* Gießen. Das Oberhcffische Museum erhielt durch eine Stiftung des Geh. Kommerzienrates S. Heichelheim eine in ihrer Art wohl bis jetzt einzig dastehende Sammlung, nämlich sämtliche Kriegsaus. Zeichnungen aller deutschen Bundesstaaten, die während des Krieges gestiftet wurden. Der Stifter hat sich die Erweiterung der Sammlung, tesonders auch die Erwerbung der Kriegsauszeichnungen der mit uns ver* bündeten Staaten, Vorbehalten.
* Grünberg. 21. Jan. Auf der Feier der hiesigen Vaterlandspartei zur Reichsgründung sprach der Stadtverordnete Kcumm-Gießen über die dcut- scheu Kriegsziele. Ausgehend von der Zeit der deut. scheu Zerrissenheit, wo jeder deutsche Stamm sein Selbstbestimmungsrecht hatte, während die Nachbarn zur Rechten und Linken den deutschen Boden zertraten, wofür ec einige treffende Beispiele brachte, zeigte er, wie jeder Krieg Gewaltausübung und der Fciedensschluß die Folgerung daraus sei. Aus dem Elend der Kleinstaaterei se'en wir herausgekommen durch die militärische Kraft Preußens, die nicht durch das Parlament, sondern im Gegensatz gegen dasselbe geschaffen worden sei. Die Stufen zur Größe Deutschlands und seiner glänzenden Entwicklung bilden die „Gewaltfriedensschlüsse", die Preußen und Deutschland auf Grund ihrer Siege geschlossen haben. Wenn wir uns beim Friedens schluß nicht auf unsere Machtstellung stützen wollten, die auch im Westen vor allem durch unsere U-Boote mit Sicherheit hergestellt wird, dann würden wir uns an unseren Kindern und Enkeln versündigen. Soweit wir es irgend auf Grund der Kriegslage können, müssen wir unser Volk gegen die Wiederholung solches verbrecherischen Ueberfälle und gegen die verelendenden Folgen des Krieges schützen. Ein schweres Verbrechen wäre es, den Krieg zu verlängern, sobald wir einen annehmbaren Frieden haben könnten, aber England gibt uns den nicht, ehe es durch unsere Macht dazu gezwungen wird. Wir brauchen zur Ernährung unseres Volkes neues Siedlungsland für Hunderttausende neuer Bauernstellen. Wo ist ein Deutscher, der das alte deutsche Ordensland im Osten wieder den Russen preiszugeben wagen darf? Wir brauchen die eroberten Erzlager im Westen zur Aufrechterhaltung unserer Industrie. Wir müssen die Hand über Belgien behalten, weil sonst England sich wieder darin festsetzt. Wir brauchen Ent- schädigung der Auslanddeutschen, sonst wird keiner wie- der Pionier der deutschen Exportindustrie werden können und wollen. Ungefähr 20 Milliarden sind uns im Ausland völkerrechtswidrig geraubt worden. Wir brauchen Ersatz unserer Krtegskosten, um nicht darunter zusam- menzubrechen. Ob das die Feinde leisten können, braucht nicht unsere Sorge zu sein, das hätten sie selbst sich überlegen müssen. Scharfsinnig und unwiderleglich führte der Redner aus, wie verhängnisvoll, vor allem für den deutschen Arbeiter, ein Verzichtfriedcn wirken muß. Man spürte an den oft von lautem Beifall um terbrochenen Ausführungen die Sorge um die Zukunft und die warme Liebe zu unseren deutschen Volk. Es war ein herzerfceuendes Bild, in der etwa von 150 Leu« ten aus allen Kreisen unserer Stadt besuchten Ver sammlung die Vertreter aller Parteien ohne Mißklang einmütig zusammengesühlt zu sehen von dem einen Streben, mitzuhelfen an der Wiedererstarkung unseres deutschen Volkes nach all der Not und den Opsem des Krieges.
* Marburg. Unter Bezugnahme auf einen diesbezüglichen Erlaß des Finanzministers hat auch der hiesige Haus- und Grundbesitzer-Verein an die Steuer- veranlagungs Kommission eine Eingabe gerichtet, in der um Anerkennung einer angemessenen Erhöhung der abzugssähigen Pauschalen bei Gebäuden und zwar bet massiven Gebäuden von % auf V 2 Prozent und bei Fachwerkbauten von 1 I 2 auf 1 Prozent gebeten wird.
* Uiederlahnstein. 15. Jan. Die „Rheinisch Volksztg." veröffentlicht heute den Wortlaut eines Wa renangebotes, das die hiesige amtliche „Lebensmittel Einkaufsstelle der Naffauischen Rheinstädte" an ein Firma des Wiesbadener Bezirks richtet. Jntereffan an dem Angebot ist einmal die ungeheure Menge de angebotenen Waren und der alle Begriffe übersteigend Preis, der gefordert wird. Die Einkaufsstelle bietet u m an: 300 Ztr. Viktoria-Erbsen das Pfund zu 3,4! Mk-, 100 Ztr. gelbe Erbsen zu 3,10 Mb, 35 Ztr. weiß Bohnen zu 3.35 Mk., 400 Ztr. dicke Bohnen zu 3,4! Mk-, 400 Ztr. Wicken zu 2,70 Mk., 900 Ztr. Lupine: zu t,25 Mk., 90 Ztr. Graupen zu 2,65 Mk., 226 Ztr ^udfrucht-Marmelade zu 1,50 Mk., 200 Ztr. Dreifcucht Marmelade zu 1,95 Mk., 21 Ztr. prima weiße Reis ^ Zu 20 Mk., 5 Ztr. Kartoffelstärke zu 19 Mk. ^000 &tud Toiletteseife das Stück zu 2,75—4,75 Mk.
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