Ausgabe 
30.1.1918
 
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U-Bootkrieg-KMrkungen.

Berlin, 28. Jan- Bon Februar 1917 bis Ende Dezember 1917 wurden 27 feindliche Truppentransport­schiffe und 265 Schiffe mit sonstigem »rtegsmoterial versenkt. Unter den letzteren befanden sich allein 97 mit Munition beladene Fahr zeuge. Diese Menge von Munition die diese Schiffe an Bord hatten, hätte genügt, um 50 Divisionen zu je 15 600 Mann einen Monat lang mit Munition und Granaten zu versehen.

Berlin, 28. Wie schwer der U-Bootkrieg England schädigt, geht aus einer Acußerung hervor, die der eng­lische Munitionsminister tat. Ec sagte kürzlich: Ich habe jetzt die Granatenbestände um 100000 Tonnen vermin

dern müssen, nur aus Mangel an Schiffsraum.

*

Die erfolge des U-Boot-Krieges.

Berlin, 28. Jan. Wie wir hören, find in der Zeit vom 1. 2. 1917 bis 31. 12. 1917 27 Truppen- transportdampfer und 265 Schiffe mit Kriegs­material, darunter 97 mit Munition und fertigem KriegSgerät Von unseren U-Booten versenkt worden. Die hiermit vernichtete Menge von Munition würde den Bedarf von 50 Divisionen zu je 15000 Mann über einen Monat gedeckt Habens

ein IS 000 Connendampfer torpediert.

London 28. Jan. Der CunarddampferAll' dania" (13405 Bruttocegistertonnen) mit 40 Paffa- gieren und 200 Mannschaften wurde auf der Ausreise an der Küste von Ulster torpediert. Alle konnten sich in die Boote retten und wurden nach einer Stunde aufgegriffen. Man hofft, den Dampfer in den Hasen bringen zu können.

Mt Staat und Land.

* Einberufung der Zweiten Kammer. Die

Zweite Kammer ist auf nächsten Dienstag einberufen. Zur Beratung steht u. a. der Gesetzentwurf über die Abänderung und Ergänzung deS Gesetzes über die Land­tagswahlen. Ferner wird ein Mitglied für den aus dem Bauernbund ausgeschiedenen Abg Wolf- Stadecken in den Zweiten Ausschuß zu wählen sein. Die Ver­handlungen dürften nur zwei Tage dauern.

* Hessische Handwerkskammer. Die Kriegs- amtstelle Frankfurt a. M. stellt z. Zt. Erhebungen an, um einen Ueberblick über den voraussichtlichen Arbeits­markt bei der Demobilmachung zu gewinnen. Soweit Arbeitskräfte für Handwerksbetriebe in Frage kommen, ist für das Großherzogtum Hessen die Handwerkskammer zu Darmstadt beauftragt worden. Jur Erfassung der Hilfskräfte in korporierten Handwerksbetrieben sind an die Innungen und sachlichen Vereinigungen Fragebogen verschickt worden. Nicht organisierte Handwerksmeister, soweit sie zur Gewinnung von Hilfskräften im Falle der Demobilmachung, eine öffentliche bzw. behördliche Ar beitsvermittlnng in größerem Umfang in Anspruch nehmen wollen, können Fragebogen bis zum 31. Ianuar 1918 bei der Handwerkskammer zu Darmstadt, Saalbaustr. 60 erhalten, die bis zum 5. Februar 1918 angefüllt wieder zurückgegeben sein müssen. Die Vorkehrungen sind ledig­lich vorsorgende Massnahmen, die in keiner Weise irgend welche Schlüsse auf die Möglichkeit eines baldigen Friedens zulassen.

* In den Adelsstand erhoben wurde vom Groß­herzog von Hessen Kommerzienrat Karl Opel, der derzeitige Seniorchef der Firma Adam Opel, Rüffelsheim.

* 'Küdinger Gbstpreise. Das Kreisamt setzte für die Zeit bis zum 28. Februar d. Js. neue Höchst. Preise für Obst fest. Ein Zentner Edeläpfel, jedes Stück ausgesucht, darf nicht mehr als 50 Mk., ein Zentner zweiter Sorte nicht mehr als 31.25 Mk. und ein solcher dritter Sorte nicht mehr als 12.50 Mk. kosten. Birnen in drei Sorten schwanken in der Preis» läge von 10 bis 43.75 Mk. Und in Frankfurt muß man für einen Zentner Aepfel unbekannter Sorte 75 und mehr Mark bezahlen. Das bedeutet vom Erzeuger bis zum Verbraucher eine Preissteigerung von rund 600 Prozent!

* Kartoffelpreise. Die hessische LandeSkartoffel- stelle bestimmt: Der EczeugerhöchstpceiS für Winter- fpeisekartoffeln wird vom 16 . Januar ab auf 5 Mk. für den Zentner festgesetzt. Daneben ist eine Verw-'h- rungSgebühr zu zahlen, die beträgt: bei Lieferung bis zum 28. Februar 50 Pfg. bei Lieferung ab 1. März 75 Pfg. für den Zentner. Der Höchstpreis gilt für die Lieferung ohne Sack und für Barzahlung bei Empfang. Ec schließt die Kosten der Beförderung bis zur Verlade­stelle des Ortes, an dem die Ware mit der Bahn oder zu Wasser versandt wird, sowie die Kosten des VerladenS daselbst ein. Bei unmittelbarer Lieferung gesackter Kar­toffeln ausschließlich Sack frei Keller des Bestellers kann ein Zuschlag von 80 Pfg. für den Zentner gefordert werden. Bei Lieferung der Kartoffeln durch einen Kommunalverband oder einen Händler erhöht sich der Zuschlag von 80 auf 1.50 Mk. pro Zentner.

* Gegen das Altschlachten der Schweine

Im Aufträge der Fraktion des Bauernbundes hat sich der Abg. Brauer mit einem Schreiben an die Re- gterung gewandt. Ec führt darin gegen das Abschlach. ten der Schweine u. a. aus:

Die Mitglieder des Bauernbundes sehen sich an­gesichts der Erfolglosigkeit der von der Hess. Regierung in Berlin gegen die radikale Abschlachtung der Schweine unternommenen Schritte gezwungen, gegen die Durch­

führung dieser Maßnahmen schärfsten Widerspruch zu erheben. Ist es den maßgebenden Stellen nicht bekannt, daß es vielen Landwirten möglich ist, mit HaushaltungS absällen einige Feik.l bis Zar Grünsültcrung durchzu halten? Fürchten die verantwortlichen Ratgeber nicht, daß durch solche gewaltsamen Eingriffe in den Organis­mus des landw. Betriebes nicht nur die einzelne Wirt- schaft, sondern die Allgemeinheit durch das gänzliche Fehlen des Schweinefleisches und Fettes im nächsten Herbst schwer geschädigt wird? Ganz besonders schwer getroffen werden kleine Landwirte und Arbeiter, welche ihre für geradezu fabelhafte Preise erworbenen Ferkel mit großen geldlichen Verlusten abgcben müssen."

Die rheinische Goldankaufwoche ist vorüber, die Psiicht der Reichsbank alles überflüssige Gold zuzu­führen, bleibt weiterbestehen, denn je länger der Krieg dauert, desto dringender wird die Notwendigkeit die Goldrüstung der Reichsbank zu stärken. Und je mehr Gold die Reichsbank beim Friedensschluß hat, desto schneller können wir unsere Volkswirtschaft wieder auf­bauen.

* Keller lüften. Ein Gebot der Hausfrauen ist es bei der jetzigen milden Witterung unbedingt die Keller zu lüften. Selbst nachts können die Kellec- fenster cffen bleiben, solange kein Frost ist. Die Kar­toffeln fangen in zu warm gehaltenen Kellern bereits an zu keimen. Ein Abkeimen ist ratsam.

'

* Gießen 28. Jan. Im Vorstande des Landes- v ex e i n s Ob e r h e s s e n dex Deutschen Vaterlandspartei sitzt auch der Führer der Gießener Sozial, demokcatie, Stadtverordneter Krumm. Aus An- laß einer Reichsgründungsfeter, die der Landesverein Oberhessen in Gießen veranstaltete, wurde an den Groß­herzog ein Telegramm gesandt, in dem er gebeten wurde,gleich den Königen von Bayern und Sachsen die feste Siegeszuversicht der Hessen öffentlich zum Ausdruck zu bringen und die Bundesratsbevoll­mächtigten anzuweisen, den Reichskanzler in seinem kraftvollen Auftreten gegen die Feinde und in dem innigen Auschluß an unsere glorreichen Volkshelden Hindenburg und Ludendorff gegen alle Widersprüche tatkräftig zu unterstützen." Auch dieses Telegramm, auf das vom Großherzog eine dem Wunsche entsprechende Antwort einging, trug die M i t u n t c r sch r i f t des sozialdemokratischen Führers. Sein Verhalten strht in bnnerkenSwertem Gegensatz zu den Angriffen, die die sächsische Sozialdemokratie wegen eines ähnlichen Telegramms letzthin gegen den König gerichtet hat.

Darmstadt» 23. Jan. In dex zweiten Kammer führte heute Finanz minister Dr. Becker über den Stand des Voranschlages für 1918 aus: Der Voran­schlag sei, trotzdem er Mlt einem Fehlbetrag abschließe, günstiger als der für 19.17. Die Ausgaben haben sich hauptsächlich durch die Kriegsteuerungsbeihilsen, die 4 450 000 Mark betragen, erhöht. Ungünstiger sei der Ausblick auf das Gebiet der Eisenbahnen Statt für die im Jahre 1917 vorgesehenen 18,6 Millionen Mack Koftenvorschüffe, würde Hessen nur 15 Millionen Mark erhalten. Die Aussicht für 1918 sei noch trüber. Die Einnahmen seien nicht zurückgegangen, sondern um 20 Prozent gestiegen. Die Ausgaben dagegen hätten sich hauptsächlich auch infolge der Teuerungszulagen um 90 Prozent gesteigert. Deshalb sei eine Steuerer- Höhung nach dem Kriege unvermeindlich. Zum Schluß wandte sich der Finanzminister gegen die Einführung direkter Reichssteuern.

* Morms, 22. Jan. In beinahe vierstündiger Sitzung hat sich die Stadtvecordentenversammlung ge- stern über die Vorlage der Errichtung einer Fltegerstation in Worms entschieden, nachdem die Verhandlungen und Beratungen ein ganzes Jahr lang in Anspruch genommen hatten. Die Opfer, die von der Stadt gefordert werden, sind groß: sie hat einen Zuschluß zu leisten von 575000 Mack und sie verliert in der Gemarkung Psiffligheim 400 Morgen des besten Ackerbodens, dessen Ankauf der Militäcfiskus vornehmen wird. Die Heeresverwaltung verpflichtete sich, die Fliegerstation mindestens bis 1960 in Worms zu belassen. Bei Vergebung aller Bauacbeiten, auch für alle zukünftigen Erweiterungen und der lau­fenden Unterhaltungsarbeiten, wird die Heeresleitung in erster Linie Wormser Handwerker berücksichtigen. Die Vorlage wurde mit allen gegen 7 Stimmen ange­nommen. Der Beitrag der Stadt in oben erwähnter Höhe ist erst bei Ingebrauchnahme der Station fällig. Die Heeresverwaltung ist berechtigt, von dem Vertrag zurückzutreten, falls die Geländeerwerbskosten die hier­für vorgesehenen Beträge überschreiten.

* Offenvach. Eine Leserin übersandte einer. Zei­tung eine Preisauszeichnung, die an einem Kinder- schürzchen angesteckt war, das sie für 18.50 Mk. gekauft hatte. Diese Preisauszeichnung besieht aus 5 überein­ander geklebten Zetteln, die, wenn man einer nach dem andern entfernte, folgende Zahlen ergaben: 18.50, 12.75, 7.90, 4.25, 2.95 Mk. Der letzte Preis war sicher der Friedenspreis. Im Anfang war man noch bescheiden und schlug nur 1.50 Mk. auf, zuletzt aber, obwohl das Schürzchen mit 12.75 schon teuer war, gleich noch 5.75 Mk.

Verantwortlich: Albin Klein in Gießen.

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