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fabrikation befassen. (Es waren da auch ungefähr 1000 Zivil- Kriegsgefangene, meist aus den Ostseeprovinzen, Polen, wenige Ostpreußen, viele frühere Einwohner der Stadt vjelo- stock, Frauen, Binder und Krüppel, sehr viele Mittellose, für die häufig Sammlungen veranstaltet wurden. Klle umliegen­den Dörfer lagen voll von solchen Kriegsgefangenen, die wohl auch heute noch in der elendesten weise ihr Dasein fristen, wir unterhielten, solange wir in Slobodskoj waren, eine Frau mit fünf Kindern, die bei uns in der Küche wohnten. Ein Teil der Gefangenen beschäftigte sich auf den verschie­denen Gerbereien, Zündholz-, Glas- und Schuhfabriken der Umgegend, so daß sie wenigstens vor dem verhungern ge­schützt waren. An Arbeitslohn zahlte man 10 15 Kopeken

täglich. Der Winter war streng, und es lag von Mitte Oktober ab viel Schnee. Natürlich schafften wir uns nur das Allernotwendigste an, da wir täglich eine Aenderung unseres Aufenthaltsortes erwarten konnten: unsere Winter­kleider hatten uns unsere Frauen durch treue Voten zu­gestellt, so daß wir nicht froren. Jeder Tag brachte in der wjatsky Rjetsch" neue Siegesberichte der Russen und ihrer Verbündeten, und fast jede Woche zweimal kamen neue Transporte Zivilkriegsgefangener an, die in der Hauptsache nach den Dörfern abgeschoben wurden. Unter Langen und Dangen und in nervöser Aufregung vergingen die Tage. In der Stadt fanden aufs neue Rekruten- und Pferdeaushebun­gen statt: es wurde flott exerziert, auch geschossen, aber wie mangelhaft ausgerüstet waren die Infanterieabteilungen, die ohne Waffen die Stadt verließen, um über wjatka nach der Front abzurücken.

Am 10. November 1014, II Uhr nachts, erschienen plötzlich vier Gendarmen mit einem höheren Polizeibeamten, um bei einem meiner Freunde und mir Haussuchung vorzu­nehmen. Außer einigen Postkarten und vriefen, die bereits durch die Zensur gegangen waren, fanden die Leute nichts verdächtiges, nur bei meinem Freund, dem früheren Orga­nisten der evangelischen petri-paulkirche in Moskau, einem hervorragenden Musiklehrer und Komponisten, fanden sie das gerade druckfertig hergestellte Ergebnis müßiger Stunden der Gefangenschaft:Der Werdegang eines Künstlers",

welches auf Nimmerwiedersehen verschwinden sollte.

Vieser ersten Haussuchung folgte bald die zweite bei unserem Mitgefangenen, die ebenfalls erfolglos war, jedoch nervöse Aufregung in unsere kleine Kolonie trug. Anscheinend beschäftigte man sich mit uns, und so war es auch. Ls war uns bekannt geworden, daß unsere Sache einem Unter­suchungsrichter für besonders wichtige Angelegenheiten, dem Polen voltanowskp, übertragen sei, der die Flottenvereins­mitglieder nun aus allen Gegenden Rußlands vor sein Forum nach Moskau zitiere.

vald sollte sich auch an uns diese Nachricht bestätigen. Am 2. Dezember 1014 erschien ein Gendarm, um uns nach der Polizei zu begleiten, wir ahnten nichts Gutes, hatten uns aber zum Glück schon gewissermaßen aus einen plötzlichen Abruf vorbereitet, doch immerhin kam uns die Sache recht ungelegen, hatten wir doch gerade große Wäsche. Also zur Polizei, von dort unter Gendarmeriebegleitung zum Unter­suchungsrichter, wieder einmal Protokollaufnahme und dann Verhaftung. Auf unsere Bitten kamen wir nochmals in unsere Behausung zurück, aßen zum letztenmal das soeben gebrachte Mittagbrot, losten rasch unsern Haushalt auf, d. h. wir verschenkten unsere Sachen, packten unsere Bündel und zogen nach dem Transportgefängnis. Dort aufs neue hoch­notpeinliches verhör, Leibesvisitation und Internierung unter

Hinweis darauf, daß wir als politische Verbrecher besonders streng behandelt würden und der strengsten Gefängnisord­nung unterlägen, wir erhielten eine scheußliche Kammer zu­gewiesen mit schmutzige Pritsche, die voll von Wanzen war, für acht Mann zum Nachtlager und schmutzige alte Strohsäcke. Ein großer übelriechender Topf in der einen Ecke und Tisch und Bank vervollständigten die Einrichtung. Um acht Uhr abends erschien der Herr Gefängnisdirektor, ein geschniegelter Pole, in Begleitung einer Eskorte von acht bis an die Zähne bewaffneten Soldaten und einem langen Kerl, der eineu Hammer zur Untersuchung der Fenstergitter mit sich führte. Mit durchbohrendem Blick jeden Einzelnen musternd, prüften die Beamten den Bestand und den Inhalt der Kammer und bedeuteten uns, daß wir um 0 Uhr zu schlafen hätten. Um 41/2 Uhr morgens schon ertönte ein schriller Pfiff, es war Weckruf zum Aufstehen, um sechs Uhr mußten die Betten in Ordnung sein und jeder zum Appell vor seiner Pritsche stehen. Um diese Zeit gab es Schwarzbrot und heißes Wasser zum Tee: um 12 Uhr Suppe, um 5 Uhr abends Grütze. Da gerade Fastenzeit war, so waren die Speisen mit Fastenöl zubereitet, was gerade nicht zu unserm Wohlbefinden beitrug. Der Herr Direktor erlaubte uns nach vielem Bitten, aus unserm kon­fiszierten Gelde einige Eßwaren, wie Butter, Käse, Schinken, Zucker und Tee zu kaufen, doch mit dem vermerk, ihn nur einmal zu belästigen und nicht mehr als im ganzen für drei Rubel zu kaufen. Als ich am nächsten Tage zum Empfang des Bestellten aufgefordert wurde, wurde mir das Ganze ohne jegliche Umhüllung in mein Taschentuch geschüttet. Auch der kleinste Papierschnitzel war nicht erlaubt. Nach Arrestantenart wurden wir dazu angehalten, unsere Stube zu reinigen, doch trotz alledem wurden wir die Wanzen, die uns allnächtlich peinigten, nicht los. Durch unsere Wächter wurde uns bekanntgegeben, daß wir am 8. Dezember weitermar- fchieren sollten, 35 Kilometer bis wjatka. In Anbetracht unseres Alters und Gesundheitszustandes, schlechter Sehkraft bei Freund B., vorgeschrittener Sklerose bei 5., baten wir um wagen für unsere Rechnung. Da der Gefängnisarzt uns jedoch nach äußerst flüchtiger Untersuchung sämtlich für gesund und marschfähig erklärte, so gab es keine wagen, außer für das Gepäck. Unter genauester Kontrolle durch den Gefängnisgewaltigen wurden wir vier Gendarmen über­geben, die eine gründliche Leibes- und Gepäckvisitation Vor­nahmen und uns abführten. Als Wegzehrung bis Moskau erhielten die Soldaten für uns 00 Kopeken. Der Rest der uns abgenommenen Barschaft sollte direkt an das Transport- gefüngnis nach Moskau.abgehen. (Fortsetzung folgt.)

Milde Winter in alter Zeit.

Jetzt, da der Winter herannaht, fragt sich jeder nament­lich im Hinblick auf den Winterkrieg, ob wir einen milden oder strengen Winter bekommen werden. Darüber läßt sich natürlich im voraus nichts sagen. In der Witterungs­geschichte berichtet man von äußerst milden Wintern. Im Jahre 1181 trieben Weinstöcke und Bäume in den Monaten Dezember, Januar und Februar Knospen und Blüten, die Baumfrüchte wurden schon im Mai und die Weintrauben im August reif. 1280 trugen die Jungfrauen zu Köln am Rhein in den Weihnachtsfeiertagen und am vreikönigstage (6. Ja­nuar) Kränze von blühenden Veilchen und späterhin im Februar Kränze von Kornblumen im haar. Im April blühte an der Mosel der wein. 1572 schlugen im Januar alle Bäume aus und im Februar bedeckten sie mit ihrem Laube