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das Taufkleid gewesen und ist in der katholischen Kirche noch heute das Kleid für die erste Kommunion. Tin einfaches weißes Kleid, wie es leicht zu beschaffen ist, wäre in dieser Kriegszeit der würdigste Schmuck unserer Konfirmandinnen und konnte auch späterhin, so lange der Krieg dauert, recht wohl als Rbendmahlskleid getragen werden. Damit würden gewaltige Zummen am vermögen unsres Volkes gespart. Solche vaterländische Pflicht ist auch eine Christenpflicht, auf deren Erfüllung gerade von kirchlicher Seite gedrungen wer­den Muß. Gscar holtzmann.

Zum 2 \. Dezember 1870.

Und sieh, da hat der Weltenraum Sich auch mit uns verbündet,

Und unermeßlichen Weihnachtsbaum Uns über den Häuptern entzündet.

Wie strahlen sie im festlichen Kleid,

Die funkelnden zitternden Kerzen!

Die alten vertrauten aus Kinderzeit,

Die Tröster in allen Schmerzen.

Saßt einen Weihnachtswunsch empor Mich senden, wie einst als Knabe G schließt der Bitte nicht das Ghr Um eine einzige Gabe.

Nur eine Gabe sei Freund und Feind Rus eurem Glanze beschieden,

Rach der wie ein Kind die Trde heut weint: Den Frieden, schenkt uns den Frieden!

Wilhelm Jensen.

Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannest

(Fortsetzung.)

vorauszuschicken ist einiges über die evangelische Geist­lichkeit des Drtes. - Prediger der lutherischen liirche war der Herr vohleder, «in Mann, der sich streng an den ortho­dox-lutherischen Lehrbegriff hielt, dessen lianzelgaben ich aber außerdem nicht zu beurteilen verstand. Er hat sich auch als Schriftsteller durch Verbesserungen des «lavier-, und der Stimmung, sowie anderer ähnlicher werke über Musik und Instrumente bekannt gemacht. Sein Sohn «arl, ein «nabe von etwa zwölf Fahren, besuchte mich öfter und schenkte mir Adelungs Auszug aus seiner deutschen Sprachlehre, den ich noch besitze. Ich freute mich zwar sehr über das Luch, ver­stand aber kein Wort davon. Als ich mich darüber verwun­derte, sagte meine Mutter: ,,wenn du so alt sein wirst, als kohleders Kart, wirst du es wohl auch verstehen." Vas tröstete mich, und in der Stadtschule, welche übrigens nur ein« «lasse hatte, hoffte ich mir das fehlende wissen anzu­eignen.

Vas Schulzimmer war von ziemlicher Grüße und bil­dete ein regelmäßiges Viereck. Ln drei Seiten liefen erhöhte Länke mit einer schmalen Fußbank versehen hin, vor ihnen, in einer solchen höhe, daß man bequem darunter sich bückend nach den Bänken gelangen konnte, die Schultische. Sie waren schrecklich zerschnitten, mit tiefen eingebrannten Löchern ^er­sehen und sahen sehr schmierig aus. Ln zwei Seiten des Zim­mers saßen die «naben, an der dritten die Mädchen. Die vierte Seite hatte keine Länke. hier befand sich di« Türe, der Gfen, und in der Mitte ein Tisch für den Lehrer, auf

welchem der Kantschu, eine Kute, mehrere Stöcke und ein Lineal lagen. Die Schüler bildeten drei Abteilungen, deren Reihenfolge streng geordnet war, so daß jeder seinen be­stimmten Platz in der Reihe hatte. Jede Abteilung hatte ihren Kustos, der sie beaufsichtigen mußte, und der, wie wir sehen werden, noch manches andere zu tun hatte. Die Kusto­den wechselten wöchentlich, so daß nach Ablauf der Woche die zunächst folgenden drei Schüler an die Reihe kamen, bis man wieder von vorn anfing. Jeder Schüler saß fast frei, keiner deckte den andern,' der Rektor konnte vor jeden hin­treten, und wurde einer hervorgerufen, so konnte er sich mit Leichtigkeit unter dem Tisch hervorschwingen. Indessen hatten sich unter den Ränken, zum Teil auch unter den Tischen große Rerge von Müll aufgehäuft,' denn diese Tiefen der Schule wurden jährlich nicht mehr als einmal ausgeräumt und gereinigt,' nur der innere Raum des Zimmers wurde wöchentlich ausgefegt.

Die Schule begann das ganze Jahr hindurch um 7 Uhr und dauerte bis 10 Uhr, nachmittags von 2 bis 4 Uhr. Die Mittwoch- und Sonnabend-Nachmittage waren frei.

Der einzige Lehrer oder vielmehr Monarch der Schule, - denn gelehrt wurde in derselben nicht war der Rektor Frank, ein korpulenter Mann von Achtung gebietendem Reußern, mit rundem Gesicht und hängendem Unterkinn, zugleich Nachmittagsprediger an den Festtagen und Organist, von streng orthodox-lutherischen Grundsätzen, zu welche sich auch sämtliche lutherischen Einwohner bekannten und eifrig auf die Reinheit des Glaubens hielten.

Rektor Frank trug, wenn er ausging oder predigte, eine gepuderte Perücke und den damals gewöhnlichen schwar­zen Rock' in der Schule erschien er aber nie anders, als den runden kahlen Kopf mit einer weißen Zipfelmütze bedeckt, im weiten klein geblümten kattunen Schlafrock, der den starken Spitzbauch weit bedeckte, und mit Pantoffeln an den Füßen. So lange ich ihn gekannt habe, blieb es immer der­selbe Schlafrock. Wenn er in die Schulstube trat, geschah cs mit Würde. Er riß die Tür weit auf,' sofort verstummte jedes Gespräch; alle Schüler standen auf, und die Kustoren reichten ihm das aufgeschlagene Gesangbuch hin, so, daß er es nicht umzudrehen brauchte. Ohne ein Wort zu sagen, begann er einen Liedervers zu singen,' wir alle sangen mit,' dann sprach ein Schüler ein vorgeschriebenes Gebet. Jetzt überreichten die Kustoden dem Rektor ihre Schiefertafeln, auf denen die Kamen derjenigen Schüler verzeichnet waren, die sich vor Reginn der Schule tadelhaft betragen hatten, mit kurzer mündlicher Angabe des Vergehens. Die Schuldigen wurden sofort, oft ohne ein Wort hinzuzufügen, bestraft. Zuweilen reichte ein kurzer verweis hin. Damit war die Schule er­öffnet.

Im Winter mußte jeder Schüler Releuchtungsmaterial mitbringen, weil es in der ersten Stunde noch nicht taghell war. Zu dem Ende schnitt jeder neben seiner Stelle eine tüch­tige Vertiefung in den Schultisch, man brachte Talg und Docht hinein, und behandelte das Ganze als Lampe. Um 8 Uhr, wenn die Flammen verlöscht wurden, war ein treff­licher Oualm vorhanden, da in den Löchern die mannigfach­sten Dinge brannten und mit hinzugegossener Tinte die in­teressantesten Experimente gemacht wurden.

Alle Jahre zu Pfingsten kam der geistliche Inspektor spätere Superintendent) aus Eonitz und inspizierte die Kirche und Schule. Zur Vorbereitung fiel mehrere Tage der Unter­richt aus, und sämtliche Schulkinder, besonders die Mädchen, mußten die Schule reinigen. Vas war keine kleine Arbeit,