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kmift entgegen. Im Jahre 1917 fanden trotz des Krieges in Steiermark allein 317 Neber- trittc zur evangelischen Kirche statt. Damit hat sich die Seelenzahl der Evangelischen in Steiermark seit Beginn der Bewegung vor 20 Jahren um rund 1900 --- 475vermehrt. Die Bewegung geht also vorwärts und ist darum unserer Hilse wert und auch weiterhin bedürftig. Der Hessische Haupt- verein hat im Berichtsjahre 10 481,82 Mk. zum Besten der drei Pslegegemeinden verausgabt.
Wie schon erwähnt, brachte das Jahr 1917 das 400jährige Jubiläum der Reformation, das leider wegen des Krieges nicht in der ausgedehnten Weise gefeiert werden konnte, wie iber Tag es verdient hätte. Bon seiten des Zentralvorstandes in Berlin wie des Hessischen Hauptvereins ist alles geschehen, was getan werden- konnte, um durch Zeitungsartikel und Flugschriften auf die Segensgüter der Reformation hinzuweisen und unserem Volke die hohe Bedeutung jener Gottestat aufs neue eindringlich ans Herz zu legen.
Ebenso gab die am 19.^April d. I. durch den Bundesrat erfolgte Aufhebung des Jesuitengesetzes dem Zentralvorstand Anlaß, in einer Kundgebung an das deutsche evangelische Volk gegen diese Verletzung des Burgfriedens Stellung zu nehmen und auf die Gefahren hinzuweisen, bxe der Fall des Jesuitengesetzes für die im Kriege so erfreulich eingeleitete Verständigung der Konfessionen und-insbesondere für die Einigkeit und Kraft der Nation mit sich bringt.
Tie Einmischung des Papstes in den Weltkrieg zu ungunsten Deutschlands, wie sie in dem päpstlichen Appell an die Staatsoberhäupter der kriegführenden Völker vom 1. August 1917 geschieht, wurde auf Veranlassung des Zentralvorstandes in der Schrift „Papst, Kurie und Weltkrieg" gebührend beleuchtet. Die Schrift weist schlagend nach, daß vdn der nationalrömischen Kurie nichts Gutes für Deutschland zu erwarten ist.
Durch diese und viele andere Auf- klärungsschri'ten, deren Zahl in diesem Jahr 'über vier Millionen Stück hinausgeht, hat der Evangelische Bund seiner Aufgabe als Mahner und Wächter für die evangelische Sache getreulich' gedient, und es wäre nur recht und billig, daß in jeder evangelischen Gemeinde ein Zw-eigverein des Bundes vorhanden wäre und jeder evangelische Christ aus Dankbarkeit für das, was der Bund für die Sache des Evangeliums tut, eingeschriebenes Mitglied würde. Der Unterzeichnete ist gerne bereit Anträge wegen Neugründung von Zweigvereinen entgegenzunehmen und die Entsendung von Bundesrednern zp vermitteln.
Pfarrer B ö chner -Trais a. d. Lda.
Zeebriigge J9U-
Friedliche Erinnerungen Von Pfarrer Wilhelm 5) o f f m a n n.
(Schluß.)
Ta er selbst aber — außer einigen dem Konversationsführcr entnommenen Redensarten — der srauzö ischen Sprache nicht mächi- tig war und auf rheinisch-flämisch sich nur notdürftig mit der Erwählten verständigen konnte, so nahm er den sehr sprachkundigen Oberlehrer und mich gewöh.lieh noch zu seinen abendlichen Besuchen ins Cafa mit, um Dolmetscher seiner Gefühle zu haben. Ter „Liebesdienst" wurde auch getreulich geleistet, aber ohne sonderlichen Erfolg. Tie etwas schattig veranlagte Honorinc, die auch sonst schon versorgt schien, vermochte seinen! allerdings auch etwas plumpen Aeußcren keinen sonderlichen Geschmack abzugcwinnen, und so fehlte es an humorvollen Intermezzi, die auch noch durch- mancherlei — nicht immer unbeabsichtigte — sprachliche Mißverständnisse gefördert wurden, keineswegs. Ich aber bekam durch diese abendlichen Besuche im Cafs. Helge die Möglichkeit, sür den Rest meines Aufenthalts iir dem leicht besetzten Zeebriigge ein Quartier zu finden und neue Gesellschaft, diesmal ausschließlich belgische, Brüsseler vom reinsten Wasser, muß aber sagen, daß ich auch mit diesen gut gefahren bin. Etwas unbehaglich war es mir ja allerdings zumute, als ich bei unserer kleinen! Mittagstafel neben eine Dame gefetzt wurde, die — ebenso wie die ganze Tafelrnirde — obwohl flämischer Abstammung, nichts anderes als Französisch verstand/und die Aufmerksamkeit doch die Einleitung einer Unterhaltung forderte. -Aber schließlich haben wir uns doch alle recht gut verstanden, und der Einblick in belgische Sinnes- und Denkart, den ich dort gewann, war mir auch für spätere Tage recht wertvoll. Liebenswürdig, leutselig und freundlich waren meine Brüsseler, deren einer sogar als Vicomte im Fremdenbuch stand; auch von Feindschaft gegen Deutschland Und das Deutschtum habe ich nicht das geringste wahrgenommen, obgleich damals in jenem Sommer die Wellen der politischen Erregung doch auch hochgingen. Den Frauen imponierte sogar die voraus- - gesetzte und wohl auch tatsächlich befundene eheliche Treue der deutschen Männer, die dorten offenbar eine recht seltene Erscheinung ist. Ich habe darüber manche Eröffnung gehört. Eine kleine Aufmerksamkeit, die den beiden Marien unseres Hauses an ihrem Namenstage erwiesen wurde, ward über Gebühr gewürdigt und mit einem Hoch auf die deutschen Männer belohnt. Und- als die dicke Wirtin im Hotel maritime bei mir die eingangs -erwähnten Nippsigürchen und sonstigen kleinen Andenken gewahrte und erfuhr, daß sie für Madame zu Hanse bestimmt seien, belobte sie dieses ihr offenbar als außergewöhnlich -erscheinende Beginnen und fügte


