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rend er sich am köstlichen Zotzenheimer gelabt, der Gemeinde- watz über den zu Boden gefallenen plan getrottelt, und die Spuren, welche der da zurückgelassen, habe dann der erstere mit weingrünen Neuglein für die neue Straßenroute ange­sehen und nachgezeichnet. Es half eben alles nichts. Es scheint eben damals noch als Regierungsaxiom gegolten zu haben, den Regierten unter allen Umständen das Wort des Npostels, 1. Brief Petri Kl 2 D. 18 zum Bewußtsein zu bringen. Der Denkstein mußte verschwinden und wurde von patriotischen Bürgern nach der Kreuznacher Burg verbracht, wo auch noch ein Standbild von Eauer das Undenken an den Helden wach­hält. Der ganz mutwillige Vandalismus, verübt an dem ehr­würdigen Denkmal, ist um so bedauerlicher, da dasselbe dem Undenken einer wirklichen Tat heldenhafter Treue und Uuf- opferung gewidmet war, deren Erinnerung noch nach 600 Jahren nicht aus dem Gedächtnis des Volkes geschwunden war, nicht eins jener Produkte zeitgenössischer Reporter- phantasie, wie z. B. der famose Bürgermeister von Pforzheim, jüber den wir noch in der Schule gelehrt wurden, er habe sich mit seinen Mitbürgern für den Markgrafen von Baden in die Pfanne hauen lassen, als dieser es bei Wimpfen am 6. Mai 1622 so klüglich verstand, sich den schon in Händen gehaltenen Sieg wieder entreißen zu lassen. Die Geschichte hat unzweifel­haft festgestellt, daß besagter Bürgermeister ruhig zu Hause in seinem Bett verstorben ist.

Uuch aus meiner eigenen Erinnerung kann ich von dem bedauerlichen Untergang eines hübschen alten Kulturbildes ldurch starres Festhalten an der Schablone berichten. Die Ge­meinde Jugenheim, früher Umtssitz des gleichnamigen Nasfau- Saarbrückischen Oberamts, war noch in den 20er Jahren vor. Iahrh. in fast vollständigem Besitz eigentümlich uralter Befestigung, bestehend in drei überbauten Toren und einem das ganze Dorf einschließenden Doppelwall mit zwei tiefen Gräben, ganz mit Rüstern über und über bewachsen. Roch von Nugenzeugen habe ich gehört, welch ein schönes Bild, von der höhe aus gesehen, es dem Rüge geboten habe, die eng, wie eine Schar Küchlein um die Gluckhenne, um die hoch- emporragende Kirche zusammengedrängten Häuser, ganz in einen grünen Kranz gehüllt zu sehen. Wie dann zu Nnfang der 30er Jahre ziemlich ins Blaue hinein von der pariser Straße bei Rieder-Olm ausgehend eine Ehaussee über Ju­genheim in ungefährer Richtung nach Kreuznach geplant wurde, die hiernach wohl 30 Jahre mitten im Feld geendigt hat, da paßten die überbauten Tore nicht zu den Regeln der modernen Baukunst, obgleich dieselben dem geringen Verkehr noch lange genügt hätten, und so wurden sie abgerissen. Die ganze Umwallung war zwar schon 1813, als Napoleon durch den Gewaltstreich der Konfiskation aller Gemeindegüter sich die Mittel zu seinem Feldzug nach Sachsen verschafft hatte, parzelliert worden und in den Besitz der Nnwohner überge­gangen, welche aber mit großer Pietät den alt hergebrachten Zustand beibehielten. Jetzt aber hörte das Interesse auf, die einzelnen Stücke wurden eins nach dem andern abgeholzt, ein­geebnet und der Sandwirtschaft dienstbar gemacht, heute würde man es sich etwas kosten lassen, so ein schönes altes Kulturbild der Nachwelt zu erhalten.

Einmal jedoch weiß auch die Fama von einem konser­vativen Geniestreich des heiligen Bureaukratius zu berichten, daran auch der eifrigste moderne Denkmalpfleger seine Helle Freude haben könnte. Stand da in einem Gertchen der wörr- stadter Gegend gleich hinter dem Pfarrgarten ein uralter Turm, weiß nicht, ob klerikaler oder feudaler Herkunft, dem man in letzter Zeit Uebles nachredete, nämlich eine bedenk­

liche Hinneigung zum Umsturz. Der Herr Pfarrer berichtete darob an die Vorgesetzte Behörde zu Mainz, welche dann ihren technischen Berater mit der weiteren Veranlassung betraute. Dieser, ein bekannter, jovialer Herr, nachdem er an Drt und Stelle von der Sachlage und auch wohl von dem Inhalt einer oder einiger Flaschen gebührend Einsicht genommen, tat dann den Nusspruch:Der Turm da stand vor uns schon manch hundert Jahre, und wird auch noch stehen, wenn schon lang keinem von uns ein Zahn weh tun wird. Der, und Um­fallen ! Wenn das geschieht, fresse ich ihn!" Nichtsdesto­weniger ist aber besagter Turm schon wenige Tage, vielmehr Nächte nachher wirklich umgestürzt, glücklicherweise ohne an­deren Schaden zu tun, als daß er seine Umgebung, darunter auch das Stück Pfarrgarten mit feinen Trümmern bedeckte. Darüber hat dann der Herr Pfarrer wieder instanzengemäß berichtet, und vergaß auch nicht, des Nusspruches des Herrn Bauverständigen gebührend Erwähnung zu tun, und meinte dann noch, da die Gemeinde arm und vom Krieg her noch sehr verschuldet sei, so wäre es ihr wohl zu vergönnen, wenn der Herr Baumeister nunmehr sein Wort wahr machen wollte.

Ans der Jugendzeit eines deutschen Mannes.

(Fortsetzung.)

So etwas ist in dem sonst so wohltätigen Berlin mög­lich, wenn der Nrme sich schämt zu betteln, und dazu konnte sich meine Mutter auch im tiefsten Elende nicht entschließen. Die sogenannten Bettelvögte waren ihr fürchterliche Men­schen, und sie wäre für Scham gestorben, hätte sie einer nur angerührt. Ich mußte nun meinen kleinen Bruder warten und die Nufsicht über meine Schwester führen. Sobald die Witterung es erlaubte, legte ich Schuh und Strümpfe, sowie die bis dahin noch einigermaßen zusammen gehaltene blaue 'Tuchjacke ab. Eine Kopfbedeckung hatte ich weder im Som­mer noch im Winter, von hals- und Schnupftüchern wußte ich nichts.

Doch genug von diesem Jammer des Lebens, vielleicht sogar manchem schon zu viel, der vornehm wegwerfend mit dem Dichter das harte Wort spricht:Was kann dieser Misere Großes begegnen?" Wir könnten ihm darauf wohl erwidern, daß zu einem jahrelangen Kampfe mit der drückendsten Not des Lebens, ohne sich selber zu verlieren, noch mehr Helden­mut gehört, als zu einem Kampfe, in welchem man einige Tage, vielleicht nur Stunden, dem Tode trotzt, und daß das, was man in der Weltgeschichte das Große nennt, bei genauer Betrachtung oft recht klein wird' allein wir brechen lieber .ab und wollen den Maßstab über das Große und Kleine in der sittlichen Welt aus sich beruhen lassen. Wir wollen den unsrigen niemandem aufzwängen,- gewiß aber ist es, daß in den Kreisen der verschämten Nrmen sich oft so erhabeno Züge der edelsten Tugenden finden, wie sie in gleicher Menge in anderen Lebenslagen nicht oft gefunden werden.

Mich drückte übrigens unser Elend nur insofern, als ich meine Mutter traurig sah. Die Elastizität des jugendlichen ISinnes überwindet Mangel und Entbehrung leicht,- nur blieben bei so schlechter Ernährung meine körperlichen Kräfte schwach, und bei Prügeleien zog ich meist den kürzeren. Ich spielte tapfer umher, teils allein, teils, indem ich meine Ge­schwister mit mir umherschleppte. Ein gewöhnlicher Tummel­platz unserer Spiele war die Kommunikation vom Hamburger ^ore bis zum Oranienburger und Rosenthaler Tore, sowie «auch der Weg außerhalb des Tores. Bei gutem Wetter zog