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es die Wirklichkeit zeigt. Der Kanal ist nur eine tiefe Kinne im Erdreich, da, wo er durch die verschiedenen 5een geht, ist die Sohle tiefer gelegt worden, von einer Ausmauerung der Ufer ist nichts zu sehen. Ruch ist der Kanal so schmal, daß nur ein Schiff durchfahren kann. Immerfort sind dort Bagger- maschinen im Betrieb, die die Tiefe aus 9 Meter halten. Ietzt ist der Kanal ja verbreitert und auch tiefer gemacht worden, so daß auch die größten Schiffe durchfahren können. Die umliegende Gegend ist zum Teil wunderbar, zum Teil von großer Eintönigkeit.
während der Fahrt durch den Kanal hatten wiederum verschiedene Legionäre ihr heil in der Flucht gesucht, obgleich die Brüstung des Schiffes ringsum mit Wachtposten, die mit geladenem Gewehr standen, umgeben war. Es wurde auf jeden geschossen, der in den Kanal sprang. Einige sollen ihr Ziel erreicht haben, andere wurden verraten, einer ist sogar direkt aus das französische Konsulat gelaufen. Damals lernte ich kennen, daß der Mensch in seinem Freiheitsdrang auch die größte Gefahr nicht achtet. (Fortsetzung folgt.)
Erlebnisse einer Mitglieder der Deutschen Zlottenvereinr in Rußland MVJS.
(Fortsetzung.)
Bei 10° R. Kälte und Schneesturm ging es los durch die fußhoch verschneiten Straßen unserm nächsten Ziel, der Etappenstation Schtschepelowa, entgegen. Zwei Dörfer hatten wir bereits hinter uns, das Wetter wurde immer scheußlicher und unfern kurzsichtigen Freund, den Organisten, hatten wir schon einige Male aus dem Graben gezogen und auf die Beine gestellt; die Begleitmannschaften brummten, hatten aber auch keine Fuhren auftreiben können trotz in Russicht gestellter reichlicher Belohnung. Eine Bäuerin und ihr Knecht, die uns entgegen kamen, wurden kurzerhand gezwungen, uns ihre Fuhren zur Verfügung zu stellen. So erreichten wir nach kurzer Zeit die Etappenstation. Ein vergittertes Blockhaus nahm uns auf. Alle waren zufrieden, als ich der Gesellschaft eine kräftige Fleischsuppe mit Kartoffeleinlage gekocht hatte und das Lokal ordentlich warm geworden war. Die Soldateska wurde ordentlich gemütlich, man konnte die Wäsche wechseln und sich für weitere Strapazen vorbereiten und ordentlich ausschlafen,' es gab keine Wanzen. Rm andern Tag um 10 Uhr vormittags setzten wir unsere Reifte fort. Schlitten waren besorgt, doch das Wetter war noch schlechter geworden, und ganz durchfroren kamen wir nachmittags 4 Uhr im Gefängnis in wjatka an. Uach der obligaten Leibesvisitation und Protokollaufnahme nahm uns eine Gefängniszelle auf, in der allerhand zweifelhafte Elemente uns brüderlich entgegenkamen und die übrig gebliebenen Lagerstätten überließen. Trotzdem wir die Pritschen mit Terosin abgerieben hatten, fraßen uns die Wanzen in der Nacht fast auf, und als Zugabe spürten wir auch andere Einwohner an unserem Körper, die uns noch weniger Freude machten. Zum Glück kam am 10. Dezember bereits die Weiterreise zustande und unter starker Bewachung, mit Handschellen versehen, ging es die sieben Kilometer zur Bahn, wo wir, mit unserm Gepäck beladen und durch die Soldaten verprügelt, schweißtriefend ankamen. Freund B., der unter der Last seines Gepäckes und infolge des schlechten Weges zusammenbrach, wurde geschlagen und auf den Gepäckschlitten gebracht. Der Transport umfaßte ungefähr 65 Gefangene unter Rufsicht eines Offiziers und acht Gendarmen. In einem Rrrestantenwagen, der höchstens
für 45 Mann Raum bot, zusammengepfercht, kamen wir nach entsetzlicher Fahrt in wologda an. Wanzen und Läuse hatten uns wund gefressen. In wologda schleppten wir uns mit unserm Gepäck unter rohestem Geschimpfe und Gestoße der Schergenbande wieder nach dem Gefängnis, wo wir nach abermaliger Gepäck- und Leibesvisitation auf Kammer Rr. 4 interniert wurden. Unterwegs hatten wir vier noch Zuwachs verschiedener Flottenvereinsmitglieder bekommen. Einige Herren einer deutschen Firma, sowie ein Herr S., der zwar niemals für die Flotte gezahlt, aber aus versehen für seinen Onkel eingesperrt worden war, trafen ein, so daß nun zehn Mann in dem kleinen Raum zusammengepfercht waren. Doch waren wir unter uns, und für Geld und gute Worte brachten uns freundliche Wächter, was wir benötigten,' auch die Gefängniskost war nicht gerade ungenießbar, wir kampierten auf der Diele. Pritschen oder Strohsäcke gab es nicht, dafür hatten wir aber alle Rrten von Ungeziefer. Manche von uns hatten seit langer Zeit nicht die Möglichkeit gehabt, die Wäsche zu wechseln. Rm 16. Dezember wurden wir fällig für die weitere Fahrt, es war ein scheußliches Gesindel, mit welchem wir zusammen expediert werden sollten. Der Transport zur Bahn erfolgte unter Fackelbeleuchtung; die Kettensträflinge gingen voran, dann folgten wir schwer beladen mit unseren Gepäckstücken, schweißtriefend trotz der Kälte. Diesmal hatte man uns mit Handschellen verschont, da solche für die Sträflinge nicht ausreichten. Man hat uns freilich erklärt, man habe das volle Recht, uns mit Handschellen zu fesseln, und der geschniegelte Gehilfe des Gefängnisdirektors, auch ein Pole, lächelte höhnisch über eine Bemerkung in den Papieren unserer Kollegen „ohne Handschellen" und meinte, darüber habe er zu bestimmen, vie Gepäck- und Leibesvisitation war diesmal besonders gründlich, und manches liebe Stück unseres Köfferchens sahen wir nicht mehr wieder, war die Fahrt bis wologda das Fegefeuer, so kann diejenige bis Moskau die Hölle genannt werden,' 65 Menschen und 8 Soldaten zusammengepfercht in einem Raum, der nur für 40 ausreichte, ohne Ventilation und bei geschlossenen Fenstern. Keine Ruhe bei Tag und Rächt, an jeder größeren Haltestelle ein Kommen und Gehen,' nichts zu essen als ein Stück Brot und etwas Wurst, sofern man uns dies nicht auch noch gestohlen hatte. Bezeichnend für die russische Kriegsbegeisterung waren einige Dutzend Drückeberger und Deserteure, die mit uns zur Front befördert wurden; eine nette Sorte Krieger!
Endlich waren wir doch in Moskau: am 18. Dezember, morgens 8 Rhr, lief unser Zug in den Bahnhof der Jaros- lawbahn ein. Diesmal hatte es der Offizier, der unfern Transport führte, doch für nötig erachtet, Fuhren für unser Gepäck zu beschaffen. Im Geschwindschritt ging es durch die scheußlich schmutzigen Straßen es war Tauwetter eingetreten nach dem Transportgefängnis,' ohne Rippenstöße und Geschimpfe von seiten unserer rohen Begleiter ging es natürlich nicht ab. Rbermals Gepäck- und Leibesvisitation und wieder in einen scheußlich schmutzigen Raum, zusammen mit dem Rbschaum der Menschheit, wohl an 150 Menschen. Durch Tabak und Papiros erkauften wir uns eine schmutzige Pritschendecke, wo wir uns für die Rächt einrichten konnten. Line scheußliche Brüche wurde gereicht, die nicht zu genießen war. Vie alten Bretter der Pritsche waren derart mit Ungeziefer besetzt, daß an ein Sitzen und Liegen darauf nicht zu denken war, und wir uns lieber direkt auf dem Rspchaltboden niederlegten, um den wir ringsum einen Wasserkranz gezogen chatten, um die Wanzen abzuhalten.
(Fortsetzung folgt.)


