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Lonntagsgruß

Gemeinüeblatt sm öie evangelische Kircbengemeinüe

Gießen.

Nr. 17.

Bietzen, Sonntag Quasimodogeniti, den 30. April 1916.

5. Jahrgang.

Konfirmation.

Don Generalsuperintendent D. Klingemann- Eoblenz. Offenb. Ioh.'3,11. Halte, was du hast, dast niemand deine Krone nehme.

(Es ist wohl kaum eine Einrichtung der evangelischen Kirche, die gleicher Beliebtheit sich erfreut wie die Konfir­mation. Diel häusliche und verwandtschaftliche Liebe sammelt sich alljährlich um die schlichte Feier, die den Abschluß der kirchlichen Unterweisung unserer Kinder bildet, viel ernste Hoffnung ist mit dem Tage der Konfirmation verbunden. Und so wenig Dorbereitung und brauch der Konfirmation in den verschiedenen Landeskirchen und Landesteilen des Daterlandes unter einheitlicher Ordnung stehen, so ist doch überall die Konfirmation Ziel und Ubschluß ernster Urbeit, in besonderem Zinne Gegenstand treuer Seelsorge. Uuch die Gegensätze kirch­licher Uuffassung, die völlig frei vom Streit der Richtungen im Urteil über die Konfirmation und ihre wünschenswerte Gestaltung uns entgegentreten, beeinträchtigen in keiner weise die Wertschätzung des fest eingebürgerten Brauches. Gerade die laut gewordenen Ausstellungen an der üblichen Hand­habung bezeugen den Wunsch, die Zache selbst zu fördern und in vertieftem Inhalt auszugestalten.

Für den Augenblick hat der Krieg alle die Stimmen, die sonst auf Neugestaltung der Konfirmation drängten, zum Schweigen gebracht. Fühlen wir es doch alle, wie diese gewal­tige Zeit zunächst einmal alles bestehende auf seinen wert prüfen mutz, um dann erst für kommende Tage auf Grund gesammelter Erfahrungen uns neue Wege des Bauens und des bildens zu weisen. Für unsere Kirche bedeuten die gegen­wärtigen großen Tage sicherlich auch eine Erntezeit. Es ist geackert und gesät worden von einem Geschlecht zum andern, von einer Konfirmation zur andern, in langer mühseliger Arbeit, mit viel Treue, unter viel Entsagung. Denn gerade die alljährlich sich erneuernde Konfirmation mußte dem Gewissen des ernsten Seelsorgers immer wieder die Frage aufdrängen: was wird aus diesen Kindern? Ist wirklich in ihnen der Grund eines wahrhaft frommen Innenlebens gelegt, wird von der Uusfaat ihrer Unterweisung und Erziehung wirkliche Frucht sich entfalten? Und gerade weil die Frucht von geist­licher Urbeit und Uussaat schwer zu greifen und zu erkennen

ist, mag mancher stille Seufzer die Untwort auf jene Frage gegeben haben.

Uun haben wir doch manches sehen und greifen dürfen. Uuch von unserer wehrhaften, zum Dienst des Daterlandes sich drängenden Jugend ist vieles abgefallen, was uns das bild ihres inneren Wesens trüben wollte, viel äußerliches Treiben, vieles von nur künstlich anempfundener Urt, das uns nicht gefallen konnte. Und zu den großen, erfreulichen Zeichen von unsres Dolkes Gesundheit, von vorhandener Tiefe und Frömmigkeit gehören auch die in überraschender Fülle abgelegten Zeugnisse vom wert der Konfirmation, wenn erst einmal der ungeheure Stoff der Kriegserinnerungen, der Feld­briefe gesichtet sein wird, muß auch der konfirmierende Geist­liche zum Worte kommen. Und es wird an Zeugnissen dafür nicht fehlen, daß draußen im Felde, in ihres Lebens schwerer Erprobung, viele in herzlicher Dankbarkeit des Segens inne geworden sind, der von der Konfirmation ihnen geblieben ist.

Ueber den Konfirmationsfeiern dieser österlichen Zeit liegt in besonderer weise der Ernst unsrer großen Tage ge­breitet. wo wäre im weiten Daterlande eine Gemeinde, die am Tage der Konfirmation nicht derer gedächte, die von Hei­mat und Daterhaus, von Kirche und Konfirmationsaltar hinausgezogen sind in den heiligen Streit? wie wäre die der Gemeinde und dem k)ause gemeinsame Feier denkbar ohne die heilige Erinnerung an das blutopfer unserer Jugend? wie viele von denen, die vor wenigen Jahren an geweihter Stätte ihr kindliches Bekenntnis und Gelöbnis sprachen, haben die gelobte Treue ihres Wesens mit dem Tode fürs Daterland be­siegelt. Schatten der Trauer breiten sich über jede Feier in dieser Zeit, ernste Gedanken greifen in besonderer Gestalt nicht nur in leiderprobte und leidbeschwerte Tlternhezen, sondern auch in das Herz der fröhlichen, sorglosen Jugend. Don dem festlichen Glanz, der oft genug allzu reich in die Konfirmation hineinleuchtete, muß in diesen Tagen vieles fehlen. Und es mag heilsam und gut sein, daß, wie unseres Dolkes gesamtes Leben, so auch die Konfirmation auf die Wege der Einfachheit gewiesen wird. Drohte doch der brauch, auch diesen Tag durch Gaben und Erinnerungszeichen zu schmücken, in eine Ueppig- keit auszuarten, die dem Sinn der Feier völlig widersprach.

Gegenstand besonderer Hoffnung ist uns in schwerer Zeit unsere zur Konfirmation geführte Jugend, wir möchten in den