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lieber den Verfasser der mitgeteilten Auf­zeichnungen sei folgendes gesagt. Gustav Karl Christian (Rufname Gustav) Land­mann war am 14. Juli 1818 zu Gedern ge­boren. Er besuchte das Gymnasium zu Bü­dingen, studierte von 1837 bis 1841 Theo­logie und tourr von 1841 bis 1842 Mitglied !des Predigerseminars zu Friedberg. 1843 wurde er Pfarrvikar zu Stockhausen, ein Jahr später kam er in gleicher Eigenschaft nach Volkartshain und 1845, wieder als Vi­kar, nach Friedberg. Im Jahre 1846 wurde ihm die evangelische Pfarrstelle zu Stock­hausen übertragen, 1853 wurde er zweiter, nach dem Tode des Geheimen Kirchenrates I)r. Engel ^erster Pfarrer zu Gießen, seit 1865 war er auch Dekan des Dekanates Gie­ßen. Landmann starb am 7. August 1875, morgens 6 Uhr, ini Alter von erst 57 Jah­ren. In den 22 Jahren, die er hier zuge­bracht hat, hat er segensreich gewirkt als ein ernster und besonnener Mann. Ihm zu Ehren trägt die Landmannstraße ihren Namen.

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1861.

Eine große Landplage waren in diesem Jahre die Legionen Feldmäuse, _ die von Süden her über ganze Länder bis in die 'hiesige Gegend sich verbreitet hatten und in irgend nur trockenen Garten, Weckern und Wiesen bei jedem Schritt und Tritt zu sehen waren. Ueberall Mäuslöcher in großer Menge und Mäusestraßen in den Wiesen von einem Loch bis zum andern, in die Kreuz und Quer, überall ein Laufen und Flüchten des widerlichen Ungeziefers, überall die Spu­ren einer großen Verheerung. An vielen Stellen wurden beim Umgraben und Um­ackern ganze Vorratskammern von Früchten aller Art, von Bohnen usw. angetrosfen und an den Wurzelgewächsen die größte Beschä­digung wahrgenommen. Alle Versuche, das schnell wachsende und sich vermehrende Ge­wimmel -auszurotten, Vergiftung, Totschlä­gen, Einfangen, Nesterzerstörung erwiesen fidj' als erfolglos, es fehlte nichts, als daß dre Mäuse noch in die.Häuser drangen, so sehr mußten die Menschen ihre Ohnmacht fühlen. Hier in Gießen wurde befohlen, auf einen Morgen 20 Mäuse zu liefern und sür jede fehlende einen Kveuzer zu entrichten, und die 11000 Stück, welche die Stadt zu liefern hatte, wurden mit je einem Heller bezahlt.

Am 2. September brannten in Wieseck 2 Häuser und 17 mit 80 Fudern Früchte und 30 Wagen Heu angefüllte Scheunen ab, ein Pferd, eilt Rind, eine Ziege und ein Wagen verbrannten mit, außerdem wurden zwer Wohnhäuser und mehrere Ställe beim Löschen fast zerstört. Das Feuer war vom Gießener Stadtkirchturm aus schrecklich an­zusehen. Für die Brandbeschädigten wurde von einem hiesigen Komitee eine Kollekte er­hoben.

Zum Bau von Kanonenbooten zum Schutz der Nord- und Ostseeküsten Deutsch­lands, welche in die Hände Preußens ge­legt werden sollten, bat eine Anzahl patio- I tischer Bürger um Beiträge.

Äm. 3 .November, gelegentlich des Refor­mationsfestes, wurde in einer Versammlung von Frauen und Jungfrauen ein Frauen- verein für die Gustav-Adolf-Stiftung gebil­det und ein Vorstand von 7 Frauen und 7 Jungfrauen als Gehilfinnen oder Samm­lerinnen gewählt. Die Leitung übernahmen Frau Pfarrer Landmann 'und Frau Advo­kat Faber. »

Am 28. April starb der pensionierte Gymnasiallehrer und zweite Universitäts- biliothekar Johann Valentin Klein, 71 Jahre alt, ein Mann von biederer Gesin­nung und großer Gelehrsamkeit, besonders ein Mann von geschichtlichen Kenntnissen, die er namentlich in seinem Werke zur Erklärung der Figuren an dem sehr alten Turm der Kirche zum Großen-Linden entwickelte. Bei dem Geschichtsunterricht im Gymnasium hatte-er eine sehr eigentümliche Weise, die einzelnen Namen und Ereignisse dcnr Ge­dächtnisse einzuprägen. Die einzelnen Decken­balken wurden der Reihe nach mit geschicht­lichen Namen belegt, oder die Gymnasiasten wurden zu Namenträgern der Hauptpersonen gemacht, so daß mit der Geschichte zugleich die Mnemonik (Gedächtniskunst) verbunden war.

Durch seine Geburts- und Vermögensver­hältnisse bekannt war der am 23. Juni ver­storbene Bürger und Rentner Friedrich Wil­helm Baron von Humbracht, welcher früher der katholischen Kirche zur Anschaffung einer Uhr und von Glocken 500 Gulden und dann in seinem Testament der Stadtkirche 2000 Gulden zur Anschaffung zweier Bilder von Melanchthon und Gustav Adolf vermacht hatte.

(Fortsetzung folgt.)

Am Beginn des fünften Ariegsjahrer.

Was uns an diesem Zeitpunkte besonders nottut, ist in erster «Linie, daß wir die Wahr­heit und Wirllichkcit dieses Krieges erkennen. Die Wahrheit und Wirklichkeit der Zeitereig­nisse, die uns umbrauscn, ist nicht dar­über braucht man -eigentlich fein Wort mehr zu verlieren , daß wir in einem Ansturm den Feind überrenneir, um dann Siegesfeste zu feiern, die Tür mit grünem Laubgewinde zu behängen und uns der Ausgelassenheit und Lustigkeit hinzugeben. Die Wahrheit und Wirklichkeit dieses Völkersturmes ist, daß tvir in einen Kampf hineingestellt sind, wre ihn das deutsche Volk seither iroch nicht zu bestehen hatte. Wir kämpfen beinahe mit der ganzen Welt, wir haben die mächtigsten, nnt allen Hilfsmitteln ausgestatteten Völker ge­gen uns. Geradezu frevelhaft ist es, orche Gegner zu verachten, ihre militärische Züch­tigkeit anznzwciieln. Die Franzosen sind von