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Expedition: 5üdanlage 21
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(Gießerrer Tageblatt)
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Nr. 44.
Telephon Nr. 362.
Mittwoch, den 15. Mai 1918.
Telephon Nr. 362.
31. Jahrg.
Ein neues Bündnis zwischen Deutschland und Oestcrrcich-Nngurn.
Das Kemnrelgebiet von den Deutschen behauptet.
16500 u. 18000 u. 22500 = zusammen 57 000 Br. M D. durch deutsche U-Boote versenkt. Im April 15 feindliche Fesselballons und 271 Flngzeage zum Absturz gebracht.
flmilicbe dcuilcbe Cagesbericble.
Kaiser Karl im grossen Hauptquartier.
Der Kaiser von Oesterreich und König von Ungarn hat am 12. Mai dem Kaiser im Großen Hauptquartier einen Besuch abgestattet. In der Begleitung Kaiser.Karls befanden sich außer dem persönlichen Gefolge der Minister des Aeußeren Graf Burian, der Chef des Generalstabes Freiherr von Arz und der Botschafter in Berlin Prinz zu Hohenlohe. Deutscherseits nahmen an der Begegnung teil Reichskanzler Graf von Hertling, Generalfeldmarschall von Hindenburg, General der Infanterie und Erster Generalquartiermeister Ludendorff, Staatssekretär von Kühlmann und der Kaiserliche Botschafter in Wien Graf Wedel.
Zwischen den hohen Verbündeten und ihren Ratgebern fand eine herzliche Aussprache und eine eingehende Er- örderung aller Grundlegenden politischen, wirtschaftlichen militärischen Fragen statt, die das gegenwärtige und zukünftige Verhältnis zwischen den beiden Monarchien berühen. Hierbei ergab sich ein volles Einvernehmen in allen diesen Fragen und der Entschluß, das bestehende Bundesnerhältnis auszubauen und zu vertiefen. Die Richtlinien der in Aussicht genommenen vertragsmäßigen Abmachungen stehen bereits grundsätzlich fest. Im Gange der Besprechungen trat erfreulicherweise zu Tage, wie hoch von beiden Seiten das nunmehr auch im Verteidigungskriege so glorreich erprobte langjährige enge Bündnis zwischen Oesterreich-Ungarn und dem Deutschen Reiche bewertet wird.
vas neue Siinünis.
* Wien, 14. Mat. Wie im Abgeordnetenhause verlautet, hat die deutsche Negierung bei den Besprechungen im Hauptquartier der österreichisch polnischen Lösung der Polcnfrage unter der Bedingung zugestimmt, daß Oester- reich-Ungarn mit Deutschland eine Konvention für 15 Jahre abschließt. Die Errichtung der Personalunion zwischen Oestecreich'Ungarn und Polen ist nunmehr bald zu erwarten.
Bon unterrichteter Seite wird über die Besprechungen im deutschen Hauplquartt r noch mittgeteilt, daß das Bündnis zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn vor dem Weltkrieg als ein rein defensives Bündnis für den Fall eines russischen Uebersalles errichtet wurde. Es wurde jetzt nach dem Zusammenbruch Rußlands und den Lehren des Weltkrieges ensprechend umgestaltet. Der Charakter dis neuen Bündnisses ist derart, daß es sich mit der Idee des nach dem Kriege zu gründenden Völkerbündnisses harmonisch vereinbaren läßt.
Auch am 1l. Mai setzte der Feind die Wieder-Ec- oberungsversuche im Kemmelgebtet nördlich dis Dorfes Kcmmel fort. Sein Angriff brach wie bisher unter schweren Feindverlustcn zusammen. Das Stahlwerk Jöbergues, Morbecque sowie die Schächte von Noeux und Bethune wurden mit schwerem Kaliber belegt. Das Stahlwerk von Jöbergues liegt still. Gute Wirkung unseres Mtnenüberfalles auf die Amerikaner und an der lothringischen Front bestätigt sich weitcrh'n.
* Genf, 12. Mai. Die französischen Zeitungen sind der Ansicht, daß der deutsche Angriff am Freitag nur ein lokales Ereignis setz glauben aber, daß eine andere große Offensive bevorstehe. Der Lyoner „Progreö" meldet, daß an der britischen Front das Gerücht gehe, daß Generalfeldmarschall v. Mackensen das Kommando des Kronprinzen Ruppcecht von Bayern übernehmen und einen großen Durchbruch ver- suchen werde.
* Bern, 12. Mai. Hier will man mit Sicherheit erfahren haben, daß Italien bis sitzt insgesamt nahezu 5 Divisionen Mannschaften an die Westfront geführt Hab'. Im italtenischen Volk ist man jetzt nach zuver. lässig'n Berichten aus Italien in wachsender Furcht, daß Oesterreick) die Schwächung der italienischen Front nunmehr benutzen würde, um zu dem längst vorbereiteten großen Schlage auszuholen, lieber die Grenze gekommene Reisende berichten von starken Kundgebungen gegen die Krügspolittk der römischen Negierung, dte sich von Frankreich und England habe einfangcn und aufs Glatteis führen lassen.
„La France du Nord" meldet, daß seit 14 Tagen die Stadt Lillers, 12 Kilometer von Merville, von den Deutschen beschossen werde.
Zur militärischen Lage im Msten
* Berlin, 11. Moi. Nördlich Albert trieb der Gegner stacke Jnfanteriekeäste in mehreren Wellen gegen unsere Stellungen nördlich Aveluy Wald vor. Seine Angriffe scheiterten. Nachträglich wird gemeldet, daß der Feind in der Nacht vom 9. zum 10. Mat zweimal Haugard augriff. Hier lichtete unser Sperrfeuer die Reihen des abgeschlagenen und zurückflutehden Gegners.
Wie sich mehr und mehr herausstellt, französische Vorstoß bei Grivesnes als ein gryßer Angriff gedacht und mit starken K ästen durchgefühtt worden. Der außerordentlich zähe Widerstand, den die deutsche Besatzung im Park von Grivesnes entgegensetzte, sowie die Geschicklichkeit der Anschlußkompagnten, beschränkten den französischen Einbruch auf das bisher von den Deutschen gehaltene Stück des Parkes von Grivesnes. Der Park liegt nunmehr unter schwerstem deutschen Vernichtungsfeuer.
Der Mtlitärkr tiker des „Basler Mittagsblattes" schreibt: Es ist ausgeschlossen, daß cs Haig oder Foch
noch gelingt, eine Entlastung an der Ipern- front zu schaffen und d!e Lage von Grund auf wieder herzustellen. Was sie erreichen können, ist einzig Verzögerung zu schaffen unter Preisgabe der Besatzung von Ipern. Es hat alles drn Anschein, als ob sich das Schicksal der Stadt ähnlich erfüllen werde wie dasjenige von Armentieres. Den Besatzungen wurde befohlen, sich bis zum Aeußersten zu halten, aber es wurde ihnen die wahre Lage, die tatsächlich verzweifelt ist, verheimlicht, damit der Widerstand bis zur Überwältigung von Mann zu Mann fühlbar bleibt. Eine rasche Räumung des Geländes Ipern birgt die Gefahr in sich, daß deutscherseits ungestüm nachgedrückt und dem Rückzug ein allzu rasches Tempo gegeben wird, was für die gesamte Flandcrnfront verhängnisvoll werden würde.
* Genf, 13. Mai. Im Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten teilte Clemenceau nach seiner Rückkehr von der letzten Frontrcise am Donnerlstag mit, es verlaufe olles gemäß den Wünschen Fochs, (?) Der Feind sei aber von einer Zähigkeit und Hartnäckigkeit, daß ein baldiges Ende des Krieges nicht zu erwarten sei.
* Zürich, 13. Mai. Der „Corr. della Sera" meldet von der englischen Front: Auf Ipern fallen täglich an 60 Granaten; ein Viertel der Stadt liegt in Trümmern.
* Genf, 14. Mai. Eine HavaSnote meldet: Auf dem Schlachtfelde um Ipern ist eine zunehmende Heftig- keit der Kämpfe wahrzunehmen, ebenso auf dem Schlachtfelde beiderseits der Somme.
Berlin, 14. Mai. Die Schachtonlagen und Stahlwerke um Bethune wurden von den Deutschen mit war der e.Hwerem Kaliber wirkungsvoll beschossen. In ^das Kesselhaus des Stahlwerkes von Bully-Grenay wurde ein Volltreffer erzielt. Ein weiterer Volltreffer in das Kesselhaus des Schachtes 3.von N o eu x rief eine Explosion unter starker Feuer« und Rauchentwicklung hervor.
wtb. Großes Hauptquartier, 11. Mai 1918.
We stlicher Kriegsschauplatz:
Im Kemmcl-Gebiet war die Artillerietätigkeit zeit- wellig lebhaft. Wir führten kleinere Unternehmungen mit Erfolg durch Französische Teilangriffe nördlich von Kemmel und bei Lokec wurden abgewiesen. Auf dem Schlachtfeld an dec Somme entwickelten sich mehrfach heftige Jnfanterickämpfe. Englische Regimenter griffen nach mehrstündiger Feuerwirkung unsere Linien im Walde von Aveluy vergeblich an. Ihre Angriffswellen erlitten in unserem Feuer schwerste Verluste. Ebenso scheiterten nächtliche Angriffe des Feindes gegen Hangacd. Auf dem Westufec dec Avce faßte dec Franzose im Parke von Griv-sne Fuß. Im übrigen brach auch hier sein Angriff blutig zusammen. Erkundungsgesechte am Oise- Aisnc-Kanal, in dec Champagne und nordöstlich von Pont a-Mousson. Im Walde von Apremont wiesen wir den Vorstoß eines durch Pioniere und Flammenwerfer verstärkten französischen Bataillons ab. Mit stadem Minendeschuß fügten wir den Amerikanern südwestlich von nördlich von Apremont Parroy schwere Verluste zu.
Mazedonische Front-
Nordwestlich von Makotwo drangen deutsche Stoß. Irupps in französische Gräben ein und machten Gefangene.
Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.
Berlin, 1l. Mai, alends. Oertliche Jnfanterie- gefechte am Südufec der Lys und aus dem Westufec
dec Avre. Sonst nichts von Bedeutung.
»
Berlin, 11. Mai. Im Sperrgebiet um England wurden durch unsere 11 Boote neuerdings versenkt 16,500 Bruttoregistertonen feindlichen Handelsschiffsraumes.
Der Chef des Admiralstabes dec Marine.
»
wtb. Großes Hauptquartier, 12. Mat 1918.
Westlicher Kriegsschauplatz!
An den Schlachtfrontcn blieb die Gesechtstätigkcit auf öittiche Kampfhandlungen beschränkt. — Nördlich vom Kemmel und am Südufec dec Lys griff dec Feind nach heftiger Artillcrievoebeceitung an; an mehreren Stellen stieß er zu staiken Erkundungen vor. Nördlich vom Kemmel brachten wir im Nahkampf den feindlichen Angriff in unseren Linien zum Scheitern, im übrigen brachen feine Sturmtruppen schon in unserem Feuer zusammen Auf dem Westufer der Avre entwickelten sich aus einem eigenen Vorstoß südwestlich von Mailly heftige Kämpfe, n denen wie mehr als 30 Gefangene machten. Zwischen Avre und Oise mehrfach Eckundungs, gcfechte. — An der übrigen Front nichts von Bedeutung.
*
Im Luftkawpf wurden in den beiden letzten Tagen 19 feindliche Fl ugzeugeabgeschossen. 12 von ihnen brachte das bisher von Rittmeister Frhr. v. Richthofen geführte Jagdgeschwader zum Absturz. Leutnant Loewenhardt errang seinen 20. und 21. Luftsieg.
Dec Erste Genecalqnartiermeistec: Ludendorff.
Das Heldheer braucht dringend Heu und Ztroh! Landwirte Heist dem Heere!
Berlin, 12. Mat, Plätzen nichts Neues.
abends. Bon den Kriegsschau.
Berlin, 12. Mai. Eines unserer U-Boote aus Flandern, Kommandant Oberleutnant z. S. Schmitz (Walter), hat im östlichen Teil des Aermelkanals die bewaffneten englischen Dampfer „Hunerford" (5811 Bruttoregtstertonnen) „Bcodectck" (4321 Bruttoregister, tonnen) und einen anderen, za. 5000 Tonnen großen bewaffneten Dampser, zusammen 15.000 Raumtonnen, versenkt. Dte schönen Erfolge des Bootes, das nach dem Blöckiecungsversuch wohlbehalten in Zeebrügge einge- laufen ist, zeigen besser als Worte, daß sich dec Feind falschen Hoffnungen hingibt, wenn ec immer wieder die Meldung ausstreut, daß ihm die Blockierung unsere


