Ausgabe 
27.4.1918
 
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Die Japaner scheinen mehr Heiterkeit zu erregen als Zuversicht einzuflößen. Ein Brief ans Marseille erzählt sehr lakonisch von diesen Bundesbrüdern:Wir waren vorgestern am Hasen und waren zugegen, als die Japaner ansgeladen wurden. Sie fangen recht laut, aber verstanden habe ich nichts. Sie marschierten, als wenn sie in einem Kohlrübenseld spazierengingen."

Wre sehr der ungehemmte U-Bootkrieg selbst dem Franzmann zu schaffen «nacht, beweist jeder Briefs aufs deutlichste. Selbst die Schokolade ist in Frankreich ausgegaligen.Leider kann ich dir keine Schokolade schicken, nirgends ist solche zu haben. Täglich bekom­men wir nur noch 300 Grainm Brot, damit kann doch keiner arbeiten." außerdem beginnt hier schon

vieles zu fehlen, und man bekommt den Krieg am eigenen Leibe zu spüren! - Bringe Tabak für deinen Großvater mit und für mich: seit Wochen haben wir keinen mehr gesehen, im Geschäft habe ich schon lange keinen inehr."

Ein Brief aus Bourges faßt alles in die weni­gen. aber bezeichnenden Worte zusammen:. . . mit der Verpflegung sieht es hier faul ans!"

Möchten doch Clemencean und alle Mitverant­wortlichen sich recht eingehend in das Studium dieser Briese vertiefen! Ob sie dann auch noch so entzückt wären?

Und mag aber die rrtedergeschlagene Stimmung in Frankreich, die sich in diesen Briefen kundgibt iutt> für die es Hunderte von Belegen gibt, ein verheißendes Anzeichen sein, daß der Tag der völligen Ernüchte­rung und der Erkenntnis nicht mehr allznfern ist.

Die Furcht vor neuen Schlägen.

Was wird Hindenburg tun?

Die öffentliche Meinung iit London läßt sich in zwei Gruppen teilen: die eine glaubt, xs würde au der Lys und in Flandern zu einem Stillstände, ähnlich wie bei Amiens, kommen; aber die Offensive Hinden- bnrgS würde an einem dritten Punkte losbrechen. Die zweite Gruppe vertritt die Ansicht, daß auf den beiden Kampfgebieten an der Somme und an der Lys der Kamps zum bitteren Ende geführt werde, und zwar deshalb, weil weder die Deutschen nach die Alliierten in der gegenwärtigen (Situation verhar­ren . könnten. Die Tatsache, daß den Deutschen ein dritter Stoß zugetrant wird, beweist, wie wenig »nan von den täglichen Kehrreimen über diegewaltigen deutschen Verluste" hält. Vielmehr neigt man der Meinung zu, daß sich in den letzten Kampftagen die Mannschaftseinbuße auf britischer Seite bedenklich erhöhte, wahrscheinlich die Opfer der Somme­schlacht übertroffen hat. Tie Ueberzeugung, es werde den Deutschen falls sie dies wollen un­möglich sein, den Weg nach CasselBergneSDünkir­chen freizuniachen, ist in Londoner Kreisen nur sehr schwach vertreten. Bor der AngriffSkrast des Gegners besitzt man heute in ganz England einen ungeheu­ren Respekt. Nach Ansicht breiter Kreise iväre es geboten, den Kanalabschnitt zu einem englisch-franzö­sischen Bollwerk zu machen. Die Idee einer strate­gischen Räumung der gesaniten flandrischen Linie fin­det eifrige Fürsprecher. Wenn das Landstück Calais ArraSAbbevilleLe Havre intakt bliebe, so würde inan den Rest der heutigen englischen und belgischen Front opfern. Tiefe Ränmungsstrategen warnen aber vor iveiterer Anhäufung der Verluste. Nach Londoner Meldungen ist dieses Rettnngsmittel im Volke als sehr vernünftig" beurtei.t worden. So könnte manans die Amerikaner warten" . . .

Erfundene deutsche Verluste.

Der französische Nachrichtendienst vom 20. April versucht wieder einmal durch Hinweis auf die nnge- heuren deutschen Verluste die niedergedrückte Stiin- mung des Landes über die neueste englische Niederlage an der LchS zu heben, zumal auch diesmal wieder fran­zösische Divisionen dort schwer bluten mußten. Unge­schickterweise führen die Franzosen aber hierbei die angeblich vernichteten Divisionen und Regimenter mit Nummern auf. Dadurch ist es möglich, festzustel­len, daß entweder bei diesen Regimentern die Toten wieder lebendig werden, oder daß die Franzosen absicht­lich derartige falsche Nachrichten verbreiten. Bei keinem der genannten Truppenteile kann von gänz­licher oder halber Vernichtung die Rede sein. Die Kompagnien weisen keine Verluste auf, die über das gewöhnliche Maß hinausgehen. Sie stehen sämtlich noch tm Kampf. Kein deutsches Regiment mußte infolge von Verlust aus dem Kampf gezogen werden. Hätten aber die Franzosen mit ihrer Behauptung Recht, so wäre das lediglich ein Schwächezugeständnis der englischen und französischen Heere, die nicht einmal mit an- geblich so dezimierten Gegnern fertig werden.

Allgemeine Kriegsnachrichten.

Frankreichs Schuld am Weltkriege

Tie norwegische ZeitungTidens Tegn", ein von der Entente lebendes Hetzblatt, hat behauptet, der ehe­malige deutsche Botschafter in Paris, Exzellenz v. Schön, habe bei seinem Weggang aus Paris bei Krie^ans^ brnch ausdrücklich bestätigt, die französische Regierung habe alles, was in ihrer Kraft ftel^, getan, um den Krieg zu vermeiden.

Cxz. v. Schön hat WTB. zu der Erklärung er­mächtigt, daß. Exz. v. Schön weder in Paris noch sonst jemals eine derartige Aeußerung getan, vielmehr stets betont hat, daß Frankreich, da wo es zur Ver­meidung des Krieges dringend geboten war, nämlich in Petersburg, den Hebel nicht eingesetzt und dadurch die Mitschuld an der Katastrophe auf sich geladen habe.

Von der Hintertreppe des Krieges.

Der Abteilungsleiter im italienischen Waffen- und MünitionSministerinm Vincenzo Bonamico, der dem­selben Ministerium zugcteilte Hauptmann Angnsto Bonifazi und der Feldapotheker Carlo Bozzetti ans dein Krte^ministerium wurden auf Ersuchen des Waf­fen- und Mnnttionsmintsters verhaftet und wegen ver­schiedener Bergehungen zum Schaden der Verwaltung vor Gericht gestellt.

ErmorVung des Kriegsministers der finnischen Roten

WieStockholms Tidningen" erfährt, haben die Roten Gardisten ihren Kriegsminister Haapalatnen er­mordet, weil sie unter seiner Führung so große Ver­luste erlitten haben. Haapolainen war vor der Revo-

tutiüit Vertrauensmann der Säge'werksarbeiter und wurde zuerst Zivilminister und später Krieqsminister der Roten.

Rache den Kriegsnrhcbern.

In der Moldau hat sich unter der Bezeichnung Llga Parintilvr (Bund der Eltern) eine Vereinigung gebildet, die mit äußerstem Nachdrucke die Bestrafung lener fordert, die Rumänien in den Krieg gedrängt haben. Der neue Bund richtet an die Bevölkerung euren Aufruf, in deni in leidenschaftlichen Worten der Erbitterung breiter Schichten des Volkes gegen die Politiker, die das Land ins Unglück gestürzt haben. Ausdruck gegeben wird.

Schuld an dem Kriege haben neben der eng- landbegeistertcn Königin Marie die Minister Bratianu und Take Joneseu. Diese beiden aber sind doch «lach England abgereist, wo ihnen die Rumänen die durch ihre Teilnahme am Kriege erworbenen Vermögen sicher nicht »verden nehmen können.

In Lille verzweifeln die Franzosen.

Die Bevölkerung von Lille hatte sich vor allen an­deren französischen Städten während der letzten drei Jahre besonders deutschfeindlich gezeigt. Jetzt scheint mit einem Male eine Sinnesänderung eingetreten zu sein. Seit Beginn der siegreichen deutschen Offensive hat man in Lille begonnen, von Frieden zu reden. Ucberall hört man die Möglichkeit der Beendigung des Krieges erörtern und diesbezügliche Wünsche äußern. Die Hoffnung auf einen Sieg über Deutschland ist anfgegeben. Besondere Verstimmung herrscht dar­über. daß Frankreich sich für England verbluten >nnß und dadurch dem Ruin entgegengeht.

Tie Verzettelung der französischen Reserven behandelt Hauptmann C. Meyer imSt. Baller Tag­blatt". Er schildert da, wie durch die deutschen Maßnahmen die französische Reservearmee nach ver­schiedenen Schauplätzen zerrissen wurde. Dann sagt er:

Das ist zweifellos gellau das, was die deutsche Heeresleitung nach der Lage anstrebte. Nichts kann ihr willkvnunener sein als diese Verzettelung der in ihrer Geschlossenheit gefährlichen, in der Zersplitte­rung nicht zu fürchtenden französischen Manövrier- armeeit. Letztere.sind bereits derart weit von ihrem ursprünglichen Standort, in der Nähe von Paris, abgezogen, daß nichts die deutsche Heeresleitung hin- dert. an neuer Stelle zu einem ebenso überraschenden Zertrüininernngsschlage auszuholen oder durch pen­delndes Vorgehen der beiden großen Einbrnchsgrnppen das Jonglierspiel solange fortzusetzen, bis letzterem der Atem ansgeht.

Es ist daher ein neuer Trugschluß, dem sich die Franzosen und Engländer hingeben, wenn sie ans dem unzweifelhaft hervorragenden Geschick, mit dem die bis­herigen Stöße pariert wurden, und daraus, daß auch an der neuen Einbruchstelle eine Pause im Vorrücken eingetreten ist, schließen, die Gefahr sei beschworen."

Fortgesetzte Beschießung von Paris.

Das weittragende Geschütz setzte am Sonntag die Beschießung von Paris fort. HavaS meldet, es seien keine Opfer zu verzeichnen.

Kleine Kriegsnachrichtcn.

" Das amerikanische Parlament, das Repräsen­tantenhaus, hat einstimmig das Marinegesetz angenom- men das der Flotte 1312 Millionen Dollar zur Ver­fügung stellt.

" Eilt italienisches Flugzeug, das über den Ln- aauer-See nach der Schweiz geflogen war. stürzte nach Meldung eines Lokalblattes in Magcjia bei Locarno ab.

" Kammerinterpellationen in Ron: beweisen, daß Ankona am 6. April erfolgreich vom Meere aus be­schossen wurde.

" Tie italienischen Minister Orlando nnb Bianchi sind ans Rom in Paris eingetroffen.

Tie nordamerikanische PostdirekUon gibt be­kannt, daß am 15. Mai ein Lnstpostdienst zwischen Newyork und Washington über Philadelphia eröffnet werden soll. Solche Luftposten sind bereits viele eröffnet worden; aber alle sind schnell wieder ver­schwunden.

Tie Entfernung von Newyork, der wirtschaftlich bedeutendsten Stadt Nordamerikas, von der südlicher gelegenen Bundeshauptstadt Washington, beträgt 238 Meilen, und die Flugdauer ist auf 4 Stunden angesetzt. Eine Stunde nach Ankunft des Flugzeuges soll die Post abgeliefert werden. Das Postamt wird Flug­zeuge von einer Schnelligkeit von 00 Meilen iit der Stunde in Betrieb setzen und Postsäcke von 300 Pfund befördern lassen.

Politische Rundschau.

Ter frühere freisinnige Reichstagsabgeordnete Rektor Julius Herrmann. Vizepräsident des alten- bnrgischen Landtags, ist in Kahla im 71 Lebensjahr gestorben.

- Herzog Friedrich II. von Anhalt ist auf Schloß Ballenstedt Sonntag abend kurz vor 7 Uhr verschieden.

WieHavas" ans Madrid meldet, hat die spanische Regierung die Ausfuhr von Tabak verboten.

*

:: Tcr Sowjctbotschaster in Amt und Würden Herr Adolf Joffe hat dem Unterstaatssekretär im Aus­wärtigen Amt. Freiherrn von dem Bussche-Hadden- hausen, als Vertreter des erkrankten Staatssekretärs von Kühlmann am 20. April im Auswärtigen Amt sein Beglaubigungsschreiben als beglaubigter Vertreter der Russischen Sozialen Föderativen Sowjet-Republik übergeben.

Taö Gebäude der russischen Gesandtschaft Unter den Linden wird zurzeit für den ehemaligen Revo- lutionär des russischen SchlachtschiffesKnjäs Potemkin" und langjährigen Sträfling in Sibirien hergerichtet. Josse ist von Haus aus Jurist. Er ist ans beit Friedensvcrhandlnngen in Brest-Litowsk bekannt.

:: Eine Prüfung der Rechnungen der Kriegsgescll- schasten soll nach einem Beschluß des mit der Prü­fung der Kriegßlieferungen betrauten Unterausschusses des Reichstages durch in die Materie eingearbeitete Reichstagsabgeordnete erfolgen. Die Leiter des Kriegs­amtes und der Kricgsrohstoffabteilung erklärten sich damit einverstanden.

Zur Demobilisierung hat der Abg. Weinhausen (Vp.) im Reichstage folgende kleine Anfrage eingebracht.

In weiten Kreisen der jüngeren Kriegsteilneh­mer herrscht Beunruhigung über angeblich vorbereitete Demobilisierungspläne der Heeresverrvaltung. Nach ihnen würden alle Kriegsteilnehmer, die während des Krieges freiwillig eingetreten sind oder eingestellt wur­den, bevor sie das 20. Lebensjahr vollendet hatten, nach der Demobilisierung zurückgehalten werden, um noch ihre ganze aktive Dienstzeit nachzudienen. Ist der Herr Reichskanzler bereit, hierüber AnjklärunZ zu geben?"

Keine Verhandlungen zwischen Negierung und Neichstagsmehrheit. Die Mitteilung einer Korrespon­denz daß zwischen Regierung und Neichstagsmehrheit Verhandlungen über die Außerkraftsetzung der Frie- densresolution vorn letzten Sommer schweben, ist, wie dieNordd. Allg. Ztg." mitteilt, unrichtig.

:: Die Verhandlungen mit Rumänien. Im Be­finden Herrn v. Kühlmanns ist eine weitere Besserung zu verzeichnen, imnierhin muß er sich für die näch­sten Tage noch Schonung auferlegen, da er für Ende dieser Woche die Abreise nach Bukarest zum Abschluß der Friedensverhandlungen in Aussicht genommen hat. Zu gleicher Zeit begibt sich übrigens auch Baron Bu- rian in die rumänische Hauptstadt, so daß dessen Ber­liner Besuch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden mußte.

Ob es in den nächsten Tagen endlich zur Unter­zeichnung des Friedens mit Rumänien kommen wird, ist noch nicht sicher; daß bisher alle für diesen Ziveck erforderlichen Unterschriften noch nicht bei­gebracht werden konnten, ist im Grunde nicht verwun­derlich, da es sich um ein sehr vielseitiges Vertrags­wert ' unter einer ganzen Reihe von Staaten handelt. Soweit Deutschland in Frage kommt, scheint für die Unterzeichnung des Vertrages alles bereit zu sein.

Türkei: Ausschreitungen der Armenier.

-* Während die Häupter der armenischen Pro­paganda mir Erbitterung sich dem Werke der Verleum­dung gegen die Türken als angebliche Verfolger des armenischen Volkes hingeben, setzen Banden ihrer Stam- inesgenossen mit nicht geringerer Erbitterung das Werk der Ausrottung gegen die unglückliche muselmanische Bevölkerung unserer östlichen Provinzen Transkau- kasiens fort. Tie Zahl ihrer Opfer beläuft sich allein in der Gegend von Erivan auf 5000. Nach zuverläs­sigen Nachrichten dauerte das Blutbad eine Woche lang an. Mehr als 40 000 Muselmanen konnten allein dadurch dem Tode entgehen, daß sie die Flucht ergriffen und ohne Obdach und ohne Nahrung umherirrten. Unter den wenigen, die sich verinittels eines Löse­geldes von 70 000 Rubeln dem Blutbade entziehen konnten, befinden sich die Dörfer Hadschi, Ilias und Hodscha. In der Stadt Erivan wurden am 20. Febr. hundert Muselmanen getötet/ fünfzig verwundet, die muselmanischen Läden geplündert und eine Moschee zerstört. Ter Sachschaden wird auf hundert Mil­lionen geschätzt.

Holland: Amerika will holländische Kolonien rauben.

L lieber die westindischen Kolonien besagt eine hol­ländische Regierungsdenkschrift, daß die in den Ver­einigten Staaten zur Sprache gekommenen Ideen über den Ankauf holländischer Besitzungen in Weftindien der Aufmerksamkeit der holländischen Regierung nicht entgangen sind. Es dürfe aber angenommen werden, daß dieses Streben nicht über den Rahinen akademischer Betrachtungen hinausgegangen sei.

Aus aller Welt.

** Blindgänger bei der Viehherde. Auf dem

Truppenübungsplatz bei Saargemünd fanden zwei mit Viehhüten beschäftigte Knaben einen Blindgänger, mit welchem sie herumspielten. Plötzlich .explodierte das Geschoß, und die zwei Jungen wurden ans der Stelle getötet.

** Acnßerlich? Die polnische Arbeiterin Katharina Schochow in Bachtsbüttel (bei Gifhorn) hatte vom Arzt ein E i n r e i b u n g s m i 11 e I verschrieben erhal­ten. Anscheinend in ihrer Unkenntnis der deutschen Sprache hat sie das Einreibungsmittel eingenom­men und ist unter großen Qualen gestorben.

** Der Bock als Gärtner. In Köln witrden in einem Seidenlager für 120 000 Mark Waren gestohlen. Der Wächter wurde am anderen Morgen mit einem Knebel im Munde aufgefunden. Jetzt hat sich heraus­gestellt, daß der Kriminalschutzmann Hartmann, in dessen Wohnung man fast noch die ganze Beute fand, den Diebstahl zusammen mit dem Wächter ausgesührt hat. Kriminalist und Wächter wurden in Hast ge- nommen.

Gerichtssaal.

i Ein Rittergutsbesitzer wegen Mißhandlung ver­urteilt. Die Strafkammer des Landgerichts in Rostock hat in der Berufungsinstanz den Rittergutsbesitzer Wilh. v. Oertzen-Roggow ivegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung zu zwei Monaten Gefängnis ver­urteilt. Er hatte einen Schnitter, der einen Korndieb­stahl verübt hatte, in den Park geführt, ihn dort ent­kleidet, festgebnnden und mit einem Reitstock geprügelt. In der Begründung hob der Gerichtshof hervor, daß der Angeklagte in seiner sozialen und wirtschaftlichen Stellung die Tat nicht begehen durfte, und daß er nicht in der Aufregung, sondern in aller Ruhe gehan­delt habe. Das Urteil der ersten Instanz hatte ans 1 Monat Gefängnis gelautet.

:\z Die Elbinger Walerrhaustttmultc. In Elbing waren zahlreiche Personen, die sich zu einem Sturm ans ein Warenhaus znsammengetan hatten, als Auf­rührer zu längeren Freiheitsstrafen verurteilt wor­den. Die Strafen waren auch im Reichstage zur Sprache gekommen. Der Justizminister hat jetzt an­geordnet, daß nach Verbüßung der Hälfte der ver­hängten Strafen der bedingte Straferlaß bei den Verurteilten in AiNvendung kommen kann, die sich im Gefängnis gilt geführt haben und deren Straftat nicht schwerer Art ist.