Gießener Scilnna
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Expedition: Südanlage 21
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Druck der Gießener Verlagsdruckerei, Albin Klein.
Nr. 38.
Telephon Nr. 362.
Mittwoch, den 24. April 1918.
Telephon Nr. 362.
31. Jahrg.
Ein selbstständiges BaLtenland als deutscher Bundesstaat.
Rückzug der Engländer an der Wernfront.
Seit Kriegsbeginn 16469999 Brntto-Reg.-Tonnen versenkt und 3399909 Gefangene gemacht. Rittmeister Freiherr von Richthofen nach seinem 89. Luftsieg unbesiegt gefallen.
lieber 14 '|_ Milliarden
Berlin, 20 April. Das Ergebnis der 8. Kriegsanleihe beträgt nach den bisherigen Meldungen ohne die zum Austausch gemeldeten älteren Kriegsanleihen 1455V000 000 Warst. Kleine Teilanzeigen, sowie ein Teil der Feldzeichnungen, für welche die Zeichnungs- fcist erst am 18. Mai abläuft, stehen noch aus, sodaß das Ergebnis sich noch erhöhen wird. Zu dem unvergleichlichen Erfolge unserer Heere gesellt sich damit eine neue, überwältigende Leistung der deutschen Geldwirtschaft. — Die gewaltigen Ergebnisse der früheren Anleihen noch weit überholend, legt sie aller Welt Zeugnis ab von dem unerschütterlichen Entschluß des deutschen Volkes, stand zu halten so lange es möglich ist und von seinem felsenfesten Vertrauen auf einen vollen und endgültigen Sieg.
(Bei der 7. Kriegsanleihe betrug das Ergebnis 12 1 /, Milliarden Mark.)
Ein durchschlagender Beweis, daß das deutsche Volk in reichem Maße beides hat: 1. Geld, und 2 Mut. Bon der „Erschöpfung", die uns die feindlichen Redner und Schreiber gern andichten, ist nicht die Spur zu merken. Im Gegenteil: die deutsche Kraft wächst. Nicht nur an der Front, wie die fortlaufenden Siegcsberichte zeigen, sondern auch im Heimatland. Der steigende Anleiheerfolg ist auch eine gewonnene Schlacht, die sich neben den Siegen an der Front sehen lassen und das Werk von Hindenbucg erheblich fördern wird. Ein weiterer Schritt dem guten Frieden entgegen!
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Insgesamt sind durch die acht Kriegsanleihen nunmehr über 87 Milliarden Mark aufgebracht worden. Sie verteilen sich wie folgt:
1. Kriegsanleihe (Sept. 1914) 4,481 Milliacd. Mk.
2. „ (März 1915) 9,106
3. „ (Sept. 1915) 12,163
*• „ (März 1916) 10,767
5. „ (Sept. 1916) 10,699
6. „ (April 1917) 12.979
7. „ (Sept. 1917) 12,459
8. „ (April 1918) 14,550
Von den gesamten Kriegskrediten von 124 Mill. Mark sind damit rund 70 v. H. durch feste Anleihen aufgebracht. Deutschlands Kciegsfinanziecung bleibt danach nach wie vor die vollkommenste unter allen Kriegführenden. Zumal derjenigen der Feinde bleibt die unsrige weit überlegen. Frankreich hatte bis Ende 1917 nur 24 v. H. seiner bis dahin verausgabten Kriegs- kostcn, England nur 37 Prozent, Italien nur 30 Prozent durch feste Anleihen aufgebracht, wobei alle diese Staaten auch das ausländische Kapital, vor allem das amerikanische, in Anspruch genommen haben und so dem Ausland für lange Jahre tributpflichtig geworden sind. i Aus eigener Kraft haben demgegenüber wir Deutsche unsere immer neuen unvergleichlichen Anleiheerfolge erzielt. Das kann uns mit besonderem Stolze erfüllen und in uns die Gewißheit stärken, daß wir den Kampf um unser Dasein und um unsere Zukunft auch weiter bestehen werden.
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Der Kaffer über den Milliardenlieg
Berlin, 21. April. Von Seiner Majestät dem Kaiser und König ist dem Staatssekretär des Reichsschatzamts gestern nachstehendes Telegramm zugegangen:
Ich empfange mit größter Befriedigung und Freude die Meldung von dem gewaltigen Er»'olge der achten Kriegsanleihe. Ich begrüße ihn als herrliches Zeichen einer starken Ovferwillig- keil und unbeugsamen Siegeszuversicht des gesamten deutschen Volkes. Dieser in der Heimat errungene Sieg reiht sich würdig den unendlich großen Taten von Armee und Marine an. Deutsches Schwert und deutsche Kraft werden mit Gottes Hilfe den Willen der Feinde zu schänden machen und werden die Zukunft des Vaterlandes auf einen festen Grund stellen. Mein warmer Dank gilt.Ihnen, her Reichsbank und allen, welche durch Wort und Tat bereit gewesen find, zu helfen.
Der selbständige Dallenstaat.
Den Berliner Abendblättern zufolge wurde die esthnisch-livländische Abordnung am 21. April im Großen Hauptquartier vom NerchSkanzler empfangen. Graf Hertling dankte der Abordnung für das in den Beschlüssen des Landcsra.ts zum Ausdruck gebrachte Vertrauen zum Kaiser und erklärte dir Bereitwilligkeit des Kaisers, die vom Landesrat vertretenen Länder unter militärischen Schutz des Reiches zu nehmen und sie bei ihrem Versuch der Loslösung von Rußland zu unterstützen. Schließlich erklärte der Reichskanzler sich namens des Kaisers bereit, die losgelösten Gebiete als einen selbständigen Staat anzuerkennen. Der Wunsch des Landesrates nach der Bildung eines einheitlichen monacchisch-konstt- tutionellen Staates in eine Personalunion mit der Krone Preußens werde vom Kaiser wohlwollend geprüft und dem LandeSrat demnächst die allerhöchste Entscheidung mitgeteilt werden.
vom grossen Rückzug.
Basel, 19. April. Der Londoner „Daily Telegraph" schreibt, ganz England sei einig in der Annahme, daß Hindenburg beasichtigte, das englische Heer gegen Calais abzudrängen. Der „Manchester Guardian" meldet den allgemeinen englischen Rückzug an der Ipecnfcont. Der Rückzug sei durch den Verlust von Rieuwekerke und Bailleul notwendig geworden.
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Dacbdringeti unter Kämpfen.
Berlin, 20. April. Die „Krtegsztg." meldet von der Westfront: Die Engländer fahren fort, oen Ipernbogen zu räumen. Unser Nachdctngen geschieht nicht ohne Kampf. Der Feind versucht uns durch Gegenstöße aufzuhalten.
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Räumung Yperns?
Zürich, 20. April. Die Londoner Zeitungen vom Freitag bereiten die öffentliche Meinung schon deutlich auf die bevorstehende Räumung von Ipern vor. Die „Times" schreiben am Freitag früh, Ipern habe seinen strategischen Wert für den Verband nun verloren, doch dürfte der Rückzug auf keinen Fall die Küste und die Häfen gefährden.
* Lugano, 22. April. Rach übereinstimmenden Berichten der Londoner Korrespondenten des „Secolo" und des „Corrier della Sera" macht man sich in London aus den Fall von Uprrn gefaßt.
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In dem Kampfgebiet südlich des Blankaertsees bis Hollebeke herrschte, abgesehen von kleineren örtlichen Kampfhandlungen, nur geringe Gefechtstätigkeit.
Ein Teil der bei Bethune liegenden französischen Kohlengruben hat seinen Betrieb bereits einstellen müssen, dem Rest steht dasselbe Schicksal bevor. — Für Frankreich bedeutet dies ein schwerer Schlag gegen seine Kriegsindustrie und für die Entercke ganz allgemein eine erheblichere Inanspruchnahme des an und für sich schon knappen Schiffsraumes, denn England muß die Frankreich fehlenden Kohlen auf dem Wasserwege anliefern.
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Kemmeiöerg und Isbergues.
Basel, 20. April Der „Basl. Anz." schreibt: Die Deutschen sind an verschiedenen Teilen jchon innerhalb des flandrischen Hügellandes eingedrungen. Sie dürften diesmal, wie sich die gegenwärtige militärische Lage darstellt, den wichtigen Kemmel- becg umschließen, der sich bisher immer als unzerbrechlicher Riege! erwiesen hatte. Dies gibt einerseits zu erkennen, daß für die Engländer höchste Gefahr besteht, aber auch keine geringere für die französische Kriegsindustrie. Das große Bergwerksgebiet ist aufs höchste bedroht und ebenfalls das Riesen stahlweck bei Jsbergues, einem Orte, von dem die Deutschen nunmehr wenige Kilometer entfernt stehen, und der bereits im deutschen Granatfeuer liegt.
Ass plant Rindenburg?
* Kopenhagen, 22. April. Ueber HindenburgS Pläne schreibt das „Journal des DebatS": Für das Ziel der deutschen Offensive seien nur drei Möglichkeiten offen: Entweder sammeln die Deutschen alle Kräfte, um die Ipecnfcont zu durchbrechen — und die Folgen eines deutschen Steges dort wären in der Tat sehr ernst — oder sie setzen die Kämpfe an der LyS und vor Ipern fort und entscheiden die Schlacht durch durch AufreibungS- und VernichtungStakttk oder drittens ein deutscher Angriff finde auf einem neuen Gcundabschnitt statt.
* Paris. St Omer und St. Pol werden laut Meldungen aus Paris evakuiert; Delfort und Spinal
von schwerer Artillerie beschossen.
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Der Brand von Reims.
Haag, 19 April. Aus Paris wird berichtet: Seit sieben Tagen steht Reims mit Ausnahme der Vorstädte in Flammen. Außer einer verwüsteten Straße, wo noch Trümmer von Häusern stehen, besteht Reims nicht mehr, sondern an dessen Stelle nur noch eine Wüste von Steinen. Vom 10. bis 16. April sind auf Reims mehr als 100 000 Granaten geschleudert worden. Allein am 12. April sind 30,000 in die Stadt gefallen.
Die Krifis fiaigs.
Rotterdam, 20. April. Die „Times" schreibt: Die englische Armee muß die jetzige Stellung unter allen Umständen behaupten. Würde nähmlich diese Position vom Feinde durchbrochen, so sei das britische Heer verloren und es bestehe keine Möglichkeit mehr, das Schlachtfeld in Ehren zu verlassen. Haig befindet sich in einer überaus schwierigen Lage.
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Briecbentruppen in Trankreicb.
Zürich, 20. April. Die Mailänder Blätter melden, daß demnächst griechische Truppen in Frankreich kämpfen werden. Die Schwierigkeit ihrer Versendung liege nur in der Schiffstonuage, die man in Bälde zu lösen hoffe.
Märrbeute mm Tonnen.
Berlin 22. April. Im Monat März find insge- samt 689000 Bruttoregistertonnen des für unsere Feinde nutzbaren Hanoelsschiffsxaum vernichtet worden.
Der unseren Feinden zur Verfügung stehende Welt- handelsschiffsraum ist somit allein durch kriegerische Maßnahmen seit Krftegsbegknn um rund 16460000 Bruttoregistertonnen verringert worden.
Der Chef des Admiralstabes der Marine.
3500000 Kriegsgefangene.
Berlin, 20. April. Bis 1. März 1918 machten die Mittelmächte 3 450000 Gefangene. Diese Zahl überschreitet die Gesamtzahl der männlichen Erwerbstätigen Schwedens, Norwegens und Dänemarks um mehr als eine halbe Million und übersteigt um ein Fünftel die männlichen Erwerbstätigen Deutschlands im Frieden. Die Mittelmächte gewannen damit ein Acbeitsheer, das auf den wichtigen Gebieten der Volkswirtschaft wertvolle Dienste leistet unch zum großen Teil die zum Kriegsdienst einberufenen eigenen Arbeitskräfte ersetzt. Mit der Dauer des Krieges wächst dieses Acbeitsheer und seine Anpassung an die wirtschaftlichen und technischen Bedürfnisse der Mittelmächte, brachte doch die siegreiche Westschlacht Deutschland in einem Monat einen Ge- fangenenzuwachS von rund 125 000 Mann.


