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H°;sen, welche irrt 19. Jahrhundert nach Amerika ausgeivandert sind, stehen heute un­ter der Oberleitung des redelnstigen Herrn Wilson gegen uns in Waffen. Hätten wir vor 100 und vor 60 Jahren bessere Zustände in Deutschland gehabt, so wären diese Volks­genossen uns erhalten geblieben, und unser Volk wäre 1914 so stark gewesen, daß es die Feinde in einem Ansturm zu Boden geworfen hätte. Anstatt 70 Millionen würde unsere Volkszahl jetzt wohl 100 Millionen betragen, und wir hätten vielleicht schon längst die überschüssige Volkskraft in Kolonien ange­siedelt. Nun werden sich heute die Gesell­schaften für Bevölkerungspolitik zwar mit redlichem Wollen und im Bewußtsein der Größe der Gefahr benrühen, dem drohenden Unheil Einhalt zu gebieten, aber daß ihre Bemühungen großen Erfolg fyabett werden, nimmt keiner an, der etwas aus der Ge­schichte gelernt hat.

wohnungseknd.

Eine der brennendsten, wenn nicht die brennendste volkswirtschaftliche Frage wird nach dem Kriege die Wohnungsfrage werden. Tte Zustände sind jetzt schon unhaltbar ge­worden. Wenn wir, ohne ernste allumfassende Maßnahmen zu ergreifen, die Sache weiter geheir lassen, dann steuern wir unhaltbar einem Wohnungselend entgegen, tausendmal schlimmer, als nach dem Friedensschluß 1871, uno wtr bringen unser Volk dadurch, in die größten sittlichen Gefallen. Wie vielfach die Zustände heute schon sind, nrögen einige Bei­spiele erhellen. WieTie Bodenreform" be­richtet, wohnen in dem niederschlesischeu Kreise Waldenburg nicht selten 18 bis 20 Familien in einem! Hause. Tie Einzimmer­wohnungen sind in Niederschlesien geradezu typisch. Nach den letzten Aufzeichnungen der Gewerberäte bestehen also während des Krieges in der Stadt Waldenburg 73°/» aller Wohnungen aus einem Zimmer, in Altwasser sogar 89o/o, in Oberwaldenburg 92,5o/o, in Hermsdors gar 97,9°/o. In an­deren Gegenden finb die Zustände nicht viel besser. TieBayerische Staatszeitung" enthält wie wir ebenfallsTer Boden­reform" entnehmen eine Notiz über den Wohnungsmangel in Ludwigshafen. Dort mußten bereits Notwohnungen in Wirt­schartssälen eingerichtet werden, und es wird dabervor dem Zuzug von Familien ernst­lich gewarnt". Tie Not wird beim Frie- densschlnß noch ungeheuer wachsen. Was sol­len ^wir tun, um ihr zu steuern? Der jüngst ^morbene Adolf Wagner richtet an sein r-Ü- e f n ft' e Mahnung:Den ersten Schrrtt zu einer organischen Reform wollen dre bodenrefvrmerischen Bestrebungen zur Scha fang von Heimstätten für unsere Heim­kehr enden Krieger und deren versorgungs- berechtigte Hinterbliebene tun. Werden diese Bestrebungen in Gesetzform übergeführt, dann rst in der Tat ein Werk geschaffen.

das geeignet ist, einen körperlich und sittlich gesunden Volksnachwuchs zu sichern, die Wehrkraft des Volkes zu erhöhen und die Erträgnisse des heimischen Bodens zu stei­gern!" Mögen diese Worte des getreuen Eckardt seines Volkes nicht unzehört verhal ­len! Tie Not erfordert eine durchgreifende Hilfe! __

Gießen in der Dichtung.

, Es gibt deutsche Städte, die schon oft von Lichtern besungen worden sind; die Namen Heidelberg, Mainz und Worms um nur in der Nachbarschaft zu bleiben kommen in Balladen und Liedern oft vor. Von Gie­ßen gilt das nicht. Dabei weist die Umge­bung unserer Stadt mit ihrer Landschaft, ihren Burgen und Bergen doch, mancherlei auf, das reizvoll ist. In der Stadt selber ist ja, nachdem dieKracheburg" in den Neuen Bauen niedergelegt worden ist, kein altehrwürdiges, künstlerische Eigenart auf­weisendes Gebäude mehr zu finden, das die Phantasie eines Dichters anregen könnte. Tennoch ist auch Gießen besungen worden, in älterer Zeit in lateinischen Hexametern, im 19. Jahrhmidert in deutschen Reimen, ohne daß unsere Lokaldichter sich zu bedeutender Höhe aufgeschwungen hätten.

Im unruhigen Jahre 1848 erschien hier im Verlage von Karl Schild ein Bändchen, betitelrSagen, Geschichten und Lieder aus Gießen ünd seiner Umgegend" von Alois Henninger,genannt Alois der Taunide". Man konnte somit über diesen Verfasser, der sich mit seinem eigentlichen und mit seinen! Tichternamen nannte, nicht im Zweifel sein, mmn auch' die undankbare Nachwelt nichts mehr von ihm weiß. Seine Verse sind ohne Schwung und dichterische Schönheit, oft ver­stößt er gegen den Rhythmus, seine Gedichte sind arm an Gedanken, um die historische Grundlage der von ihm mitgeteilten Sagen und Geschichten hat er sich wenig gekümmert; es rfr oeshalb zu verstehen, daß es Alois der Taunide nicht zur Berühmtheit gebracht bat. Von der Stadt Gießen sagt er. daß sie nickt zu nennen seidurch, ihrer Bauten Glanz", aber derBursche" damit meint er den Studenten- sei mit ihr durch süße Bande verknüpft. Tie StraßenbezeichnungTeufels Lustgärtchen" regt den Verfasser, der ge­schichtlich nicht geschult war,'zu törichter Fa beleih an. Er erzählt, einst sei der Teufel als flotter Stutzer durch, die Welt gezogen und auch nach Gießen gekommen. An einem kühlen Abend sei er an einem Häuschen vor­übergekommen und habe dort den Ton einer Enaelstimme gestört. Ein Mädchen habe sich vor den! Spiegel betrachtet und dabei ge­sungen. Ta wurde der Teu'el van der L'eb? erfaßt, er ruhte nicht, bis das Mädchen seine Braut geworden war. Sorgfältig versteckte der seltsame Bräutigam vor der B-ant seinen Pferdefuß, doch eines Tages, so berichtet der Tichtcr, mar er unvorsichtig.