Ausgabe 
26.5.1918
Seite
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ten dieses GlöckchensKlappen".Wacht, daß ihr fortkommt," sagte die Mutter zu den .Kindern,es klappt!" Mit der Aufhebung des Klappens ist ein Stück Wtgießener Brauchs dahingegangen.

Am Schluß des ersten Teils des 1840er Adreßbüchleins sind die Armenkommission und die Pfand- !und Leihanstalt erwähnt, die beide Großherzoglich waren und sich auf dem sp-italgrund stück befanden, das neben der Lotz'schen Wirtschaft seinen Eingang hatte. Tie Armenkommission bestand aus dem Po­lizeirat, zwei Pfarrern, einem Arzt, dem Bürgermeister Schneider und dem Stadt­verordneten Möhl. Sie war somit zweckent­sprechend zusammengesetzt. Ein Rechner be­sorgte die Verwaltungsarbeit. Tie Direktion deh Pfand- und Leihanstalt bildete der Po­lizeirat, der Bürgermeister und ein Stadt­verordneter. Es waren die gleichen Herren, die bei der Armenkommission tätig waren. Dagegen erforderte die Verwaltung vier Be­amte: einen Kassierer, einen Kontrolleur, einen Taxator und einen Kassendiener. Das läßt tief blicken bei einer Stadt von nur 8500 Einwohnern. Ter Kassierer war der alte Rendant Bieter, eine bis in das hohe Alter hinein außergewöhnlich rüstige und durch ihren Humor stadtbekannte Persönlich­keit. Vieler behauptete stets, seine unverwüst­liche Gesundheit und sein hohes Alter seien einzig und allein die Folge seiner peinlich genau geregelten Lebensweise und des täg­lichen Genusses eines Schoppens Wasser, früh morgens nüchtern. Er. empfahl das jedem, der ihn fragte, woher es käme, daß er rrotz seiner B-ejahrtheit er ist 1884, 96 Jahre alt, gestorben noch so flink und schlagfertig sei. Bieter hatte 1812 als Leutnant den russischen Feldzug und den U-ebergang Wer die Beresina mitgemacht und in !einem Tagebüch interessante Auf­zeichnungen über seine Erlebnisse hinter­lassen.

Merkwürdigerweise ist das städtische Ho­spital in dem Adreßbüchlein unter den An­stalten nicht aufgeführt. Dagegen steht in dem Verzeichnis der Hausbesitzer unter Sel­tersweg Lit. 5das Spital" und unter den Namen der Staatsdiener, Subalternen ufm. der des Spitalverwaltcrs Pfeil. Offenbar hat der Verleger übersehen, die Anstalt aufzü- führen.

Wie der Leser gefunden haben wird, so hat dieser Aufsatz nicht nur das 1840er Adreßbüchlein und die Zeit, in tuelc^er es erschienen ist, sondern in der Hauptsache Er­innerungen an Personen und Ereignisse aus späteren Jahren behandelt, Erinnerungen, die durch den Inhalt des Büchleins wach-- gerufen worden sind. Bei manchem älteren Gießener werden die Schilderungen längst verklungene Saiten wieder zum Tönen ge­bracht und.Veranlassung znm Weiterspinnen

der Fäden gegeben haben. Ten Jüngeren aber bietet sich, die Gelegenheit, einen Ver­gleich anzustellen zwischen dem Damals uni, der Neuzeit, namentlich in bezug auf die Verkehrs- und Bildungsverhältnisse. Es ist seit 1840 vieles -auf Nimmerwiedersehen ver­schwunden. Wie wird -es in weiteren 70 Fah­ren aussehen? Ismpns edax rerum!*) _ Louis Frech.

*) In freier Uebersetznng: Tie Zeit glei­tet über oie Ereignisse hinweg.

Meine Mitteilungen.

Ter älteste evangelrsche Feldgeistliche, der bliöhrrge Tivisionspfarrer Friedrich Eichler, starb -am Sonntag Miseric-ordias Domini; eine Granate riß ihn auf dem -Hauptver­bandsplatz eines Infanterie-Regiments in Stücke; er war Ritter des Eisernen Kreuzes 1. Klasse.

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In Nr. 13 unseres Gemeindeblattes hat -der Verfasser der ArtikelserieEinige An­merkungen zum ersten Gießener Sldreß- buche", Herr Prokurist Louis Frech, die Vermutung geäußert, daß der bei den Stu­denten unbeliebte Univ-ersitätskanzler Linde gar nicht in Gießen gewohnt habe. Diese Vermutung ist richtig. Ein Leser unseres Blattes sendet uns -einen in derKorp-s- z-eitung des Korps Hassia" erschienenen Ans­atz oes Herrn Professors Wilhelm Flegler, in dem mitgeteilt ist, daß Linde, der Üni- v-ersitütskanzler und Ministerialrat war, in Darmstadt seinen Wohnsitz hatte. Linde, der in den Rheinbundstagen aus Westfalen nach Hessen gekommen war, hat aus Furcht vor demagogischen Umtrieben die Gießener Stu­denten in der kleinlichsten und gehässigsten Weise zu knebeln gesucht.

kirchliche Anzeigen.

Sonntag den 26. Mai (Trinitatis).

G o t t e s d i e n st.

3» der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier- ten aus der Matth-äusgemcinde. Pfarrer Mahr. Vormittags 91/2 Uhr: Pfarrer Schw-abe. Vormittags 11 Uhr: Militär­gottesdienst. Pfarrer Schw-abe. Nach­mittags 2 Uhr: Kinoerkirche für die M-arkus- g-emeinde. Pfarrer Schw-abe.

In der Iohanneskirchc. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier- t-en aus der Lukasgemeinde. Pfarrer Bech- tolsheimer. Vormittags 91/2 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Vormittags 11 Uhr: Kürder- kirche für die Johannesgcnieinde. Pfarrer Ausf-eld. Abends 8 Uhr: Bibel­besprechung im Johannessaal. Mittwoch oen 29. M-ai, -abends 8 Uhr: Kriegsbet­stunde. Pfarrer Bechtolshcimer.

Verantwortlich : Pfarrer Bechtolsheims r. Druck und Verlay der Vruhl'schen Universtläts-Ruch- nnd Steindruckerei

R. Lange, Gieren.