Ausgabe 
6.2.1918
 
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Druck der Gießeuer Verlagödruckerei, Albin Klein.

Nr. 11 . _ Telephon Nr. 3W, Mittwoch, den 6. Februar 1918. Telephon Nr. 38L 31. Jahrg.

Deutsches Volk, merk auf! Nur ein siegreicher Friede.

Deutfcbes üoik, merk auf!

Nach Kopmhagener Nachrichten herrscht, wie wir einem von dort etngeiangten Privattelegramm entneh­men, in der englischen Geschäftswelt starke Mißstimmung, weil das ganze Geschäftsakten so gut wie lahmgelegt sei und die ungeheuren Verluste, die die Kauileute schon jetzt erlitten hätten, von Tag zu Tag größer werden. Man habe sich in schärfster Tonart an Lloyd George gewandt mit der Frage, weshalb er nicht auf Kosten von Englands Verbündeten mit Deutschland einen für England vorteilhaften Frieden schlösse. Lloyd George habe geantwortet, dazu sei immer noch Zeit, denn er habe absolute Gewißheit, da^ Deutschland jederzeit zu einem solchen Frieden, der England schonen würde, auch im Falle e'nes völligen Siegcs, bereit sei. Er, Lloyd George, schätze die amerikanische Hilfe auch nur gering ein und verkenne keineswegs die wachsende Gefahr des U-Boot-KriegeS. Aber die Her.cen möchten nur noch ganz kurze Zeit Geduld haben. Nach ganz zuverlässigen Nachrichten stehe die innere Revolution Deutschlands unmittelbar bevor. Die ganze demokratische Bewegung in Deutschland sei so stark, daß man aus diesem Wege, ohne die eigenen Verbündeten preisgeben zu brauchen, mit Sicherheit zu einem sogenannten annexionslosen Frieden gelangen werde, der Englands Kriegsziel: die wirtschaftliche Vernichtung Deutschlands, ohne daß Deutschland selber es merke, voll befriedige.

Das war von Anfang an Albions Rechnung: den Krieg mit Hilfe der deutschen Friedensliebe und der deutschen Dummheit zu gewinnen. Im Dezember 1914 sagte Lord Kitchener zum Vertreter derChicago Tri­büne":Wir werden trotzdem den Krieg gewinnen. Wenn wir ihn nur auf lange Sicht unbegrenzt führen, so wird das deutsche Volk, weil es von Natur den Frieden liebt, seine Regierung zwingen, den Frieden zu suchen, und schließlich um jeden Preis."

Deutsches Volk, merk aus! Sollen deine ingrimmig­sten Feinde recht behalten mit ihrer beleidigenden Ein­schätzung deiner Biderstandskcaft? Willst du wirklich in allerletzter Stunde alle die Opfer und Entbehrungen vergeblich getragen haben, all das Heldenblut umsonst geflossen sem lassen? Sollen Lloyd George und Kitchener dich wirklich am besten gekannt haben? Wach auf, deutsches Volk!

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Nur ein siegreicher Triede!

Die jüngsten Verhandlungen des Entente Kciegs- rateS haben gezeigt, daß unsre Feinde noch im­mer nicht zu einem Frieden bereit sind, der unfern Daseinsbedingungen gerecht wird. Unsre westlichen Feinde haben nichts von ihren wahnwitzigen Forderungen aufgegeben. Sehen wir einmal von allen Ecoberungs- plänen. der Gegner ab und denken wir nur an die Kriegsentschädigung, die ihre führenden Blätter von uns fordern. Für England werden 120 Milliarden Mark, für Frankreich 100 Milliarden und für Belgien 20 Milliarden verlangt, das sind 240 Milliarden Mark; Dazu kämen noch mindestens 120 Milliarden Mark, die wir an eigener KciegSschuldenlast zu tragen hätten. Diese allein schon würde, wenn wir sie ganz Zu tragen hätten, die Steuerlast der Bevölkerung so gewaltig er­höhen, daß unsre ganze Lebenshaltung auf das nied. rigstc Maß herabgedrückt würde und besonders der Ar­beiter- und Mittelstand ein menschenwürdiges Dasein kaum mehr führen könnte.

Das Deutsche Reich hat heute schon eine Kriegs­anleihe von 73 Milliarden zu verzinsen, wofür jährlich rund 4 Milliarden Mark aufgebracht werden müssen. Dan.den sind auch noch die Schulden der einzelnen Staaten und der Gemeinden im Kriege gewaltig ge- stiegen. Zu diesen Lasten kommen hinzu die Summen für die Militär Invalidenrenten, die Witwen- und Waisenpensionen. die schon heute mehrere Milliarden Mark betragen und noch von Tag zu Tag steigend-

weiter die Summen für Wiederaufbau deS zerstörten Ostpreußens und des Oberelsaß, sowie für die Ecgän- zung des Heeresbedarfs, der Flotte und der Handels­marine.

Vor dem Kriege betrug das jährliche Gesamtein­kommen des deutschen Volkes nach zuverlässiger Schätzung etwa 33 Milliarden Mark, das befteuerungs fähige Einkommen 23 Milliarden Mark. Dieses be­steuerungsfähige Einkommen wird natürlich bei Friedens« schluß erheblich niedriger sein, infolge der im Kriege erlittenen Verluste an Steuerzahlen. Es ist mindestens mit einer Verminderung von 2*/* Milliarden Mack zu rechnen. Weiter kommt hinzu, daß sich das Einkommen des Kriegsbeschädigten nach dem Kriege verringern wird, was auch wieder mit 8 / 4 Milliarden Mark anzuschlagen ist. Im ganzen würde sich also das steuerfähige Ein­kommen nach dem Kriege um 3 Milliarden Mark ver­ringern. Diese gewaltigen Summen mache man sich einnlal klar.

Nun kann man sich hinftellrn und sagen: Was geht mich das an? Mögen die reichen Leute, die Fabrikanten, die Großgrundbesitzer usw. die Steuern bezahlen. Die können das. der kleine Mann, der Ar­beiter, müssen davon verschont bleiben, die dürften eigentlich überhaupt nichts bezahlen. In solchen Worten spiegelt sich ein ganz unverantwortlicher und sträflicher Leicht­sinn wieder. Gewiß, wenn es darauf ankäme, könnten die reichen Leute die Steuern aufbcingen. Nun aber die Frage: Sind die reichen Leute nicht dieselben, die für den Ausbau und Neubau der Industrie, des Han­dels, der Landwirtschaft und der sonstigen Gewerbe zu sorgen haben und dafür die Kapitalien brauchen? Sind das nicht dieselben, die nachher den Arbeitern hohe Löhne zahlen sollen und müssen?

Sehe man doch klar: Wenn unsre Industrie, unser gesamtes gewerbliches Leben die Steuern aufbringen soll, so muß die ganz natürliche und selbstverständliche Folge die sein, daß die Löhne niedrig bleiben müssen, denn je mehr Steuern der Fabrikant beispielsweise Zu zahlen hat, je mehr Lasten er für Reich und Staat zu tragen hat, desto niedriger müssen die Löhne sein, wenn er überhaupt durchkommen will. Nur wenn die sonstigen Ausgaben klein sind, können die Löhne be­friedigend hoch sein. Oder aber der Fabrikant müßte die Steuern usw. auf seine Waren und Erzeugnisse schlagen, und hier wäre die Folge dann die, daß die deutschen Erzeugnisse im Wettbewerb nicht bestehen könnten, weil sie zu teuer wären. Daraus aber würde folgen, daß unser gesamtes Wirtschaftsleben untecginge, und die Hauptleidenden wären wieder die Arbeiter, die dann einfach keine Arbeit mehr fänden.

So zeigt diese kurze Uebeclegung der Geldfrage, wie bitter notwendig uns ein starker deutscher Schwert- friede ist, der den Feinden seine Bedingungen diktiert. Ein fauler Friede würde zuallererst die breiten Massen, die arbeitende Bevölkerung in die sichere, unabwendbare Verelendung hineinstüczen. Ec wäre die fahrlässige Herbeiführung des Unterganges des gesamten deut­schen arbeitenden Volkes! Würden wir gar unterliegen, nun dann müßten wir eben Hunderte von Milliarden an die Feinde zahlen. Wir würden wie neulich eine feindliche Zeitung eS forderte die Sklaven Eu­ropas sein und alle miteinander an den Bettelstab kommen!

Müssen wir da nicht alles ausbieten, um bis zu einem siegreichen Ende, bis zu einem Frieden, wie wir ihn nötig haben, auszuhalten? Das Ausharren wird gekrönt werden. Wir sehen, wie England, unser zähester Gegner, von Woche zu Woche schwacher wird. Unsre U-Boote zehren an seinem Lebensmark Früher od^ später muß England am Schiffsraummangel zugrunde gehen. Das fühlen auch die einsichtigen Engländer. Vor einigen Wochen sagte der liberale Abgeordnete Lambert (bis 1915 Zivillord der Admiralität) im eng­lischen Unterhause:Der englische Schiffsraum, den

die U-Boote in den letzten 4 Monaten versenkt Habens ist nahezu ebenso groß, wie unsre gesamte Schiffrraumec- zeugung während des Jahres 1917."

Auf der einen Seite sehen wir also den völligen Untergang, auf der andern den sichern Sieg. Können wir da noch im Zweifel sein, was wir zu wählen und zu tun haben?

Amtliche deutfebe Cagesbericbte.

lieber 23000 rönnen versenkt.

Berlin, 1. Febr. Im mittleren und westlichen Mittelmeer wurde in letzter Zeit besonders der TranS- portverkehc nach Italien und Frankreich gestört. Da­bet wurden 5 Dampfer und 1 Segler mit über 23000 Bruttoregistertonnen versenkt.

Der Chef des AdmiralstabcL der Marine.

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wtb. Gc 0 ßeS Hauptquartier, 2. Febr. 1918.

Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorfs.

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Berlin, 2. Febr., abends. Von den KriegSschau- Plätzen nichts Neues.

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Neue U-vookrttolge.

Berlin, 2. Febr. Dicht unter der englischen Ost­küste wurden durch unsere Unterseeboote bei starker Be- wachung und Gegenwirkung kürzlich 6 Dampfer, sowie der englische SchlepperDesice" mit 2 Motorlichtecn versenkt. Die Dampfer waren fast durchweg tief be­laden, einer von ihnen mit Holz. «

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

wtb. Großes Hauptquartier, 3. Febr. 1918.

Westlicher Kriegsschauplatz:

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

An der flandrischen Front kam es am Nachmittag zwischen dem Houthoulster Walde und der Lys zu leb­haften Artilleriekämpfen. Auch in der Gegend von Lens, beiderseits der Scarpe und westlich von Cambcai lebte die Feuectätigkeit zeitweilig auf Bei Monchy wurde ein starker Eckundungsvorstoß der Engländer abgewiesen.

Heeresgruppen Deutscher Kronprinz und Herzog Albxecht.

Am Oise-Aisne-Kanal ließen die Franzosen bei einem gescheiterten Unternehmen Gefangene in unserer Hand. Längs der Aillette, im Abschnitt von Reims, auf den Maashöhen und am Hartmannsweilerkopf vielfach Artillertetätigkeit. Unsere Infanterie brachte von Erkundungen auf dem Ostusec der Maas und nördlich von Badonvillexs einige Franzosen zurück.

Italienische Front:

Lebhafter Feuerkampf auf der Hochfläche von Asiago.

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Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Erste Genecalquartiermeister: Ludendorff.

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Berlin, 3. Febr., abends. Von den Kriegsschau­plätzen nichts Neues.

G

,$000 rönnen.

Berlin, 3. Febr. Unterseebootscrfolge auf dem nördlichen Kriegsschauplätze: 18000 Br. Reg-To.

Die Schiffe waren fast sämtlich tief beladen und wur­den zum größten Teil im Aermelkanal vernichtet.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

(Fortsetzung aus der 4. Seite.)

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Das konzentrierte Licht