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eine der schrecklichsten Nächte, die ich je durchlebte,' denn wir waren schwach an Zahl, wir waren die ersten Truppen, die des Nachts an Land blieben, die, die früher gelandet wor­den waren, waren nachts immer wieder auf die Schiffe zurück­gebracht worden, weil ihre Zahl zu gering war, um einem feindlichen Angriffe standzuhalten. (Fortsetzung folgt.)

Erlebnisse einer Mitglieder der Deutschen Zlottenvereinr in Rußland J9M/15.-

(Fortsetzung.)

Endlich zu Hause, nach fünf langen Monden des Schreckens, der Plage und Gemeinheit, endlich wieder im Kreise meiner Lieben, die nicht müde wurden, mich zu um­sorgen und zu erzählen. Es hatte sich wohl vieles ereignet, doch das meiste war auch ihnen unbekannt geblieben, dafür sorgte ja die russische Zensur. Nun war ich also zu Hause,' noch konnte ich es kaum fassen, hatten wir doch manchmal schon uns darauf gefaßt gemacht, bis zum Friedensschluß im Gefängnis zubringen zu müssen.

Eine Zeit der Arbeit begann, meine privaten und ge­schäftlichen Angelegenheiten wollten geordnet sein, vieles lag im argen, die pekuniären Verhältnisse waren kläglich, nie­mand zahlte; das Geschäft war seit meiner Abwesenheit eingeschlafen, die Regulierungen ebenfalls.

War der Verkehr mit der Kundschaft im August 1914 bereits fast unmöglich, so stockte er nun vollständig. Kur bei einzelnen Kunden, guten Bekannten, sprach ich noch vor. Immerhin mußte ich konstatieren, daß sich in ihrem Benehmen mir gegenüber nichts geändert hatte, und da ich wohl recht alt und elend aussah, so drückten sie mir ihr Beileid aus und schimpften weidlich aus die jedem Bussen verhaßte Administrationsbehörde, ver Krieg war allgemein im höchsten Grade unpopulär, d. h., mit Ausnahme gewisser Kreise, die Butzen daraus zogen, stand man dem Unternehmen teilnahmlos gegenüber. Vas gewöhnliche Volk sah seine Söhne mit Unwillen scheiden, es merkte bereits, daß recht viele davon nicht mehr wiederkamen, hatte durch Sanitäts­soldaten und verwundete erfahren,' wie schwer die Kämpfe und wie groß die Verluste waren, von einer Begeisterung für den Krieg war nirgends eine Spur, und gewissermaßen apathisch sah man den Ereignissen entgegen. Den täglichen Siegesdepeschen traute man längst nicht mehr.

Das Leben in Moskau im allgemeinen war das ge­wöhnliche, die Magazine arbeiteten und verkauften ihre Vorräte zu guten Preisen. Doch alle Lebensmittel waren erheblich teuerer geworden und gewissenlose Spekulanten nutzten die Bevölkerung aus. So z. L. hatte Moskau zu Dstern, 23. März, keine '(Eier und man zahlte 7 Kopeken für das Stück anstatt drei wie früher. Bach Gstern kamen dann Unmengen aus den Markt, teilweise verdorben,' man hatte sie auf der Bahn zurückgehalten. Es wurde warm, der Schnee begann im Garten zu schmelzen. Das erste Grün zeigte sich, der Frühling kam und mit ihm die Schaffenslust. Es litt mich nicht mehr, stille zu sitzen. Bach Rücksprache mit meinem pristaw (Bezirkshauptmann) durfte ich die Ueber- zeugung hegen, auch ferner ruhig in meinem Hause wohnen zu können. Da uns durch die Zahlungssperre die Existenz­mittel entzogen waren, so gedachte ich, das herrschaftshaus für die Sommermonate zu vermieten und mir und den Meinen durch Ausbau eines Hofgebäudes eine neue kleine Wohnung zu schaffen. Basch entschlossen ließ ich Baumaterial ansahren; einige Zimmerleute waren bald zur Hand, und der Vau

begann. Unter Mühen und Sorgen zog der Frühling ins Land, Schneestürme umtosten das Haus und zu dem alten Schnee kamen neue Schneemassen, ver Bau schritt vorwärts, und bald ließ sich sein Ende vorausfehen.

Es war warm geworden, der Schnee verschwand und frisches Grün bedeckte Wald und Flur, allmählich trockneten die Wege, die Schlitten verschwanden. Es war eine Freude, zu schaffen, Blumen und Gemüsegarten zu bestellen. Es gab eine Menge Arbeit, und wir vergaßen fast unsere Lage. So kam der 14. Mai heran, es war ein Feiertags heiß und wolkenlos stand die Sonne am Himmel, es war so friedlich oben im herrlichen Tannensorst. va verlangte mich der Bezirkshauptmann telephonisch nach seinem Bureau, um mir mitzuteilen, daß ich auf Befehl der Administrationsbehörde aus Moskau ausgewiesen sei und binnen fünf Tagen nach Deutsch­land abzureisen hätte, andernfalls ich Verschickung ins Innere Bußlands zu gewärtigen haben würde. Was war da zu machen?! Ich bat nur noch darum, daß mich meine Frau und mein Sohn, der seit Zähren krank war, begleiten dürften. Va mir dies zugesagt wurde, so ging ich getrost nach Hause, um meiner Gattin die unerwartete Bachricht zu verkünden. Die Freude war nicht groß, hatten wir doch unsere zweite Heimat liebgewonnen und länger als ein ganzes Menschenalter dort gewohnt. Immerhin nach den letzten Vorkommnissen mußte man auf alles gefaßt sein,' es sollte ja nun in die Freiheit gehen! wer konnte wissen, was allen denen noch bevorstand, die hier zurückblieben!

Nun hieß es einteilen, packen, arbeiten Tag und Nacht, um alles fertig zu bekommen und auch nur einigermaßen geordnet zu hinterlassen, vie Pässe mußten besorgt, Beisegeld beschafft werden; an so vieles wollte gedacht fein. Durch Verzögerung der Paßbehörde hatten meine Frau und ich am 20. Mai erst die Pässe erhalten, d. h. die Passierscheine, für meinen Sohn konnte ich keinen erlangen, er hatte sich erst noch einer ärztlichen Untersuchungskommission vorzu­stellen. Er blieb zurück und wurde in der Folge mit Frau und zwei Kindern nach Schadrinsk in das Gouvernement Perm abgeschoben.

Der Tag unserer Abreise war also da, der Tag, an welchem wir Bußland nach vierzigjähriger rastloser Tätig­keit verlassen sollten, sortgerissen von der uns liebgeworde- nen Scholle und aus dem Kreise unserer Familie und unserer Freunde, deren uns nur noch wenige das Geleit zur Bahn geben konnten. Wo waren sie hingekommen? In alle Winde zerstreut war jedem um dasmorgen" bang. So mancher wäre gern mitgezogen, uns glücklich preisend, daß wir mit heiler haut davon kamen, und in banger Vorahnung der Er­eignisse, die da noch kommen sollten. (Fortsetzung folgt.)

Seit wann gibt er ttirchenglocken?

In Desterreich verleibt man zurzeit entbehrliche Kirchen­glocken der Kriegs-Metallsammlung ein. Aus diesem Anlaß werden einige Angaben aus der Geschichte der Kirchenglocken von Interesi'e sein. Die ersten Geläute fanden sich in den griechisch-orthodoxen Gotteshäusern, und zwar schon im sechsten Jahrhundert nach Thristi Geburt. Die ersten ortho­doxen Kirchen besaßen allerdings weder Turm noch Glocken. Aber schon vor diesen ersten Glocken gab esGeläute". Um den Gemeindegliedern das Zeichen zum Gottesdienste zu geben, hängte man in die griechisch-orthodoxen Kirchen ursprünglich große Holzbalken auf und schlug mit eisernen hämmern da­gegen. SolcheHolzglocken" finden noch heutigen Tages in