Ausgabe 
25.7.1915
Seite
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Spalt 'einer Seele aufgetan, und als der Forstmeister hinein- schautc, schien es aus diesem Spalt heraus wie das Schim­mern edlen Metalls. Der Forstmeister sagte abends zu sei­nem Weibe:Eins weiß ich, den roten Hahn steckt uns der Mensch sicher nicht auf das Dach. Man sollte nicht glau­ben, wieviel Poesie unter zerrissenen Kleidern wohnen kann!" Und der Herr Forstmeister nahm jid) vor, auf den Grenzer- Karl ein besonderes Uugc zu haben. Der Mann war es wert, daß man ihn nicht gleichgültig unter dem Schutt der Straße verschwinden ließ.

Uoch jemand hatte sorgsam auf die Rede des Grenzer- Karl gehört. Das war die Franz. Sn ihren Äugen fing um die kümmerliche und verhungerte Gestalt des Landfahrers ein zarter Schein sich zu legen. Wäre die Franz katholisch ge­wesen, so hätte sie am Ende etwas von einem Heiligenschein um ihn leuchten gesehen. Und wäre sie ein Dichter gewesen, so hätte sie von einem Schimmer romantischer Poesie ge­redet. Sie war aber ein einfaches Mädchen aus dem Volk. Darum redete sie nicht von Schein und Schimmer, aber sie guckte den Grenzer-Karl von jetzt an nicht mehr als einen verkommenen von oben herab an, sie kriegte so etwas wie Respekt vor dem Manne, der in einem wirklichen Theater gesessen hatte und so wunderschön davon erzählen konnte, daß sogar der Herr Forstmeister beifällig darüber genickt hatte. (Fortsetzung folgt.)

Kleine Mitteilungen.

Seltsamerweise haben sehr viele Paare, die kriegsgetraut worden sind, es versäumt, sich auch kirchlich trauen zu lassen. Das führt manchmal hinterher zu schweren Gewissensbeden­ken. So schrieb ein Feldzugsteilnehmer neulich vom östlichen Kriegsschauplatz an seinen Pfarrer, er und seine Frau fühlten sich lebhaft beunruhigt, daß sie, ohne kirchlich garraut zu sein, auseinandergegangen feien. Zugleich fragte der Briefschreiber an, was er machen solle. Es konnte ihm nur geantwortet werden, er solle, sobald er in die Heimat zurückkehre, die kirchliche Trauung nachholen. Es ist schwer verständlich, daß

man an die Kriegstrauung nicht gleich die kirchliche Trauung anschließt. Das geht doch ohne jeglichen Zeitverlust und wahr­lich auch ohne Brautkleid. Es ist wirklich schwer verständlich, daß Ehegatten, die auseinandergehen und sich dabei sagen, daß sie einander vielleicht nicht Wiedersehen, darauf ver­zichten, Gottes Segen zu ihrem Bunde zu erbitten.

kirchliche Anzeigen.

Sonntag, den 2 5. Juli, 8. nach Trinitatis. Kollekte für die innere Mission.

Gottesdienst.

In der Stadtkirche, vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe.

Zugleich Thristenlehre für die Ueukonfirmierten aus der Markusgemeinde, vormittags 9'/r Uhr: Pfarrer Mahr.

Beichte und heiliges Ubendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde gemeinsam. Unmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten, vormittags 11V« Uhr: Kinderkirche für die Matthäus­gemeinde. Pfarrer Mahr.

In der Iohanncskirche.

vormittags 8 Uhr: Pfarrer Uusfeld.

Zugleich Thristenlehre für die Ueukonfirmierten aus der Fohannesgemeinde.

vormittags 9V- Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.

Beichte und heiliges Ubendmahl für Lukas- und Fohannesgemeinde. Unmeldung vorher bei dem Pfar­rer jeder Gemeinde erbeten.

vormittags l l Vr Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer.

Ubcnds 8 Uhr: Versammlung und Libelbesprechung im Fohannessaal.

Mittwoch, den 28. Juli, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Uusfeld.

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