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Unserem ganzen Volk, daheim und draußen, gilt die Mahnung und Verheißung des Buß- und Bettages:So ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen!"

Zreud und Leid aus der Heidenmission.

1. Huf 2 5 Jahre erfolgreicher Missionsarbeit in Deutsch-Gstafrika

kann die Brüdergemeine zurückblicken. Venn am 31. März 1891 reisten ihre ersten 4 Sendboten von Herrnhut ab, um die neue Hrbeit im Konde-äland am Nordende des Njassa- Sees in der jungen deutschett Kolonie in Hngrifs zu nehmen. Mit Hingebung, Hufwendung erheblicher Mittel, aber auch mit sichtlichem Erfolg hat die Brüdermission sich seitdem dieser neuen Hufgabe gewidmet. Hllerdings hat es auch an schmerzlichen Opfern an Menschenleben und Hrbeitskräften nicht gefehlt. Schon ehe die erste Station am Nungwegebirge gegründet werden konnte, war einer jener 4 ersten Missio­nare als Opfer des Klimas und der Strapazen der Hnfangs- zeit ins Grab gesunken. Dagegen steht der Leiter jener ersten Expedition, Missionar Th. Meyer, noch heute als Präses an der Spitze der dortigen Mission. Huf 6 verschie­dene volksstämme in 4 dialektisch verschiedenen Sprach- gebieten haben die Herrnhuter Missionare ihre Tätigkeit aus­gedehnt, die jetzt einen Landstrich etwa von der Große des Königreichs Lachsen umfaßt, von den 60 Missionsarbeitern <einschl. der Frauen), die bisher dorthin ausgesandt wurden, stehen gegenwärtig noch 37 im Dienst, 8 starben auf dem Missionsfelde und 15 mußten aus Gesundheitsrücksichten wieder in die Heimat zurückkehren. Hls greifbarer Erfolg der Hrbeit bestehen jetzt im Bereich der Brüdermission am Njassa 9 Hauptstationen, umgeben von 89 Hußenstationen und 1086 Predigtplätzen. Die Gemeinden umfassen 2000 getaufte Neger und ebensoviele Taufbewerber und andere Heiden, die sich den Missionsgemeinden schon mehr oder weniger angeschlossen haben. Besonders starken Zulaufs er­freuen sich die 166 Schulen, obwohl noch kein Schulzwang besteht. Sie werden von 8000 Schülern regelmäßig und von weiteren 7000 gelegentlich besucht. Dadurch hat die Mission einen weitgehenden, geistig und sittlich bedeutsamen Ein­fluß auf die eingeborene Hegerbevölkerung gewonnen und sich als ein wichtiger Kulturfaktor in der Kolonie bewährt. Huch hat sie das Verdienst, die Volkssprachen erforscht und teilweise durch Schaffung einer kleinen Literatur zu Schrist- sprachen erhoben zu haben. Leit 1897 arbeitet die Brüder­mission außerdem auch in einem andern Teile der ostafrika- vischen Kolonie, in der die große Negerstadt Tabora um­gebenden Landschaft Unyamwesi. Dort sind jetzt 30 Missions­arbeiter auf 6 Haupt- und 6 Hußenstationen mit 142 Pre­digtplätzen tätig. Ln 27 Schulen unterrichten sie 11-1200 Schüler. In geistlicher Pflege stehen hier etwa 1000 Seelen, von denen gegen 475 getauft sind.

2. Hus schweren Tagen in Kamerun.

Einem dienstlichen Bericht des Missionars G. Solleder von der Basler Mission seien kurz nachstehende Zeilen ent­nommen. Die rücksichtslose Behandlung, die allen friedlichen Europäern in Kamerun, gleichviel, ob sie neutrale Staats­angehörige waren oder nicht, von den berüchtigten englisch- französischen Kolonialtruppen und ihren Offizieren zuteil wurde, ist ja sattsam bekannt. Trotzdem wird der Bericht gerade eines Missionars noch interessieren, weil auch hieraus wieder ersichtlich ist, wieweit" das christliche Gewissen

der Engländer den Vertretern eines so ausgesprochen christ­lichen Merkes gegenüber werden kann. Solleder schildert seine Wegführung aus Bonaberi, seiner Missionsstation, und schreibt dann weiter:Hnderen Tages bekamen wir in unserer SpelunkeBuenos Hires" zwei hartbrote und Torned beef in homöopathischer Dosis, dann gings in strömendem Kegen nach Duala - vor dem Bezirksgericht stand schon eine Menge Menschen , vollständig durchnäßt kamen wir im Kegierungskrankenhaus an, wo wir viele Leidensgenossen trafen. Stimmung gefaßt, aber der Huszug aus Duala wird mir unvergeßlich bleiben, ebenso der Husspruch von p. Fär­ber:Hlso zogen die Kinder Israel aus Hegyptenland". Ja, wie die Packesel schleppten wir die geretteten Habseligkeiten der Frauen hinaus, trugen arme Kinder, eine Frau kam auf der Tragbahre hintendrein. Durchnäßt die Kleider, schweiß­gebadet, kam ich auf derBathurst" an. Der Hbschiedstag von Kamerun, just der 1. Oktober, an dem ich vor 11 Jahren das schöne Kamerun betrat, hat mich um Jahre älter ge­macht: hinausgetrieben wie ein Hund, die schöne Hrbeit menschlich gesprochen, in Scherben zerschlagen, das Schicksal der hoffenden Frau höchst ungewiß, Hab und Gut preis­gegeben, das Ziel ungewiß. Das war ein bißchen viel. Der Hunger, obwohl an manchem Tage sehr stark, war nicht das Schlimmste Krieg ist Krieg, aber die Hrt der Behand­lung, die wurmte ganz mächtig. Wir waren auf einem Sklavenschiff. Jedoch wir trugen aller männlich als Deutsche. Bei der berüchtigten nächtlichen Untersuchung kam ich um 65 Mark. Ueber Lagos kam ich nach der Goldküste und vernahm, daß England schon vor dem Kriegsausbruch zuin Einmarsch nach Togo rüstete. Hauptmann Schlettwein von Togo band es mir auf die Seele, daß er ganz bestimmte Kunde aus der Goldküste bekommen habe, daß die Kriegs­gefangenen Deutschen in Französisch-Dahomey, Kombattan­ten und Nichtkombattanten, Hrbeiten an Wegen unter Huf­sicht von schwarzem Militär verrichten müssen! Solange wir auf der Goldküste waren, sind 3 Herren in Dahomey ge­storben."

Gietzen vor hundert Jahren.

lFortsetzung,)

2. Geschäftsleben.

vor 100 Jahren war Gießen im wesentlichen noch ein Hckerstädtchen. Jeder Bürger besaß Feld und Garten, erst als die Stadt weit über ihre alten Grenzen hinausgewachsen war, ist die Gemarkung kleiner und immer kleiner geworden. Daß die Bevölkerung unserer Stadt damals vorzugsweise Hckerbau trieb, erkennt man an den vielen Heckerversteigerungen, die in der Zeitung angezeigt werden. So versteigerte die Witwe des Tuchmachers Ludwig Melchior Stohr am 4. März 1816 in der Weinwirtschaft von Loos einen Hcker am Grasweg, einen zweitenüber der Crdkaut" und einen dritten am Leifertsröder Weg. Hm gleichen Tage und am gleichen Grte versteigerte der Fuhrmann Ludwig Klingelhöfer eine Hnzahl Hecker und seine hinter dem Stockhaus hetzt Polizeigefängnis) an der Sandgasse belegene hofreite, bestehend in einem Wohnhause, einer halben Scheuer, Schweinestall, Miststätte und hintergarten. Erhebliche Hckergüter brachte im Jahre 1816 der Metzger Georg Melchior Lony zur Versteigerung und zwar, wie es in der Hnzeige heißt,wegen Huseinander- setzung mit seinen Kindern". Hußerdem versteigerte er sein Wohnhaus mit Stall in der Maigasse und ein Wohnhaus mit Scheuer im Scltersweg. Die Mitteilungwegen Huseinander- setzung mit den Kindern" kehrt in diesen Hnzeigen oft wieder.