Andere haben freilich weniger Grund gehabt, ihrer Heimat zu zürnen. Es hat vor dem Krieg viele gegeben, namentlich junge Leute, die superklug ihrer Heimat den Rük- ken gekehrt haben; sie meinten, draußen sei alles schön und gut, da liege auch das Geld auf der Straße. Und andere sind hinaus- gezogen und haben Sprache und Heimat verleugnet, sind fremder Leute Knecht und Anbeter geworden. Manche kamen zu äußerem Glück, andere gingen auch verloren, wie das Samenkorn, das der Wind wegweht von der ^mütterlichen Scholle, und es verdorrt am Wegrand oder auf einem Steinhaufen.
Dieser Tage war ein Feldgrauer in meinem Haus; er hat viel mitgemacht und- ist weit herumgekommen. Wie hat er mit Liebe ulles umfaßt, jede Straße, jeden Feldweg, jede Blume, Land und Wald und Menschen, so, als hätte er alles nie gehabt; so dankbar und glücklich war er.
Unsere Brüder draußen lernen auch, was deutsche Ordnung und Zucht heißt. Die in Rußland waren, haben wenig Sinn für Bolschewikismus. Und wer Belgien kennt, schätzt die deutsche Frau wieder. Wievielen ist auch das einst nicht mehr heilig gewesen, Liebe und Ehe. Jetzt zieht der Vater, der in Urlaub kommt, mit Inbrunst seine Kinder auf die Knie und ist glücklich, ein treues Weib zu haben. Auch die Pflichten, die einem das Vaterland auferlegt, sieht mancher mit anderen Augen an. Die in andern Landen können auch nicht tun, was ihnen paßt, sie stehen unter einem viel schärferen Regiment.
Schade, daß Gott so starke Mittel braucht, um uns zur Vernunft zu bringen. Und noch sind viele nicht kuriert. Vielen ist auch der Krieg kein Erzieher; sie betrachten nach wie vor das Leben als eine Weide, wo es gilt, möglichst viel an sich zu raffen und abzugrasen.
Andern freilich ist auch der Glaube ein neues Stück Heimat geworden. Der Zweifel und die religiöse Gleichgültigkeit haben doch einen ziemlichen Schlag erlitten, wenn man auch nicht sagen kann, daß wir allgemein frömmer geworden sind. Aber die schon vorher religiöse Menschen waren, haben eine reiche Belebung ihres Innern erfahren, und mele, die dumm und kalt beiseite standen, sind bei der Hand gefaßt und herzu gebracht worden. Las en wir den Franzosen den leichtfertigen Zweifel und den Engländern ihre Rützlichkeitsmoral; im deutschen Volke hat der Glaube immer eine Stätte gehabt und das sittliche Ideal eine Heimat.
Heimat — wir wollen sie neu umfassen, wenn wir erst ganz wieder zu Hause sind, wenn die fremden Horden von ihren Grenzen gewiesen und die Friedensglocken läuten. Bis dahin aber und solange wir ihre Sonne schauen dürfen, soll uns die Heimat eines
der köstlichsten Güter sein, die Gott uns gegeben, so heilig, wie unser Leben, so süß wie Muttersprache.
Bereit sein!
. Wenn wir aus der Wanderschaft In die Heimat kommen,
Wenn des Lebens letzte Kraft Von uns wird genommen,
Wenn die letzte Lust vergeht Mit den letzten Sorgen,
Sei es frühe oder spät,
Abend oder Morgen:
Lehre mich bereit zu sein Für die dunkle Reise,
Und dann wiege selbst mich ein Wie ein Kind so leise.
Die letzte Feldpostkarte eines im Osten igesallenen deutschen Landsturmmannes.
Worte zum Nachdenken.
Ob die Sonne droben Wolken hüllen ein,
Stürme brausend toben,
Berge Feuer spei'n,
Und kein anderer Retter Dir zum Tröste da:
Auch in Sturm und Wetter Ist der Herr dir nah.
Julius Sturm.
Die Gräfin Dorothea von Solms nahm zu ihrem Totenkleide rote Seide, das heißt: Christi Blut und Gerechtigkeit. Aus dem roten Kleide stand der Vers gestickt:
In Jesu reiner Seiden Will ich mich gläubig Neiden Und von der Welt abscheiden Zu meinem Gott mit Freuden.
Aus Roseggers „Heimgarten".
kirchliche Anzeigen.
Sonntag den 28. Juli (9. nach Trinitatis).
Gottesdienst.
Zn der Ztadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier- ten aus der Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. — Vormittags 9V2 Uhr: Pfarrer Mahr. — Kinderkirche fällt aus. — Mittwoch den 31. Juli, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Mahr.
In der Zohannerkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier- ten aus der Johannesgemeinde. Pfarrassi- stent Liz. Renning. — Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. — Kinderkirche fällt aus.
o-runtwortlich : ‘Pfarrer «echtolLhef nier Druck und Verlag der Vrühllchen Unwersi!öt-..«uch. ,md Steindruckei-i
R. Lange, Giehen.


