Ausgabe 
2.3.1918
 
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DU TrUdmbcdinguiwn für Rufzland

In der Reichstagssitzung am 26 2. gab der Unter- ftaatssekretär von dem Bus sch e das an Rußland ge­lichtete Ultimatum mit den Friedcnsöedingungen be­kannt. Es lautet: Deutschland ist bereit, unter

folgenden Bedingungen mit Rußland die Verhandlungen wieder aufzunehmen und Frieden zu schließen:

1 Das Deutsche Reich und Rußland erklären die Be* endigung des Kriegszustandes. Beide Nationen sind ent­schlossen, fortan in Frieden und Freudschaft zu leben.

2 Die Gebiete, die westlich der den russischen Ver­tretern in Brest Litowsk mitgeteilten Linie liegen und zum russischen Reich gehört haben, werden der terri­torialen Hoheit Rußlands nicht mehr unterstehen. Die Linie ist in Gegend Dünaburg bis Zur Ost grenze Kurlands zu verlegen. Aus der ehemaligen Zu­gehörigkeit dieser Gebiete zum Russischen Reiche werden ihnen keinerlei Verpflichtungen gegenüber Rußland er­wachsen. Rußland verzichtet auf jede Einmischung in die inneren Verhältnisse der Gebiete. Deutschland und Österreich-Ungarn beabsichtigen, das künftige Schicksal der Gebiete im Einvernehmen mit deren Bevölkerung zu bestimmen. Deutschland ist bereit, sobald der allge­meine Friede geschlossen und die russische Demobilisation vollkommen durchgeführt ist, die östlich der oben ge nannten Linie gelegenen Gebiete zu räumen, soweit sick nicht aus Artikel 3 etwas anderes er- g ibt.

3. Livland und Esthland werden von russischen Truppen und der Roten Garde unverzüglich geräumt und von deutscher Polizeimacht besetzt, bis die Landes­einrichtungen die Sicherheit gewährleisten und die staat­liche Ordnung hergestellt ist. Alle aus politischen Grün, den verhafteten Landesbewohner sind sofort freizulassen.

4. Rußland schließt sofort Frieden mit der Ukrainischen Volksrepublik. Die Ukraine und Finnland werden ohne jeden Verzug von russischen Truppen und Roter Garde geräumt.

5 Rußland wird alles in seinen Kräften stehende tun, um alsbald die orgnungsgemäße Rückgabe der ostanatolischen Provinzen an^die Türkei sicher zu stellen und erkennt die Abschaffung der tückischen Kapitulationen

an.

ба. Die llig e Demobi lm a ch un g des russi­schen Heeres, einschließlich der von der jetzigen Re­gierung neugebildeten Heeresteile ist unverzüglich durch­zuführen.

6b. Die russischen Kriegsschiffe im Schwarzen Meer in der Ostsee und im Eismeer sind entweder in russische Häfen zu überführen und dort bis zum allge­meinen Friedenschluß zu belassen oder sofort zu des- armieren. Kriegsschiffe der Entente im russischen Machtbereich sind wie russische Kriegsschiffe zu behandeln.

бб. Die Handelsschiffahct im Schwarzen Meer, und in der Ostsee wird wiederaufgenommen, wie es im Waffenstillstandsvertrag vorgesehen war. Das Minenräumen dafür hat sofort zu beginnen. Das Sperrgebiet im Eismeer bleibt bis zum allgemeinen Friedensschluß bestehen.

7. Der deutsch-russische Handelsvertrag von 1904 tritt wie in Artikel 7 Ziffer 2 a des Friedens mit der Ukraine wieder in Kraft unter Wegfall der im Artikel 11 Ziffer 3 Absatz 3 des Handelsvertrags vor­gesehenen besonderen Vergünstigungen für asiatische Länder. Ferner wird der ganze erste Teil des Schluß­protokolls wieder hergestellt. Dazu kommen Siche­rung derAusfuhrfreiheit und Ausfuhrzoll- fceiheit für Erze, alsbaldige Verhandlung über Ab­schluß eines neuen Handelsvertrages, Sicherung der Meistbegünstigung bis mindestens Ende 1925 auch für den Fall der Kündigung des Provisoriums, endliche Bestimmungen entsprechend Artikel 7. Ziffer 4 a Absatz 1 und Ziffer 5 des Friedensvertrages mit der Ukraine.

8. Die rechtspolitischen Angelegenheiten werden geregelt auf der Grundlage der Beschlüsse erster Lesung der deutsch-russlschen Rcchtskommission. Soweit Beschlüsse noch nicht festgesetzt sind, als insbesondere Ersatz von Zivilschäden auf Grundlage der deutschen Vorschläge, Ersatz der Aufwendungen für Kriegsgefangene auf Grund des russischen Vorschlages. Rußland wird deutsche Kommissionen zum Schutze deutscher kriegsge- iangener Zivilpersonen und Rückwanderer Zulassen und nach Kräften unterstützen.

9. Rußland verpflichtet sich, gegen amtliche oder amt. lich unterstütze Agitation oder Propaganda gegen die vier verbündeten Regierungen und ihre Staats- und Heereseinrichtungen auch in den von den Zentralmächten besetzten Gebieten einzustellen.

10. Vorstehende Bedingungen sind innerhalb 48 Stunden anzunchmen. Russische Bevollmächtigte haben sich unverzüglich nach Brest-Litowsk zu begeben, um dort binnen drei Tagen den Frieden zu unterzeichnen, der innerhalb weiterer 2 Wochen ratifiziert werden muß. (Lebhafter Beifall bei den bürgerlichen Parteien, Zischen bei den unabhängigen Sozialdemokraten.)

Die russische Delegation, Zu der auch Herr T c o tz k i und Joffe gehören sollen, ist bereits von Petersburg abgereist. Sie hat aber einen unfreiwilligen Aufent­halt nördlich von Pskow dadurch, daß dort eine Brücke gesprengt worden ist. Sie wird aber im Laufe des morgigen Tages in Brest-Litowsk eintreffen. In Brest- Litowsk ist die deutsche und österreichisch-ungarische Dele­gation bereits versammelt. Die türkische und bulgarische Delegation wird im Laufe des heutigen Tages dort eintreffen. (Lebhafter Beifall bei den bürgerlichen Par­teien, Zischen bei den unabhängigen Sozialdemokraten.)

Um Stadt und Hand

* Die Sommerzeit Wie jetzt feststeht, soll sie am 1. April beginnen und am 14. Oktober endigen. Voriges Jahr ging es vom 15. April bis 15. September.

* Nachmusterung der Wehrpflichtigen. In

der Zeit vom 2. bis 15. März d I. findet die Nach­musterung aller bei früheren Musterungen als zeitig kciegsunbrauchbar befundenen und aller bis zur nächsten Musterung zurückgellellten Wehrpflichtigen statt. Es ergehen an die zum Erscheinen Verpflichteten be­sondere Ladungen. Diese werden in der Weise bewirkt, daß sie in den Landgemeinden von den Bürgermeistereien erfolgen; in der Stadt Gießen werden besondere Ge­stellungsbefehle durch die Post zugestellt. Wer bei frühe­ren Musterungen ols zeitig kriegsunbrauchbar befunden oder zurückgestellt worden ist, aber keine Vorladung erhält, hat dies unverzüglich unter Vorlage seines Militälpapiers zu melden. Unterlassene Anmeldungen zur Stammrolle sind bei Meldung der Bestrafung so fort nachzuholen. Wer sich der Gestellung entzieht, wird nach den bestehenden Gesetzen bestraft, eS kann auch im Falle der Tauglichkeit sofortige Einstellung als unsicherer Heeres- oder Landsturmpflichtigec erfolgen. Wer durch Krankheit oder körperliche Gebrechen am Er­scheinen im Mustecungslokal verhindert ist, hat be­glaubigtes ärztliches Zeugnis bei der Bürgermeisterei seines Wohnorts abzugeben.

* Entlassung von a. v. Landwirten. Den

stcllv. Generalkommandos wurde anheimgegeben, die Entlassung von a. v. Landwirten zu verfügen unter der Voraussetzung, daß ein Notstand anerkannt ist und die Entlassung auf dem Wege der Reklamation erfolgt.

* Einkommensteuer in Kessen. Der Betrog der Einkommensteuer im Großherzogtum Hessen ist im Jahre 1917 um 4 329000 Mk. gegenüber 1916 gewach« sen Von dem Zuwachs entfallen auf Starkenburg 2,2 Mill., auf Rheinhessen 1,6 Mill. und auf Ober­hessen 0,4 Mill. Mk. Gegenüber dieser bedeutenden Zunahme der Einkommensteuer steht diejenige der Vermögenssteuer beträchtlich zurück, da sie nur 256000 Mk. betragen hat, woran Rheinhessen mit 107000 Mk., Starkenburg mit 89000 Oberhessen mit 60 000 Mk. beteiligt ist.

* Deutsche Gesellschaft für Kaufmanns-Er­holungsheime. Der Gesellschaft, die bekanntlich auch in Bad Salzhausen ein großes stark besuchtes Heim unterhält, sind auch in letzter Zeit eine Reihe von Zuwendungen gemacht worden. Wir nennen u. a.: Geh. Kommerzienrat Hommel i. F. H. Hommel G. m. b. H. in Mainz Mk. 5000., W. I. D- Valcken- berg G. m. b. H. in Worms weitere Mk. 5000., Segigmann Simon in Bingen Mk 2000., Geh. Kommerzienrat S. Heichelheim in Gießen weitere Mk. 2000., Dampskesselsabrik vorm Arth. Rodberg A.-G. in Darmstadt Mk. 1000., Trapp «8c Münch G. m. b. H. in Friedberg i. H. Mk. 1000., Ludwig Ganz A. G. in Mainz Mk. 1000., Ad. Thomas & Cie., G. m. b. H. in Mainz Mk. 1000., Sollet & Engelhard in Offenbach Mk. 1000., Grundmann & Altschul in Offenbach Mk. 1000., Rudolf Kahn in Offenbach weitere Mk. 1000.. Mit den Stiftungen sind erhebliche Vorteile für die Angestellten der Stifter­firmen verknüpft.

* Paplernot. Im lieblichen bayerischen Oberland ist einem Verleger der Geduldfaden wegen der Papiernot gerissen. Unter einer altbaylisch dra­stischen Ueberschrift sucht derMiesbacher Anzeiger" in derber und sehr deutlicher Weise die allgemeine Auf­merksamkeit auf die Papiernot im Buchdruckgcwerbe zu lenken und kennzeichnet im übrigen die Stimmung der Provinzpresse in bajuwirischec Urwüchstgk.it folgen­dermaßen:

Kaum dreiviertel Stunden von Micsbach ent­fernt befindet sich eine der leistungsfähigsten Papier- fabciken Deutschlands Dort ist Papier aufgestapelt, soviel, daß damit verschiedene Dutzend Zeitungen auf Lebensdauer versorgt werden könnten. Die Druckerei desMiesbachec Anzeigers" kann aber von der Pa­pierfabrik am Baum kein Pcpicr erhalten oder nur einen Posten, der kaum einige Tage anhält. Da­für wicd uns Papier zugewiesen von einer Gegend Deutschlands, die ein halbes Tausend Kilometer ent­fernt liegt. Dieses Papier wieder kann wegen der Verkehrsschwicrigkeiten nicht geliefert werden. Die Folge dieser wunderbaren Kriegswirtschaft ist, daß wir in Bälde wegen Papiermangels den Zeitungs- betrieb werden einstellen müssen, ebenso wird auch die Herausgabe des Amtsblattes in kürzester Zeit unmöglich sein".

Nachdem der guteMiesbachec" dann noch einen Sack voll urkräftiger Trümpfe, die im norddeutschen Lexikon nicht stehen, ausgcspielt hat, schließt er: Helfe was helfen mag durch Höflichkeit erhält man nichts, weniger kann man durch Grobheit auch dicht erhalten."

** Eine Ortsgruppe des Rhein-Mainischen Verband für Volksbildung wurde nun auch für Gieße« am 27. Februar im Hotel Schütz gegründet. Professor Dr. Strecker gab hierzu eine sehr ausführ­liche Begründung. Mehrere Herren aus den verschieden­sten Volkskceisen traten dem Ausschuß bei. Bereits am 10. März soll hier in Gießen eine größere Versammlung -stattfinden. In anderen Gemeinden unb Städten haben die Ortsgruppen dieses Verbandes, der schon recht nütz­liche Arbeit geleistet hat, sich recht gut bewährt.

* Stadt. Handels-Kochfchule Cöln. Das Vor- lesungs Verzeichnis für das Sommer-Halbjahr 1918

(Beginn 15. April) ist erschienen. Es umfaßt insgesamt 120 Vorlesungen und Hebungen in 203 Wochenstunden. Auf die Volkswirtschaftslehre entfallen 25 Vorlesungen und Hebungen in 44 Wochenstunden, auf die Pcivat- wirtschastslehre 18 in 31 Wochenftunden, auf die Rechts­lehre 12 in 19, Geographie, Naturwissenschaften und Technik 12 in 25, Versicherungs- u. GenossenschaftSlehre 2 in 2, Sprachen 28 in 53, Ausbildung der Handels- lehrer u. Handelslehrerinnen 6 in 8 und endlich auf die allgemeinen Geisteswissenschaften 17 in 21 Stunden. Unter den 27 abendlichen öffentlichen Vorlesungen, die außer den Studierenden auch weiteren Kreisen Gelegen­heit zur Vertiefung ihrer Allgemeinbildung bieten, ver­dienen u. a. besondere Beachtung die Vorlesung über de flämische Literatur des 19. u. 20. Jahrhunderts sowie 5 Einzelvorträge überBelgien in Staat und Wirt.chast", die von Mitgliedern der Verwaltung Belgiens gehalten werden.

* Dermißten-Snche Das stellv. Generalkomman­do des 18. A.'K. weist darauf hin, daß sowohl bei den Gr. Kreisämtern als auch bet allen Beztrkskommandos usw. die den Verlustlisten beigegebcnen Liften Uner- mittelte Heere sangehörige, Nachlaß- und Fundsachen" neben den dazu gehörigen BeilagenBildertafeln mit Photographien und Abbildungen" von Gegenständen aus den Nachlässen unbekannt Gefallener eingesehen werden können.

Zur Linderung der Wohnungsnot hat die

Stadt Paderborn bei der Regierung die Beschlagnahme leerstehender Wohnung beantragt.

* Auf die heutige Veröffentlichung zur Großherzog Ernst Ludwig-Jubtläumsstiftung im Anzeigenteil wird hier besonders aufmerksam gemacht.

* Kntzbach (Oberhessen). In der hiesigen Zellen- Strafanftalt ist der älteste hessische Zuchthäusler, der 1838 in Storndorf bei Alsfeld geborene Johannes Herchenröder, an Altersschwäche gestorben. Ec ist am 23.' Juli 1863 von dem damaligen Assisenhofe der Provinz Oberhessen wegen Ermordung des Kaufmanns Adam Müller in Eichselsachsen zum Tode verurteilt und dann zu lebenslänglicher Zuchthaus!^afe begnadigt worden. Diese Strafe hat Herchenröder um 8. Oktober 1863 im Landes-Zuchthause Marienschloß angetreten, lieber 54 Jahre hat ec im Zuchthause zugebcacht.

* Friedberg. In der 37jährigen Frau Marie Biajung aus Marjoß ermittelte die Polizei eine ab­gefeimte Diebin, die hiesige Familien ^schändlicher Weise bestohlen und dann das Diebesgut verkauft hat. Die Frau ist vielfach vorbestraft und wird von ver­schiedenen Polizei Verwaltungen wegen Diebstahls und Betrugs gesucht.

* Kad Wanheim In dem Hause des Buchhänd­lers Buck richtete ein Brand sehr erheblichen Schaden an.

* Kad Wanheim Für die L a n d t a g s e r s a tz. wähl im Wahlkreise Butzbach-Bad Nauheim hat die Nationalliberale Partei den Medizinalrat Dr. Vogt- Butzbach als Kandidaten ausgestellt. Von seiten des Bauernbundes wird Landwirt Wilh. Breidenbach Mel­bach genannt. Die gemäßigten Sozialdemokraten wol­len ihren Parteisekretär Neumann-Offenbach, die Unab­hängigen den Kaufmann Oppenheimer-Butzbach auf- ftellen. Da außerdem der Freisinn wie das Zentrum sich um das Mandat bewerben, wird es Stichwahl geben.

* Anerbach a. d. K Seit April v. I. wurden hier 40 Villen und Landhäuser verkauft. Die Käufer sind meistens Leute aus großen Städten aus ganz Deutschland.

* Ober-Ingelheim Die Rheinische Kaffee-Essenz- 2 brik von Wilhelm Eckhard ist Mittwoch früh voll- Ändig niedergebrannt. Der Schaden ist betreu­end, da alle Warenvorräte von den Flammen ver. ichtet wurden. Unter den Vorräten befanden sich auch rhebliche Zuckermengen. Die Bcanducsache wird auf Diebe zurückgesührt, die vermutlich in einem Gänsestall, ier zuerst brannte, mit Streichhölzern hantiert haben. Der Besitzer der Fabrik befindet sich auf Geschäftsreisen.

Darmstadt. Infolge der geringen Anlieferung von Schweinen wird für die Stadt ab 1. April die Regie- chlachtung eingeführt.

* Darmstadl. Frau Direktor Lang henk, die

nit ihrer Tochter eine sehr geräumige Wohnung mne tat, wies im vorigen Jahre einen ihr zur Einquartierung ugewiesenen Soldaten ab, weil sie derartiges G es i n- i e I nicht in der Wohnung haben wollte. Sle wurde oegen dieses Ausdrucks zu 6 Wochen Gefangms ver­urteilt. v'

* Uom Westerwald Auch eine Strafan-

ituöung. Der Gemetndediener eines Westerwald, .örfchens gibt mit gewichtiger Amtsmine folgendes »ekannt:War jei Korn net aogir, da klmmt e anecer,

)o rappelt awec die Peif onncrschtl-

Frankfurt a M Die diesjährige Frühjahrs-Messe beginnt Mittwoch, den 20. März morgens und endet Dienstag den 9. April abends. Die diesjährige Früh- ahrS-Ledermesse wird von Dienstag, «

Samstag, den 6 April abgehalten. Die HerbchLedermesse 1918 beginnt am 9. September.

Verantwortlich: Albin Klein in Gießen.

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