec „Petit Parisiel.", daß 140 deutsche Divisionen, d. h. zwei Drittel der gesamten dcutschiN Stretmacht, zwischen dem Meere und der Oise ausgestellt seien. 52 Divisionen ständen in der Kampslinie oder als unmittelbare Stunntcuppen bereit, 58 Divisionen seien mehr nach hinten ausgestellt mit der Bestimmung, den großen Angriff zu ergänzen. Der neue Angriff solle mit 1700000 Soldaten ausgeführt werden, wovon 1120000 Mann Fußtruppen seien. (Di? Stimme des „Petit Parisien" spricht für Fcaukce^chs Angst vor denr Kommenden keineswegs ab.c können die Franzosen über Deutschlands Vorbeeeitungen und Pläne so unterrichtet sein, daß diese Zahlen etwa stimmten. Bisher hat Hindenburg den Fanden noch immer lieber raschungen gebracht. Tie Schriftl.)
* Bern, 23. Mai. Nach Dipcschen von der eng. lischen Front an Pariser Blätter steht Bethune infolge der. Beschießung durch deutsche Brandgranaten in Flammen.
* Rotterdam, 24. Mai. Dec „Daily Telegraph" schreibt: Der Ausgang dcs Krieges wird im nächsten
halben Jahre entschieden werden. Der deutschenglische Zweikampf wird den Kampf der beiden Mächtegruppen überhaupt bestimmen.
* Genf 24. Mai. Die unweit Bethune gelegene Stadt Lille rs wurde gleichfalls geräumt, weil sie der deutschen Beschießung ousgesetzt ist.
Hmllicde deutfcbe €age$bericbtt
Berlin, 22. Mai. Im Mlttelmcer versenkt n unsere U-Boote die italicnische Dreimastbark „Angelina dt Paola", 228 Bit, den französischen bewaffneten Dampsir „Verdun", 2768 Bit., und 4 weitere Dampfer, darunter einen von mindestens 8000 Br., zusammen über 22000 Bcuttoregistertonnen.
Dec Chef des AdmiralstabeS der Marine.
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wb. Großes Hauptquartier, 23. Mai 1918.
Westlicher Kriegsschauplatz:
Im Kemmelgebiet hielt gesteigerte Feuertätigkeit an. An den übrigen Kampffronten l bte die Ge- fechtStütigkeit erst am Abend in einzelnen Abschnitten auf. Während der Nacht lebhafte Tätigkeit der Franzosen auf dem Westufcr drr Avre. — Mehrfach wurden Vorstöße dcS Feindes abgewtesen und bei eigenen Erkundungen Gefangene cingcbracht. — Auf dem Kampffelde an der Lhs wurden gestern unter anderen 3 amerikanische Flugzeuge abgeschoff n. — Die in letzter Zeit sich mehrenden feindlichen Fliegerangriffe gegen belgisches Gebiet haben dec Zivilbevölkerung schwere Schäden und Verluste zugefügt. Militärischer Schaden entstand nicht.
Durch erfolgreichen Bombenabwurf wurden große Munitionslager dcs Feindes nordwestlich von Abbeville vernichtet. Parts wurde mit Bomben beworfen.
Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.
Berlin, 23. Mai, abends. Von dn Kriegsschauplätzen nick tö Neues.
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wtb. Großes Hauptquartier, 24. Mai 1918.
Westlicher Kriegsschauplatz:
Die Lage ist unverändert. Im Kemmelgebiet, beiderseits der Lys und der Sca'pe, südlich von der Somme, sowie zwischen Mweuil und Montdidicr lebte die Ar- tillertetätigkeit am Abend aus und war auch währt nd dec Nacht lebhaft. Die Jufantecietätigkeit blieb auf E kcikdungskämpfe beschränkt. Eigene Unternehmungen südwestlich von Bucquoy und an der Oise brachten Ge- fonzene ein.
Dec Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.
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Berlin, 24. Mai, abends. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Berlin, 24. Mai. Von unseren U Booten wurden im Sperrgebiet um England wiederum 15000 Brutto- regislertonnen feindlichen HandclSschiffsraumes vernichtet. D.e Erfolge wurden vcnwiegend on der Ostküste Englands bei starker feindlicher Gegenwirkung erzielt. Zwei Dampfer wurden auS Geleitzügen hcrausgrfchoffen.
Der Chff des Admiralstabcs der Marine.
Der bisher grösste Angriff.
Berlin, 22. Mai. Sta ke deutsche Bomknnge- sch'vader griffen in der Nacht vom 19. zum 20. Mai lv i e d e r u m London an. Die Unternehmung gestaltete sich durch die große Anzahl Flugzeuge, di. London cr- reichtcn und die Menge der auf die Mitte dir Stadt abgewo:sencn Bomben zum g ößten aller bisher dulchgc- führten Angriffe auf London. Einwandfikt wlrrde die starke Wirkung unserer Bomben in der City zwisch n Admiralität und Westindicn Docks beobachtet. Vier groß ' Brände brachen im Innern der Stadt aus. Mit demselben guten Erfolge griffen unsere Bombcuflugz uge Do v er, Che l m s f o r d, CH a th a m und So u t h e n d an.
Livland und ksibland frei von Russland.
* Berlin, 24. Mai. Das deutsche Auswärtige Amt hat am 19. Mai dem hiesigen Vertreter der russischen Regierung Joffe eine Erklärung des Vorsitzenden der vereinigten Landesräte überreicht, in der die förmliche Loslösung der Provinzen Livland und Esthland von Rußland vollzogen wird. „Tie Bevölkerung Livlands und Esthland," so schließt die Joffe überreichte Note, „hat durch die Erklärung ihrer Vertrcter von dem Rechte, ihr Schicksal frei zu bestimmen, Gebrauch gemacht und die LoSlösung von Rußland vollzogen, wovon sie die russische Negierung in KenvtniS zu setzen die Ehre hat."
UmlZuscb älterer Eandfturmkute.
Wie aus zahlreich eingehenden Gesuchen und Anfragen hervorgeht, herrscht über die seit einiger Zeit für den Austausch der älteren Jahrgänge dcs Landsturms bestehenden Bestimmungen vielfach Unklarheit. Zur Beseitigung von Zweifeln und Einschränkung aussichtsloser Gesuche wird daher bekannt gegeben:
1 Der Austausch erfolgt im allgemeinen nur bei den Truppen der vordersten Linie. So lange die Ersatzlage es zuläßt, soll die Maßnahme in besondcrs berück- fichtigensw rtcn Fällen auch auf solche Truppen ausgedehnt werden, die zwar nicht zu denen der vordersten Linie gehören, aber trotzdem dem feindlichen Feuer stark ausgesetzt sind.
2. Dec Austausch erstreckt sich nur auf Mannschaften, die länger a l s 6 M o n a t e in vorderster Linie Dienst getan haben. Diese werden ans der vordersten Stellung zurückgezogen. EineZurückversetzungindieHeimat ist dagegen rUcht ohne weiteres angängig, da auf die Verwendung auch der älteren Landsturm leutc hinter der Front, in rückwärtigen Fonnationen und in der Etappe vorläufig noch nicht verzichtet werden kann.
3. Der Austausch war zunächst beschränkt auf die 45jährigen und älteren Landsturmleute. Soweit die Ecsatzlage es gestattet, soll die Maßnahme auch auf die n ä ch st j ü n g e r e n I ihrgänge ausgedehnt
werden.
4. Der Austausch findet im allgemeinen nach dem Alter statt; besondere persönliche, wirtschaftliche, familiäre und gesundheitliche Verhältnisse berechtigen jedoch zu Ausnahmen.
5. Das Fortschreitcn des Austausches kann nicht gleichmäßig erfolgen, cs ist von der jeweiligen Ersatz- läge in den einzelnen Korpsbezirken abhängig.
6. Ohne Rücksicht auf das Lebensalter können Väter zahlreicher unversorgter Kinder und die letzten überlebenden Söhne von Familien, die durch den Verlust ihrer übrigen Söhne besonders schwer geprüft sind, aus dec vordersten Linie zurückgezogen werden, soweit cs die militärischen Berhältniss.', insbesondere die Ecsatz'age gestatten.
}iti$ Stadt und Land.
Tr agt Sandalen! Trotz der Hitze und der Knappheit an Schuhen und Strümpfen sieht man fast keine Barfußgänger. Es ist zuzugeben, daß nicht jeder barfuß gehen kann, aber in Sandalen kann jedermann gehen, Mann, Frau und Kinder. Aber ohne Strümpfe, denn sonst erspart man nicht viel. Der Staub und Sand, der immerhin bei Sandalen eindringt, ^erarbeitet die Strümpfe viel rascher als beim Tragen in Schuhen. Aber in Sandalen barfuß! Welch eine Wohltat für die Füße und Menschen und für die Schuhe und Strümpfe, die wir im nächsten Winter doch so nötig gebrauchen. Also Sandalen heraus! Wo sind in dieser national so wichtigen Sache die Führer unseres Volkes? Wer „wagt" es, das Barfuß-San- dalen-Gehen „salonfähig" zu machen?


