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euch genügen an eurem Solde, und den Zöllnern: fordert nicht mehr, denn gesetzt ist. Die Kirchendiener in Gießen scheinen jich im 17. Jahrhundert nach diesem biblischen Worte nicht gerichtet zu haben. Km 4. Juli 1632, also mitten im Dreißig­jährigen Krieg, hat der Kat der Stadt folgendes verhandelt: Opffermanns gebürnuß. Damit der Glöckner oder Opffer- mann wisse, was er hier künftig bei seinem Dienst vor accitentalia Haben solle, auch gemeine Bürgerschaft sich serners nicht verklagen dürffe, als des gemelten Gpffermannes Ueber gethaner Ordnung, ein mehrerer, als ihm gebührt, fodern und also die Bürger seines gefallens beschweren thun; so soll ihm gegeben und bezahlt werden 1. wegen Anmeldung Kinder zu taufen vier halb Kopfstück, 2. wegen Verstorbenen zu läuten, wenn die Person alt ist, vier Kopfstück und wenn die- selbige unter l2 jahr ist, V 2 Kopfstück. 3. Und soll nichts desto- weniger denjenigen Knaben, die läuten helfen gleich anderen, so mit zum begräbnis gehen und singen, die gebühr gegeben werden. 4. von der proclamation derer Lheleuth, so fich einsegnen lassen wöllen, vier Kopfstück, wie auch bei dem Kirchgang vier fuxxen und was das Herkommen mit sich bringt."

Dieaccitentalia", von denen dieses Katsprotokoll redet, sind die Kmtshandlungen, bei denen der Kirchendiener mit­wirkte und für die er bezahlt wurde, hoffentlich hat er sich nach diesem Beschlüsse des Kates in Zukunft gerichtet und die Bürger nicht mehr überfordert. Die Zeiten, die auf das Jahr 1632 folgten, waren auch so schwer, daß nicht viel Geld in Gießen war. Interessant ist aus diesem Protokoll zu hören, daß damals Knaben mit zum Begräbnisse gingen, um dabei Thoräle zu singen. _ B.

Ehrlich währt am längsten.

Erzählung. (Fortsetzung.)

Die Mutter kaum. Ihre Kugen hingen sorgend, fast etwas erstaunt, an dem Jungen. Sie hörte kaum, was er erzählte. Ganz unvermittelt fragte sie dann auf einmal: was sagte denn dein Prinzipal dazu?"

wozu denn, Mutter?" Karl hatte ihr eben erzählt, daß er heute zum erstenmal Eintragungen in das Versandbuch hätte machen dürfen, worauf er sehr stolz war. Das Gleiche erwartete er auch von seiner Mutter.

Nun, wegen dem Gelde," sagte diese.

Kch so?" Karl lächelte etwas überlegen,weißt du, Mütter, bei uns wird um hundert Mark kein besonderes Kufheben gemacht."

So. Ja, aber der Beamte was sagte denn dieser?"

Der bedankte sich. Natürlich!"

Natürlich!" nickte die Mutter.Freute er sich denn nicht sehr?"

Ich denke doch, Mutter. Er sagte das natürlich nicht."

Natürlich nicht," pflichtete seine Mutter in gleichem Tonfall bei. Lin bitteres Lächeln lief um ihren Mund, und in ihren Nugen brannte ein seltsames Feuer.

hundert Mark, was war diesen reichen Leuten hundert Mark? Lin Nichts sie redeten gar nicht darüber."

Des Nachmittags ging sie denn nach Nrbeit aus. Sie hoffte in einem feinen Schokoladengeschäft die Stelle für Besorgungsgänge zu erhalten. Kls sie aber hinkam, sagte inan ihr, man habe bereits ein junges Mädchen, das noch flinke Beine habe, angenommen.

Dann ging sie in ein Haus, in welchem eine ältere Person für tagsüber zum Kusfahren eines Kindes gejucht wurde. Sie mußte aber in ihrer wohl reinen und ordent­

lichen, doch ärmlichen Kleidung nicht den gewünschten Ein­druck gemacht haben, denn man beschied sie: Die gnädige Frau suche eine bessere Frau zu den Kindern.

vollständig niedergeschlagen machte sie sich aus den Nach­hauseweg. Es war Samstag und morgen Sonntag, und sie hatte nicht mehr einen Pfennig Geld, um nur die nötigste Nahrung kaufen zu können, wenn nun Karl nach Hause kam und mit seiner Hellen Stimme rief: Mütterchen, was Hab' ich einen Hunger! was sollte sie ihm dann geben? ihm sagen? Sie hatte auch nichts mehr so sehr sie über­legte, das sie hätte zu Geld machen können. Die paar Wert­sachen, die sie gehabt, waren alle schon draufgegangen in ihrer ersten Kot und dann die Möbel die hatte sie der Umzug gekostet, als sie damals von Berlin, wo sie mit ihrem Manne gelebt hatte, hinwegzog, hierher in die billi­gere, kleinere Stadt, was sie noch besaß, war kaum das Notwendigste.

Im Gehen überlegte sie hin und her, was sie machen, was sie beginnen sollte. Und immer kam sie wieder zu dem Schlüsse, daß sie zu dem Pfarrer gehen und um Unter­stützung bitten müsse. Doch immer ging sie weiter ihrem kleinen Heime zu und konnte sich nicht entschließen, dieses letzte zu tun. Bis sie endlich die Dunkelheit brach schon herein an diesem kurzen wintertage getrieben von Ungst und Sorge, umwandte und die Straßenlänge zurücklief.

hinter der Paulskirche lag die Wohnung des Pfarrers, den sie aufsuchen wollte. Erst ging sie sehr rasch, doch je näher sie ihrem Ziele kam, desto mehr verlangsamten sich ihre Schritte, zuletzt würden ihr die Füße, als schleppe sie Blei daran. Cs war doch ein schwerer Gang. Sie war noch niemals bitten gegangen.

Scheu schaute sichre Frau um, ihr war, als sähen es ihr alle Leute an, auf welch einem Gange sie sei.

Kls sie dann oben auf der Steintreppe vor der Türe stand und auf den elektrischen Klingelknopf drückte, der neben dem blitzenden Messingschilde angebracht war, durchlief ein so heftiges Zittern ihren Körper, daß sie erst eine weile ver­gehen lassen mußte, um sich einigermaßen zu fassen.

Unhörbar öffnete sich dann die Türe, und sie befand sich gleich darauf in einem schlicht eingerichteten Vorzimmer. Ein junges Mädchen kam und fragte nach dem Begehr der Fremden.

Gb sie Herrn Pfarrer sprechen könne," brachte die Frau mühsam heraus. (Fortsetzung folgt.)

Worte zum Nachdenken in der ttriegrzelt.

wer nicht vor Gott will knien,

Muß sich vor Götzen schmiegen;

Der eine hebet aus, die andern lassen liegen. Ergreife Gott mit Macht;

Laß dich von ihm verwandeln,

So wirst du mehr undlmehr Nach seinem willen handeln.

Ein dankbares Herz darbt ohne Murren, wandelt Un­glück in Segen und macht fest in der Trübsal.

Beten ohne Unterlaß, das ist die Gesundheit der Seele, ihre Stärke, ihre Größe, ihr Kuhm. Nicht beten ist das sichere Zeichen einer tödlichen Krankheit.

Das liebe Gebet ist eine starke Mauer und wall der Kirche, auch die beste Waffe der Gläubigen und Gottseligen.

Dr. M. Luthe r.