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und wurden in ein Gasthaus geführt, wo wir wieder gegen einen Schein wie in Nancy zu essen bekamen. Unsere Schar hatte sich hier vermehrt, so daß unser Transport nun auf 20 Mann gestiegen war. IDir kamen des Uachts in Marseille an, wurden an der Lahn in Empfang genommen und in eine Pionierkaserne geführt, wo wir übernachteten. War es bish-.r noch leidlich gegangen, so wurde uns jetzt schon klar gemacht, was wir in Afrika zu erwarten hatten. Um nächsten Morgen wurden wir auf ein Fort geführt. Dort waren wir von der Außenwelt ganz abgeschnitten, mußten die schmutzigsten, niedrigsten Arbeiten verrichten und bekamen noch nicht halb satt zu essen. Morgens gab es Kaffee mit Vrot, dieses Lrot war in runden Laiben gebacken und hatte große Aehn- lichkeit mit dem Weißbrote, das bei uns gebacken wurde, ehe England durch die Unterbindung unserer Zufuhr uns zwang, dem Mehl Kartoffelmehl beizumischen. Mittags gab cs Suppe, in der Fleisch gekocht war, nachmittags um 5 Uhr wieder eine Suppe, die diesmal aber etwas steifer ausgefallen war. Damit war unser Speisezettel für den Tag erledigt.
Sn Marseille hatten wir abermals Zuwachs bekommen. Eine ungewohnte, seltsame Erscheinung war darunter, nämlich ein junger Mann in tadellosem schwarzen Anzug und Zylinder. Er erzählte mir bald, daß er aus Düren in der preußischen Uheinprovinz gebürtig sei und in Lonn und Freiburg katholische Theologie studiert habe. Seine Eltern wollten, daß er Pfarrer werden sollte, er aber wollte nicht und hatte sich deshalb mit den Seinigen verfeindet, heimlich ging er aus seiner Heimat fort und ließ sich in der Fremdenlegion anwerben, in der bestimmten Absicht, bald (Offizier zu werden. Man hatte ihm vorgelogen, daß er als gebildeter Mann dieses Ziel bald erreichen könne. Als wir durch die Stadt marschierten, ließ der Korporal, der uns führte, diesen seingekleideten Mann, nur um ihn herabzuwürdigen und dem Gespött der Bevölkerung auszusetzen, eine Kiste mit Kehricht tragen. Sch erbot mich, da ich das nicht ansehen konnte, die Kiste zu tragen, aber der Korporal drohte, mich sofort einsperren zu lassen. Trotzdem nahm ich in einem unbewachten Augenblicke die Kiste und warf sie in eine Seitengasse. Die Kiste flog in Stücke, der Kehricht ergoß sich auf die Gasse. Da hatte der Spott und der Unfug des rohen Menschen ein Ende. Der Korporal schrie, tobte, wetterte, als ob er mich auf der Straße vernichten wollte, schließlich legte sich sein Zorn, er konnte mir nichts anhaben. Am Fort wurden wir von einem andern Korporal in Empfang genommen, und mein „Freund" trottete wieder in seine Kaserne. Zwischen mir und dem Kameraden aus Düren war das Freundschaftsband bald geschloffen, bis der Tod uns trennte. Mein Kamerad starb in Tonking, wo wir später kämpften, an der Tholera. Es war schade um ihn, daß er in seinem Leichtsinn diese Wege gegangen war. Was hätte aus ihm werden können, wenn er in Deutschland geblieben wäre, er sprach fünf Sprachen. Offizier ist er natürlich nicht geworden, im Gegenteil, er hatte in der Truppe sehr zu leiden, da er schlecht zu Fuß war und nicht marschieren konnte.
wir blieben bis zum 8. November auf diesem Fort. An diesem Tage bekamen wir nur morgens zu essen, des Mittags gab es nichts mit der Legründung, daß wir mit dem Schiffe wegfahren sollten und, wenn wir gegessen hätten, von der Seekrankheit geplagt würden. Nachmittags um 4 Uhr wurden wir auf das Schiff gebracht, und eine halbe Stunde später ging es hinaus in die See. Alles ging leidlich, bis wir in den Golfe du Lyon kam. Da brach ein Sturm aus, wie ich ihn nie mehr auf meinen langen Seefahrten erlebt habe. Wir ver
brachten eine schreckliche Nacht. Unser Schiff war nicht etwa ein Passagicrdampfer, sondern ein kleines Kauffahrteischiff. Betten gab es nur für die Besatzung, für uns genügte der Fußboden. Unaufhörlich wurde das Schiff hin und her geworfen und wir mußten alle diese Bewegungen gegen unseren Willen mitmachen. Kisten und Kasten, die in dem Naume aufgestapelt waren, sielen auf uns. Mein Kamerad aus der Pfalz rief in einem fort: „Sesus, Maria, Joseph!" Am andern Morgen waren wir halb tot, sahen aus wie die Geister, keiner konnte einen Bissen essen, obgleich nach dem nächtlichen Sturme das Meer so glatt wie ein Spiegel war.
(Fortsetzung folgt.)
warum der Grenzer-Rarl die Rosen lieb hat.
Erzählung von Karl Hesselbacher.
(Schluß.)
Mit zärtlichen Fingern strich er über die wenigen Nosen, die noch aus dem Dunkel heraussahen. Er war gekommen, sie zu vernichten. Aber er brachte es nicht über das Herz. Die ganze Liebe zu den wunderlichen Geheimnissen der Natur, seine ganze Ehrfurcht vor dem Werden und Wachsen, die ihm durch die Arbeit im Forstmeistergarten ausgegangen war, durchflutete ihn wie ein starker Strom warmen Herzblutes.
Aber schließlich dachte er daran, daß freche Hände hinter sein Paradies kommen könnten. Denn in der nächsten Woche war die öffentliche Vergebung der holzhauerarbeit für den Winter. Und die Zusammenkunft der Steigerungslustigen sollte wie er im vorübergehen aus dem Munde des Forstmeisters gehört hatte im „Sauloch" ftattfinden. Schon deshalb, weil das Gelegenheit gab, die Aufforstung der ganzen Parzelle einmal zu erwägen.
wenn er dachte, daß die Bruchhäuser Burschen seine Bosen in ihre klobigen Finger bekommen würden, und daß dann schließlich sein Geheimnis verraten würde, und wie im ganzen Dorf über ihn gehöhnt würde dann kochte sein Blut.
„Es muß sein ich kann es nicht ändern \“ Er zog sein Messer und wollte hineingreisen in die Büsche, um die schmalen Kränchen der Edeltriebe abzuschneiden da rief eine Helle Stimme aus dem Dunkel der Eichenstämme heraus: „halt, was machst du? Die Bosen gehören mir das sind die Bosen meines Brautkranzes!"
Er schaute auf, und eine lichte Gestalt kam mit fliegenden Schritten auf ihn zu.
„Grenzer-Karl, kommen Sie. heim! Es ist alles gut!" weiter konnte sie nichts mehr sagen, so atemlos hatte sie sich gelaufen.--
Zwei Menschen gingen Arm in Arm durch den schweigenden schwarzen Wald. Um das Krönlein im Blondhaar des Mädchens lag ein Kranz von schimmernden Bosen. Die leuchteten wie das silberne Licht, das eine gute Fee über den schmalen weg hielt.
„Nun sind doch die Rosen abgeschnitten, alle bis auf die letzte. Sie haben gerade gereicht für deinen Brautkranz. Gottlob, daß du sie dir gerettet hast. Die Bosen und mit ihnen einen Menschen!"
vom Festplatz herauf scholl das taktmäßige Brummen der Baßtrompeten und manchmal ein Heller Fuh-Schrci. Die Musik, die in den Herzen der zwei Menschenkinder gespielt wurde, war nicht für andere hörbar. Es war der Harfenton reiner Seligkeit. Die wird nur von Engeln gehört und von Glücklichen in den seligsten Augenblicken ihres Lebens.


