men, ein glücklicher Umstand führte zur Rettung dieser wider Willen zu Wassertieren getoordenen eierlegenden Vögel. Ein Rundgang durch die wassergefchävigten Straßen, die mehr als die Hälfte der Stadt ausmachen, läßt jetzt die ganze Größe des Unglücks und die Höhe des Schadens richtig erkennen — er geht in die Millionen hinein. Wie sieht unsere schöne Kurhaus- stvaße aus, die mit ihren prächtigen alten Bäumen und den freundlichen Häuserbauten die erste Straße per Stadt war! Als wem: ein Erdbeben die ganze Straße verworfen hätte, so präsentiert sie sich heute wie eine Hügelkette mit hohen Schlammbergen und tiefen, ausgelaugten Kraterlöchern. Wirr liegen die labgerissenen Bordsteine, Trottoir- platten, Treppenstufen und Gartenzäune durcheinander. Sogar die starke steinerne Brüstung des Fürstenhofes stürzte zusammen. Aus dem Bäderhaus wurden ganze Wagenladungen Schlamm heransbefördert, die das Wasser zurückgelassen hatte, nachdem es zahlreiche Korbmöbel, Liegestühle und sogar die in Naturholz ausgeführten Kassenpavillons. der Solbäder-Aktien-Ge- sellschaft entführt hatte. Bös sicht es in unserem Kurtheater aus, am Theater-Restaurant wurde die ganze Vorderwand eiit- gedrückt. Der Zaun des Kirrgartens ist um- gefallen und liegt tief im Schlamm begraben, die herrlichen Gartenanlagen sind verwüstet. Ganz besonders ivild hauste der tolle Wasserspuk in der Villa Kauffmann ' hinter dem Kurtheater. Eine Wand des Hauses wurde fortgerissen, im Innern alles aufgewühlt^und das Mobiliar fortgetrieben. Allein 3 Sofas schwammen aus diesem einen Hause fort, ferner ein Sekretär mit Schmucksachen und Wertpapieren. Das gleiche' Bild grauenhafter Zerstörung bietet die! .Luisenpromenade, in der besonders das Besitztum von Wandesleben gelitten hat. Hier wühlten die Wogen mit orkanischer Kraft den ganzen Park auf, warfen Springbrunnen, Gartenhaus und Zaun über den Haufen und rissen die um das Haus laufende Glasveranda ab. Mehrere Photographen-Kästen zerschellten in der Flut, die Bilder und Rahnien mit sich führte. Die Roseninsel, die wir mit großen Kosten der Nahe abgewannen, eine einzigartige Anlage in ganz Deutschland, ist in ein ungeheures Schlamm- becken verwandelt worden — die Nahe hatte das Land, das ihr entrissen wurde, zurückgefordert. Tie altehrwürdige steinerne Salinenbrücke hat einen empfindlichen Knacks ‘ abbekommen und von unseren Gradierwerken sind mehrere auf weite Strecken zerstört, dartmter die erst nMl)T 0 ub' des Krieges neu erbaute Saline Nr. 1. Schwer gewütet hat das Wasser auch im Park des Kranken-, Hauses st. Marienwörth! und in dessen tief- gelegenen Wirtschaftsräumen, der .Wche Metzgerei .und Bäckerei, in den Badezellen! tm Routgenkabinett usw. Wertvolle tvissen-
j schaftlichc Apparate gingen hier zugrunde, j In eine Ruine verwandelt wurde das Boots- j Hans des Rudervereins auf dem 3 Meter ! hoch überflutet gewesenen Wohlleben's-che» I Terrain an der Nahebrücke. In vielen Läden und Wohnungen der Kreuzstraße, _bcr Mühlenstraße und Bernde sieht es trostlos aus. Bäckermeister Koßmann an der Ecke der Krcuzstraße und Leitergasse war gerade in Erwarlriug des Hochwassers mit dem Ausrünmen seines Ladens beschäftigt, al uoch, ein Backofen voll jetzt so notwendigen Brotes seiner Ausschiebung wartete. Bis an die Brust stand der Wackere mir Backofen im Wasser und rettete noch einen Teil ins Brotes. Erst als die hereinbrausenden Flu teu ihn in Lebensgefahr brachten, ließ er Brot, Mehl und sonstige Wohn- und Back geräte im Stich. Am! schlimmsten sieht es wohl in der Karlsstraße aus, wo einige .Hau ser über 2 Meter tief im Wasser standen. Da schlugen die Wogen die Zimtnlertüren und Fenster entzwei, 'Möbel, Hausgeräte und Kleidungsstücke schwammen umher und ver mischten sich mit Eßvorräten rind Sand za einem zähen SchlamUiknäuel, aus den, die Hausbewohner jetzt nrit unendlicher Mühe ihre verloren gegangenen Habscligkeiten heranssnchen. Tie Zahl der Personen, die durch das Wasser von ihrem Heim abgesperrt wurden, übersteigt mehrere Tausend. Tie meisten versuchten vergeblich, auf Rollwagen oder in Kähnen ihre wassernmslutete Woh nung zu erreichen. Mehrere Kähne stürzten nur !und viele Wagen ruußten den Fahrtver such aufgeben, da sie in eine kritische Lage gerieten, weil den Pferden der Halt unter den Füßen verloren ging. Auch Pfarrer Klar, der als Feldprediger auf Urlaub hier weilte, versuchte vergeblich auf diese Weise i» sein Heim in der Mühleustraße zu gelangen. Leerstehende Wagm wurden von der Flut er griffen und fortgetragen, vergeblich bemühte sich die umstehende Menschenmenge, mehrere Handwagen ans dein Strom herauszureißen. In der Kürhausstraße schwamm ein Wagen mit Wäsche fort, dem wenige Minuten später ein Chrrstbanm mit Ständer folgte. So wenig beneidenswert die Lage derjenigen war, die ihr Heim nicht mehr erreichen konnten und Tag und Nacht irgendwo anders kampieren mußten — jeder suchte sich ein Unterkommen bei Bekannten oder Freunden, in Gasthäusern und leeren Straßenbahirwagen — , bedenklicher war doch die Situation der vielen, die in ihren Häusern von: Wasser emgeschlossen waren und nur durch das Tele Phon, meist aber gar nicht mehr mit der Außenwelt in Verbindung standen. Manche beim:den sich in ihren Arbeitsstätten und mußten, da kein Essen zu beschaffen war. Tag und Nacht hungern. Wesentlich per scharst wurde ihre Lage durch den Mangel an Gas und jedem ander«, Beleuchtung--, mittel, so daß sie völlig dunkel saßen. In großer Sorge waren die allein in den Wasser-
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