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und es wird daher hierdurch bekannt gemacht, daß jeder Handwerker, der dhne Uoth den Sonntag ein lärmendes und störendes Geschäft verrichtet oder verrichten lässet, so wie jeder hiesige Einwohner, der während des Gottesdienstes in Vier- und Vranntwein-Schenken getroffen wird, zu einer angemessenen Strafe wird gezogen werden."
Dieser Zache hat sich auch die Polizei-Deputation angenommen, indem sie im Jahre 1818 allen Metzgern, Mein-, Vier- und Vranntweinzapfern das Zapfen an Sonn- und Feiertagen in der Zeit vom Anfang des Geläutes bis zum Daterunserläuten verbot.
Zehr toll muß damals das Treiben in der Zilvesternacht gewesen sein,' denn am 24. Dezember 1816 wurden scharfe Verordnungen dagegen erlassen. Es hieß darin: ,,l. Alle Kinder, Lehrjungen, und Zchüler ohne Unterschied des Geschlechts haben sich am Zplvestertag, sobald die Glocke 4 Uhr geschlagen hat, von den Ztraßen zu entfernen und in ihre Wohnungen zu begeben, gegenfalls dieselben von den Patrouillen arretiert und in einen Gulden Ztrafe, welche die Eltern zu erlegen haben, genommen werden, unvermögende aber, körperlich gestraft werden sollen. 2. Jeder Vewohner eines Hauses oder Gartens, woraus geschossen wird, ist für die bestimmte Ztrafe von zehn Thalern verantwortlich, wenn der Thäter nicht entdeckt wird und der Hausbewohner so wenig als dessen Gesinde eidlich versichern können, daß sie den Täter anzugeben nicht vermögen. 3. Wer überführt wird, Kanonenschläge verfertigt oder in oder außerhalb der Ztadt verkauft zu haben, ist ebenfalls in die bestimmte Ztrafe von zehn Thalern verfallen. 4. Alles Zchreien und Singen ohne Unterschied, so wie auch das Zusammenrottiren und Truppweisegehen auf den Ztraßen ist gleichfalls verboten und haben diejenige, so dagegen handeln, sich zu gewärtigen, von den Patrouillen ergriffen und ohne Unterschied des Standes auf die Wache gebracht zu werden. Endlich wird 5. demjenigen, welcher einen solchen, der geschossen oder einen Kanonenschlag geleget hat, auf eine glaubhafte Weise anzeiget, die Hälfte der Geldstrafe unter Verschweigung seines Namens zugesichert."
Cs muß doch tief im Menschen liegen, daß er beim Wechsel der Jahre sich in völliger Ungebundenheit austobt,' denn diese scharfen Verordnungen aus der alten Zeit haben das Unwesen nicht auszurotten vermocht. Erst dem Krieg, dem scharfen Zuchtmeister, ist das gelungen.
Groß war damals in Gießen die Vettlerplage. von allen Zeiten strömten die Vettelleute in die Ztadt ein, um von Haus zu Haus zu gehen und die Einwohner zu belästigen. Deshalb sah man sich genötigt, einen besonderen Vettelvogt anzustellen, der auf der Straße zu patrouillieren und die Bettler wegzujagen und einzustecken hatte. Diese Stelle wurde öffentlich ausgeschrieben. ,,Es ist beschlossen worden," so hieß es in dem Ausschreiben der Polizeideputation, „daß um dem in hiesiger Ztadt überhand nehmenden Vetteln Schranken zu setzen, ein Ztadtknecht oder Aufseher über die Bettler angestellt werden soll, welchem außer der Montur und zwep paar Schuhen jährlich, zwölf Gulden jeden Monat aus der Polizeikasse verabreicht werden sollen. Die zu dieser Stelle lusttragenden Personen, welche noch jung und rüstig und von unverdrossenem Eifer sein müssen, haben sich alsbald bei Unterzeichneter Stelle zu melden." Man erstaunt über die geringe Vesoldung,' ungefähr 24 Kreuzer waren damals ein angemessener Tagelohn für ein Amt, das gewiß viel Aerger brachte,' denn das beste Publikum war
es nicht, zu dessen Aufsicht dieser Ztadtknecht bestellt war. Aber man versteht auch wieder, daß ein sparsamer Mann mit dieser Vesoldung auskommen konnte; denn damals kostete in Gießen das Pfund Rindfleisch 7, das Pfund Schweinefleisch 11 Kreuzer. Wie groß damals in Gießen auch die Unter- stühungsbedürftigkeit der Handwerksburschen war, geht daraus hervor, daß im Jahre 1817 die Polizei- und Armendeputation an 3046 Handwerksgesellen je 6 Kreuzer, an 2989 Handwerksgesellen je 4 Kreuzer verausgabte. Da Gießen Knotenpunkt mehrerer großen Ztraßen ist, so muß ein Strom von „armen Reisenden" unsere Stadt durchflutet haben, in einem Jahre verkehrten nach der obigen Angabe hier 6035 Handwerksgesellen, es müssen also täglich l6 bis 20 jüngere und gewiß auch ältere Gesellen mit ihren Felleisen, ihren Zplinderhüten, die sie damals trugen, mit ihren derben Knotenstöcken und hoffentlich auch mit ordnungsgemäß ausgestellten Wanderbüchern in Gießen eingetroff^n sein.
«Schluß folgt.)
Ehrlich währt am längsten.
Erzählung.
«Schluß.)
„Alle unsere Lehrjungen bekommen erst im drillen Jahre eine Vezahlung, Mutter, und ich bereits im zweiten! Ich will aber dafür nun noch viel fleißiger sein, damit mein Prinzipal sieht, daß ich auch dankbar bin."
„So ijt's recht, Karl!" lobte ihn seine Mutter unter Tränen, lächelnd über seinen Eifer. Doch dann fragte sie:
„Sagte denn dein Prinzipal weiter nichts?"
„Nein, weiter nichts, Mutter," antwortete Karl. Dann bat er: „Nicht wehr, Mutter, bis zum Abendessen darf ich noch rodeln gehen? FrH Walter läßt mich mit auf seinem Schlitten sitzen! Es ist auch gar nicht dunkel am Verg, Mutter, wir haben ja Vollmond heute abend, und also kann nichts passieren."
Cr kannte die Angst seiner Mutter um ihn, ihren Einzigen, und da er annahm, es sei nur dies, das sie so stumm mit großen Augen dasitzen ließ, bat er atemlos.
Da nickte die Mutter. „Ja, mein Junge."
Mit einem Freudenlaut sprang Karl auf und holte Mantel und Mütze.
Aber dann kam er nochmals herein. „Mütterchen, nun hätte ich doch bald etwas vergessen."
„Was denn?"
„Ja, denke dir, heute nachmittag begegnete mir Frau Sonnenberg im Hofe, und da fragte sie mich, ob ich der Karl Vuchmann sei. Als ich das bejahte, sagte sie, sie habe gehört, du, Mutter, gingest aus zum Nähen. Da mußte ich ihr doch sagen, daß du das jetzt nicht könntest wegen deinem kranken Arm, der wolle gar nicht gut werden. Und dann fragte sie, wie lange du den kranken Arm schon hättest und was für ein Arzt ihn behandle. Ich habe ihr natürlich schön Auskunft gegeben. Das mußte ich doch, wo die Dame so freundlich fragte. Sie fragte dann noch, ob du auch gar nichts anderes arbeiten könntest, da sagte ich ihr, daß du gerne möchtest, aber bis jetzt nichts passendes hättest finden können, das mit der einen gesunden Hand zu tun wäre. Ja, Mutter, und da sagte sie, sie wolle dich morgen einmal besuchen."
Bei den letzten Worten sah sich der Junge fast ängstlich um. „Vei uns ist es aber nicht fein, Mutter," meinte er.
Diese, die ihrem Jungen mit immer größerem Erstaunen zugehört hatte, schüttelte den Kopf.


