geil Jahrhunderts hier Vorlesungen über Geographie gehalten Hai. Ganz besonders! wertvoll ist es, daß auch drei in Gießen wirkende Männer des praktischen Lebens berücksichtigt werden. Hermann Haupt bringt eine interessante Biographie des Bürgermeisters Heinrich Ludnüg Ferber, des Sohnes des Herrn „Kapperates", über den einer ferner Enkel vor kurzem in unserem Gemeindeblatt berichtet hat. Ferber lebte von 1813 bis 1882 und hat sich in unserer Stadt namentlich in den Jahren 1848 bis 1866 lebhaft politisch betätigt. Georg Lehncrt hat eine kurze Biographie des Tabakssabrikanten Georg Heinrich Schirmer beigesteuert. Dieser, 1787 in Waldau, Bezirk Kassel, als Sohn eines Pfarrers geboren, begründete 1825 in Gre- ßen eine Tabakfabrik, die rasch zu hoher Blüte kam. Schirmer starb schon 1835. Karl Esselborn erzählt das Leben des Buchhändlers Georg Wilhelm Friedrich Hetzer, der 1771 zu Bromskirchen im hessischen Hinterland geboren und 1847 hier gestorben ist. Hetzer hat sehr viel zur foefmttg des Buchhandels im allgemeinen getan.
Mitarbeiter aus verschiedenen Ständen kommen in diesem Werke zum Worte, immer aber sind es sachkundige Mitarbeiter. Das Werk ist streng wissenschaftlich gehalten, viel Mühe steckt namentlich in den Literaturangaben, aber die Darstellung ist so gefaßt, daß jeder, der sich für geschichtliches Leben interessiert, gern zu dem Buche greifen wird. Es sei deshalb unseren Lesern angelegentlich empfohlen. H- B.
Geschichten und Bilder aus Alt-Giehen.
8. T a s L a t e r n e n m ä n n ch e n.
„Sei ruhig oder Tri. kommst ins Laterne- männche!" Dieser Zuruf war in früheren Zeiten in Gießen eine sehr gebräuchliche Verwarnung, die jedermann verstand und zu beherzigen wußte. Damit seine Bedeutung Und wie er entstanden ist, nicht ganz der' Vergessenheit anheimfällt, soll sie hier erklärt werden.
Mit dem Beginn der sogenannten Re- aktionsperiodc ini Anfang der 1850er Jahre wurden die Beioohner.unserer Stadt mit dem Erscheinen eines satirisch-humoristischen Blättchens beglückt, das sich „Laternenmännchen" nannte. Der Herausgeber war der Buchdrucker Schild, der während der eben vorangegangenen Zeit der Auf- standsböwegung die ultraradikalen und revolutionär' gehaltenen Zeitungen „Der jüngste Tag" und den „Wehr dich" unter der Redaktion von August Becker und unter der Mitarbeiterschaft von Rudolph Fendt und Gesinnungsgenossen herausgegeben hatte. Als diese Mütter nicht mehr erscheinen durften, sollten die Leser derselben, die an eilte stark gewürzte Kost gewöhnt ivaren, im parteilosen „Laternenmännchen" einen ent- j sprechenden Ersatz finden. Nach unseren heu-!
tigen Begriffen war das Blättchen ein höchst dürftiges Machwerk, das mit Vorliebe mißliebige Personen, aber auch solche, die ihm Stoff boten, zur Zielscheibe seiner Spöttereien machte.
Alle Tagesbegebenheiten der kleinen Stadt wurden in einer gerade nicht immer wohlwollenden Weise darin besprochen, und zwar . in einer stehenden Rubrik, einem Zwiegespräch in altgießener Mundart zwischen den Proletariern „Kanalmüller" und „Schlammbeißer", von denen dieser zuletzt genannte ständige Mitarbeiter sich im Volks- mnnd eiiren unsterblichen Namen gesichert hat. » , „ , „ .1
Insofern mag daS „Laternenmairnchen" vielleicht auch etwas erzieherisch gewirkt haben, als besonders die Gießener Spießbürger eine höllische Angst vor ihm hatten und sich lieber jeder anderen Strafe unterworfen hätten, als daß" sie sich vor der Oesfentlich- keit bloßgestellt und lächerlich gemacht gesehen hätten. Im übrigen hat sich das Blättchen verhältnismäßig lange gehalten, da es trotz alledem gerne gelesen wurde. Die oben- erwäbnte Verwarnung hatte also immerhin ihre Berechtigung, und sie hielt manchen davon ab, sich zu unbedachten Worten oder unvorsichtigen Handlungen hinreißen zu lassen.
H. H-r.
Lin Zeitbild aus Gberheffen. —
In einem oberhessischen Landstädtchen verwaltete der Bürgermeister sein hohes Amt rnii Umsicht und ganz zur Zufriedenheit seiner Mitbürger und seiner Vorgesetzten Behörde, nur mit Fragen, die mehr oder weniger Gelehrsamkeit erforderten, konnte er sich nicht recht befreundeir Und wußte nicht über sie Herr zu'werden.
So wurde einst — es ist nämlich schon gar lange her — vom Ministerium eine allgemeine Zählung der Obstbänme angeordnet. In jeder Gemarkung des Grotzherzogtums sollte die Zählung nach Sorten und Arten vorgenommen und das Ergebnis alsdann nach Darmstadt berichtet werden. Dem mit der Durchsicht der Berichte und mit der Zusammenstellung der Ergebnisse beauftragten Ministerialbeamten fiel es auf, daß in einer Gemarkung in Oberhessen so viele Nußbäume angegeben waren, während es doch bekannt war, daß das rauhe Klima dieser Gegend ein Fortkommen von Nußbänmeiis nicht zuließe. Er wandte sich daher mit einer Anfrage an das dortige Kreisamt.
Der Krcisrat war ebenfalls Höchst s erstaun: und stellte den Bürgermeister darüber zur Rede, wie es känre, daß in seinem Bericht so viele Nußbänme angegeben seien, toährend, soviel er wüßte, doch in der ganzen Gemarkung keiner stünde.
„Ja, wisse Se, Herr Kreisrat, Sie hawe ganz recht," erwiderte der Bürgermeister,


