Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

mitagsg

Gemeinüeblatt fülöie evangelische Kirchengemeinde Giefzkld

Nr. 37. Gieren, 16. Sonntag nach Trinitatis, 19. September 1915. 4. Jahrgang.

Zriede.

Evangelium des Johannes 14, 27. ven Frieden lasse ich euch, meinen

Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.

Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Lin hohes Gut das erkennen wir gerade in dieser Kriegszeit - ist der Friede unter den Völkern. Bber der Heiland hat in dem vorangestellten Gottesworte diesen Frie­den nicht im Zinne, ausdrücklich spricht er von dem Frieden, den er gibt und den er verleiht, nicht von dem Frieden in der Politik. Viesen Frieden, den wir jetzt so heiß ersehnen, machen schließlich die Diplomaten, nachdem das Zchwert seine ge­waltige und furchtbare Brbeit getan hat, der Heiland aber spricht von einem Frieden, den die Welt nicht geben kann, den demgemäß auch kein Staatsmann und Heerführer herbei- führen kann, ven Frieden, von dem er spricht, hat der Heiland selbst besessen. Er, der große Friedefürst, hatte alle­zeit Frieden. Mit seinem himmlischen Vater war er ganz eins. Lr war bei Gott, ehe die Welt geschaffen war, diese schöne Gotteswell verließ er, um den Menschen die frohe Bot­schaft vom Kommenden Gottesreiche zu bringen, ver Heiland ging durch den Staub der Lrde, ihre Not und Zünde hindurch, aber die Zünde hat über ihn Keine Gewalt gehabt, va ver­langte Gott von ihm das größte Opfer, das je auf Erden ge­bracht worden ist, er, der Beine, Schuldlose, sollte für die in Schuld und Zünde verstrickte Menschheit sterben. Dieses Opfer hat der Heiland auf sich genommen. Lr starb den aller- schmerzlichsten Tod, aber Friede blieb allezeit in ihm, auch in der Kreuzesnot. Noch am Kreuze war er mit Gott ganz eins, das beweist sein Gebetsrus: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!

Jesus hat aber nicht nur diesen Frieden selbst gehabt, nein, es gilt, was die Schrift sagt: Lr ist unser Friede. Lr hat uns mit Gott versöhnt, uns gewiß gemacht, daß es etwas Ewiges gibt. Ls gibt nur eins, das uns von Gott scheidet und den Frieden in uns stört, das ist die Gewissensnot, die uns bedrückt. Wenn wir unrecht getan haben und nicht auf Gottes Wegen gewandelt sind, so fehlt uns der Friede. Wenn wir jedoch den Tag im Bufblick zu dem Herrn begonnen und im Bufblick zu ihm beendet haben, wenn wir uns Mühe ge­geben haben, nichts zu tun, das wir hinterher vor den Bugen des Heilandes verbergen möchten, wenn wir treu waren in

der Pflicht und in der Liebe, dann geht das Heilandswort an uns in Erfüllung: ven Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nichi gebe ich euch, wie die Welt gibt, euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Wenn das ein Mensch zu uns sagen würde, so hätte das keine Wir­kung. Menschen vermögen nicht, Furcht und Schrecken von uns zu bannen, der Heiland vermag das. Ls ist ein schönes Wort des Trostes gerade für die Kriegszeit, das Wort: Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Immer neue Scharen werden jetzt zum Schutze des Vaterlandes aufgeboten, es ist kein leichter Bbschicd, wenn unsere Männer und Jüng­linge in das Feld ziehen, aber der Heiland steht bei denen, die voneinander scheiden, und spricht zu ihnen: Euer Herz er­schrecke nicht und fürchte sich nicht. Und wenn die Brbeit zu schwer ist für eine Frau, deren Mann im Feld steht, wenn die durch den Krieg zur Witwe Gewordene untröstlich ist, wenn viele im deutschen vaterlande jetzt um ihre Lieben in der Ferne besorgt sind, immer sagt der, der am Kreuze alle Not für uns getragen hat: Luer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Wir müssen unter allen Umständen aushalten. Nirgendswo steht geschrieben, daß wir nur gute Tage auf Lrden haben sollen, Gott will auch durch schwere Schicksale uns zu unserem ewigen heile führen. Buch die geringen Tage, wie der Prophet Zacharja sagt, sollen wir nicht verachten, das Wichtigste ist, daß wir jetzt der Stimme Gottes gehorchen. Lr, der einst nach der Sintflut zum Zeichen der Versöhnung seinen Bogen wieder in die Wolken gesetzt hat, wird auch unserer gegenwärtigen Not ein Ende machen, unser Volk zum völligen Siege führen und uns den Frieden wieder schaffen, dessen wir uns so manches Jahrzehnt hindurch erfreuen dursten.

Die vurgtirche zu Sichen.

(Fortsetzung.)

So ging man nun daran, das Ballhaus zu einem gottes­dienstlichen Baume eine Kirche wurde vorerst noch nicht daraus umzugestalten. Die Einrichtung war zunächst die denkbar einfachste. Die Kanzel wurde aus dem fürstlichen Saale herbeigeholt, wo früher Sonntags v. Justus Feuer­born dem Hofstaate bekanntlich wohnte während der