Dorpat und Reval deutsch!
Reichskanzler Graf Hertling und Herr von Kühlmann haben letzhin die berechtigten Ansprüche der tapferen, uns verbündeten, bulgarischen Nation an dtn F iedensschluß wie eine cura posterior behandelt, die uns in ReichSdeutschland weniger asgeht. ES ist bekannt, daß man in Sofia darüber begreiflicherweise verschnupft war und daß es besondere^, halbamtlicher Eiklärungen von unserer Seite bedurfte, um das auf- steigende Mißbehagen unserer Bundesgenossen zu be- ruhigen. Die Bulgaren werden inzwischen auch aus der deutschen Presse ersehen haben, daß wir wie ein Mann zu ihnen stehen und ihre Sache die unsere ist. Ist dem aber so, kann über die Entschlossenheit und Selbstverständlichkeit kein ernstlicher Zweifel bestehen, mit der wir den Bulgaren das Recht zuerkcnnen, die bisher jenseits ihrer alten Reichsgrenze wohnenden Stammge- nossen fortan ihrem eigenen, nationalen Machtbereich fest anzugliedern, so muß um so stärker die Zaghaftigkeit und Unentschiedenheit ins Auge fallen, die wir selbst an den Tag legten, sobald unsere eigenen, jenseits unserer alten Reichsgrenze wohnenden Stammes, genossen, wie Z. B. die Balten, in Frage stehen. Und da unsere Regierung die bulgarische Ansprüche gerade dem Wiener Kabinett ans Herz legen zu sollen glaubte, so freut es uns, diesen seltsamen Widerspruch in einem österreichischen, kerndeutschen Blatt, der „Ostdeutschen Rundschau" aufgedeckt zu sehen:
Bei den Verhandlungen in Brest Litowsk ist Einverständnis darüber erzielt worden, daß Kurland und Teile von Est- und Livland von Rußland abgetrennt werden sollen und damit Sicherheit gewonnen, daß sie irgendwie unter den Schutz des Deutschen Reiches kommen und an dem Leben der deutschen Volksund Kulturgemeinschaft werden teilnehmen können. „Teile von Est- und Livland!" Welche? Natürlich die von uns besetzten: die estländischen Inseln vor dem Rigaischen Meerbusen und Riga mit einem ganz kleinen Vorlande. Und der Rest? Auch er ist durch Deutsche der Kultur gewonnen worden, die leitende Bevölkerungsschicht auf dem Lande ist deutsch oder von deutscher Kultur durchtränkt. Reval die alte Bischofs, und Handelsstadt, und Dorpat, noch vor einem Menschenalter eine hochberühmte, blühende deutsche Universität, deren ehemalige Angehörige heute an vielen Hochschulen Deutschlands lehren, und unzählige andere Orte bis hin zu dem Deutschordensschloß Narwa an der Grenze von Jngermannland tragen noch heute deutsches Gepräge. Soll das alles dem Deutschtum verloren sein?
Der Uorftofz deutfeber Matrosen in Belgien.
. „ Am 14, Februar noch kurzem heftigen Feuerüber- fall brachen Stoßtrupps eines deutschen Matcosen- regimexts in eiligem Lauf über den aufgeweichten Bo den hinweg überraschend in die belgischen Gräben südwestlich von Mannekensvere ein, Von 2 Seiten her roDtfn sie, jeden feindlichen Widerstand brechend, mit Handgranaten ein breites belgisches Grabenstück auf. Von Schulterwehc zu Schulterwehc vocgehend, trieben sie von rechts nach links die sich verzweifelt wehrende belgische Besatzung immer dichter zusammen, die im Handgranatenregen schwere blutige Verluste erlitt. Was nicht eiligst nach rückwärts floh, wurde gefangen ge- nommen. Dos ganze Unternehmen spielte sich mit rasender Geschwindigkeit ob. Schon nack kurzer ^eit kehrten die Matrosen mit 2 belgischen Offizieren, 26 Mann, zahlreichen Beutestücken und wichtigen Eckun. dungsergebniffen in ihre Ausgangsstellung zurück.
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Goldopfer.
Nachdruck verboten.
„Mädel, du kommst ja gegangen,
Wie ganz umflossen von rosigem Rot."
„Ich gab meine Ketten und Spangen Meinem Deutschland in heiliger Not!
Ich kann wohl des Schmuckes entraten.
Wer jetzt noch dran hinge, der täte mir leid.
Ich kenn einen blinden Soldaten,
Der gab viel edler Geschmeid.
Meines Vaterlands herrliche Söhne Opfern strömendes Blut, klagt keiner darum.
Mir hing Deutschland, das siegende, schöne,
Ein eisernes Kettchen um!"
. Da der Krieg einmal die Möglichkeit gebracht Hai sene» wertvollen Teilen deutschen Volkstums nach lange Not und Unterdrückung mit der Macht des deutsche. Armes zu helfen, so muß betont werden: Die Deut schen von Reval und Dorpot haben dasselbe sittlich Anrecht auf unsere Hilfe und auf Wiederemporkommei w'e die tionJDJItou und Riga, und wir Deutsche, dieselbe Pflicht ihnen gegenüber. Wie sagte doch kürz sich der „Vorwärts": In den Fragen des Osten-
komme die deutsche Ehre ins Spiel. Das tut sic h biefem Punkte gewiß. Wird sie voll gewahrt werden'
m was geschieht, wenn sie nicht gewahrt wird l Auch abgesehen von den Schicksalen der Deutschen — wo wurden die Esten und Letten Zwischen den Groß machten Anschluß suchen? Man spricht schon von einem honten kandinavischen Bunde „von Estland bi- Livland Und wer würde als Spinne in diesem über Ost- und Nordsee gespannten Netze sitzen? England Wäre das zu Deutschlands Vorteil? Nein! Darum gilt es auch in Reval England zu treffen Nur eine Großmacht, wie Deutschland, vermag auch ^dern die ausgedehnten Gerechtsame, die sie sich während des Krieges in und bei Reval gesichert haben, und dre eine Gefahr für deutsches Anliegen behüten, wieder zu nehmen; die Estländer allein können sich von ihnen nicht wieder befreien. Ehre, Gerechtigkeit u Deutschtum gebieten somit, daß wir in irgendeiner ß^/ine politsche Verbindung von ganz Est. und Livland mit dem Deutschen Reiche stellen, indem wir so das vielberufene Selbstbestimmungsrecht der Völker auch für die Deutschen geltend machen, die Macht dazu haben wir! —
tu
Dorpat.
Was gab ich euch so reiches deutsches Leben,
Wie schuf ich segensvoll euch deutsche Luft.
Wie legt ich innigwacm ein glühend Streben Wohl tief hinein in manche junge Brust,'
Das war allzeit die höchste Ruhmesehr, '
Es war mein Schutz und meine blanke Wehr!
Das tatest du, mein Dorpat, fern im Norden Als unsres Geistes sturmesfester Hort,
So bist du uns zur Siegesburg geworden,
So klingt dein Name als der Treue Wort,
Und leuchtend spiegelt sich dein hehres Bild Als deutschens Wesens ehrenreiner Schild.
Sollt deutsche Liebe jemals dich verlassen Und schutzlos geben dich in fremde Hand,
Dann möcht der deutschen Treue Glanz verblassen, Dann wäre sie nur leerer Schein und Tand.
Wir wollen wahren stolz dem Baltenland Das Heimatrecht im deutschen Vaterland-
(Otto von Pfister.)
Frida Schanz.
Hw Stadl nid Cand.
* Hunde an die Front! Bei den ungeheueren Kämpfen an der Westfront haben die Hunde durch tärkstes Trommelfeuer die Meldungen" aus vordersten Linien in die rückwärtige Stellung gebracht. Hunderten unserer Soldaten ist durch Abnahme des Mcldeganges durch die Meldehunde das Leben erhalten worden. Militärisch wichtige Meldungen find durch die Hunde rechtzeitig an die richtige Stelle gelangt. Obwohl der Nutzen der Meldehunde im ganzen Land be> kannt ist, gibt es noch immer Besitzer von kciegsbrauch- baren Hunden, welche sich nicht entschließen können, ihr Tier der Armee und dem Vaterlande zu leihen! Es eignen sich der deutsche Schäferhund, Dobermann, Aira- dal Terrier und Rittwcilcr, auch Kreuzungen aus düsest Raffen, die schnell, gesund, mindestens 1 Jahr alt und von über 50 Zentimeter Schultcrhnhe sind. Die Hunde werden von Fachdrcsseuren in Hundeschulen ausgebtldet und in Erlebensfälle nach dem Kriege an ihre Besitzer zurückgegeben. Sie erhalten die denkbar sorgsamste Pflege. Sie müssen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. An alle Besitzer der vorgenannten Hunderassen ergeht daher nochmals die dringende Bitte: Stellt Eure Hunde in den Dienst des Vaterlandes! Die Anmeldungen für die Kciegs-Hunde-Schule und Meldehundschule find zu richten an den Kgl. Polizei-Inspektor Schwinderlauf in Oberhausen (Rhld.)
* Eine Gold- und Jumeleusammekwoche veranstaltet der Landesverein für vaterländische Zwecke in der Zeit vom 17.-24. Februar. Diese Wertgegenstände werden Dringend benötigt, um den Goldbestand der Reichsbank zu stärken, aber auch zur Sicherung des Bezugs notwendiger Lebensmittel und Rohstoffe aus dem neutralen Ausland, die bekanntlich in Gold bezahlt werden müssen. Die Hessische Handwerkskammer macht auf die Wichtigkeit dieser Werbung besonders aufmerksam und kordert die Gewerbetceiben. den auf, den vaterländischen Zweck zu unterstützen und durch willige Abgabe der geforderten Wertgegenstände das Bestreben des Landesvereins zu unterstützen.
Deutsche'Frauen, könntet Ihr in dieser schweren Zeit noch Perlen und Goldschmuck tragen? Euere Männer und Söhne opfern freudig ihr Leben und Ihr wollt Euch nicht von diesem Tand trennen? Bringt Eueren Schmuck dem Vaterlande dar; für Gold wird Euch der volle Goldwert und für Juwelen der hohe Auslandspreis vergütet.
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* Schlitz. Am vergangenen Freitag wurde von der hiesigen Gendarmerie ein Handelsmann aus Siegen a b g e f a ß t, der hier und in der Umgegend „etngekauft" hatte. In seinem Besitz befanden sich ein großer Schinken, drei große, zwei kleine Würste und 20b Eier. Die Eier waren von der Molkerei Büttner, .Sammelstelle der Landeseierftelle für den Bezirk Schlitz geliefert.
^ M wurden beschlagnahmt. Seitdem
Westfalenkinder voriges Jahr hier in der Sommerfrische waren, scheint man sich von dort die htcsiac Ge.
Hamstecfeld aus-rsehen zu haben, denn ähn- Uche Falle wurden bereits wiederholt gemeldet.
f, c Die Herren Dr. Leitz sen. und jun.
500000%ar? r 0tC L bt ^wendete Stiftung von f £ te Hauung einer Kinderkrippe, uc Ausgestaltung der Kinderheime und für Ver-
mmmt“" 0 ähK(fe *" ^tzlac und seiner Umgebung be-
wurde ein Schuhhändler revidiert, seimn Schil.ßkorben fand man statt Scbube Buttes ^ geschlachtete Schweine und mehrere Pfund
Frankfurt a. M. Zum Schutze der Passanten in der Dunkelheit werden die Laternenpfähle aus den Bürgersteigen mit einem 30-40 Zentimeter hoben weißen Anstrich versehen.
Frankfurt a. M. Die Straskammer verurteilte den 42jährigen Oberpostassistenten Karl Brennicke wegen Unterdrückung und Diebstahls zu einem Jahr Gefängnis. In der Urteilsbegründung führte das Gericht aus, daß der Angeklagte als Beamter die besondere Pflicht zur Ehrlichkeit hätte haben müssen in einer Zeit, da von den unteren Stellen auf Eisenbahnen und Post so vielfach gegen das Eigentum gesündigt würde. Strafschärfend käme für Brennicke noch hinzu, daß er in der Lage war, sich von Verwandten auf dem Lande einen Verpflegungszuschuß zu verschaffen, ohne daß er zu stehlen brauchte. — Von besonderem Reiz ist in diesem Jahr der Bericht über den Frankfurter Immobilien Markt für 1917. Es heißt da, daß in den meisten Fällen „Häuser zum Alleinbewohnen" verkauft und angekauft wurden. Miet- und Geschäftshäuser dagegen wechselten ihren Besitzer sehr wenig. Wer die „Häuser zum Alleinbewohnen" erworben hat, dürfte unschwer zu erraten sein. In der Hauptsache waren es Leute, denen der Krieg große Reichtümer in den Schoß warf.
* Kassel. In Jhringhausen verlangten öfters junge Mädchen Bezugsscheine, „weil sie nichts mehr anzuziehen hätten". Das veranlaßte den Dorfregenten, ein Tanzkränzchen zu gestatten. Er fand sich auch dazu ein und sah nun alle die Mädchen, „die nichts mehr anzuziehen hatten", in schönen, zum Teil recht kostbaren Gewändern. Nun wurden die bewilligten Bezugsscheine natürlich zurückgezogen.
Verantwortlich: Albin Klein in Gießen.
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100 000 Lose 3667 Gew. Mk.
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