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Der Kanzler zur Lage.

Berlin, 25. Februar 1918.

Ein Teil der großen Redeschlachten zwischen den Staatsmännern der beiden kriegführenden Gruppen sollte heute wieder vor sich gehen, und da gab es der Schlachtenbummler viele; im Hause und auf den Tri­bünen, überall alles besetzt.

Eine kleine Geduldprobe verursachte die Rede des Vizepräsidenten zu dem Selbstmord des StrUitzer Groß­herzogs und dem 70. Geburtstage des Königs von Württemberg; und dann auch die Freudenkundgebung des Reichstags zu der glücklichen Heimkehr des Kaper schisfesWolf" nach 15 mona'tiger Abwesenheit.

Ter Kanzler spricht.

ZurEinbringung" des Haushaliretats nahm in Fortsetzung des Rededuells mit Wilson und Genossen

das Wort:

Reichskanzler Graf Hertling: Das hohe Haus hat be­rechtigten Anspruch darauf, über die außerpolitische Lage und die von der Reichslettung dazu eingenommene Stellung unterrichtet zu werden, obwohl ich andererseits gewisse Zweifel an dem Stutzen und Erfolg der von den Staaw- männern der kriegführenden Mächte vor der Oeffentlichkeir gehaltenen Zwiegespräche habe. (Sehr richtig!) Ein libe­rales Mitglied des englischen Unterhauses, der frühere Minister Runciman, hat kürzlich zugegeben, daß es uns dem Frieden weit naher bringen würde, wenn stattdessen Gespräche in kleinerem Kreise zwischen berufenen und bevor­rechtigten verantwortlichen Vertretern der kriegführenden Mächte stattfinden würden. Ich kann mich zu dieser An­regung nur zustimmend erklären. (Sehr gut!)

In einer Aussprache würden zweifellos auch unsere Gegner die Nötigung finden, unsere Worte so zu nehmen, wie sie gemeint sind und auch ihrerseits rücksichtslos mit der Sprache herauszurücken. (Zustimmung.) Ich kann nicht finden, daß die Worte, die ich bisher zweimal hier ge­sprochen habe, im feindlichen Auslande eine objektive Wür­digung gefunden hätten. Eine Besprechung im engeren Kreise würde zudem den Vorteil haben, baß alle die Einzelheiten, die bei der Lösung großer Konflikte zur Sprache kommen müssen, daß über alle diese einzelnen Fragen dort eine Verständigung erzielt werden könnte.

Belgien.

Zu wiederholten Malen ist von dieser Stelle aus er­klärt worden, daß wir nicht daran denken, Belgien zu vehalten, daß wir aber gegen die Gefahr geschützt sein müssen, daß der Staat, mit dem wir nach dem Kriege in Friede und Freundschaft leben wollen, nicht zum Auf­marschgebiete feindlicher Machenschaften gemacht würde, so, wie das auch in der Papstnote vom 1. August ausgeführt wurde. Di? Mittel und Wege, die zu einer solchen Lö­sung führen würden, würden zweifellos am besten in einer solchen engeren Gemeinschaft besprochen werden. Wenn also von der Gegenseite etwa von der Regierung in Le Havre eine dahingehende Anregung kommen sollte, so wür­den wir uns nicht von vornherein ablehnend verhalten. Gelbstverständlick könnten derartige Besprechungen zunächst nur einen unverbindlichen Charakter haben.

Ader bis jekt sieht eS nicht danach aus, als ob diese Anregung RunctmanS greifbare Gestalt gewinnen würde, und so muß ich einstweilen noch die Methode der Dialoge sorrsetzen. Wenn ich mich nun zu der

Botschaft des Präsidenten Wilson vom 11. Februar wende, so gebe ich zu, daß man vielfach in dieser Botschaft eine kleine Annäherung finden kann. Ir dieser Annahme will ich mich sofort zu den vier Sätzen wenden, in denen die Ausführungen des Prä­sidenten Wilson gipfeln. Der erste dieser Sätze besagt, daß jeder Teil einer endgültigen Vereinbarung im wesent­lichen auf der Gerechtigkeit aufgebaut sein muß. Wer sollte dem widersprechen? (Sehr richttg!) Der Satz, den der große Kirchenvater Augustinus vor anderthalb Jahrtau­senden ausgesprochen hat,

Justitia suudamentum reguorum" gilt noch heute, denn nur der Frieden wird Bestand haben, der in allen seinen Teilen von den Grundsätzen der Gerech­tigkeit getragen ist. Der andere Satz verlangt, daß Völ­ker und Provinzen nicht von einer Staatsoberhoheit in eine andere herumgeschoben werden, als ob es sich lediglich «m Gegenstände oder Steine in einem Spiegel handelte,

wenn auch in dem großen Wiegel des 'Gleichgewichts der Kräfte, das nun für alle Zeiten diskreditiert ist. DaS ist kein Satz dem man zustimmen könnte. Derartige Ka- binettspolitik und Kabinettskriege, Verbindung von Staats­ganzen und Privateigentum der Fürsten, das alles gehört längst der Vergangenheit an. Offenbar lebt Präsident Wil­son noch in dem Wahn, daß in Deutschland ein Gegensatz bestehe zwischen autokratischer Regierung und einer recht­losen Polksmasse. Präsident Wilson kennt aber, wie wenig­stens sein Buch über den Staat zeigt, die staatsrechtliche Struktur des Deutschen Reiches, er weiß, daß es bei uns eine Autokratie gibt, er weiß, daß bei uns Fürsten und Legierungen nur die obersten Organe eines im Staate zu- lammcngemölen VoUsorganismus, die höchsten Organe, aber nnmerhin nur die Organe des Ganzen sind.

Wenn Herr Wilson sagt, daß das Spielen mit dem Gleichgewicht der Kräfte für immer diskreditiert sei, so wer­ben wir das nur freudig begrüßen. Das sogenannte Gleich­gewicht der Kräfte war eine englische Erfindung. Der brit-e Satz Wilsons, wonach jede Lösung einer Gebiets- srage in diesem Kriege zugunsten der darin wohnenden Zevül^- getrossen werden muß, ist nur eine weitere \ können. Endlich der vierte Satz. Er verlangt, daß AvsstAruno des vorhergehenden Satzes, dem wir zustim- villc :*ar umschriebenen nationalen Ansprüche die weitest­gehende Befriedigung finden sollen, damit sie nicht ferner 'er. Frieden der Welt bedrohen. Auch diesem Satz stimme ich grundsätzlich zu.

Ich erkläre also mit dem Präsidenten Wilson, daß ich einverstanden bin, daß die von ihm ausgestellten Sätze die Grundlage einer Vereinbarung über den Weltfrieden bringen können. (Lebhafter Beifall.) Es müßten aber diese vier Grundsätze nicht nur von dem Präsidenten der Bereinigten Staaten vorgeschlagen werden, sondern auch von allen andern gegnerischen Nationen. (Sehr richtig!) Bon diesen: Ziel sind wir leider noch weit entfernt. Ebenso von einem Schiedsgericht aller Nationen. Bon Friedens- gedanten finde ich bei den Vertretern der Entente weiß Gott noch keine Spur. Die Kriegsziele Englands, wie sie in den letzten Reden Lloyd Georges zu Tage getreten find, sind immer no rem imperialistischer Natur. Sie verlangen noch irnm^r, 1 Friede Europas nach dem Willen Englands

gestaltet werden müsse, und wenn England von demSelbst- bestmmungsrecht der Völker spricht, so denkt es nicht daran, diesen Grundsatz etwa auch aus Irland, Aegypten und Indien anzuwenden. (Sehr richtig.) Unsere Kriegsziele sind lediglich aus die Verteidigung des Vaterlandes gerichtet, und die Aufrechterhaltung seiner Integrität.

Unser Bormarsch in die Ukraine war bestimmt, die Früchte des Friedens mit diesem neuen Staat zu sichern, den die Machinationen der Bolsche­wisten gefährdeten. Es sind dringende Hilferufe sowohl aus der Ukraine, wie aus Livland und Estland an uns gelangt, denen wir Folge leisten mutzten. Lediglich auf Wunsch der dortigen Bevölkerung haben wir unsere militäri­schen Operationen begonnen. Die Petersburger Regierung hat die abgebrochenen Friedensverhandlungen in Brest-Li- rowSk wieder ausgenommen, und unsere Delegierten find bereits gestern abend nach Brest-Litowsk abgeretst. Wir haben unsere Friedensbedingungen in die Form eines Ulti­matums gekleidet, daS die russische Regierung bereits im Prinzip angenommen hat. (Hörti hört! und Bravo!)

Tie FriedenSverhaudlungen mit Rumänien

haben am 23. Februar begonnen, sie werden sich voraus­sichtlich schwierig gestalten, weil wir hier nicht allein stehen, sondern d> Pflicht haben, für die berechtigten JnterAftn un­serer treuen Verbündeten Oesterreich-Ungarn, Bulgarien und die Türkei einzutreten.

Bon Polen ein kurzes Wort:

Wir Haber, dies Land aus der erdrückenden Abhängig­keit Rußlands befreit. Aber bei der endgültigen GA'.sl- tung seiner Staatlichkeit ergeben sich große Schwierigkeiten, die ner^entlich in der Frage der Abgrenzung des neuen polnischen Staats begründet find. Sie werden auS meinen Darlegungen entnommen haben, daß wir jetzt vor der Aussicht stehen, daß auf der ganzen Ostfront ivn der Ostsee -A-? zum Schwarzen Meere, bald Frieden herrschen Niro. Beifall.) Die Völker Europas frehnen sich nach Frieden, aber die Ententeregierungen haben dafür kein Gefühl. Äüe

Sni«>je rümpft ft* Bis RÜLgüLe Niaü-L°th«Nz: ts *«

Frankreich.

E- §ib' für lud keine elsatz-lothriug'rsche Frage. (Bestall.) Die Entente kämpft für den Erwerb von Lan- desreilen Oesterreich-Ungarns zu Gunsten Italiens, sie kamp:: für die Abtretung türkischer Gebiete, für die Loslö- sung Syrier uitt Arabiens vom Türkischen Reich, wodurch ira) das enolische Machtgebiet sehr erweitern würde. Man wirst uns vor. daß wir die Neutralität der neutralen Staa­ten verletzer^ wollten, während wir sorgfältig ihre Neu- tralttat achten. Wir haben nie daran gedacht, die schwcizeri- sche Nertralitä. anzutasten. (Sehr wahr?) Wir find der Schwerz zu Dank verpflichtet, das gleiche gilt von Hol- fianNravifchen Ländern. Ne..erö:nos werden l? eng lQ nt immer mehr Stimmen laut, z. B. in der Rede <orr Milners, die auf einen Verständigungsfrieden Hinteler. Blü ^ es soweit kommt, wird unser tapferes we''^ un k unser bewunderungswürdiges Volk

. die Stimme der Menschlichkeit bald denn auch

:n feindlichen Landern durchdringen. (Lebhafter Beifall auf allen Seien.) 1

Vizekanzler Tr. v. Payer:

r . f *? aI i rc dbs Krieges kann es nur noch einen Gefichtspuntt: den des Zusammenfassens aller Kräfte tiefem Sinne lyat sich der frühere Kanzler v. Bethmann Hollweg den Dank des ganzen Volkes hrelt der GedankeGleiche Pflich- ..en, gleiche Rechte , seinen Einzug. Bedauerlicher- Eise aber haben manche Vorkommnisse in den Bura- ^b^en Bre.che gelegt. Tie großen Lasten und schweren ^pfer haben der Bevölkerung unauslöschlich das Ver­langen nach stärkerem politischem Einfluß anerzvaen ^le Reichsregierung ist diesem Verlangen entgeaenae- fommcti. Sie war sich ihrer Pflicht bewußt, von reich-wegen für eene stets wachsende, aber auch immer nottvendigere Fürsorge für die Angehörigen und 5ün- terol'.ebenen der ausmarschierten Krieger einzutreten.

haben durch die Herabsetzung der Altersgrenze mr den Bezug der Altersrente manche Not gelindert. E haben sich aber nicht aus diese materiellen Fragen attem beschränkt, sondern sie haben, dem

freiheitlichen Bedürfnis der Bevölkerung Rechnung tragend, durch Abänderung des Vereins­gesetzes, durch die Novelle zum M i l i t ä r st r a f g e s e tz- b u ch und durch daS S ch u tz h a f t g e s e tz die Freiheit und das Persönliche der Staatsbürger anerkannt. Sie ist gewillt, auf diesem Wege weiterzuschreiten. (Ver­fall.) Dem Hause ist der Entwurf eines Arbeits­cammergesetzes zugegangen. Er wird, so hoffe '.ch, langjährige Kämpfe aus diesem politischen und sozialen Gebiete befriedigend schlichten.

In der preußischen WahlrechLsfrage lycti der preußische Ministerpräsident sich' dafür ein- gesetzt, daß des Kaisers Ankündigung durchaefüh^t werde. Man tüt aber bereits so, als wenn der Ent­wurf oöilig gescheuert wäre. Ich habe aber die oe- grundere .Hoffnung, daß das gleiche Wahlrecht in Preu- ü§n bald kommt. Leider wird das BUd Ser Ls- schwsftnhett durch den

Streik gestsrt,

der den Krieg schon verlängert hat. der zugleich auch mels Arbeiter in wirtschaftliche Schwierigkeiten gestürzt hat. Ader auch von anderer Seite ist viel gesündigt worden, indem man denen, die anderer Meinung waren, den guten Glauben absprach. (Lebh. Widerspruch rechts.) Biel Schaden ist angerichret worden durch die Rede von der ..niederträchtigen Friedensresolution des R:'ch4- tag»". Redner mahnt zum Schluß unter Widerspruch von links zur Einigkeit.

Russisches allzu Ruffisches.

Ter Gerichtsvollzieher beim Minister.

Tie früheren Minister, nicht nur die. die unter der Ziarenherrschaft eine so bedeutende Rolle gespielt... hratten, sondern auch die, die zur Zeit Kerenskis auf ' den Händen getragen wurden, und die leitende Tätig- , leit in den sozialistischen Kreisen inne hatten, sind 3 durch die Enteignungen und die Zurückhaltung der

In dem Trümmerfeld.

ik. Ueber die Ladung eines vor einiger Zeit im Mittelmeer versenkten Munitionsdampsers, sowie über dis Begleiterscheinungen bei der Detonation gibt der Bericht des betreffenden U-Bootes einen interessanten Aufschluß. Im Aegäischen Meer war in früher Mor­genstunde ein aus drei Handelsdampfern bestehender Geleitzug gesichtet worden, dessen starke Sicherung durch Arabis-Kreuzer, Zerstörer und Bewachungsdampfer darauf schließen ließ, daß es sich um einen wertvollen Transport handeln mußte.

Sehr starke Zick-Zack-Kurse der Schiffe erschwer­ten den Angriff, sodaß das U-Boot erst nach etwa pvei Stunden zum Torpedoschuß kam. Eine außer­ordentlich starke Detonation erschütterte die Luft, als der Torpedo den größten, als letzten fahrenden Damp­fer traf. DaS ganze Boot wurde davon erschüttert. Der getroffene Dampfer war sofort in die Luft ge- flogen. Eine dicke, braune, 500 Meter lange und 300 Meter hohe Tetonationswolke lagerte an der Unter­gangsstelle. Die Sicherungsschiffe verweilten noch ge­raume Zeit an der Trümmerstätte und entfernten sich öann wieder zum Schutz der beiden anderen Dumpfer

AlsU. . darauf an der Untergangsstelle aus­tauchte, befand es sich in einem ungeheuren Trümmer­feld, das Tausende von Geviertmetern in einer sol­chen Dichtigkeit bedeckte, daß zwischen den Wrackteilen kein Wasser mehr zu sehen war. Zwischen den un- -ühttgen Holzsplittern trieben Hunderte von Muni- rionskisten. von denen drei an Bord genommen wurden ssrner Ueüerreste von Flugzeugen, Proviantiisten mit Hartbrot, Mehl, Tergwaren, deren Inhalt leider durch­weg beschädigt war. Tausende von Speckseiten waren völlig zerfetzt und durch die Explosion zerrissen, in­folgedessen für den Genuß unbrauchbar geworden. Außerdem schwammen in dem Trümmerfeld viele große Zigarettenkisten mit je 12000 Stück, alle gut verlötet und zum Teil völlig unversehrt.

Mehrere gefundene Rettungsringe ivaren ganz neu, trugen aber kernen Namen. Die Schiffsteile waren durchweg grau gemalt, woraus zu schließen war, daß der vnnkhtstt Dampfer sin Transporter der englischen *

. Marine gewesen sein mußte. Noch beinahe zwei Stun- | | den lagerte die dunkle Sprengwolke über der Unter­gangsstelle.

/X Eine bcrechligte Klage. Ueber die Beschaffen­heit der Streichhölzer wird jetzt allgemein geklagt; eS wird in der Tat von manchen Fabriken bösartiges Zeug für teures Geld angeboten. Durch das käusige j Abspringen der Zündmasse entstehen Gefahren für die Umgebung, besonders wenn einer auf der Straßen­bahn in dichtem Gedränge rauchen muß und dabei Zündhölzer handhabt. Daß die Hölzer dutzendweise unbrauchbar sind, weil sie bei der'bloßen Berühruna zerbrechen, kommt sehr häufig vor. Man will gewi^ der Kriegsware manches Nachsehen, aber es ist Zeit, daß die Fabriken denn doch etwas sorgfältiger arbeiten. Oft sind dreStreichhölzer" nicht einmal Kriegsware. sondern überhaupt keine Ware mehr, denn es sind nur Hölzchen ohne Zündmasse, für die man für die Schachtel bis 10 Pfg. zahlen mutz.

, Scherz und Ernst.

tt. Ein Fahrrad für Blinde. Wie geschrieben wird, l)at die Blrndenlehranstalt in Uper Norwood bei Lon­don mit einem eigenartigen Fahrrad kürzlich Versuche angestellt. Es handelt sich nicht um ein Zweirad wie sonst üblich, sondern um einVielrad". Diese selt­same Vesorderungsgelegenheit besteht aus 6 Paar Rä­dern, die paarweise hintereinander gekuppelt sind. Da­durch ist vielfach jenen Männern, die erblindet sind, Gelegenheit geboten, sich mit diesem Sport zu ver­gnügen. Selbstredend läßt man die Blinden nicht allein fahren, sondern gibt ihnen auf dem zweiten Platz einen Führer und Lenker sür alle Fälle mit. Tie Kuppelung dieses etwas plumpen Fahrzeuges ist so vorzüglich gebaut, daß das Fahrrad auch scharfe Kurven tadellos überwindet. Es ist nun schon längere Zeit rn Gebrauch, ohne daß sich ein Unfall ereignet l-ätte.

tt. Sibirien, daS Dntterlanö Europas. Woher die Butternot? Von dem Rückgänge der Milchpro- duktion und dem riesenhaften Verbrauch draußen. Und dazu gesellt sich der Ausfall der gswaltigsn Einfuhr.

55 000 Tonnen, also 110 Millionen Pfund, pro Kopf ' jährlich etwa 2 Pfund, wurden aus dem AuSlende eingeführt, und zwar zur Hälfte aus Rußland, zu einem Drittel aus Holland. Tie russische Butter kam aus Sibirien. Tie Butterausfuhr aus Sibirien hat sich sehr schnell entwickelt. Sie belief sich 1897 erst auf ungefähr 73 000 Pud; betrug 1900 über 1 Million Pud und stieg 1913 auf 4 Millionen Pud, d. h. 128 Millionen dänische Pfund. Die dänischen Vuttersirmen widmeten sich mit Energie und aTtkrast dem sibirischen Butterhandel, und mehrere Jahre hindurch ging ein sehr großer Teil der sibirischen Butter durch dänische Hände nach Deutschland und England. Diese Län­der sollen im Jahre vor dem Kriege etwa 80 Prozent der ganzen Ausfuhr aus Sibirien abgenommen haben. Die Butter produzierenden Gegenden erstrecken sich von der europäischen Grenze längs der transsibirischen Bahn bis zur Stadt Achinsk und südlich nach Garnaul und Semipalatinsk, nördlich zur Htadt Tara am JrtySh. Man rechnet, daß auf dem hier genannten Gebiet ungefähr 3500 Meiereien und Butterfaktoreien vor­handen sind. Die größte Anzahl Meiereien befindet sich in den Provinzen Tobolsk und Tomsk. Das rus­sische Landwirtschastsministerium hat in Sibirien sechs Versuchsstationen eingerichtet, wo Unterricht im Meie­reibetrieb erteilt wird. Die sibirische Milch ist fettreich. Man kann ein Pftind Butter aus etwa 21 Pfund süßer Milch hersteNen (in Dänemark 2526 Pfund). Tie sibirische Rinderrasse soll besser als die im europäischen Rußland sein. Die Qualität der sibirischen Butter ist immer besser geworden. In vielen Fällen hat sie aber noch einen unangenehmen Beigeschmack von ungeeig­neten Kräutern. Der Krieg brachte eine Krise in der sibirischen Butterindustrie. Die Butlerpreise in SU birien fielen stark, was eine Abschlachtung des Milch­viehs bewirkte. Man schätzt jedoch, daß von dem eigent­lichen Milchvieh in Sibirien nicht viel über 25 Prozent seit Ausbruch des Krieges geschlachtet worden ist. Tie Nachrichten au§ Sibirien sind augenblicklich spärlich; aber man kann annebmen, daß die sibirische Butter­produktion aufrechterhalten werden wird und daß sie sich bet geordneten Verhältnissen von neuem entwickelt.