und Süßtgkeitcnpolonaisen ihrem gepcetzten Herzen Lust machen, so ist der weitaus größte Teil des Lölkes in dem Bewußtsein, daß unsere Feinde uns mit der eng- lischen Hungekpcttsche doch nicht niedcrzwingen können, nur zu leicht geneigt, diese törichten und gemcinschöd- lichen „Irrungen" als entschuldbare Aeußrrungen von Pessimisten und unverbcfferlichen Egoisten anzuschen und zu belächeln. Dos ist aber eine grundfalsche Auf- fastuna' Die kämpfende Front draußen, die die furchtbare an Blut und Entsetzen reiche Bürde des Krieges in ihrer wahren Gestalt trägt, denkt darüber ganz an ders. Ein Brief, den ein Kämpfer nach kurzer Urlaubs zeit in der er einen Einblick in das kleinliche, gierige, jämmerliche Gehabe gewisser Bevölkerungsgruppen in der Heimat gewann, an seine „liebe und tapfere Frau" schrieb, zeigt uns in der erschütternden Einfachheit seiner Schreibweise, welches Unheil aus dem gedankenlosen Jammern über die schwere Not der Zeit, aus dem „An- stehen" nach Süßigkeiten und dergleichen sür Heer und Volk entstehen kann und entstehen muß, ES heik>t in diesem Brief, der als ernster Mahnruf von der Front ein vieltausendfältiges Echo in der Heimat finden möge, unter anderem:
. Du selbst hast ja immer wieder gesagt, daß Ihr mit dem auskommen könnt, was Euch zugeteilt wird, wenn Ihr vernünftig einteilt und Euch einrichtet. Du hast mich und die Kinder in den vierzehn Urlaubs- tagen nicht schlecht verpflegt. Ich bin also sehr zuver- sichtlich abgefahren. Die Sorge, ob wir in der Heimat durchkommen, war von mir genommen.
Heute habe ich erfahren, daß für den Frieden das nicht entscheidet, was wir denken und hoffen, sondern mehr noch, was der Feind glaubt.
In der Hölle der Arrasschlacht haben wir englische Gefangene gemacht. Durch ihre Aussagen, die bei ihnen Vorgefundenen Briefe, Zeitungen und Befehle haben wir ein sehr genaues Bild darüber erhalten, was England denkt. Der englische Soldat geht mit Grausen in die Schlacht, Was trotzdem ihm immer wieder den Mut gibt, vorzugehen, und was England unerschütterlich am Kriege fefthalten läßt, ist die feste Ueberzeugung, daß wir nicht bis zur nächsten Exnte ducchhalten können.
Die Umlcdicbllilig des (lolirsvermögrns.
Von einem volkswirtschaftlichen Mitar beiter.)
Langsam und von der großen Menge fast unbemerkt aber stetig und mit immer größerer Ausdehnung hat sich unter der Einwirkung des Krieges eine Verschiebung der Vermögen vollzogen, wodurch die Einkommen der ganz Reichen sich immer rascher vermehrte, das Vermögen des Mittelstandes dagegen dauernd verringerte. Diese Entwicklung, die schon vor, dem Kriege begann, hat jetzt einen Umfangs angenommen, welcher der Nationalwirtschaft großen Schaden bringen muß. Innerhalb der letzten beiden Jahrzehnte haben in den preußischen Städten die Einkommen von 3000 Mark bis 9500 Mark (trotz des vielgepriesenen deutschen Aufstiegs) um 2 , 50/0 und die Einkommen von 9500 bis 30500 Mark um 0,5 o /° abgenommen. In der gleichen Zeit aber hat die Zahl der ganz Reichen eine starke Vermehrung erfahren; die preußische Emkommen-Sta- tistik für das Jahr 1916 lehrt, daß sich die großen Einkommen von über 100000 Mark vervierfacht haben. Jahreseinkommen von 500000 Mark bis zu einer Million Mark hatten 1896 in Preußen 76, im Jahre 1916 dagegen 356 Personen; ein Einkommen von über einer Million Mark erzielten 27 Personen im Jahre 1896 und 134 Personen im Jahre 1916; das Höchsteinkommen einer einzelnen Person betrug im Jahre 1896 in Preußen 7426 500, im Jahre 1916 dagegen aber 29 417 500 Mark. Insgesamt versügten im preußischen Staate in den Jahren 1911/13 nur 18 , 50/0 der Gesamtbevölkerung über ein Einkommen von mehr als 6000 Mark, und 8l,5°/ 0 der Bevölkerung mußte sich mit einem Jahreseinkommen von unter 6000 Mark begüngen.
Die Wirkungen dieser Einkommenverschiebungen machen sich besonders in der Industrie geltend, die ihre Gewinne zu noch nie dagewesenen Erweiterungen der Betriebe und zur Gründung von Kartellen benutzte. Die Kartelle haben im Kriege einen Siegeslauf genommen, der geradezu eine Ueberspannung des Machtgedankens dieser Pcoduzentenvereinigungen in sich schließt. Wenn die Kartelle weiterhin die Preise für Kohle und Eisen, sür Farbstoffe und alle Erzeugnisse aus Stein und Erde, Zusammengenommen für alle Rohstoffe und veredelten Waren bis zu den fertigen Erzeugnissen unter sich regeln werden, dann wird die Etnkommenverschiebung auch weiter zugunsten der ganz großen Vermögen erfolgen, und von einer Minderheit werden dem großen Heer der Abnehmer die Preise und Lieferungsbedingungen vorgeschrieben werden. Bei einer solchen Zunahme der ganz großen Vermögen kann es nicht ausbleiben, daß schließlich die ganze nationale Arbeit eines Tages unter den Willen einer verschwindend kleinen Zahl von geldstarken Personen gerät.
Die mächtig gewachsene industrielle Kapitalmacht gewinnt so eine Macht im Wirtschaftsleben. Das Heer der Arbeiter sucht seine Organisationen zu stärken, um dem Ring der Unternehmer schlagfertig gegenüber zu treten. Auch der Landwirtschaft flössen vielfach große Gewinne in diesem Kriege zu. Nur um die Gestaltung der Lebensbedingungen des Mittelstandes, des Handwerkers, des kleinen Kaufmanns, vor allem der Privatbeamten steht es ungleich schlechter.
Wie steht heute der Mittelstand eigentlich da? Der Handwerksmann, welcher seine Werk
statt beim Eintritt in den Heeresdienst schließen mußte, hat seine wirtschaftliche Selbständigkeit verloren. Von den Verdienstmöglichkeiten, welche so viele Menschen eines Morgens reich und wohlhMnd fand, haben die Kleinbetriebe in Handel und Handwerk, hat der feftbe- soldete Pcivatbeamte nichts gespürt. Sie besonders haben von allen Lerufsgeschichten unter den Wirkungen des Krieges am ernstesten gelitten. Darum muß es die allerwichtigste Aufgabe einer gesunden Wirtschaftspolitik sein, für den Wiederausbau und die Wiedererstarkung dieser vielen wirtschaftlichen Existenzen zu sorgen. Eine Nationalwirtschaft, die den Reinertrag aller Arbeit einem immer kleiner werdenden Kreise von Manschen zuwirft, wird auf die Dauer nicht bestehen können. Ge wiß werden die geradezu phantastischen Kriegsgewinne, die der Produktion zuflossen, für die Steuerkcaft des Reiches nutzbar gemacht werden; aber es kommt nicht allein darauf an, daß die Steuern bezahlt werden, sondern auch darauf, wer sie bezahlt. In einem innerlich kraftvollen und gesunden Staate muß sich das Nationaleinkommen auf alle Volksglieder verteilen und alle Berufsschtchten müssen wie am Sinken, so auch am Aufstieg des Wirtschaftslebens beteiligt sein.
Die neuen €irenbabn-€infcbränkungen.
Zu der am 15. d. M. in Alraft tretenden weiteren Einziehung einer großen Zahl bisher fahrplanmäßiger Züge wird von zuständiger Seite geschrieben:
Die durch den Krieg bedingten Schwierigkeiten im Eisenbahnbetriebe bestehen fort und verschärfen sich außer ordentlich unter dem Einfluß ungünst ger Wittexungs« Verhältnisse. Die Binnenschiffahrt ruht, so daß der auf den Binnenwasserstraßen sich bewegende Verkehr an dringendsten Gütern plötzlich auf den Eisenbahnweg übergegangen ist. Große Kohlenverbrauchsgebiete, die sonst überwiegend auf dem Wasserwege bedient werden, wie Berlin und Süddeutschland, fallen jetzt ausschießlich den Eisenbahnen zu. Eine Abhilfe kann durch Einschränkung des Güterverkehrs nicht mehr erreicht werden, weil zurzeit ohnehin nur dringende Güter befördert werden, die für die Kriegswirtschaft und für die Volksernährung (einschließlich der Hausbrandversorgung) erforderlich sind Es muß erneut und unverzüglich eine Einschränkung des Personenverkehrs erfolgen. Diese hat am 13 Jan. begonnen mit dem ausschließlichen Zweck, über das bisher Erreichte hinaus Maschinen, Personal und Strecken durch Ausfall von Personenzügen freizumachen und die Abwicklung des Güterverkehrs, dem unbedingt der Vorrang etnzuräumen ist, zu fördern.
Die vielfachen Aufforderungen an die Oeffentlichkeit, die Reisen freiwillig einzuschränken, sind bisher ohne Erfolg gewesen. Offenbar ist vielen trotz wiederholter Veröffentlichungen der Zusammenhang zwilchen den Privatceisen und den Erfordernissen der Kriegsführung noch nicht zum Bewußtsein gekommen. Manchmal liest und hört man: die Einschränkung der Personenzüge hätte nur den Zweck der Kohlenersparnis, manchmal so gar: die Eisenbahn wolle Geldersparnisse machen. Es ist nötig, den Zusammenhang zwischen dem Reiseverkehr und den Erfordernissen der Kriegsführung immer wieder klarzustellen und darauf hinzuweisen, daß die Eisenbahnen leistungsfähig bleiben müffen, wenn wir den Krieg gewinnen wollen, daß jetzt jede unnötige Beanspruchung der Eisenbahnen gegen das vater- kändische Interesse verstößt, und daß jede unnötige Reise dazu beiträgt, die Kriegsaufgaben der Eisenbahnen zu beeinträchtigen, also die Abfuhr der Kohle und anderer für die Rüstungsindustrie erforderlicher Rohstoffe, den regelmäßigen Nachschub an die Front, die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Hausbrandkohle zu erschweren.
„Wer unnötig reist, schädigt die Kriegsführung!" und „Niemand, der reisen will, denke, daß es auf ihn nicht ankommt, und eine Person die Eisenbahn nicht belastet. Auf jeden kommt es an!"
Von der Einführung der sog „Urlaubsscheine" für Reisen glaubt die Eisenbahnverwaltung nach wie vor absehen zu sollen. Dafür hat man sich entschlossen, den gesamten Reiseverkehr vom 13. d. M. um etwa 25000 Zugkilometer täglich zu verringern, was etwa eine Verminderung der fahrenden Züge um 5 Prozent entspricht. Da man aber annimmt, daß auch diese Beschränkung noch nicht den Anforderungen, die die Landesverteidigung und die Besorgung der Bevölkerung an die Eisenbahnverwaltung stellt, gerecht werde, so wird man, die endgültige Zustimmung der Heeresverwaltung vorausgesetzt, auch zu einer Aufhebung der Urlaubsfahrten aus die Dauer von etwa 14 Tagen in der letzten Hälfte des Monats Januar schreiten müssen. Man verkennt auf der einen Seite nicht das Bedauerliche dieser notwendigen Maßnahme; gerade sie aber verspricht für das Wohl der Bevölkerung einen Erfolg, da die Zugbenutzung durch die Urlauber jetzt etwa 70 Prozent des gesamten Reiseverkehrs ausmacht. Durch diese, wie gesagt, nur vorübergehende Maßregel wird eine ganz wesentliche Verminderung der Personen- und Schnellzüge erreicht werden. Darauf aber kommt es jetzt an!
Die Einschränkungen für den Fernverkehr werden vor allem den Verkehr auf den von und nach dem Westen Deutschlands treffen. Auf der Strecke Berlin—Frankfurt (Main) fallen folgende Schnellzüge aus: v 202 bisher ab Anhalter Bahnhof 8,52 Uhr vorm., v 246, bisher ab Anhaltec Bahnhof 1,03 Uhr nachm, und v 208, bisher ab Anhaltec Bahnhof 7,17 Uhr abends. Auch ihre Gegenzüge v 207, bisher an Anhalter Bahnhof 8,15 Uhr vorm., D 245, bisher an 7,36 Uhr nachm, und D 13, bisher an Anhalter Bahn«
jof 10,38 Uhr abends verkehren nicht mehr. Der Art- all der drei Zugpaare nach und von Frankfurt (Mal,) macht eine Fahrplanänderung nötig. Der Zug v 14, bisher ab Anhaltec Bahnhof 12,50 Uhr mittags, w:d nunmehr schon 7,15 Uhr früh nach Frankfurt a. fl. absahren, während der Zug D 143, der bisher um 7/3 Ihr auf dem Anhalter Bahnhof ankam, jetzt erst m 7.36 Uhr aus Frankfurt eintreffen wird.
Wer heute eine Reise zu unternehmen gedekt, muß sich erstens prüfen, ob die Reise nicht vermeh. rar ist. Ist sie es nicht, dann muß er vorher auf Bahnhöfen genaue Erkundigung einziehen über )ie noch verkehrenden Züge.
poslgaranlie und Nacknalmen.
In der „B. Z. a. M " wird darauf ausmerkm gemacht, daß die Post keine Garantie für die Zustellng von Nachnahmegebühren leistet, die vom Empfä er der Nachnahmesendung gezahlt worden sind. Diese te- stimmung ist selbst in kaufmännischen Kreisen fast u»e- kannt. In einem Fall ist eine Nachnahme vocgigt und auch eingelöst worden, der Betrag aber dem b- sender der Nachnahme nicht zugestellt worden. Auf sne Beschwerde ist ihm von der Oberpostdirecktion eine üt- wort zugegangen, in der es heißt: Die Nachnaste- briefe sind den Empfängern zugegangen. In boen Fällen sind aber die Sendungen als Nachnahme lim Eingänge bet der Bestimmungspoftanstalt nicht gekcht worden. Da die Empfänger erklären, die Nachnahnbe- träge bezahlt zu haben, die Briefe also ohne Erhelng der Nachnahme bei der gewöhnlichen Bciefbestelng ihnen nicht ausgehändige sein können, bleibt nuida das Briefpersonal unverdächtig ist, die Annahme üig, daß unberechtigte Personen die Sendungemus dem Postbetrieb entwendet und die Nachnahnbe- träge von den Empfängern eingezogen und unterschlzen haben. Nachnahmebxiefsendungen, die nicht unter „Lrt- angabe" oder „Einschreiben" eingeliefert sind, zähst zu den gewöhnlichen Briefen, über die ein Nachweiswn Stelle nicht geführt wird. Die Angabe eines Nachnane- betcages gilt nach § 14 IV der Postordnung Von20> März 1900 nicht als Wertangabe. In solchen Flen hätte die Postverwaltung keine Ecsatzpflicht- Die Zch- nahmesendungen müffen also als Wertbriefe oder Pete abgesandt und dadurch besonders versichert sein, tnn die Post für das Nachnahmeobjekt Haftung übecneten soll.
ver Kampf um Papier.
Die Beschaffung der geistigen Munition,*dte»er- stellung der Zeitungen ist unter dem Einfluß der Koen- not und der durch diese bedingte Verschlechterunper Beförderungsmittel mit Schwierigkeiten verknüpften denen sich der Zeitungsleser keine Vorstellung mhen kann. Die Zustände sind längst unerträglich gewinn, jetzt werden sie aber katastrophal, denn der größtreil der Papierfabricken steht still, weil es an Kohlewhlt und selbst wo Wasserkräfte vorhanden sind, müder Betrieb zeitweilig aussetzen, weil selbst die kleiren Kohlenmengen, die zur Trocknung der Fabrikate stig sind, nicht mehr rechtzeitig geliefert werden. Dt ge- samte deutsche Zeitungs- und Druckgewerbe führtnen verzweifelten Kampf um seine Existenz und gera die großen Blätter, die für das geistige Leben des 'lkes unentbehrlich sind und die eine ungeheuer witges Instrument der Kriegführung und des DurchhenS sind, können ihrer Aufgabe nur noch mit Ueberwiung beispielloser Schwierigkeiten Nachkommen. Die Zeitgen sind längst willenlose Objekte der traurigen Zünde geworden, denen die maßgebenden Stellen leider!mer noch nicht genügende Beachtung schenken. Die Piernot hat sich zu einer Gefahr ausgewachsen vonenso großer geistiger wie wirtschaftlicher Tragweite. Greifen der Reichskanzler, der von allen Seiten seit !igen Herbst um Hilfe angerufen wird, und da Rejamt des Innern nicht schleunigst durchgreifende Maßnwen, dann ist das regelmäßige Weitererscheinen der Zevgen nicht mehr möglich und damit hört die getstl Beteiligung des Volkes an dem Kampfe, den dasater- land führt, größtenteils auf.
Die Pcovinzpreffe muß teilweise bereittagelang aussetzen; was aber dieses „von deyand in den Mund leben" dem ZeitungSbetri für Opfer auferlegt, welche Schädigung der wigften öffentlichen Interessen des Publikums mitunteufen, das sollte den für die Kohlenzuweisung verantw ichen Regierungsstellen, besonders dem Reichsamt des "ern, längst bewußt geworden sein, Abhilfe müßte sck deshalb zu schaffen sein, weil es sich ja nicht umhlen- Mangel, sondern um Mangel an Beförderung 'delt, dem mit durchgreifenden Maßnahmen abzuhelsivare.
Dem in seiner Existenz aufs schlimmste gefdeten Zeitungsgewerbe, dem Bedürfnis nach Sicherurregel- mäßiger Erscheinungsweise der Zeitungen nck die Behörde zu Hilfe kommen.
Wenn aber, was leider zu befürchten f, in nächster Zeit wettere Verschlimmerung der u orten Kalamität etntritt, dann bitten wir auch un L^er und Interessenten um Nachsicht und etnsichtse Be. rücksichtigung der Verhältnisse.


