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zu rinnen anfing, so begann wohl ein klägliches Umher­laufen wegen leihweiser Hilfe, freilich nur zu oft vergebens, hinten im Keller des Nachbars, der uns gegenüber wohnte, lag eine fettige Tonerdeschicht zutage, mit der suchte man die leckenden Nisse zu verschmieren.

Der 46er Jahrgang hatte aber auch eine besondere Eigentümlichkeit, während z. V. in dem Kometenjahr 1858 der Most, angeblich weil er zu viel Zucker enthielt, fast bis Weihnachten stumm lag, ohne zu gären, floß der 1846er gleichsam alsBitzler" (so wird in Nheinhessen der gärende Most genannt) von der Kelter, und da nach altem Brauch der Milchtops zu jedermanns Gebrauch neben der Mostbütte stand, breitete es sich wie ein Lhampagnerrausch über alt und jung, Herrn und Knecht.

Ein Erlebnis äus jener fröhlichen Zeit wurde mir da­mals noch erzählt: 3n einem der weinorte bei Oppenheim geschah es im schönen Frühjahr 1847, in der Zeit, als die Neben wieder blühten und einen noch reichlicheren Ertrag als das Jahr vorher versprachen, was aber dann der an­haltende Negen im herbst ebenso wie den überreichen Obst­segen zunichte machte, daß dort ein biederer wingertsmann nachts erwachte und plötzlich große Lust nach einem Trunk aus einem seiner Fässer verspürte. Leise, um seine Haus­genossen nicht zu stören, schlich er sich im Nachtgewand hinaus und begab sich in den Keller. Nach einer weile erwachte seine Frau und hörte vom Hose her aus der offenen Kellertür einen Hilferuf, wie sie besorgt dorthin eilte, fand sie ihren Eheherrn frierend und hilflos vor einem seiner besten Wein­fässer stehend. Nach altem Herkommen, um bei Weinproben das Neste aus der Mitte zu erhalten, bohrte man damals oft in die Mitte des Faßbodens ein kleines Loch, das durch ein Holzzäpfchen fest verschlossen wurde, und aus dem man dann eine richtige Probe nehmen konnte, wie nun der Mann sein Glas da hatte unterhalten wollen, war ihm der Stöpsel entfallen und so tief unter das Faß gerollt, daß er ihn nicht mehr erreichen konnte, da er doch das Loch mit dem Daumen zuhalten mußte, bis ihn die liebende Gattin fand und er­löste. Die darauffolgende Gardinenpredigt mag aber einen bitteren Nachgeschmack zu dem nächtlichen Trunk gebildet haben.

Jetzt aber wollen wir hoffen, daß der Legen, der so sichtbar über der deutschen Erde schwebt, uns auch bald den ehrenvollen Frieden bringt, und wenn das Lied erschallt: Helden, laßt die Waffen ruhen,

Nehmet den Pokal zur Hand,

Daß die hehre Kunde dringe Durch das deutsche Vaterland, dann wird es nicht daran mangeln, ihn zu füllen.

warum -er Greuzer-Rarl die Rosen lieb hat.

Erzählung von Karl Hesselbacher.

(Fortsetzung.)

Mit einemmal schrie der junge Keckling, nachdem er scharf durch die drängende Menge geblickt hatte:hei, da ist die schwarze Mine! Komm her, du mußt deinen Fest­strauß haben!" Er nahm den etwas verwelkten Ltrauß und schritt gravitätisch auf das Mädchen zu, das die weiße Schürze der Kellnerin trug, und heftete ihr die Nosen an die grellrote Seidenbluse, die sie wieder wie an jenem Mai­sonntag trug.

Tn diesem Nugenblick riefen drei Trompetenstöße zur Preisverteilung, und die Turner eilten nach der Tribüne. Dort war ein so dichtes Gedränge, daß sie nur mit großer

Mühe durchkommen und ihrem Genossen den verdienten ersten Preis, einen grünen Kranz mit einem silbernen Schild, erkämpfen konnten.

Die Fränz ging mit wiegenden Schritten die Musik hatte einen Walzer intoniert, weil sie keinen Festchor zu der Preisverteilung spielen konnte über den weiten Platz. Nn dem Gewühl der vielen, die sich um die Preisrichter­tribüne drängten, hatte sie keinen Gefallen. Lin Nrm schob sich unter den ihren. Sie blickte auf und lächelte: es war der Grenzer-Karl. So blitzsauber hatte er noch gar nie aus- gesehen. Ein Nnzug aus gutem Tuch schloß sich um den schlanken und dabei breitschulterigen Körper. Der wehende blaue Schlips um den schneeweißen Kragen und der flott aufs Dhr gesetzte hellgraue Hut, in dessen schwarzem Band eine glühende Nelke steckte neben einem Busch von häher­federn, gab ihm ein stattliches Nnsehen. Die Fränz sah mit heimlichem Entzücken, daß er einrechter Mann" ge­worden war.

So ließ sie ihm unverhohlen ihren Nrm. Mochte der Hannes kommen! Jetzt hatte er nichts mehr zu sagen. Jetzt hatte auch sie ihre Nugep aufgemacht.

Fränz," fing der junge Mann an.Sie haben mir ein­mal gesagt, daß Sie Ihre Mutter noch diesen herbst besuchen wollen, wenn der weg nicht so weit ist, daß man mehr als einen Tag braucht, tät ich gern mitgehen. Natürlich, wenu Ihre Mutter mir die Türe nicht vor der Nase zusperrt."

was meine Mutter tut, ist alleweil recht", erwiderte Fränz zurückhaltend.Ich bin gewohnt, ihr nichts vorzu­schreiben."

Nber " der Bursch zögerte ein wenig.Nuch die gescheiteste Frau kann keinen Spiegel in ein Menschenherz lhineinsetzen und gucken, wie es darin aussieht. Drum muß sie mit anderer Leute Nugen gucken. Und ich denk, wenn sie mich anguckt, guckt sie mich mit den Nugen der Fränz an. Das möcht ich halt jetzt gern wissen: wie das ist mit der Brille, die die Fränz ihrer Mutter aussetzt, wenn sie nach dem Grenzer fragt"

Selb ist nicht leicht zu sagen," wich die Fränz aus.

Doch!" Der Bursch wurde mutig.Lins kann die Fränz mir verraten: wird sie der Mutter sagen, der Gren­zer ist ein Landstreicher, oder der Grenzer ist einer, der seinen Mann stellt?"

Das ist viel auf einmal!" meinte Fränz.Könnt leicht sein, ich bürg für einen Mann, und nachher weist sich, daß der Mann ein Bub ist. Und den Bürgen tut man würgen!"

Fränz, wissen Sie noch, wie Sie für mich eingestanden sind beim Forstmeister, damals, wo ich schier umgefallen bin vor Elend? Damals haben Sie sich nicht gefürchtet, für mich zu bürgen, haben Sie es bereut?"

Niemals!" rief die Fränz, und ihre Nugen strahlten.

was .Sie damals dem halbtoten und dreiviertelsver­kommenen Walzbruder zugetraut haben könnten Sie das nicht dem Menschen Zutrauen, der im Winter in der Stadt drüben in sein Metier wieder eintreten wird und der nächstes Jahr mit einem Sparbuch kommen will, in dem die Sum­men stehen, die man braucht, um einen Haushalt zu gründen? Und der meint, es könne niemand besser in diesen Haus­stand hineinkommen als der Mensch, der dem Grenzer das Leben gerettet hat. Das Leben, mein ich, das da innen ist in der Seel, voller Freud und voller Glück? Fränz, wie wollen Sie zu Ihrer Mutter von dem Grenzer-Karl reden?

(Fortsetzung folgt.)