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„Ich will an alle Militärdienstpflichtigen und solche, die es nicht sind, appellieren, und an die Frauen, welche Gatten, Brüder und andere verwandten haben, die im Kriegsfall in den Dienst geschleppt würden,- ich möchte auch an die Republikaner appellieren, die ihre Parteipflichten ernst nehmen, einen schriftlichen Protest an unsere Kongreßabgeordneten in Washington zu richten, gegen die leichtsinnige Verwickelung unseres Landes in den Krieg. Wer einen Augenblick Nachdenken will, muß zugeben, daß die deutsche und irische Kasse in diesem Lande vorherrschen. In Summa, kaum alle unsere Leute werden sich dem aussetzen, Kriegsdienste zu leisten und ihr Leben zu opfern, damit ein paar Kmeri- kaner auf bewaffneten kriegführenden Schiffen reisen können. Beinahe jedermann ist aufgeschreckt durch die Kussicht, zum Krieg gezwungen zu werden. Besonders die Frauen werden von dem Gedanken gepeinigt, daß ihre Vater, Söhne, Gatten und Brüder zusammengetrieben werden, um ihr Leben zu verlieren. Eine Kede gegen den Krieg und eine Kesolution irgendwelcher Krt, die uns die Möglichkeit, in den Krieg verwickelt zu werden, ausschließt, das ist es, was die Kmerikcmer durch die ganzen vereinigten Staaten wünschen. Es empfiehlt sich, mit einer solchen Kesolution rasch vorzugehen, um dem zuvorzukommen, daß von seiten des Präsidenten die Dinge überstürzt werden. Eine Kriegsbill sollte durchaus abgelehnt werden. Ein Präsident sollte dem Kongreß untergeben sein. Einem Manne sollte nicht die absolute Gewalt in irgend einer Frage, oder bezüglich unvernünftiger Forderungen an ein anderes Land gegeben sein. Präsident Wilsons Forderung, daß Deutschland keine bewaffneten Handelsschiffe torpedieren soll, ist so lächerlich und eine so offenkundige Bemühung, England zu Helsen, daß selbst der englandffeundlichste Demokrat über diese Handgreiffiche Unaufrichtigkeit entsetzt ist. Zu sagen, daß es ungesetzlich für ein Unterseeboot sei, ein besonders zu seiner Vernichtung bewaffnetes Schiff zu torpedieren, ist die widerlichste Heuchelei. Es ist ein hohn auf die einfache Intelligenz, von Deutschland zu verlangen, aus solchen haarsträubenden Unsinn zu hören und solche Krgumente Leuten von der Intelligenz unserer Kbgeordneten zuzumuten. Glaubt Präsident Wilson mit einer Herde Schulkinder zu sprechen. Ein Geschütz ist Kriegsgerät, Verteidigung oder Kn- griff, das hängt von der Bedienungsmannschaft ab. England har in dem Baralong-Fall gezeigt, daß solche Bewaffnung zum Kngriff vorgesehen ist und gebraucht wird. Kann man sich einen Engländer und Franzosen vorstellen, der auch nur einen Kugenblick zögern würde, von einem Unterseeboot Gebrauch zu machen. Klso es ist Tatsache, daß die Kmerikaner keinen Krieg wünschen und noch weniger die ungeheuren Kriegs- fteuern. Das Elend von Europa sollte uns allen eine Lehre sein. Wir erwarten, daß unsere Kbgeordneten uns von diesem
Elend fernhalten, bevor das Unglück geschehen ist."
Kdalbert Bindewald.
Glieder.
Die Welt steht im Zeichen des Flieders. In verborgenen Gärten, abseits der Straße, stehen sie, die alten, knorrigen Fliederbäume und strecken ihre duftenden Zweige mit den zart gefärbten Dolden über schlummernde Parkwege. Ueber gußeiserne Gitter, an asphaltierten Straßen drängen sich die schwer hängenden Zweige, dem vorübergehenden, dem hastenden einen stillen, duftenden Gruß zunickend: sieh, es ist Frühling, die Welt grünt und blüht ringsum! Geffne die Kugen, laß sie gleiten über meine zart gefärbten Blüten, laß sie ruhen im saftigen Grün der Blätter und wiesen.
Und, nimm dir einen hauch meines Duftes mit in dein stilles Krbeitszimmer, daß du über die Krbeit gebeugt nicht vergißt: draußen ist Frühling. Schon lange, lange haben ihn die Schneeglöckchen eingeläutet, hat dir die weiß und rosa Baumblüte erzählt, daß er da ist, nun bin ich an der Keihe, zu blühen und duften und mit allem Blühenden zu wetteifern. Kuch die Blume des Klais läutet dir mit den zarten Glöckchen ihre Botschaft zu. Und kommst du in ein Krankenzimmer - es gibt eben deren viele auf der Welt —, so schlägt dir auch hier mein süßer Duft entgegen. Leise wehen die Vorhänge im wind, bleiche, abgezehrte Gesichterschauen aus den Kissen, sehnsüchtige Kugen sehen dich an, der du gesund bist und aus der blühenden Welt kommst. Kber nicht spurlos ist der Frühling vorübergegangen, einen Gruß hat er allen geschickt, die leidend liegen ohne Klagen. Die Kugen weilen auf dichten Fliedersträußen, neben dem Bette, sie betäuben mit ihrem Duft die Sinne der Leidenden,-daß sie matt werden und vor sich hinträumen. Und sie vergessen in diesem Blumenduft und dem warmen wind, der durch das offene Fenster weht und alle ihre wunden Gedanken und Sinne einschläfert, die entsetzlichen Stunden und Tage im Kampfgewühl, das immer sich gleich bleibende Brüllen der Geschütze. Ja, es ist Frühling! Es gibt Fleckchen, wo die Sonne scheint, die Vögel jubilieren, Blumen und Bäume blühen und duften, Kinder lallen, und Menschen ruhig ihrem Tagewerk nachgehen. Es ist nicht überall ein Dröhnen und Donnern von Geschützen, ein Stampfen von Pferden, ein wimmern von Menschen und ein Kasseln der nimmermüden Eisenbahnräder, es gibt auch Kühe, Stille, ein fried- volles Plätzchen zum Genesen. Man kann sogar vergessen! Und die violett gefärbten Blütendolden nicken vom hohen Glase herunter, nicken und freuen sich des Segens, den sie in ein stilles Krankenzimmer tragen durften. L. Z.
Sin neuer Lied,
das bereits guten Knklang gefunden hat und nach Inhalt und weise zu dem Besten gerechnet werden darf, das die Volksdichtung dieses Krieges hervorgebracht hat, ist wohl wert, auch unserem Leserkreise mitgeteilt zu werden. Es lautet:
I m Krgonnerwald.
Krgonnerwald. Um Mitternacht ein Pionier stand auf der wacht.
Ein Sternlein hoch am Himmel stand, bringt Grüße aus dem fernen Heimatland.
Und mit dem Spaten in der Hand er vorne in den Sappen stand.
Mit Sehnsucht denkt er an sein Lieb, ob er sie wohl noch einmal wiedersieht.
Und donnernd dröhnt die Krtillerie, wir stehen vor der Infanterie.
Granaten schlagen bei uns ein,
der Franzmann will in unsre Stellung rein.
Und droht der Feind auch noch so sehr, wir Deutsche fürchten uns nicht mehr.
Und ob er noch so stark mag sein,
in unsre Stellung kommt er doch nicht rein.
Der Sturm bricht los, die Mine kracht,
Der Pionier steht auf der wacht.
Bis an den Feind schleicht er heran, und zündet dann die Handgranate an.


