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Verlag der „Gießerrer Zeitung", Gießen.
Druck der Gießcner BerlagSdrnckerei, Albin Klein.
Nr. 8. _ Telephon wt. 362. Samstag, den 26. Januar 1918, Telephon Nr.382. 31. Jahrg.
Größere U-Boot-Vrfolge in den letzten Tagen. Im Westen französische Angriffe abgewiese«.
Wserr Geburtstag im vierten Krlegsjabr.
In Friedenszeiten war der 27. Januar ein Tag der Freude und des Jubels. Ein Nationalfefttag, an dem.jeder Deutsche in gleicher Weise seinen Anteil hatte und'ihn auch geltend machte. Seine Feier atmete trotz manchem feierlichen Prunk, der dabei in Erscheinung trat, die Traulichkeit deutscher Familienfeste, denn jeder von uns erinnerte sich, gleichgültig, welche Stellung er den politischen Tagesfcagen gegenüber einnahm, an diesem Tage daran, daß ec ein Glied des großen deutschen Volkes war, und mit Stolz und Selbst^ewußtsein und dem innigen Dazugehörigkeitsgesühl des KindeS vom Hause grüßte er unseren Kaiser zu seinem Geburtstagsfest.
Jetzt im Kriege gibt es keine rauschenden Feste- Wo der Tod Einkehr hält, da verstummt Fröhlichkeit und Festfreude.
So ist das äußere Gepräge dieses Tages durch den Krieg von Grund aus verändert. Und dennoch wollen wir uns auch in diesem Jahre das Recht, unseren Kaiser zu feiern, uns festlich daran zu erinnern, was uns in ihm geschenkt ist, nicht nehmen lassen. Der Krieg hat uns ja daran gewöhnt, Aeußerlichkeitcn nicht mehr allzu schwer zu nehmen. Hat unser Weihnachtsfest an Weihe und Heiligkeit eingebüßt dadurch, daß der Kerzen- bestand des Christbaums auf einen geringen Bruchteil des üblichen FriedenSmatzes zurückging? Rein, die Form ist wenig — der Geist ist alles.
Und der Geist ist der alte geblieben. Der Kaiser und sein Volk — sie stehen noch ebenso fest und treu zusammen wie nur je. Nicht gelockert hat sich das Band, das sie umschließt, eher gefestigt, durch gemeinsames Erleben ei hättet. Denn dieser Krieg, der für uns alle zum Schicksal geworden ist — unser Kaiser erlebt und erleidet ihn Seite an Seite mit seinem Volk. Seine Söhne fechten wie jeder Wchcpflichtige in den Reihen der deutschen Armee, sehen dem Tod ins Auge, und ec selbst trägt lange Jahre nun schon die harte Kriegs- arbeit, die durch die ihr innewohnende ungeheuerliche fast unausdenkbare Verantwortlichkeit ^nehr und mehr zu einer Last werden muß, die für menschliche Schultern fast allzu schwer erscheinen will.
„Ich habe es nicht gewollt", hat der Kaiser in dem ersten Kriegsjahr einmal auf dem Schlachtfelde angesichts der grausigen Bluternte des Tages bekannt; und wir alle wissen, daß dieses Wort aus tiefster Aufrichtigkeit herausgewachsen ist. Der Kaiser hat es nicht gewollt; nun aber das Entsetzliche über uns hereingebrochen ist, trägt er es mit dem gleichen Heldenmut, den ec von jedem von uns erwartet und voraussitzt. Sein Schicksal und das unsere, auch hier unlöslich aneinander gc- kettet!
„Nicht Roß' und Reisige Sichern die steile Höh',
Wo Fürsten stehn:
Liebe des Vaterlands Liebe des freien Mann's Gründen des Herrschers Thron Wie Fels im Meer",
so heißt es in unserer Kaiserhymme. Der Thron steht fest. Die Liebe zum Vaterland und die Liebe zum Herrscherhaus ist uns nicht nur ein überkommenes Erbgut, an dem wir gewohnheitsgemäß sisthalten, sondern ein Ec- lebnis, in harten Zeiten uns in tieferem Sinne als je zuvor zum Eigentum geworden, das wir unter keinen Umständen aufgeben können und wollen.
Mit diesem Gelöbnis auf den Lippen wollen wir des Kaisers Geburtstag 1918 begehen.
Jlmtlicbe deutfcbe Cagesbericbte.
Berlin, 22. Jan. Unsere U-Boote im Mittel» meer waren kürzlich mit besonders gutem Erfolge tätig. Sieben Dampfer und 2 Segler mit rund 27OOOBc- Reg.-To. sind ihren Angriffen zum Opfer gefallen. Den Hauptanteil an diesen Erfolgen hat Kapitänleutnant Becker (Franz).
Alle Dampfer bis auf einen waren bewaffnet und fuhren meist in stark gesicherten Geleitzügen. Unter ihnen konnten namentlich festgestellt werden die englischen Dampfer „Egyptian Transport", „Steelville", „Allanton", und „Acab", deren Vernichtung für die Kriegswirtschaft unserer Feinde von besonderer Bedeutung ist, weil mit ihnen 84 000 To. Kohle verloren gingen. Von den übrigen Dampfern hatte einer, der sehr starken Detonation nach zu urteilen, Munition geladen. Ein anderer, anscheinend mit Reis tief beladener Dampfer, wurde im Artilleciegefecht zäh verfolgt, auf die Klippen der Küste der Cyrenaika gejagt und dort trotz Eingreifens einer Landbatterie vernichtet Die beiden Segler mit Namen „Gniseppe" und „San Antoni", waren italienischer Nationalität. Von ihnen hatte ersterer Holzladung.
Der Chef des Admiralstabes der Marine.
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wtb. Großes Hauptquartier, 23. Jan. 1918.
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Fast an der ganzen flandrischen Front war am Nachmittage der Feuerkampf gesteigert. Auch südlich von der Scarpe lebte die GefechtStät gkeit wieder aus. — Bei St. Quentin wurden bei erfolgreicher Durchführung zahlreicher Erkundungen Gefangene eingebracht.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Nordöstlich von Souain und nördlich von Avocourt folgten nach starker Feuerwirkung französische Vorstöße. In heftigem Kampf wurde der Feind zurückgeschlagen. Eigene Jnfanterieabteilungen drangen östlich von Malan- court in die feindlichen Gräben und kehrten mit einer Anzahl Gefangene zurück. Zwischen Beaumont und Ornes nahm die Artillerietättgkeit am Abend zu.
Oeftlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Mazedonische F^ont.
Die Lage ist unverändert.
Italienische Front.
Zu beiden Seiten der Brenta Artilleriekampf.
Der Erste Generalquarttermeister: Ludendorff.
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Berlin, 23. Jan., abends. Von den Kriegsschuld Plätzen nichts Neues.
irsoo rönnen.
Berlin, 23. Jan. Neue U-Bootserfolge auf dem nördlichen Kriegsschauplätze: 18000 Br.«Reg.-To. — Die Mehrzahl der Schiffe, die tief beladen waren, wurde im Aermelkanal trotz starker feindlicher Abwehrmaßnah« men jeder Art versenkt. Eines der vernichteten Schiffe, das im östlichen Aermelkanal aus einem durch zahlreiche Seestrcitkräfte geschützten Geleitzug hecausgeschossen wurde, war allem Anscheine nach ein Transportdampfer mit Kriegsmaterial.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
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wtb. Großes Hauptquartier, 24. Jan 1918.
Westlicher Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse. — Rege Eckundungstätigkeit unserer Infanterie brachte an vielen Stellen der Front Gefangene ein. An der Bahn Bösinghe- Staden wurden 6 Maschinengewehre erbeutet.
Oeftlicher Kriegsschauplatz:
Nichts Neues.
Mazedonische Front:
In einzelnen Abschnitten Artillerietättgkeit. Süd westlich vom Doiransee scheiterte ein englischer Vorstoß.
Italienische Front:
Die Lage ist unverändert.
Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.
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Berlin, 24. Jan., abends. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues.
b vampler, i Aacbiscbiff.
B e r l i n, 24. Jan. Sechs Dampfer und ein Wacht- fahczeug wurden letzthin von unseren Unterseebooten versenkt. Vier Dampfer wurden dicht unter der englischen Ostküste, wo die Bewachung besonders stark ist, abgeschoffen, einer von ihnen aus einem durch viele Zerstörer und Fischdampfer gesicherten Geleitzuge.
Der Chef des Admiralstabes der Marine.
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wtb Großes Hauptquartier, 25. Jan. 1918.
Westlicher Kriegsschauplatz:
Zwischen Poelcapelle und der LyS, bei LenS und beiderseits der Scarpe lebte die Gefechtstätigkett am Nachmittage auf. An verschiedenen Stellen der Front EckundungSgefechte.
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Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.
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Berlin, 25. Jan., abends. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues.
knlscfteiaungskämple.
Zürich, 24. Jan. „Secolo" meldet aus Paris: Die bevorstehenden Frühjahrskämpfe wcr- den auch in Frankreich allgemein als die Entscheidungskämpfe betrachtet. Masseneinberufungcn sind erfolgt, mehr als 400000 Franzosen aus Jndustcie- und Kciegsbetcieben sind eingezogen. Fast alle Reklamationen sind aufgehoben worden. Clemenceau versicherte den Abgeordneten, daß Frankreich entschlossen sei, den Krieg unter allen Umständen jetzt zu Ende zu bringen.
Xus Stadt und Land.
* Frühere Schulentlassung irr Hessen. Das
Ministerium hat in einem Rundschreiben an die Kreis- schulbehördcn genehmigt, daß mit Rücksicht auf die Notwendigkeit, die in diesem Jahre zur Entlassung kom- mende Schuljugend zur Hilfeleistung bei den Frühjahc- arbeiten in Feld und Garten hecanzuziehen, die Schul- entlassung in den ländlichen Volksschulen schon vor dem am 23. März stattfindenden Schluß des Schuljahres vorzunehmen. Die Zeit der früheren Schulentlassung ist den Kreisschulbehörden überlassen worden. Auf die Klassenversctzung hat jedoch die frühere Schulentlassung keinen Einfluß. Diese findet vielmehr mit Beginn des neuen Schuljahres, 8. April, statt.
Schützengrabenruf aus dem Westen.
Wer hielt auch nur eine Stunde,
Eine einzige Stunde,
Sein Geld und seine Diamanten zurück,
Wenn er Brüder oder Söhne Erretten kann vor dem Tode?
(Fortsetzung auf der 4. Seite.)


