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was sehr stark von unseren nicht geputzten Knöpfen abstach. Wir gaben uns die erdenklichste Mühe, zwei kleine Span­ferkel, die dort in großer Menge herumlaufen, zu kaufen. Aber trotz unserer Zeichen- und Gebärdensprache und trotz­dem wir Geld und sonstige Sachen anboten, bekamen wir nichts, so daß wir schon unverrichteter Dinge nach unserem Esuartier zurückgehen wollten. Da kam aus der Menge, die uns nachfolgte, ein Mann in mittleren Jahren auf uns zu, deutete mit der Hand auf die geputzten Knöpfe unseres El­sässers und gab durch Zeichen zu verstehen, daß er uns für diese Knöpfe zwei kleine Spanferkel abgeben wolle. Nach einigem hin und her gab er uns für 6 blanke Knöpfe zwei Spanferkel. Nun liefen wir so schnell als möglich davon, da­mit den Mann sein Handel nicht gereuen solle. Es war uns strengstens untersagt, die dortigen Bewohner, zu deren Schutz wir angeblich da waren, zu übervorteilen oder uns ihnen gegenüber etwas zu schulden kommen zu lassen. Die Ein­geborenen glaubten, in den blanken Knöpfen Gold zu bekom­men, sie waren jedenfalls sehr enttäuscht, als nach einigen Tagen der Glanz entflohen war. Erst nach geraumer Zeit lernten sie einsehen, daß unsere Sous mehr Wert hatten als unsere Kockknöpfe. Uebrigens haben wir über diesen Handel noch lange gelacht, er war uns ein Lichtpunkt in der sonst so traurigen Zeit. (Fortsetzung folgt.)

war der alte Vetter erzählte.

Eine Erzählung aus der Franzosenzeit von Lugen Mayer.

(Fortsetzung.)

Deralte Vetter" spielte mit dieser Bemerkung aus einen Vorgang an, der sich zur Zeit meiner psarramtlichen Tätigkeit in der Gemeinde zugetragen hatte. Nach jahrelanger Geldsammlung in und außer dem Dorfe und unter reicher Unterstützung des Gustav-Adolf-Vereins war nämlich in dem Walddorfe ein Kirchlein gebaut worden. Zwei Glöcklein wurden in den Dachreiter dieses Kirchleins gehängt, deren Töne mit der Gemeindeglocke im Einklang standen. Mit dieser Gemeindeglocke hatte es eine eigene Bewandtnis. Ein alter Presbyter (Kirchenvorsteher) hat sie mir, dem jungen Vikar, oft genug erzählt, wobei mir jedesmal sein Mienenspiel große Freude machte:

Ich bin in der ganzen Stadt herumgelaufen bei den reichen Leuten anfangs der vierziger Jahre, bis ich das Geld beisammen hatte. Die andern (er meinte die Katholiken) hättens ja nicht zusammengebracht; denn unsere besten Leute in der Stadt waren ja alle protestantisch und die haben inich gekannt und keiner hat sich zurückgestellt, als ich zu ihnen kam. Der Gemeindevorsteher bestellte die Glocke beim Glockengießer drunten in der Stadt. Aber als sie kam, waren wir ganz paff,' denn es war da eingegossen:Eigentum der katholischen Gemeinde". Ich nichts wie auf und hinunter aufs Landkommissariat und sagte dem Herrn Landkommissär, wie das Geld zusammengekommen war, und ich gab nicht nach, bis daskatholischen" herausgehauen war. Sie Kön­nens jetzt noch sehen, Herr Vikar, wos früher gestanden hat."

So erzählte wir der alte Presbyter und sein Gesicht glänzte dabei vor Genugtuung, seine Nasenflügel blähten sich auf vor Stolz über seinen Einfluß und er brachte sein Gesicht ganz nahe an das meinige, um den Eindruck zu beob­achten, den seine protestantische Tat auf mich machte. So habe ichs mehr als ein dutzendmal mit angehört und an­gesehen und habe mich jedesmal mit dem alten Manü gefreut.^.

Die Gemeindeglocke war nun ein halbes Jahrhundert von beiden Konfessionen für ihre kirchlichen Zwecke benutzt wor­den. Die Katholiken läuteten sie bei ihren Beerdigungen und bei ihrem täglichen Ave Maria. Letzteres mußte der Lehrer des Dorfes besorgen. Da nun die Schulstelle eine Wechselstelle war, so kam es vor, daß der protestantische Lehrer morgens, mittags und abends die Glocke zum Engelläuten anschlagen mußte. Tin Lehrer, der als ganz junger Mann ein paar Mo­nate die Schulstelle verweste, hat mir erzählt, wie der be­reits genannte alte Presbyter ihm die anfänglich nicht be­griffene Kunst desZinkens" mit großer Geduld beibrachte. Sonderbare Zeit: ein protestantischer Presbyter unterrichtet einen protestantischen Lehrer in der Ausübung eines katho­lischen Brauches! Die Protestanten benützten die Gemeinde­glocke bei ihren Leichen und zum vaterunserläuten bei ihren Gottesdiensten, die vor dem Lau des Kirchleins an den hohen Feiertagen im Schulsaal abgehalten wurden.

Ja, diese Gottesdienste im Schulsaal wie stehen sie so lebendig vor den Augen meiner Erinnerung! Wie sehe ich sie vor mir, die alten Leute, die fast alle jetzt draußen am Waldesrand in kühler Erde den letzten Schlaf tun, wie sie andächtig in den engen Bänken saßen und aus der Faust die Lieder des alten Unionsgesangbuches schlecht und gerecht zuwege brachten! Und dann die predigt,' wie waren sie so mild und geduldig, die wetterharten Männer und die rauh und bloß gewöhnten Frauen, zu den Worten des unerfah­renen jungen Mannes, der ihnen seine Theologie vortrug und erst im Verkehr mit ihnen, den einfachen Leuten, die Freuden und Leiden des Menschenherzens kennen und prak­tisch verwerten lernte! Dann kam das Vaterunser. Wäh­rend des ganzen Gottesdienstes hatte er schon auf der Lauer gestanden, der Mann, dem die Bedienung der Glocke von Gemeindewegen anvertraut war. Nun endlich sprach es der Geistliche:Unser Vater in dem Pimmel ". Und

hinaus stürzte der Biedere ans Fenster des Ganges und winkte seiner Ehehälfte, die drunten seit einer halben Stunde am Glockenhäuschen wartete, und bald darauf Klangs durch das Dorf, jedermann zum Gehör und zur Kenntnis, daß eben im protestantischen Gottesdienst das Gebet des Herrn gesprochen wurde. Ja, sie hielten etwas auf ihren kirch­lichen Brauch, die Protestanten dort droben im Dorf im Wald, und es war gut so,' denn das hielt sie zusammen und wahrte ihnen ihre evangelische Art in katholischer Um­gebung.

Doch zurück zum Vorgang mit den Glocken, auf den deralle Vetter" anspielte. Ls war dem katholischen Teil der Dorfbevölkerung nicht recht, daß die Protestanten eine Kirche und Glocken darauf hatten. Schon beim Bauen war es zu mancher Ueiberei gekommen, wovon vielleicht später einmal zu erzählen sein wird. Uun aber kam es wegen d'dr Glocken zum offenen Zwist. An einem Sonntagmorgen vor dem Gottesdienst standen die protestantischen Männer in großer Aufregung vor der Kirchentür und warteten auf ihren Geistlichen, der zum Gottesdienst aus der Stadt her­aufkam. Vieser merkte sofort, als er die Leute sah, daß etwas nicht in Grdnung war. Auf seine Frage erfuhr er folgendes: Der Gemeindevorstand, der zu den eifrigsten Katholiken gehörte, hatte den Protestanten die Benutzung der Gemeindeglocke verweigert und den Schlüssel zum Glo-, ckenhäuschen an sich genommen mit der Begründung, die Protestanten hätten ja jetzt zwei Glocken, da brauchten sie die Gemeindeglocke nicht mehr und diese werde von jetzt an nur noch von den Katholiken zu ihren kirchlichen Zwecken