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Honntagsgnch

Gemeinöeblatt fürüie evangelische Kirchengemeinoe

Gieszew

Nr. 16.

Gießen, Sonntag Ostern, den 23. April 1916.

5. Jahrgang.

Ostern.

Von Generalsuperintendent I). K l i n g e m a n n - Toblenz.

1. Brief des Apostels Paulus an die Korinther 15, 55. Der Tod ist ver­schlungen in den Sieg.

Das Fest des Lebens und der Siegesfreude dürfen wir feiern, wie hart und schwer auch der Streit uns noch um­wogt. Unsere Altvordern nahmen den Jubelklang des Ojter- liedes, in dem so wunderbar Ernst und Freude sich ver­mählen, dasChrist ist erstanden" mit in den Streit. Sie taten recht daran, denn es atmet die Kraft und die Freude des Sieges, es kündet den größten Sieg, den Triumph des Lebens über den Allherrscher Tod, den Sieg, an dem wir Anteil be­gehren, weil wir alle in jenen schweren Streit verstrickt sind, bei dem die Menschenkraft versagt, unser hilfloses Wesen, das an die Sünde gebunden uns zu Knechten der Todesfurcht macht unser Leben lang.

von jenem gewaltigen Kampf und Sieg singt Luther im Gsterlied:

Es war ein wunderlicher Krieg,

Da Tod und Leben rungen;

Das Leben, das behielt den Sieg,

Cs hat den Tod verschlungen.

Leben und Lehren, Leiden und Sterben des Heilands ist ein großer Kampf wider des Codes Gewalt. Sn ihm war das Leben, und gegen dieses Leben aus Gott mußten alle Gewal­ten des Verderbens, Sünde und Tod sich aufmachen. Worte des ewigen Lebens nennt der von Jesu Herrlichkeit ergriffene Jünger die Uede des Meisters, Werke des Lebens sind die Wundertaten, mit denen Jesus in das Herrschaftsgebiet der Krankheit, der Vergänglichkeit, des Codes hineingreift. Und am Kreuz vollendet sich der ,,wunderliche Krieg, da Tod und Leben rungen". wo die Gewalt der Sünde ihr äußerstes tut, will der Tod sein altes Uecht geltend machen, da kommt er in all seiner Furchtbarkeit und Bitterkeit. Uber er kann den nicht zwingen, an dessen innerstes Lebevdie Sünde nicht heran­reicht.Das Leben, das behielt den Sieg", die Einheit dieses Lebens mit Gott bleibt unantastbar, wo Jesus sein Haupt im Tode neigt, ist dennoch des Lebens Sieg über den Tod er­stritten, denn hier hat des Todes Stachel, die Sünde, Macht und Uecht verloren. So konnte das Grab den Fürsten des

Lebens nicht halten, und durch die Zeiten, die Lande, geht die Kunde von dem Sieg des Lebens, in den der Tod verschlun­gen ist.

,,Dauert nichts so lang in den Landen

Als das: Christ ist erstanden -"

So bekennt es unser großer Dichter, halb in Verwun­derung, halb in Bewunderung. Dem Glauben aber ist die große Gewißheit von des Lebens Sieg in Jesu Auferstehung das Gottessiegel auf des Sohnes Werk, die eine, unentbehr­liche Bestätigung des im Leben und Sterben Jesu uns er­worbenen Heils, die Bürgschaft des Lebens, des wir hoffen.

Mit unseres Herrn Gstersieg tritt das Ueich, die Herr­schaft Gottes, danach wir uns sehnen, in greifbarer Wirklich­keit in diese Zeit des Leidens, der Vergänglichkeit, des Todes hinein. Wohl bleibt dieses Ueich Gottes Gegenstand unserer Hoffnung, jenseitig, überweltlich,- und doch ist es vorhandene Wirklichkeit, wo Jesus, der Lebendige, herrscht, wo sein Sieg den Tod in uns überwindet, wo wir wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung durch seine Auferstehung des unvergäng­lichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbes warten, das im Himmel behalten wird, da ist Gottes Ueich, die alles Sichtbare und vergängliche überdauernde Wirklichkeit für die alle, die im Glauben gelernt haben, nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare zu sehen.

vom harten Kampf, an dem wir alle beteiligt sind, ist diese sichtbare Welt durchwogt. Und ob wir auch des Sieges hoffen, so ist uns doch zu Zeiten, als behaupte als der letzte Sieger der Allherrscher Tod das Feld, wo die zerstörenden Mächte aufeinanderprallen, wo in ihrem Zusammenstoß eine nicht auszudenkende Fülle von Leben, von Gut und Glück ver­nichtet wird, wo alle Erfindungsgabe und Spannkraft des Menschengeistes auf das verderben gerichtet ist, da mag uns wohl der bange Gedanke kommen, ob in solcher Zeit für Gottes Ueich noch Uaum bleibe. Es ist unser Glaube selbst, um den wir kämpfen in schweren Tagen, den es aus ernster Anfechtung zum Sieg hindurchzuretten gilt. Und unsere Kraft müßte versagen, wenn nicht in alles Dunkel die Ostergewiß­heit hineinleuchtete: Das Leben, das behielt den Sieg.

Auf heil und Leben sind unseres Gottes Gedanken gerichtet, und auch die zerstörenden Gewalten müssen seinen Plänen dienen. Es ist ihnen ihre Zeit gegeben, bis aus dem