Ausgabe 
27.4.1918
 
Einzelbild herunterladen

I La (Neneftc Nachrichten)

Bezugspreis 60 Pfg. monatlich

vierteljährlich 1,80Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus.

Ab ge holt in unserer Expedition oder in den Zweig-

auSgabcstellen vierteljährlich 1,50 Mk. Erscheint E k p £ ö I t l 0 R

Mittwochs und SamStags. Redaktionsfchluh früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rücksen­dung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

Verlag derViefjener Zeitung", Gießen.

Rr. 39. Telephon Nr. 362. Samstag, den 27.

Anzeigenpreis 20 Pfg.

die 44 mm breite Petitzeile, für Auswärts 30 Pfg. Die 90 mm breite Reklame-Zeile 72 Pfennig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung deS Zahlungk- ziele« (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Kontur« in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit.

Druck der Gietzener Verlagsdruckerei, Albin Klein.

April 1918. Telephon Nr. SSL 31. Jahrg.

Der Kemwelberg bei Apern erstürmt.

Bei Arras und Amiens erfolgreiche Borstöße

Die flucht aus Paris.

* Zürich, 24. Apcil. Die Blätter melden aus Paris: In den letzten Tagen haben die Pariser Behörden aufge- hört, jene Familien, die Paris verlassen wollen, durch schikanöses Vorgehen daran zu hindern oder ihnen Schwierigkeiten zu bereiten. Die Bahnzüge sind über, süllt, die Schulen sind leer.

Zn einem aus London in Holland eingetroffenen Briese eines Belgiers, der Verwandte in Paris hat, befindet sich eine der englischen Zensur entgangene Mit­teilung, nach der ein kürzlich aus Paris nach London zurückgtkehrter belgischer Regierungsbeamtcr versichert habe, daß der in Paris seit der Beschießung verursachte Schaden auf über 100 Millionen Franken zu veran­schlagen sei. Davon enlftelcn 2530 Millionen auf die Schäden, die der letzte deutsche Fliegerangriff vom 13. Apcil hervorgerufcn habe.

Italiens UJiriTcbaftsnöte.

* Zürich, 24. April. Blätter aus Oberitalien melden, die Gefahr eines völligen Stillstandes der Eisenbahnen und Fabriken Italiens sei in greifbare Nähe gerückt. Wie der LebcnSmittelkon- trollcuc Crespe am Montag in der Kammer milteilte, sind die Vorräte an Getreide völlig aufge­braucht, und die Lösung des Problems der nächsten Ernte hänge von der Möglichkeit ab, für genügende Einfuhr zu sorgen.

Sorgen um Bethune

* Zürich, 24. April. Wie dasBerner Tageblatt" eifährt, richten die Franzosen ihr Hauptaugenmerk auf die Verstärkung des Abschnittes von Bethune. Clemenceau erklärte in der Kammer am letzten Montag, daß die Franzosen unter allen Umständen verhüten werden, daß der Feind sich der großen Kohlengruben der dortigen Gegend bemächtigt. Der Schutz der französischen Kohlen­gruben liege vorläufig noch ganz in englische Händen.

»

Irlands Krieg gegen England.

* Rotterdam, 24. April. DerDaliy Ehronicle" und dieDaily News" erklären, es sei töricht zu leugnen, daß der Krieg zwischen England und Irland bereits ausgebrochen zu sein scheine. Immer neue englische Truppen müßten nach Irland gebracht werden.

M Kritflszuftattd mit Guatemala.

Washington, 23. April. Die Gesandtschaft von Guatemala teilt mit: Der Entschluß Guatemalas, sich in die Reihe der Alliierten zu stellen, ist eine Folge des Notenaustausches zwischen der Gesandtschaft und dem Staatssekretär Lansing nach dem Abbruch der diplo­matischen Beziehungen Guatemalas zu Deutschland. Infolgedessen befindet sich Guatemala seit heute im Kriegszustände mit Deutschland und seinen Verbündeten.

Englischer Seeangriff auf Ostsnde und Zeehrügge gescheitert.

Gaetano Costanzo" (1027 Brt.),Luigi" (3549 Brt.), Von den am Angriff beteiligten englischen See, sowie der englische DampferEllaston" (3192 Brt.). streitkeäften wurden die kleinen KreuzerJphtgenia" Letztere beiden waren bewaffnet und mußten im Artil-Jntrepid",Sirius" und 2 andere leichterer Bauart, leriekampf niedergekämpft werden. Das 7,5 Z.-Geschütz deren Namen unbekannt sind, dicht unter der Küste

Kapitän

üsnüicbt ürmlede Qgesvericdtt.

3 n der deutschen Bucht.

Berlin 23. April. Eine unserer Patrouillen stieß am 20. April, nachmittags, im Grenzgebiet der Deutschen Bucht, nördlich Terschelling, auf leichte feindliche Streit­lüste, die sich nach kurzem Feuergefecht mit höchster Fahrt zurückzogen. Der Feind hat mehrere Treffer er­halten. Unsere Streitlüste haben keine Beschädigungen und keine Verluste.

Der Ches des Admiralstabes der Marine.

»

30 662 tonnen versenkt.

Berlin, 23. Apnl Eines unserer U-Boote, Kom- Mandant Kapiiänleutnant Kolbe, hat in der ver­gangenen Woche im Sperrgebiet um die Azoren und bet den Kanarischen Inseln 11 Dampfer, 4 Segler und 2 Fischdampfec mit insgesalnt 30662 Bruttorcgister- tonnen versenkt. Hierunter befanden sich der portugiesische DampferNeptuno" (300 Brt.), der italienische Dampfer

des englischen Dampfers wurde erbeutet, der gefangen.

Die für unsere Feinde bestimmten Ladungen der Schiffe waren zuin Teil unmittelbar für den militärischen Ged> auch bestimmt. Sie bestanden u. a. aus 3500 To Erz, 6900 To. Salz, 860 To. Kork, 800 To. Palmöl, 250 To. Palmkecnen, 4000 To. Kohlen, 400 To. Stück­gut, hierunter vor allem Lebensmittel, Sracheldraht, Leder usw. Für Die deutsche Kriegswirtschaft wurden 12 lederne Treibriemen von je 100 Meter Länge in die Heimat zurückgebracht.

Der Chef des Admicalstabes der Marine.

»

wtb. Großes Hauptquartier, 24. April 1918.

Westlicher Kriegsschauplatz:

Auf dcm Schlachtselde an der Lys und an der Somme blieb die GcfechMätiglit auf örtliche Kampf­handlungen beschränkt. Nordöstlich von Baillcul er­stürmten wir die Höhe von Vleugelhoek und nahmen hier Franzosen gefangen. Oesiltch von Bailleul wiesen wir englische Angriffe ab. Starke Vorstöße des Feindes nordöstlich von Bethune wurden in unseren Vorposten­linien zum Scheitern gebracht. Verfeldkämpfe an vielen Stellen der übrigen Front brachten Gefangene ein.

0 !

Rittmeister Frhr. v. Richthofen^ ist von der Ber- folgung eines Gegners über dem Schlachtfelde an der Somme nicht zurückgklhrt. Nach englischem Bericht ist ec gefallen.

Finnland.

Die unter dem Befehl des General von der Goltz stehenden Truppen haben die Eisenbahnknotenpunkte Nyvinge und Rnshimaekt genommen und nördlich von Lanti die Verbindung mit der finnischen Armee herge­stellt

Ukraine.

In der Krim haben Truppen des Generals Kosch Simferopol erreicht.

Der Erste Genecalquartiermeister: Ludendorff.

Berlin, 24. Apcil. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues

22000 tonnen versenkt.

Berlin, 24. April. Neue U-Bootserfolge im Sperr­gebiet um England: 22 000 Bruttocegtstertonnen.

Unter den versenkten Schiffen war ein wertvoller 7000 Brt.-Dampfer, der im Aermelkanal aus einem stark ge­sicherten Geleitzug hcrausgeschossen wurde, und zwei vollbeladene Dampfer von je 5000 Bruttoregistertonnen.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

0

englische Landung in Tlandern vereitelt.

5 kleine Kr-enzer in den Grund gebohrt.

3 Zerstörer, mehrere Torpedoboote versenkt.

Berlin. 24. April. In der Nacht vom 22. Zum 23. April winde ein groß angelegtes und mit rücksichts­losem Einsatz geplantes Untecnehnlen englischer Seestxeit, kräfte gegen unsere flandrischen Stützpunkte vereitelt. Nach heftiger Beschießung von See aus drangen unter dem Schutze eines dichten Schleiers von künstlichem Nebel kleine Kreuzer, begleitet von zahlreichen Zerstöre!n und Motorbooten, bei Ostende und Zeebrügge bis unmiltel- bar an die Küste voc in der Absicht, die dortigen Schleusen und Hafenanlagen zu zerstören. Gleichzeitig sollte nach Aussacken von Gefangenen eine Abteilung von 4 Konn pagnten Seesoldateu (royal marines) die Mole von Zeebrügge handstreichartig besetzen, um alle auf ihr be­findlichen baulichen Geschütz- und Kriegsgerätc, sowie die im Hafen befindlichen Fahrzeuge zu vernichten. Nur etwa 40 von ihnen haben die Mole betreten; diese sind teils tot, teils lebend in unsere Hand gefallen. Auf den schmalen hohen Mauern der Mole ist von beiden Seiten mit äußerster Erbitterung gefochten worden.

versenkt; ferner wurden 3 Zerstörer und eine größere Anzahl von Torpedobooten durch unser Artilleciefeuec zum Sinken gebracht. Nur einzelne Leute der Besatzung konnten von uns gerettet werden. Außer einer durch Torpedotreffer verursachten Beschädigung der Mole sind unsere Hafenanlagen und Küstenbaiterien völlig unver­sehrt. Bon unseren Seestceitkcäften erlitt nur ein Tor­pedoboot Beschädigungen leichterer Act. Unsere Menschen- verluste sind gering.

Der Chef des Admicalstabes der Marine.

wtb.

1918.

Großes Hauptquartier, 25. April Westlicher Kriegsschauplatz:

Auf dem Schlachtfeld an der Lys scheiterte ein starker Gegenangriff der Franzosen gegen die Höhen von Vleugelhoek unter schweren Verlusten. Oertltche Kämpfe nordwestlich von Bethune, bei Frstubect und zu beiden Seiten der Scaipe. Südlich von der Somme griffen wir Engländer und Franzosen bet und südlich von Villers Bretonnevx an. In hartem Kampfe bahnte sich unsere Infanterie den Weg durch die Maschinenge­wehrnester des Feindes. Panzerwagen haben sie hierbei wirksam unterstützt. Wir nahmen den vielumkämpften Ort Hangard. Auf dcm Westufec der Avre trugen wir unsere Linien an die Höhen nordwestlich von Castel vor. Den ganzen Tag über führte der Feind mit seinen auf dem Kampffeld bereitgestelltcn von rückwärts hec- angeholten Unterstützungen heftige Gegenangriffe. Sie brachen blutig zusammen. Erbitterte Kämpfe dauerten in dem gewonnenen Gelände die Nacht hindurch an. Mehr als 2000 Gefangene blieben in unserer Hand. Bier Geschütze und zahlreiche Maschinengewehre wurden erbeutet.

Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Erste Generalqucn tiermeister: Ludendorff.

»

Berlin, 25. April, abends. Die Armee des Ge­nerals Sixt von Armin steht im Kampf um den Kcmmel.

«

I7000 Connen mlenkt.

Berlin, 25. Apcil. An der Westküste Englands wurden von unseren U Booten wiederum 17000 Brut­toregistertonnen vern chtet. Unter den versenkten Schiffen war ein tiefbeladenec 5000 Brt.-Dampfer und ein eben­falls ttcsbeladenec Tankdampfer von 4000 Brt.

Der Chef des Admicalstabes der Marine.

Der deutfcbe ßoldbeftand und die Teinde.

Das Anwachsen des Goldbestandes der Reichsbank macht unseren Feinden und namentlich den feindlichen Finanzzeitschriften fortdauernd viel Kopfzerbrechen. Schon hieraus läßt sich erkennen, daß die Reichsbank mit ihrem Bemühen, den Goldschatz weiter zu verstärken und damit unsere finanzielle Kraft zu steigern, auf dem richtigen Wege ist.

Immer wieder wird darauf verwiesen, daß man zunächst die Bestände an Goldwaren in den Juwelier­geschäften an sich ziehen sollte. Dieser Vorschlag aber übersieht, daß die Reichsbank selbstverständlich nur den Goldwert bezahlen kann. Daß es ein schreiendes Unrecht wäre, die Juweliecgeschäfte zu zwingen, ihren Gold- Warenbestand zum Goldwert abzugeben, liegt auf der Hand. Es geht also nicht anders: Wer sich der Wichtig­keit des Goldbestandes als des Rückgrats unserer finanziellen Kriegführung und späteren Neuordnung bewußt ist, wird gern und freudig seinen Goldbesitz beisteuern, ohne danach zu sehen, was die Andern tun oder lassen. Und wer es noch nicht weiß, welche Be­deutung der Goldbestand hat, sollte aus den Acußerungen der Feinde die Lehre ziehen: Wenn Euch der deutsche Goldbestand schmerzlich ist, weil er unsere Widerstands- kraft erkennen läßt, so wird jeder Deutsche das seinige tun müssen, ihn zu erhalten und zu steigern.

Geheimer Finanzrat Bastian.